Krauss-Maffei Wegmann
Beitræge
FŒHN, Heft 10/11

Lassen sich das die Tiroler gefallen?

Januar
1988

Überall, wo die TIWAG bauen will, stellt sich ihr die überfallene Bevölkerung zum Widerstand entgegen, vom obersten Oberen Gericht bis zum untersten Unterland, vom Paznauntal bis zum Villgratental. Da nützen auch Korrumpierungsversuche wie Ausflugsfahrten für ganze Gemeindebevölkerungen nix. Die (...)

Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG

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Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1999
Sitz München, Deutschland Deutschland
Leitung
  • Ralf Ketzel
  • Axel Scheibel
  • Markus Helm
  • Florian Hohenwarter
  • Frank Haun (AR-Vors.)
    (Stand April 2023)[1]
Mitarbeiterzahl Rund 5000 (2017)[2]
Umsatz 1,58 Mrd. Euro (2018)[3]
Branche Rüstungsindustrie
Website knds.de
Leopard 2A5 von Krauss-Maffei Wegmann

Die Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG (KMW) ist ein deutsches Rüstungsunternehmen mit Sitz in München-Allach. KMW produziert Radpanzer, wie beispielsweise den ATF Dingo, Fennek, Mungo, GTK Boxer (mit Rheinmetall) und Kettenfahrzeuge wie den Leopard 1, Leopard 2, die Panzerhaubitze 2000, den Puma (mit Rheinmetall) und MARS. Daneben werden auch Pioniergeräte hergestellt. Ferner betreut das Unternehmen als Wartungspartner und Ersatzteilproduzent alle anderen gepanzerten Waffensysteme des deutschen Heeres, wie den Bergepanzer Büffel oder auch den Minenwerfer Skorpion. KMW befindet sich im Besitz der niederländischen KMW+Nexter Defense Systems (KNDS), eines deutsch-französischen Gemeinschaftsunternehmens mit Sitz in Amsterdam.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegmann & Co. & Krauss-Maffei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen Wegmann & Co. wurde 1882 in Kassel als Casseler Waggonfabriken von Wegmann, Harkort & Co. durch Peter Wegmann und Richard Harkort gegründet. 1912 erfolgte die Übernahme durch August Bode und Conrad Köhler. In den 30er Jahren spezialisierte sich das Unternehmen auf Reisezugwagen und militärische Fahrzeuge. Während der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur war die Ausbeutung von Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und politischen Gefangenen Teil der Unternehmenspolitik von August Bode, des späteren Wehrwirtschaftsführers.[4] Nach der Wiederbewaffnung übernahm das Unternehmen in den 1960er Jahren die Entwicklung und den Bau von Turmsystemen für Gerätschaften der neu gegründeten Bundeswehr, darunter auch der Kampfpanzer Leopard 1 und 2.

1838 gründete Joseph Anton von Maffei die erste Münchner Lokomotivfabrik, die Lokomotiven- und Maschinenfabrik J.A. Maffei. Diese wurde 1931 mit der Lokomotivfabrik Krauss & Comp. zusammengeführt und firmierte zunächst als Lokomotivfabrik Krauß & Comp. – J.A. Maffei A.-G., ab 1940 unter dem Namen Krauss-Maffei. Ähnlich wie Wegmann begann auch Krauss-Maffei in den 30er Jahren mit der Entwicklung militärischer Produkte. Die Serienfertigung des Leopard 1 begann 1963, mit Krauss-Maffei als Generalunternehmer.

KMW[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dingo 1 (Version ATF2)
KMW-Panzerung an einem Iveco Trakker

Krauss-Maffei Wegmann (KMW) entstand 1999 als Zusammenschluss der Rüstungsaktivitäten von Krauss-Maffei, einer damaligen Tochtergesellschaft der damaligen Mannesmann, und Wegmann & Co., welche sich mehrheitlich in Besitz der Familie Bode befand.[5] Seitdem ist die KMW auf dem Gebiet der Kampfpanzer bis hin zu Artillerie oder Flugabwehr einer der führenden Hersteller in Europa, Tochterunternehmen sind unter anderem auf dem Gebiet der elektronischen Wehrtechnik tätig.

Nach der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone wurde der Industriebereich von Mannesmann (zusammengefasst unter dem Namen Atecs) an Siemens und Bosch verkauft. Siemens hielt dadurch seit dem Jahr 2000 einen 49-%-Anteil an KMW, die restlichen 51 % der Unternehmensanteile waren im Besitz der Wegmann & Co. GmbH der Familie Bode.[6][7][8] Manfred Bode hatte lange das Geschäft geleitet, nach 2000 wurde Frank Haun erster familienfremder Manager an der Firmenspitze.[9]

Ende 2006 übernahm KMW die Wehrtechnik-Sparte von Blohm + Voss Industries (BVI), die fortan unter dem Namen KMW Schweißtechnik firmierte. Im Dezember 2010 verkaufte Siemens seinen 49-%-Anteil an die Wegmann und Co. Unternehmens-Holding KG.[10] 2012 übernahm KMW die Schutzsparte für Zivilfahrzeuge von Edag[11] sowie das britische Unternehmen WFEL, einem Hersteller von mobilen taktischen Brücken.[12]

Im Dezember 2014 unterzeichnete KMW mit Diehl Defence einen Vertrag über den Erwerb des operativen Geschäfts der Diehl Defence Land Systems GmbH, einem weltweit führenden Hersteller von Gleisketten und Laufwerkskomponenten.[13] Im Februar 2016 übernahm der Konzern die Firma Battle Tank Dismantling GmbH in Rockensußra.[14]

KNDS-Projekt mit Nexter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2014 wurde zwischen KMW und dem staatlichen französischen Rüstungskonzern Nexter beschlossen, bis Frühjahr 2015 unter einer gemeinsamen und stimmengleichen 50:50-Holding namens KANT (Synonym für KMW And Nexter Together) zusammenzugehen.[15][16] Die Unterzeichnung erfolgte am 29. Juli 2015.[17] Im Dezember 2015 hieß es dann, KMW habe zusammen mit Nexter die Honosthor NV gegründet, die ihren Sitz in Amsterdam hat.[18] Am 6. Juli 2016 wurde der Name Honosthor geändert in KMW + Nexter Defense Systems NV (KNDS). Die Rüstungsprodukte werden künftig unter der Marke KNDS vertrieben. Die beiden Rüstungskonzerne schaffen jeweils ihre nationalen Marken ab.[19]

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verdacht von Korruption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab Sommer 2011 geriet das Unternehmen infolge eines möglichen Verkaufs von Leopard-2-Panzern nach Saudi-Arabien verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit. Das Königreich wollte 270 Panzer erwerben, was aufgrund der angespannten Sicherheitslage in der Region infolge des arabischen Frühlings nicht nur von der Opposition, sondern auch von einigen KMW-Eignern, insbesondere dem Aufsichtsratsmitglied Burkhart Braunbehrens, als kritisch angesehen wurde.[20] Nachdem es aufgrund der Kritik zu keiner schnellen Entscheidung in Deutschland gekommen war, gab Saudi-Arabien diesen Plan 2013 auf und orderte stattdessen den amerikanischen M1 Abrams.[21] 2013 erhielt das Unternehmen von Katar einen Auftrag über 62 Leopard-2-Panzer, 24 Panzerhaubitzen, Zubehör, Transportfahrzeuge und Ausbildungseinrichtungen, zu einem Gesamtpreis von 1,9 Milliarden Euro, ein entsprechender Antrag war bereits vorher vom Bundessicherheitsrat genehmigt worden.[22]

Ebenfalls 2013 wurde über den Verdacht berichtet, ein hoher Beamter des griechischen Verteidigungsministeriums habe von einem griechischen Firmen-Vertreter Schmiergeld in Höhe von 1,7 Millionen Euro im Zuge eines Verkaufs von 170 Leopard-2-Panzern erhalten.[23] Ein ehemaliger griechischer Vertreter des Konzerns wurde daraufhin verhaftet.[24] Der Konzern leugnete jegliche Bestechungshandlungen und beauftragte die Wirtschaftsprüfgesellschaft PricewaterhouseCoopers mit einer Untersuchung. Nach einem Bericht von Klaus Ott in der Süddeutschen Zeitung ergab sich daraus, dass KMW knapp 5 Millionen Euro an ein „Büro für Südosteuropaberatung“ der beiden ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Dagmar Luuk und Heinz-Alfred Steiner bezahlt habe. In diesem Zusammenhang kam es im November 2014 zu Durchsuchungen der Büros des Konzerns.[25] Im Jahr 2015 veröffentlichte Transparency International UK einen Bericht, in dem von Schmiergeldzahlungen beim Verkauf der Panzerhaubitze 2000 nach Griechenland die Rede ist.[26]

Panzerteststrecke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen betreibt seit 1964 in Allach eine Panzerteststrecke, deren baurechtlicher Status umstritten ist. Als KMW im Frühjahr 2018 eine Erweiterung der Betriebszeiten beantragte, stieß dies in Teilen der Anwohnerschaft und des Bezirksausschusses auf Widerstand.[27] Ende 2020 reichte die Bürgerinitiative „Schule statt Panzer“ eine Petition beim Bayerischen Landtag mit einer Beschwerde gegen die Teststrecke ein.[28] Im noch laufenden Petitionsverfahren gab das Umweltministerium die Stellungnahme ab, dass für den Rundkurs an der Ludwigsfelder Straße kein Bestandsschutz bestehe und die Anlage baurechtlich nicht genehmigt sei. Zudem wurde im Oktober 2021 im Namen eines Musterklägers beim Verwaltungsgericht München eine Klage eingereicht, den Betrieb der Anlage sofort einzustellen.[29] Mitte Januar 2022 setzte sich die IG Metall für den Erhalt der Strecke ein, da ohne sie 1650 Arbeitsplätze in Gefahr seien.[30]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Krauss-Maffei Wegmann – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Impressum – KMW. In: kmweg.de. Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG, abgerufen am 5. April 2023.
  2. Krauss-Maffei Wegmann (München): Umsatz, Mitarbeiterzahl - Die Deutsche Wirtschaft. Abgerufen am 18. März 2021.
  3. Lockheed Martin, Boeing, Rheinmetall: Das sind die größten Waffenhersteller der Welt. In: handelsblatt.com. Handelsblatt, Handelsblatt Media Group, abgerufen am 18. März 2021.
  4. Verena Mayer: Waffenhandel: Die Panzerfamilie. In: Der Tagesspiegel. 12. September 2012, abgerufen am 23. Juni 2018.
  5. Siemens: Panzer-Sparte soll verkauft werden. Siemens will seine Beteiligung an den Panzerfabriken von Krauss-Maffei Wegmann möglichst rasch versilbern. Noch in diesem Jahr solle der Vertrag unterzeichnet werden, so Siemens-Chef von Pierer. Schon blühen Spekulationen über den möglichen Käufer. In: Der Spiegel (online). 14. Januar 2001, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 7. Mai 2023]).
  6. Übersicht der Wegmann-Group (Memento vom 12. April 2013 im Webarchiv archive.today)
  7. Krauss-Maffei Wegmann – Rüstungsindustrie aus München. Firmenprofil. In: wer-zu-wem.de. wer-zu-wem GmbH, abgerufen am 7. Mai 2023.
  8. Das Unternehmen KMW. (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive)
  9. Stefan Weber: Rüstungsfirma Kraus-Maffei Wegmann – Stur wie ein Panzer. In: Süddeutsche Zeitung. Süddeutsche Zeitung, 21. Juni 2012, abgerufen am 23. Juni 2018.
  10. Krauss-Maffei Wegmann – Siemens verkauft Anteil an Panzerschmiede. In: Manager Magazin. 17. Dezember 2010, abgerufen am 23. Juni 2018.
  11. Rüstungskonzern KMW panzert bald Limos. In: handelsblatt.com. Handelsblatt, Handelsblatt Media Group, 31. Januar 2012, abgerufen am 23. Juni 2018.
  12. Graham Ruddick: German tank maker Krauss-Maffei Wegmann buys WFEL. In: The Telegraph. 23. Mai 2012, abgerufen am 23. Juni 2018.
  13. KMW will Geschäft mit Zukauf stärken. In: handelsblatt.com. Handelsblatt, Handelsblatt Media Group, 18. Dezember 2014, abgerufen am 23. Juni 2018.
  14. Gerhard Hegmann: Leopard-Hersteller kauft größten Panzerfriedhof Europas. In: Welt Online. 26. Februar 2016, abgerufen am 6. August 2016.
  15. Alexis Peigné: Le projet KANT ou l’idée d’un Airbus de l’armement terrestre. In: portail-ie.fr. 1. April 2015, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 22. Mai 2015; abgerufen am 7. Mai 2023.
  16. Stefan Simons: Kraus-Maffei und Nexter wollen fusionieren. In: Spiegel.de. Der Spiegel (online), 1. Juli 2014, abgerufen am 23. Juni 2018.
  17. Johannes C. Bockenheimer: Rüstungskooperation KMW und Nexter werden zu Kant. In: Tagesspiegel.de. 29. Juli 2015, abgerufen am 23. Juni 2018.
  18. Gerhard Hegmann: Die geheimnisvollste Fusion im Rüstungs-Sektor. In: Die Welt. 15. Dezember 2015, ISSN 0173-8437 (welt.de [abgerufen am 15. Juni 2023]).
  19. Gerhard Hegmann: „Krauss-Maffei Wegmann“ ist jetzt Geschichte. In: Die Welt. 14. Juni 2023, ISSN 0173-8437 (welt.de [abgerufen am 15. Juni 2023]): „Der deutsche Rüstungsriese Krauss-Maffei Wegmann und der französische Partner Nexter verkaufen ihre Produkte künftig unter dem gemeinsamen Markennamen KNDS. Dies soll neue Zusammenschlüsse in der Branche fördern. Ein großer deutscher Rivale bleibt wohl außen vor.“
  20. Saudi-Arabien verliert Geduld mit Deutschland. In: zeit.de. Zeit Online, 12. Juli 2013, abgerufen am 23. Juni 2018.
  21. Milliardenschwerer Panzer-Deal steht vor dem Aus. In: stern.de. 12. Juli 2013, abgerufen am 23. Juni 2018.
  22. Ein Lehrstück politischer Inkonsequenz (Memento vom 28. Juni 2014 im Internet Archive)
  23. Klaus Ott, Tasos Telloglou: Griechischer Ex-Politiker gesteht Schmiergeld-Deal um deutsche Panzer. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 28. Dezember 2013, abgerufen am 23. Juni 2018.
  24. Schmiergeldskandal: Griechischer Ex-Vertreter von Panzerkonzern KMW verhaftet. In: spiegel.de. Der Spiegel (online), 30. Dezember 2013, abgerufen am 23. Juni 2018.
  25. Razzia bei deutschem Rüstungskonzern. In: zeit.de. Zeit Online, 15. November 2014, abgerufen am 23. Juni 2018.
  26. Björn Finke: Korruption in der Rüstung – Schmutzige Geschäfte – Miese Noten für deutsche Rüstungsfirmen. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 26. April 2015, abgerufen am 23. Juni 2018.
  27. Panzerteststrecke: Keine Ausweitung der Betriebszeiten. In: wochenanzeiger-muenchen.de. Münchner Wochenanzeiger, 19. März 2018, abgerufen am 14. Januar 2022.
  28. Presse & Dokumente: Petition (Bayerischer Landtag) vom 28.12.2020. In: schule-statt-panzer.de. Abgerufen am 14. Januar 2022.
  29. Klagen gegen Stadt und Rüstungskonzern. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 15. Oktober 2021, abgerufen am 14. Januar 2022.
  30. Gewerkschaft kämpft für Erhalt von Panzer-Teststrecke. In: spiegel.de. Der Spiegel (online), 14. Januar 2022, abgerufen am 14. Januar 2022.

Koordinaten: 48° 11′ 41″ N, 11° 28′ 16″ O