Patriarchat / Geschlechterverhältnis
Themen

Homophobie

  • Antirassismus-Petition
  • Internationales Menschenrechts-Tribunal
  • Verfolgt, ermordet und vergessen
  • Footballs
  • Pace non c’è senza liberazione!*
  • (...)

Sexismus

  • AfD & FPÖ
  • Musik-Aktivistin
  • Sexualität und Mutterschaft
  • Antirassismus-Petition
Beiträge
FORVM, No. 202/I

Marqis de Sade und Adolf Hitler

2. Folge
Oktober
1970

V. Die Peitschen der SS und unsere Komplicenschaft Man kann sich nicht vorstellen, wie notwendig diese Schilderungen für die Entwicklung der Seele sind. Nur durch die dumme Zurückhaltung derer, die über dieses Thema schreiben, sind wir jener Wissenschaft noch unkundig. Von absurden Ängsten (...)

FORVM, No. 212/I-IV

Zigtausend Jahre Männerherrschaft

Zur Geschichte und Literatur der Frauenbewegung
August
1971

In den USA ist die Revolte der Frauen am heftigsten ausgebrochen. Amerikanerinnen sind auch die Autorinnen der beiden Bücher, die zu Bibeln der zweiten weiblichen Emanzipationswelle geworden sind: Betty Friedan „The Feminine Mystique“ (Der Weiblichkeitswahn. Ein vehementer Protest gegen das (...)

FORVM, No. 213/I/II

Ehe als Ausbeutung

Zur politischen Ökonomie der Hauswirtschaft
September
1971

Ich habe im vorigen Heft („Wir Männer sind Schweine“) thesenhaft, insoferne unzureichend und auch sonst naiv (siehe die Kritik von Heidi Pataki ebendort) über unbezahlte Hausfrauenarbeit, deren Bedeutung für die politische Ökonomie des Kapitalismus, „Hausfrauengehalt“ usw. gehandelt. Desto (...)

FORVM, No. 218

Heraus aus der Ehe

Gespräch
Februar
1972

Alice: Ihr Buch „Das andere Geschlecht“ erschien 1949. Erst jetzt — nach 23 Jahren — haben Sie sich aktiv im Kampf der Frauen engagiert. Sie sind in Paris auf die Straße gegangen und beim internationalen Frauenmarsch mitmarschiert. Warum? Simone: Weil sich in den letzten 20 Jahren die Situation der (...)

FORVM, No. 222

Verhütungsmittel

Zu ihrer Technologie und Ökonomie
Juni
1972

I. Verhütungsmittel sind ein Produkt der technologischen Entwicklung. Wenn heute eine gewisse sexuelle Freizügigkeit möglich ist, so verdanken das die Frauen nicht irgendwelchen progressiven Aufklärern oder liberalistischen Manifestationen, sondern einzig und allein der Entwicklung der Industrie: (...)

FORVM, No. 222

Männerbeschimpfung

Antwort auf Briefe zum Interview im NF Feb. 1972
Juni
1972

Nach meinem Gespräch mit Alice Schwarzer (Simone de Beauvoir: Heraus aus der Ehe, NF Februar 1972) bekam ich viele Briefe, darunter von Frauen, die sich durch Mutterschaft und Haushalt ausgefüllt erklärten; aber sie schrieben mir dies auf so aggressive, zänkische und beleidigende Art, daß ich (...)

FORVM, No. 234

Industrialisierung der Frau

Fließarbeit und Akkord
Juni
1973

Was für eine Verschwendung der menschlichen Fähigkeiten — wenn man bedenkt, was ein Mensch tun, fühlen und ausdrücken kann —, ihn an ein Fließband zu stellen, damit er lediglich Schraubenmuttern anzieht. John Diebold, Die automatische Fabrik Es ist noch nicht allzulange her, da der Anblick einer Frau (...)

FORVM, No. 241/242

Frauen sind Fremdarbeiter

Die Konjunkturen der Weiblichkeit
Januar
1974

Düstere Wolken ziehen auf am Himmel des Kapitalismus: ist die Krise da, so werden Gastarbeiter und Frauen ihre ersten Opfer. Alle Schwankungen in der Arbeitsmarkt- und Beschäftigtenpolitik wirken sich stets zum Nachteil dieser beiden Gruppen aus; die Frauen sind „Gastarbeiterinnen in einer (...)

FORVM, No. 259/260

Saaltochter

Als Fremdarbeiterin in der Schweiz
Juli
1975

Die Schweiz, dachte ich mir, ist eine Spielzeugschachtel, und alles darin glänzt so sauber, weiß und rosenrot wie die Backen braver und gesunder Kinder. Das gilt vielleicht für die Schweizer. Um als Fremdarbeiter in dieses Schlaraffenland zu gelangen, muß man sich nicht durch Ströme süßen Breis (...)

FORVM, No. 301/302

Die Entstehung des Patriarchats

Comic strip
Januar
1979

FORVM, No. 301/302

Sie umarmten sich und weinten beide

Wie man heute noch mit Freuden Frau ist
Januar
1979

Es half alles nichts. Ihr ganzer Feminismus, ihre ganze Unabhängigkeit, ihr ganzer Ruhm hatten sie nur hierher gebracht, zu dieser Hilflosigkeit, diesem Bedürfnis. Sie brauchte ihn. Sie brauchte diesen Mann. Erica Jong: How to Save Your Own Life Holdes Anschmeicheln Die Definition von (...)

FORVM, No. 301/302

Ehe ist Blödsinn

Januar
1979

Cheryl Benard / Edit Schlaffer: Die ganz gewöhnliche Gewalt in der Ehe. Texte zu einer Soziologie von Macht und Liebe, rororo Frauen aktuell, hrsg. von Susanne von Pacsensky, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1978, 198 Seiten, DM 4,80 öS 47,40 ... Röslein wehrte sich und stach, Half ihm doch (...)

FORVM, No. 303/304

Mudlsauber

Comic strip
März
1979

FORVM, No. 309/310

Wau!

Comic strip
September
1979

FORVM, No. 309/310

Mullarchie

Reise durch die persische Revolution
September
1979

Am 8. und 10. März dieses Jahres war es in Teheran zu Frauendemonstrationen gekommen. Kurze Zeit später bereiste eine Delegation vom Internationalen Komitee für die Rechte der Frau (Präsidentin Simone de Beauvoir), von Paris kommend, den Iran: 18 Journalistinnen, Politikerinnen, Fotografinnen aus (...)

FORVM, No. 311/312

Goks

Hommage à Schönwald
November
1979

FORVM, No. 313/314

Frauen! Woher nehmen?

Feminismus heute
Januar
1980

Anfang Oktober 1979 wurde an der Freien Universität in West-Berlin zum vierten Mal die „Sommer-Universität der Frauen“ veranstaltet, diesmal von einer Gruppe lesbischer Frauen vorbereitet unter dem Motto: „Autonomie oder Institution? Über die Leidenschaft und Macht von Frauen.“ Eine Woche lang ging (...)

FORVM, No. 352/353

Das Büro der Lüste

April
1983

Die hier vorgestellten Texte sind Originale aus dem Reich der Magengeschwüre, wozu so bedeutende Herrenbünde wie die Wissenschaft, die Wirtschaft, die Kunst, die Politik, die Medien und nicht zuletzt die guten weißen Lippizaner gehören. Stichworte und Stichsätze in den linguistischen Musterblöcken (...)

FORVM, No. 352/353

Lieber Norbert

■  Lotte N.
April
1983

nach branchenüblicher quasi-dreimonatiger Probezeit bin ich zu dem Schluß gekommen, daß ich das Sekretariat nicht schaff aus folgenden Gründen: 80% die Arbeit selbst. Mein Kopf kommt mir dabei vor die Anzeigetafel eines „Flippers“ klickklick ratatata stop wichtig nochmal ui, was vergessen (...)

FORVM, No. 367/370

Auf der Suche nach Ästhetik

Oktober
1984

Selten ist ein Mann so gut in Stimmung, wie dann, wenn er von sich selbst erzählt. Dieses Zitat, das Marlene Dietrich zugeschrieben wird, müßte eigentlich besagen, daß ich jetzt in ausgezeichneter Stimmung sein sollte, schließlich bin ich eben dabei, eine Menge von mir zu erzählen. Ich bin es aber (...)

FORVM, No. 371/373

Der alltägliche Männlichkeitswahn

Vom kleinen Pascha zum Polit-Chauvi
Januar
1985

Feminismus ist mehr als frustrierte Schwanz-ab Ideologie. Und Männerbewegung ist mehr als versteckt-schwules Softietum. Rumms. Welche Linie läßt sich von den blau gekleideten (männlichen) Babies über den Durchschnittsmann bis zu den gelegentlich blaublütigen Polit- und Wirtschaftsmagnaten (...)

MOZ, Nummer 49
Interview

Ethik der Geschwisterlichkeit?

Februar
1990

Peter Sloterdijk ist freischaffender Philosoph und Autor. Bekannt geworden vor allem mit „Kritik der zynischen Vernunft“ und „Eurotaoismus, zur Kritik der politischen Kinetik“. Birge Krondorfer sprach mit ihm über Mobilität, Intellekt, Subjekt und Geschlecht. MONATSZEITUNG: Ich möchte über die (...)

MOZ, Nummer 52
Frauenkultur im ungeteilten Berlin:

... dass der Kopf autonom bleibt, der geistige Kopf

BerlinerINNENgespräche nach der Grenzöffnung
Mai
1990

Branka Wehowski sprach mit Künstlerinnen und anderen Frauen über ihr Lebensgefühl nach dem 9. November 1989. Sprachliche Eigenheiten und Idiome wurden beibehalten, auf den Abdruck der Fragen wurde zugunsten einer höheren Verdichtung verzichtet. „Es geht nur noch um Geschäfte“ — die Mitarbeiterin (...)

MOZ, Nummer 55
Polen: Abtreibung wird wieder Mord

„Dann springt sie vom Hochhaus“

Interview
September
1990

Die polnische Solidarnosc plädiert auf Mord und gegen das Selbstbestimmungsrecht von Frauen. Westöffnung plus Katholizismus bringen die polnischen Feministinnen in die Defensive. Mit der Literaturwissenschaftlerin Elzbieta Osuch-Stanczuk führte Erica Fischer das folgende Gespräch. MONATSZEITUNG: (...)

MOZ, Nummer 56
Streit ums gesamtdeutsche Abtreibungsrecht

Tatort oder Wohnort?

Oktober
1990

Fristenlösung im Osten, Indikationsregelung im Westen. Wie der zukünftige gesamtdeutsche Abtreibungsparagraph aussehen wird, ist nach wie vor ungewiß. Am Ende waren alle zufrieden. Einige zeigten sich „erleichtert“ und andere sogar „glücklich“. Die angeblich größte Hürde auf dem Weg zum zweiten (...)

MOZ, Nummer 57
Abtreibung

Östmarkige Sprüche zur Fristenlösung

November
1990

Die besondere Form des üblen Gewissens, welche sich in der Art der Beredsamkeit, zu der sich jene Seichtigkeit aufspreizt, kundtut, kann hierbei bemerklich gemacht werden; und zwar zunächst, daß sie da, wo sie am geistlosesten ist, am meistem vom Geiste spricht, wo sie am totesten und ledernsten (...)

MOZ, Nummer 58
Das heimliche Museum:

Das Reale, die Kunst und die Weiblichkeit

Dezember
1990

Im Zeitgeist liegt eine Art Kummer. Er kann sich durch reaktive, sogar reaktionäre Einstellungen äußern, oder durch Utopien, aber nicht durch eine Orientierung, die positiv eine neue Perspektive eröffnen würde. (J.-F. Lyotard) Die Bildung einer eigenen Identität als Festlegung in jenem Bereich, (...)

MOZ, Nummer 58
RU 486:

Befreiungspille?

Überlegungen zu RU 486
Dezember
1990

Die derzeit geführte Diskussion um die Abtreibungspille RU 486 führt uns Frauen „aufs neue an die alten Orte und in die vorgefertigten Begriffe der Politik“. Gleichzeitig ist diese „alle Jahre wieder — Abtreibungsfrage“ ein Zeichen dafür, daß es weder ‚Freiräume‘ noch ‚Handlungsspielräume‘ (...)

MOZ, Nummer 58
Film

Die Schweizermacherinnen

Dezember
1990

Einen repräsentativen Querschnitt über weibliches Filmschaffen in der Schweiz zeigte die von Linda Christanell zusammengestellte Filmreihe „Erotische Symbole — Weiblicher Blick“. Da sich die Mehrzahl der Filme in keinem Verleih befindet, bot die Präsentation vom 9.-15. November im Wiener Votiv-Kino (...)

MOZ, Nummer 58
Gentechnologie

Reihenuntersuchung = Langfristige Kostenersparnis

Dezember
1990

Von 11. bis 14, Oktober fand in Zürich ein internationales Treffen des feministischen Netzwerkes FINRRAGE statt. Mit einem Video des letzten Zusammenkommens der streitbaren Technikkritikerinnen in Bangladesh wurde die Diskussion um Stand und Widerstand bezüglich neuer Fortpflanzungs- und (...)

FORVM, No. 485/486

Das Jesus-Kind und das falsche Matriarchat der Christenheit

Juni
1994

Der Wille zur Macht ist ein Naturinstinkt, er entspricht ganz dem ursächlichen Impuls alles Seins, das ein Beharren, ja ein Aufstand gegen das Vernichtende ist. Ein Kind wird geboren als reiner Wille, der nichts von sich weiß, sein Schreien ist ein Protest gegen seine Hilflosigkeit, die es zum (...)

radiX, Texte

Karla May in einer südmexikanischen Kleinstadt

 
1995

Der Trikont verelendet, und die weibliche Bevölkerung ist einem „Prozeß der Hausfrauisierung“ ausgesetzt, diagnostizieren die „Bielefelder Entwicklungssoziologinnen“ Veronika Bennholdt-Thomsen, Maria Mies und Claudia v. Werlhof. Der ganze Trikont? Nein, die Frauen einer kleinen Stadt Südmexikos hören (...)

Context XXI, ZOOM 2/1996

Tisch, weiblich

März
1996

Ein Porträt der Autorin Margret Kreidl, zusammengestellt aus Gesprächsnotizen. ZOOM: Von dir ist vor kurzem im Wieser Verlag ein Buch mit dem Titel „Ich bin eine Königin“ erschienen. Beginnen wir damit, daß Du über dieses Buch sprichst? Margret Kreidl: In dem Buch sind einerseits dramatische Texte, (...)

Context XXI, ZOOM 3/1996

Kein Privat-Vergnügen

Juni
1996

Die Öffnung des Bundesheeres für Frauen kann nur im Zusammenhang mit Militarismus und Sicherheitspolitik diskutiert werden. Frauen ins Heer? Hier handelt es sich um eine politische Entscheidung, die gefällt wird, und nicht um das Privatvergnügen einzelner Frauen, die ihr wahres Berufsziel als (...)

Context XXI, ZOOM 3/1996

Keine Wäscheleinen-Welt

Juni
1996

Porträt der Autorin Petra Ganglbauer: „Ja, und da sind wir wieder dort – ganz am Anfang: Grundsätzlich würde ich sagen ...“ Bevor Sie im Cyberzelt surfen, heißt es: Organe wegwerfen, die Knochen dazu. Verschütten Sie Ihr Blut. Verteilen Sie’s. Verlieren Sie Ihren Kopf an den Chip. Was fortan zählt, (...)

Context XXI, ZOOM 3/1996

CV bewirbt nackte Soldatinnen

Juni
1996

Mit einer Reportage über „Panzer-Tina“ Christine Scherzer und einem Artikel über den Softporno-„Mi­litärkalender 96“ des Majors Resnik nähert sich die „Academia“, Zeitschrift des Cartellverbands, in ihrer Juli-Ausgabe dem Thema Frauen im Heer an. Zum Kalender, der in Resniks Nachtlokal arbeitende Frau­en (...)

Context XXI, ZOOM 6/1996

Von langen Reisen und Aufenthalten

Oktober
1996

„Mutter und Sohn sind auf Wanderschaft, begegnen zwei Wanderern, und der Sohn stellt sich vor und sagt: ’Ich bin das Muttersöhnchen.’ Die beiden Männer spotten zuerst, sind irritiert und bekommen dann Angst.“ Ein Gespräch mit der Autorin Ruth Aspöck. ZOOM: Wie siehst Du deine Rolle als schreibende (...)

Context XXI, ZOOM 6/1996

Inmitten des Wahns

Oktober
1996

Rede der Schriftstellerin Elisabeth Reichart, die sie am 5. September zur Eröffnung der Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“ in Klagenfurt gehalten hat. Obwohl ich mich seit dem Studium mit dem Nationalsozialismus beschäftige, seine Auswirkungen auf unsere (...)

Context XXI, ZOOM 4+5/1997

MachtMythen

Juni
1997

Die Geschichte der Teilnahme von Frauen am Krieg ist genauso alt wie die von Kriegen und sie endet nicht mit dem Zweiten Weltkrieg. Konflikte sind lediglich aus dem EU-Europa ausgelagert, die Geschichten der Kriege der letzten 50 Jahre aus den Köpfen verbannt. Denkanstöße gegen die Verdrängung und (...)

Context XXI, ZOOM 4+5/1997

Im Namen der Gleichbehandlung

Juni
1997

Mit einer unangenehmen Regelmäßigkeit flammte in den letzten Jahren immer wieder die Diskussion um Frauen im Heer auf. Bisher zündelten die Männer nur kurz und heftig, um nach dem Warmwerden der Frauen sich ebenso plötzlich wieder vollbefriedigt zurück zu lehnen und mit einem völlig verblödeten (...)

Weg und Ziel, Heft 4/1997

Von Unterschieden und Gleich-Gültigkeiten*

Eine Stellungnahme wider die Auflösung der W/Leiblichkeit
Oktober
1997

In der Genealogie der feministischen Praxis der Theoriebildung zur weiblichen Identität existieren unterschiedliche Denk- und Politikformen, die heute nebeneinander bzw. sich gegenüber stehen. Die erste Phase betont die gesellschaftliche und vor allem rechtliche Gleichstellung der Frau mit dem (...)

Weg und Ziel, Heft 4/1997

Gender Wars*

Oktober
1997

Obgleich es amüsant ist zu sehen, wie sich die Hierarchie der katholi­schen Kirche durch feministische Theo­rie hindurchquält, darf man dabei de­ren Strategie nicht übersehen, nämlich wie versucht wird, den Feminismus zu verteufeln, indem er in die Nähe des Kommunismus gerückt wird. Die Um­stände, (...)

Context XXI, ZOOM 7/1997

Implementierung der Frauen

November
1997

Das Projekt „Frauen ins Heer“ hat bereits ein erstes Juristenbattaillon mobilisiert. 48 – in Worten: achtundvierzig – Gesetze müssen geändert werden, damit den Vorstellungen des Verteidigungsministers entsprochen werden kann, Frauen in das österreichische Bundesheer zu integrieren. Vom Wehrgesetz bis (...)

Context XXI, ZOOM 1/1998

Frauengleichentrechtigung

Das Gesetz zur Ausbildung von Frauen im Heer
März
1998

Aus dem Gesetzesentwurf zum Thema Frauen ins Heer ist eine Sammelnovelle mit zumindest drei Schwerpunkten geworden. Die um 72 Seiten ausgeweitete Regierungsvorlage durchlief kein Begutachtungsverfahren mehr. Vom FRAG zum GAFB Der Beamtenentwurf des Frauenausbildungsverhältnisgesetzes wurde zur (...)

Context XXI, ZOOM 2/1998

Kein Aprilscherz

Mai
1998

Es war schon eine riesige Frechheit, daß der Be­schluß des Parlaments „Frau­en zum Heer“ halbwegs sang- und klanglos (bis auf Ein­sprüche der Grünen) über die Bühne gegangen ist. Aber ei­ne noch größere Frechheit war, daß JournalistInnen diese Tatsache als Heil für die ganze Gesellschaft verkauften. Am 1. (...)

Context XXI, ZOOM 3/1998

Zero Tolerance?

Sexuelle Gewalt gegen Frauen in den US-Streitkräften
Juni
1998

Seit Ende 1996 erschütterten öffentlich gewordene Sexualdelikte die USA-Army. Das Problem ist nicht neu, nur ignorierten die Verantwortlichen in Politik und Militär seit mehr als 20 Jahren die Warnsignale. Krasse Fälle von Vergewaltigungen von Rekrutinnen durch Ausbilder in einer Basis der US-Army, (...)

radiX, Nummer 1

„Über sieben Richtlinien zur Gleichberechtigung“

Dezember
1998

Die Gleichbehandlungsrichtlinien sind neben den (bis dato) vier „Aktionsprogrammen für Chancengleichheit von Frauen und Männern“ die wichtigsten Hebel der Gleichstellungspolitik der Europäischen Union. Bei genauerer Betrachtung wird vor allem eines sichtbar: ihre Unzulänglichkeit. „Das Buch II“, (...)

Streifzüge, Heft 2/1999

Wert und Geschlechterverhältnis

Juni
1999

In der bisherigen marxo-feministischen Debatte blieb das Verhältnis von Wertform der Ware und Geschlechterverhältnis auf der theoretischen Meta-Ebene stets unterbelichtet. „Der Wert“ wurde als eine geschlechtsneutrale Kategorie und die geschlechtliche Hierarchie bloß als sekundäres oder paralleles (...)

radiX, Nummer 2

Sex in der patriarchalen Warengesellschaft

Juni
1999

In einer Patriarchalen Warengesellschaft ist auch der Sex ein patriarchaler Warenaustausch. Insbesondere in heterosexuellen Beziehungen spielt der patriarchale Charakter unserer Gesellschaft auch beim Sex und in sexuellen Beziehungen eine Rolle. Den Warencharakter behalten Beziehungen aber auch (...)

radiX, Nummer 2

Frauen und politischer Islam in der Türkei

Juni
1999

In einer Reihe von islamischen Staaten machen Frauen einen nicht zu unterschätzenden Teil der Bewegungen des islamischen Integralismus aus. Was auf den ersten Blick wie selbstverständlich als Widerspruch erscheint, zeigt auf den zweiten Blick eine Möglichkeit einer Veränderung der (...)

Context XXI, Heft 3/1999

Diplomatische Sklaverei

Frauenhandel in gehobenen Kreisen
September
1999

„Dieselben Vertreter internationaler Organisationen, die öffentlich die Menschenrechte preisen, halten sich zu Hause Sklaven.“ Luis Cid, Syndicat sans frontières Immer wieder werden in Österreich Fälle publik, wo Migrantinnen in Haushalten von UN-Bediensteten und DiplomatInnen unter miserablen (...)

Context XXI, Heft 4-5/1999

Sudan – Zwischen Repression und Rebellion

November
1999

Seit zehn Jahren versucht eine islamistische Militärregierung, den Sudan zu einem „islamischen Staat“ umzubauen. Am 30. Juni 1989 hätte – wäre es nach den Plänen der Mehrparteienregierung gegangen – im Sudan die Scharia abgeschafft werden sollen. Unter anderem um genau dieses zu verhindern, putschte (...)

Context XXI, Heft 1/2000

Militär und Geschlechterverhältnis

Februar
2000

Krieg und Militär sind vergeschlechtlicht. Ebenso sind sie geschlechtsbestimmend. Ein Sammelband liefert eine Analyse der Konstruktion von Geschlecht durch das Militär, hat an der Armee selbst aber nichts auszusetzen. Der Krieg ist männlich. Zumindest will uns die offizielle (männliche) (...)

Context XXI, Heft 2/2000

Kap der Gewalt

Frauenunterdrückung in Südafrika
April
2000

Die Republik am Kap der guten Hoffnung weist weltweit die höchste Vergewaltigungsrate auf. Der nationale Frauentag am 9. August ist im neuen Südafrika, ebenso wie der internationale Frauentag am 8. März, ein offizieller Feiertag. Er geht zurück auf das Jahr 1956, als 20.000 Frauen gegen die (...)

Café Critique, Jahr 2000

Monetäres Mutterkreuz

Rassismus als Familienpolitik
Juni
2000

Es waren keine neuen Töne, als Jörg Haider Mitte der achtziger Jahre in seinem ‚Plädoyer für die Dritte Republik‘ verkündete, daß ‚die feministische Illusion‘ gescheitert sei. Es gelte nun, Frauen zu ihren ‚ureigendsten Anliegen‘ zu ermutigen: Aufzucht der Kinder, die gefälligst groß (...)

Context XXI, Heft 6/2000

Wer Klarinette spielt, nimmt keine Drogen!

Die Mythologie des Klarinettenspiels
Oktober
2000

Wie sollte jemand, der nichts tut als Klarinette in einem beschissenen Blasmusikverein eines immer noch in klerikalfaschistischer Tradition stehenden Dorfverbandes zu spielen, auf vernünftige Gedanken kommen? Und umgekehrt: Wie sollte jemand dessen Gedanken zwischen Dorfgasthaus, dem zehnten (...)

Context XXI, Heft 7-8/2000

Wer trifft die Entscheidungen?

Dezember
2000

Anlässlich der Präsentation des von Birge Krondorfer und Carina Mostböck herausgegebenen Buches Frauen und Ökonomie: Geld essen Kritik auf hielt Mascha Madörin einen Vortrag in Wien. Die Schweizer Ökonomin beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Entwicklungsökonomie und feministischer Ökonomietheorie. (...)

Context XXI, Heft 3-4/2001

Medien und Krieg

Krieg und Geschlechterverhältnis
Juli
2001

Geschlecht und Medien sind vielfältig miteinander verwoben. Eine Analyse am Beispiel des Nato-Angriffskrieges in Südosteuropa 1999 Die Synergie zwischen Krieg und Medien ist so intensiv, dass sie beinahe als eine Symbiose erscheint - ein wechselseitiges Verhältnis zu beiderseitigem Nutzen: (...)

Context XXI, Radiosendungen 2001

Von den Verhältnissen

August
2001

Frigga Haug über die Verknüpfung feministischer & marxistischer Theorie sowie die Schwierigkeiten, die dieser Notwendigkeit im Zuge der Kämpfe der vergangenen Jahrzehnte widerfuhren. Ende Oktober 2001 referierte Frigga Haug bei einem von der KPÖ im Wiener Kulturzentrum 7STERN organisierten (...)

Context XXI, Heft 5/2001

Erwünschte Nebenwirkung

Zur Geschlechterpolitik der neoliberalen Hochschulreform
September
2001

Als eines der wichtigsten so genannten „Reformprojekte“ der blauschwarzen Regierung gilt der Umbau der österreichischen Universitäten. Eine erste Etappe auf dem Weg zur „neuen Universität“ war die Einführung eines neuen Universitätslehrerdienstrechtes, welches Anfang Juli im Parlament von ÖVP und FPÖ (...)

Grundrisse, Nummer 2

Ehekrise — zur Geschichte feministischer Marxkritik

Juni
2002

Net alles, was an Wert hat, muaß a an Preis ham, owa mach des amoi wem kloa. (Wolfgang Ambros) Vorbemerkung: Der folgende Text versteht sich als historische Hinleitung zur Thematik der Relation zwischen der (vorwiegend weiblichen) Haus- und Reproduktionsarbeit und der (vorwiegend männlichen) (...)

Context XXI, Heft 3-4/2002

Elend der Geschlechter

Zur Wiederauflage von Gisela Elsners Roman Die Zähmung.
Juni
2002

I. Täglich fasste er mindestens einmal den Vorsatz, sich einer Abmagerungskur zu unterziehen, damit er sich wieder ohne Selbsthaß, Ekel und Verachtung im Spiegel betrachten konnte. Und manchmal brachte er es tatsächlich fertig, einen halben Vormittag lang zu hungern. Er machte einen großen Bogen (...)

Context XXI, Heft 5-6/2002

Knüppel und Kolben

Hegemoniale Männlichkeitskonstruktionen in schwuler Erotika
November
2002

In diesem Artikel möchte ich Fragen stellen zu einer Problematik bzw. einem Widerspruch schwuler Textpornografie: die Reproduktion heterosexistischer und patriarchaler Motive. Ausganspunkt dieser Reflexion sind Texte aus englisch- und deutschprachigen Anthologien und Romanen, die ich in (...)

Context XXI, Heft 5-6/2002

„... das entscheiden wir alleine!“

■  Lazy S
November
2002

Andrea Trumann zeichnet die Bewegungs- und Theoriestränge der neuen deutschen Frauenbewegung seit den 60er Jahren nach, als der berühmte Tomatenwurf gegen einen SDS-Funkti eben diesen Männerverein ein wenig aufschreckte. Abgesehen von ihrer Unter- oder Nicht-Repräsentanz in den institutionellen (...)

Context XXI, Heft 5-6/2002

Gedächtnis und Geschlecht

November
2002

Sammelbände sind selten Bücher, die frau als Gesamtes empfehlen kann. So auch ein neuer Band über Geschlechterkonstruktionen in verschiedenen Formen des Erinnerns an den Nationalsozialismus, der neben guten Beiträgen auch einiges an Schund enthält. Ich lese und staune: „Das jüdische Gedächtnis“ sei (...)

Grundrisse, Nummer 4

Staat, Kapital und Geschlecht

Eine Bestandsaufnahme feministischer Staatskritik
Dezember
2002

Gerade vor dem Hintergrund der neoliberalen Rede vom Bedeutungsverlust staatlicher Macht ist es nach wie vor von zentraler Bedeutung, die ungebrochene Wirkungsmacht von staatlichen Institutionen und Prozessen zu begreifen. Aus gesellschaftskritischer Sicht gilt es, die veränderten Formen und (...)

Context XXI, Heft 7/2002

Vor Erdogan

Dezember
2002

Der überwältigende Wahlsieg der postislamistischen AKP in der Türkei hat die Augen der Weltöffentlichkeit wieder einmal auf die politischen und gesellschaftlichen Umgestaltungsprozesse in der türkischen Gesellschaft gelegt. Wenn auch seither keine aktuellen Veröffentlichungen zum politischen Islam (...)

Context XXI, Heft 8/2002 — 1/2003

Psychoanalyse und Geschlechterverhältnis

März
2003

Im folgenden geht es nicht darum, Freuds patriarchale Ansichten anzugreifen, obwohl seine Briefe und seine Krankengeschichten aus den 1890er Jahren ein kleiner Katalog von Vorurteilen gegen Frauen sind. Auf der anderen Seite setzte sich Freud für die Rechte der Frauen ein, als einige Analytiker (...)

Context XXI, Heft 8/2002 — 1/2003

Körper & Geschlecht

Feministische Körper-Konzeptionen anno 2002
März
2003

Spätestens seit Judith Butlers „Gender Trouble“ (1990) und der teils heftigen Reaktionen anderer feministischer Theoretikerinnen darauf, ist der Körper ins Zentrum feministischer Theoriebildung gerückt und bildet einen zentralen Fluchtpunkt der Trennungen und Kontroversen zwischen den von ihren (...)

Context XXI, Heft 6-7/2003

„Tun, was getan werden muss ...“

Frauen, Widerstand, Exil und Verfolgung im Nationalsozialismus
Dezember
2003

Die Rolle von Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus ist lange Zeit ebenso ignoriert worden wie die spezifischen Verfolgungspraktiken gegenüber weiblichen Opfern der NS-Herrschaft. Der Widerstand von Frauen gegen das NS-Regime – in den verschiedensten Formen und aus sehr (...)

Context XXI, Heft 6-7/2003

Das „zweite Geschlecht“ und das „Dritte Reich“

Dezember
2003

Was passiert, wenn Frauen sich als Frauen denken und den Nationalsozialismus begreifen wollen? Worin liegt der Grund für die Kapitulation der bürgerlich-demokratischen Frauenbewegung vor dem Faschismus? Die Tat der KZ-Wächterin gegenüber ihren Opfern bleibt eine Machtausübung und Vergewaltigung. (...)

Context XXI, Radiosendungen 2004

Differenzen zwischen Frauen

■  Sendungsgestaltung: Mary Kreutzer
Januar
2004

Jutta Sommerbauer veröffentlichte im Herbst 2003 im Unrast-Verlag ihr gleichnamiges Buch. Darin gibt sie nicht nur den Stand der feministischen und postfeministischen Debatte wieder, sondern kritisiert deren Ansatz der Differenzen und Identitäten, um die problematischen Aspekte postmoderner (...)

Context XXI, Heft 6-7/2004

Der Konflikt im Westsudan aus der Geschlechterperspektive

Oktober
2004

Frauen sind durch Vertreibung und Vergewaltigungen besonders von der Krise im Sudan betroffen. Krieg wird von der Ar­beitsgemeinschaft Kriegs­ursachenforschung an der Universität Hamburg wie folgt beschrieben: „Ein Cha­rakteristikum des weltweiten Kriegsgeschehens ist, dass es ‚den Krieg‘ (...)

Context XXI, Heft 6-7/2004

Rape as a weapon of mass destruction

Oktober
2004

Mehr als eine Million Menschen wurden durch die syste­matischen Vertreibungen im Westsudan zu Flüchtlingen. 170.000 flohen in den benachbarten Tschad, fast eine Million Menschen leben als Binnenflüchtlinge auf sudanesischem Gebiet. V.a. Frauen und Kinder sind in den ländlichen Ge­bieten Darfurs von (...)

Context XXI, Radiosendungen 2004

Die versunkene Stadt

Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Teil 2
■  Sendungsgestaltung: Mary Kreutzer
November
2004

Ingrid Strobl, Filmemacherin und Autorin verschiedener Bücher über jüdische Frauen im Widerstand und Antisemitismus referiert über soziale und familiäre Herkunft jüdischer Widerstandskämpferinnen und über ihre Motivation Widerstand zu (...)

Context XXI, Radiosendungen 2004

Die versunkene Stadt

Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Teil 3
■  Sendungsgestaltung: Mary Kreutzer
November
2004

Rita Thalmann, französische Historikerin, spricht über den oft verschwiegenen Beitrag von Frauen in der Résistance. Eine Sendereihe von Context XXI, gestaltet von Mary Kreutzer mit Unterstützung des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des (...)

Grundrisse, Nummer 12

Von der Menge zur Polis. Quantität und Qualitäten der Menge

Dezember
2004

Anthrôpos phusei politikon zôon, das menschliche Wesen ist von Natur ein politisches – diese einzigartige, immer wieder neu übersetzte und kommentierte Definition, hat nichts an Aktualität eingebüßt. Sie besteht als Grundlage jeder Reflexion über die Gesellschaft oder Politik bzw. das Politische. Die (...)

Context XXI, Heft 8/2004

Ehre und Martyrium

Zur Psychopathologie des Islamisten
Dezember
2004

Ein Freund von mir wurde bei einem Angriff (der amerikanischen Armee auf Falluja, Anm. d. Verf) verletzt. Man brachte ihn ins Krankenhaus. Als er seine Augen öffnete, sah er eine wunderschöne Frau. Er lächelte und dankte Gott, dass er nun endlich ein Märtyrer geworden sei und als Dank eine heilige (...)

Context XXI, Radiosendungen 2004

Die versunkene Stadt

Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Teil 1
■  Sendungsgestaltung: Mary Kreutzer
Dezember
2004

In Teil 1 der dreiteiligen Sendereihe spricht Katrin Auer über „Sexualisierte Gewalt gegen Frauen im Nationalsozialismus“.

Café Critique, Jahr 2005

Die friedfertige Antisemitin?

Ein Buch von Ljiljana Radonic
März
2005

In nahezu allen Bereichen des nationalsozialistischen Staates waren Frauen nicht nur als Täterinnen aktiv, sondern zählten zugleich auch zu den Profiteurinnen der Vernichtung: Frauen arbeiteten als Aufseherinnen in den Konzentrations- und Vernichtungslagern, sie beteiligten sich als Ärztinnen an (...)

Context XXI, Heft 1-2/2005

Frauenkörper und der „afrikanische Brauch“

FGM im Irak
Mai
2005

Obwohl die irakische Gesellschaft gemeinhin nicht für die Verbreitung weiblicher Genitalverstümmelung bekannt ist, machte eine neue Studie von Wadi deutlich, dass diese Praxis zumindest regional in einigen Teilen Irakisch-Kurdistans weit verbreitet ist. Während Tarafa Baghajati und (...)

Context XXI, Heft 1-2/2005

Und es gibt ihn doch!

Mai
2005

In Ljiljana Radonic „Die friedfertige Anti­semitin“ wird das Modell eines weiblichen autoritären Charakters aktualisiert. Die Kritik an Freuds Weiblichkeitstheorie stellt in der Diskussion rund um Geschlechterverhältnisse keine Neuheit dar. Ebenso bekannt ist der Vorwurf, dass Adornos Modell des (...)

Grundrisse, Nummer 14

Ganz normal prekär?

Feministische Aspekte zur Prekarität von Arbeits- und Lebensverhältnissen
Juni
2005

Der Begriff der Prekarisierung wird gegenwärtig äußerst kontrovers diskutiert. Einerseits wird er mit der Hoffnung besetzt, dadurch die Zunahme an unsicheren Arbeits- und Lebensbedingungen analytisch fassen und kritisieren zu können. Andererseits beziehen sich die Argumente dagegen vor allem (...)

Grundrisse, Nummer 14

Kapitalismus, Geschlechterordnung und Revolution

Drittes Sommerseminar der grundrisse in Hegymagas/Ungarn von 4.-7. August 2005
Juni
2005

Das diesjährige Sommerseminar der grundrisse.zeitschrift für linke theorie & debatte wird nicht zuletzt als Weiterführung der vorangegangenen beiden Seminare (zum Klassenbegriff bzw. zum Themenfeld „kommunistische Transformation“) die kritische Reflexion der Geschlechterordnung in den (...)

Context XXI, Heft 5-6/2005

„… Geschlechtsmerkmale bei Juden auffallend häufig verwischt …“*

Eine Entgegnung auf Andreas Peham
Oktober
2005

Der jüdische Monotheismus habe als vergeistigte ‚Vaterreligion’ die Menschheit aus ihrer magisch-omnipotenten Einheit mit der ‚Urmutter’ gerissen, während das Christentum mit der Vergöttlichung des Individuums hinter diesen Schritt regrediert sei und seitdem alles den ‚Narzissmus der Unendlichkeit’ (...)

Context XXI, Heft 5-6/2005

Befreiung und Beschädigung

Eine Replik auf Sebastian Winter
Oktober
2005

Wie haben wir den Mut, in einer Welt zu leben, in der die Liebe durch eine Lüge provoziert wird, die aus dem Bedürfnis besteht, unsere Leiden von denen mildern zu lassen, die uns zum Leiden brachten. (Marcel Proust) Die ÜberbringerInnen der schlechten Nachrichten haben nie einen guten Stand. In (...)

Context XXI, Heft 5-6/2005

Frauenräume in der Zionistischen Weltorganisation (1897-1920)

Oktober
2005

FRAUENRAUM – das kann ein Zimmer, eine Küche, die Mode sein. Weiterhin können Verhaltensnormen wie auch eine bestimmte Körpervorstellung einen Frauenraum bilden. Im Folgenden wird unter Frauenraum ein Raum für politische Aktivität der Frauen und ihre Beteiligung an der zionistischen Bewegung (...)

Grundrisse, Nummer 16

Fordismus und Familiensystem

Dezember
2005

Weltweit gelten die 50er-Jahre als besonders konservative Phase im gesellschaftlichen Sinn. Die Ideologie der Kleinfamilie dominierte wie auch gesellschaftlicher Konservativismus in Bezug auf Sexualität und Autoritarismus. Das fällt zusammen mit einem Ende der revolutionären Hoffnungen in den (...)

Grundrisse, Nummer 19

Bridget Anderson: Doing the Dirty Work?

Migrantinnen in der bezahlten Hausarbeit in Europa — ein Rezensionsessay
■  Minimol
März
2006

Anhand einer Fülle von empirischem Material aus den Jahren 1995 und 1996, das Interviews mit Hausarbeiterinnen und Arbeitgeberinnen in Privathaushalten ebenso wie Befragungen in Arbeitsvermittlungsagenturen und NGOs umfasst, untersucht Bridget Anderson die Lebens- und Arbeitsbedingungen von (...)

Context XXI, Radiosendungen 2006

Irakische Frauen und Jugendliche on Air

■  Sendungsgestaltung: Mary Kreutzer
März
2006

Teil I (30min): Irakische Frauen und Jugendliche zwischen Hoffnung und Horror. Ein Interview mit Manal Omar. Teil II (30min): Radio Dengue Nué. Irakische Frauen und Jugendliche on Air.

Context XXI, Heft 1-2/2006

Wissenschaft, Fußball und Geschlecht

Geschlecht als fußballanalytische Kategorie
Mai
2006

Context XXI, Heft 1-2/2006

„WE ALL SPEAK football“. But WOMEN don’t.

Mai
2006

Anmerkungen zur Kreation eines scheinbar geschlechtsneutralen "Wir” im Diskurs um und über Fußball, das durch die Exklusion von Frauen das Männliche als Norm (re)produziert und Frauen als Sonderfall konstituiert. Ab heute noch 45 Tage bis zur Fußball WM, genauer gesagt zur Fußball WM der Männer. (...)

Context XXI, Heft 1-2/2006

Footballs

Männlichkeit und Homophobie im Mannschaftssport
Mai
2006

Im Jahr 2002 wurde der österreichischen Öffentlichkeit bekannt, was alle Beteiligten im Fußballzirkus sowieso schon wussten: dass sexuelle Übergriffe als Einstandsritual in einer Fußballmannschaft gang und gäbe sind. Ein misshandelter 15-jähriger brach das Schweigen des Männerbundes und berichtete (...)

Context XXI, Heft 1-2/2006

Ist Fußball unislamisch?

Mai
2006

Die Aufregung vor allem in konservativen Kreisen war groß, als der als Hardliner verschriene Präsident Achmadinejad ankündigte, dass es in Zukunft auch Frauen erlaubt sein werde, in den Stadien Fußballspiele mitzuverfolgen. Mancher Journalist im Westen mochte darin sogar eine liberale Wende des (...)

Café Critique, Jahr 2006

Sexualität und Mutterschaft

Juni
2006

Waren Frauen im „Dritten Reich“ wirklich nur desexualisierte Gebärmaschinen? Über die Geschlechterverhältnisse im Nationalsozialismus. Der Umgang mit dem Nationalsozialismus war bis zum Ende der achtziger Jahre ein Thema, das in der gesamten Frauenbewegung beinahe ausnahmslos auf eine Art behandelt (...)

Grundrisse, Nummer 20

Ist Sex subversiv?

Linke Theorien der sexuellen Befreiung und Gender-Dekonstruktion
■  Paul Pop
Juni
2006

Teil 1: Von der Oktoberrevolution zur Kritischen Theorie In der Linken ist es schon seit langem aus der Mode gekommen über sexuelle Befreiung zu sprechen. Die Freudomarxisten sahen in den sexuellen Bedürfnissen und Trieben der Menschen eine wichtige Stoßkraft für die proletarische Revolution. Ihre (...)

Grundrisse, Nummer 21
Luisa Accati:

Das Monster und die Schöne

Vater- und Mutterbilder in der katholischen Erziehung der Gefühle
März
2007

Berlin: trafo verlag dr. wolfgang weist, 2006, 355 Seiten, 39,80 Euro Will man den Antisemitismus begreifen, muss man meiner Ansicht nach bei der Misogynie beginnen „Hüb-hübsche Mutti projiziert Vorhangs Tränen goldene Haarbüschel der Lady Maria – dieses Italienmodell, welches der Witwer an der (...)

Grundrisse, Nummer 22

Ist Sex subversiv?

Linke Theorien der sexuellen Befreiung und Gender-Dekonstruktion
■  Paul Pop
Juni
2007

Teil 2: Von der feministischen Sex-Debatte zum postmodernen Gender-Trouble Am 13.September 1968 flogen auf einer Delegiertenkonferenz drei Tomaten auf grinsende Männer am Vorstandtisch des SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund). Die männlichen Genossen hatten offensichtlich der Rede von (...)

Grundrisse, Nummer 24

Zentrale RandBewegungen

Zur Konstitution von Gewalt an der Schnittstelle von Geschlecht, Sexualität, Ethnizität
Dezember
2007

Si Adelita quisiera ser mi esposa, Si Adelita fuera mi mujer, Le comparía un vestido de seda Y la llevaría a pasear el cuartel. ... Si Adelita se fuera con otro La seguiría su huella sin cesar, Si por mar en un buque de guerra. Si por tierra en un trén militar ... Si acaso yo muero en campana Y mi (...)

Streifzüge, Heft 42

Zur immanenten Kritik am Wert-Abspaltungstheorem

1. Teil
März
2008

Das Buch „Das Geschlecht des Kapitalismus“ (2000) von Roswitha Scholz lud nicht gerade zur Diskussion ein. Seine scharfen Abgrenzungen provozierten entsprechende Reaktionen. Im Argument 244/2002 stellt Frigga Haug fest, dass Scholz‘ Kritik an marxistisch-feministischen Theorien vor allem auf die (...)

Streifzüge, Heft 43

Zur immanenten Kritik am Wert-Abspaltungstheorem

2.Teil
Juni
2008

Theorieebenen Scholz geht nicht nur von der Ebene der Form, sondern noch von drei weiteren analytischen Ebenen der Geschlechterdifferenz aus. Hier lehnt sie sich vermutlich bei Knapp (1992) an. Anstelle einer methodologischen Begründung dieser Ebenen am Gegenstand verfährt sie aber nur (...)

Grundrisse, Nummer 28
Pun Ngai und Li Wanwei:

Dagongmei. Arbeiterinnen aus Chinas Weltmarkfabriken erzählen

Dezember
2008

Berlin und Hamburg: Assoziation A, 2008. 260 Seiten. 18.00 Euro „Sie sind geschickt, geschickter als Männer. Sie konzentrieren sich gut und lange. Sie sind fleißig. Sie mucken nicht auf. Überall sind sie am Werk.“ So beschrieb ein Artikel des Nachrichtenmagazins Spiegel im Februar 2005 die (...)

Grundrisse, Nummer 30
Redebeitrag von autonomen Feministinnen und Lesben, FrauenLesbenBlock bei der Demo am 28.März:

Das kapitalistische Patriarchat serviert der Öffentlichkeit seine finstere Krise, und diese Krise betrachten wir als öffentliche Bankrotterklärung eines menschenverachtenden Systems

Juni
2009

Jene Elemente, die immer reicher und reicher werden wollten und dabei über Leichen gehen, sie stehen nun an. Ihr System droht völlig zusammen zu brechen. Und sie schreien um Hilfe. Die Staatssäckel werden angezapft – um den schlimmsten Crash zu verhindern. Dabei wird gar nicht erst gefragt – wie (...)

Grundrisse, Nummer 30

Ohne Feminismus kein Sozialismus

Juni
2009

Sozialistischer Feminismus beruft sich auf die Kapitalismuskritik des Marxismus, Frauenunterdrückung kann jedoch nicht auf Klassenunterdrückung reduziert werden, sondern es muss ein eigenes Herrschaftssystem Patriarchat angenommen werden, das als ebenso grundlegend wie der Kapitalismus angesehen (...)

Grundrisse, Nummer 30
Anja Flach im Gespräch mit Minimol

„Frauen- und Volksräte versuchen, Funktionen zu übernehmen, um den Staat überflüssig zu machen“

■  Minimol
Juni
2009

Anja Flach ist Mitarbeiterin der Informationsstelle Kurdistan (ISKU). Sie war von 1995 bis 1997 als Internationalistin in den Bergen Kurdistans und teilte dort das Leben von Guerilla-Einheiten der kurdischen Befreiungsbewegung. Auf Basis ihrer Tagebuchaufzeichnungen aus dieser Zeit entstand das (...)

Grundrisse, Nummer 30
Birgit Sauer / Sabine Strasser (Hrsg.):

Zwangsfreiheiten

Multikulturalität und Feminismus
■  Minimol
Juni
2009

Wien: Promedia Verlag, 2008, 260 Seiten, 24,90 Euro (...) Die öffentliche Skandalisierung von Zwangsverheiratung und Genitalbeschneidung haben ohne Zweifel dazu beigetragen, Tabus zu brechen (...). Doch zeitigen rechtliche und politische Maßnahmen durchaus paradoxe Folgen. (...) Prohibitive (...)

Grundrisse, Nummer 33

Agieren. Aspekte und Psychotropen des Handelns

März
2010

Ich möchte mich der Frage nach Aspekten des Handelns widmen, die sich aus der Spannung zwischen Agieren im psychoanalytischen Sinn und Handeln im politischen Sinn ergibt, um sie auf einige ihrer Implikationen für feministische Theorie und Praxis hin zu erhellen. „Die Psychoanalyse ist nicht dazu (...)

Streifzüge, Heft 49

Staat ohne Staatsapparat

Juni
2010

Am Anfang war … War was? Die Dichter und Denker sind sich uneinig. Der eine sagt: das Wort! Der andere: die Tat! Wieder ein anderer: der Schrei! Nietzsche: Der Wille, „aber nicht Wille zum Leben, sondern – so lehre ich’s dich – Wille zur Macht“ (Bd. II, S. 371f., Also sprach Zarathustra). Hegel sagt: (...)

Grundrisse, Nummer 37

Frauenräte als Alternative zu Krieg, Vereinzelung und Männerherrschaft

Der Frauenrat „Ischtar“ im Flüchtlingscamp Maxmur
März
2011

Mit dem Aufbau von Frauenräten versucht die kurdische Frauenbewegung an vielen Orten, Frauen aus allen Teilen der Gesellschaft basisdemokratisch zu organisieren. Ziel dieses Organisierungsansatzes, der sich auf die Prinzipien des Demokratischen Konföderalismus beruft, ist es, die Selbstbestimmung (...)

Grundrisse, Nummer 37

In der Arbeit gegen die Arbeit LEBEN

Affektive Arbeit, feministische Kritik und postfordistische Politik
März
2011

Feministische Theoretikerinnen beschäftigen sich seit langer Zeit mit immaterieller und affektiver Arbeit, auch wenn diese Begriffe selbst eine eher jüngere Erfindung sind. Die frühen feministischen Untersuchungen zu Tätigkeiten und Verhältnissen der immateriellen Arbeit waren wesentlicher (...)

Grundrisse, Nummer 38

Die Regulation geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung

Auf der Suche nach einer feministischen Kritik der politischen Ökonomie
Mai
2011

1. Einleitung Mit der Ausbreitung von Lohnarbeit wurden in der sich formierenden kapitalistischen Ökonomie verschiedene Formen der Arbeitsteilung institutionalisiert, die seither in einem wechselseitigen Austauschverhältnis stehen. Diese arbeitsteiligen Austauschverhältnisse befinden sich in (...)

Grundrisse, Nummer 43
Laurie Penny:

Fleischmarkt: Weibliche Körper im Kapitalismus

September
2012

Hamburg: Nautilus, 128 Seiten, Euro 9,90 Feminismus reloaded Frage: Was ist „Feminismus“? Antwort: Ganz einfach: die Überzeugung, dass Frauen genauso frei sein sollten wie Männer, egal, wie durchgeknallt, dämlich, schlecht gekleidet, fett, faul und eingebildet sie sein mögen. Caitlin Moron („How (...)

Amelie Lanier, Sonstiges

Die Frau im Kapitalismus

Anerkennung von „Frauenproblemen“ statt Kritik an deren Gründen
 
2013

So ziemlich alle Welt ist sich heutzutage einig: Um Frauen muss sich in unserer Gesellschaft besonders gekümmert werden; dieser Teil der Menschheit benötigt eine besondere Betreuung. Die wird ihr auch lebhaft zuteil: Noch jede gesellschaftliche und politische Organisation lobt sich dafür, Frauen (...)

Streifzüge, Heft 57

Vorgeburtlich verdrahtet

Alte Biologismen im neuro-hippen Look
März
2013

Geschlechtsspezifische Zuordnungen à la weiblich/intuitiv/emphatisch/irrational und männlich/analytisch/individualistisch/systematisierend haben (wieder) Konjunktur. Neuerdings neurowissenschaftlich „untermauert“. War es im 17. Jahrhundert noch die zu „zarte Beschaffenheit der Gehirnfasern“ beim (...)

Grundrisse, Nummer 46

Caliban und die Hexe

Interview mit der Autorin Silvia Federici
Mai
2013

Ich bin Lehrerin und Schriftstellerin. So stelle ich mich normalerweise vor. Aber vor allem habe ich mich seit den 1970ern als Feministin und Aktivistin engagiert. Ich habe über die Theorie und Geschichte von Frauen geschrieben. Ich war auch an vielen anderen politischen Bewegungen beteiligt, (...)

Grundrisse, Nummer 47

Care, Sorge, Für-Sorge; 5 Thesen

September
2013

1. These: Wo die sozialen Bewegungen Sorge zentral stellen, werden sie, von punktuellen, impulsartigen und vorübergehenden gesellschaftlichen Erscheinungen, zu dauerhaften, sich selbst reproduzierenden Phänomenen. Dies kann besonders anschaulich an den aktuellen emanzipativen Bewegungen und (...)

Grundrisse, Nummer 49

Simone de Beauvoir und ihr sozialgeschichtliches Sachbuch „Das andere Geschlecht“

Ein Versuch die Welt vom „Standpunkt der Frau“ zu beschreiben
März
2014

Zum Begriff der „existenzialistischen Ethik“ im Widerstreit mit katholischen Argumenten in einer seit Jahrtausenden von starren Vorurteilen geprägten Geschlechterbetrachtung. Das Buch birgt zwei Bücher in sich: als erster Teil werden „Fakten und Mythen“, als zweiter die „Gelebte Erfahrung“ (...)

Grundrisse, Nummer 49

Politische Geschlechter-Arithmetik: Die Regierung der Zahl

Ansätze einer feministischen Kritik der Statistik
März
2014

„Die Ideologie versteckt sich in der Wahrscheinlichkeitsrechnung“ (Horkheimer/Adorno 1997 [1944], 167), formulierten Horkheimer/Adorno in der Dialektik der Aufklärung mit Bezug auf die moderne Statistik. Dieser „Ideologie“ gehe ich im vorliegenden Beitrag am Beispiel der Geschlechterverhältnisse (...)

Grundrisse, Nummer 49
Bettina Haidinger:

Hausfrau für zwei Länder sein

Zur Reproduktion des transnationalen Haushalts
März
2014

Münster: Westfälisches Dampfboot 2013, 289 Seiten, Euro 29,90 Den meist unsichtbaren „Putzfrauen“ ein Gesicht zu geben, das versuchen aktuell verschiedene Formate wie der Dokumentarfilm „Mama illegal“ von Ed Moschitz, die Ausstellung der Künstlerin Anna Jermolaewa oder die Undercover-Reportage (...)

Streifzüge, Heft 63

Und was wäre dann Befreiung?

Geschlechterrollen zwischen Zuschreibung und Machtressource
März
2015

Die Debatte um die Gleichstellung von Frauen und Männern ist inzwischen in praktisch alle Institutionen des öffentlichen Dienstes und teilweise auch der Privatwirtschaft eingeschrieben. Es gibt Gleichstellungsbeauftragte, Frauenberatungsstellen und Förderprogramme für Frauen. Politische Parteien (...)

Streifzüge, Jahrgang 2016

Der Schleier des Abendlands

Erkundungen im Reich des männlichen Blicks
August
2016

Aus aktuellem Anlass Kleider machen Leute, zweifellos. Insbesondere freilich Frauen. Ob Orient, ob Okzident, ob Islam, Christentum oder Kulturindustrie: Kleidungsnormen betreffen Frauen um vieles extensiver und restriktiver als Männer. Es gleicht einem überkonfessionellen patriarchalen (...)

Café Critique, Jahr 2017

Von der friedfertigen Antisemitin zur queer-theoretischen Post-Zionistin

April
2017

Vortrag von Ljiljana Radonic.

Streifzüge, Heft 70

Weiblich, nützlich, gut?

Marxistisch-feministische Überlegungen zum Gebrauchswert
Juli
2017

Im Marx’schen Hauptwerk, dem Kapital, steht die Kritik des Werts und Mehrwerts im Zentrum des Interesses. Der Gebrauchswert, als einer der zwei Faktoren der kapitalistischen Ware, gilt dementsprechend oft als das dem Wert untergeordnete, ausgeblendete und sogar aus der politischen Ökonomie (...)

Streifzüge, Heft 76

Zwei Bücher

September
2019

Irene Götz (Hg.): Kein Ruhestand – wie Frauen mit Altersarmut umgehen, Kunstmann Verlag, München 2019, 320 Seiten, ca. 20 Euro Franz Kolland u.a.: Wohnmonitor Alter 2018 – Wohnbedürfnisse u. Wohnvorstellungen im 3. u. 4. Lebensalter in Österr., Studien Verlag, Innsbruck 2018, 230 Seiten, ca. 30 Euro (...)

Patriarchat (wörtlich „Väterherrschaft“) beschreibt in der Soziologie, der Politikwissenschaft und verschiedenen Gesellschaftstheorien ein System von sozialen Beziehungen, maßgebenden Werten, Normen und Verhaltensmustern, das von Vätern und Männern geprägt, kontrolliert und repräsentiert wird.[1] Von ähnlicher Bedeutung wie Patriarchat („Herrschaft der Väter“) ist die wenig gebräuchliche Neubildung Androkratie,[2] wörtlich „Herrschaft des Mannes“.[3]

Wortherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ausdruck „Patriarchat“ ist das Abstraktum zu Patriarch, abgeleitet von altgriechisch patriarches „Erster unter den Vätern, Stammesführer, Führer des Vaterlandes“; gebildet aus patér „Vater“ und archēs „Oberhaupt“, zu archein „der erste sein, Führer sein, herrschen“. Das Adjektiv patriarchalisch hat seit dem 19. Jahrhundert auch die Bedeutung „vaterrechtlich“ (vergleiche patrilinear).[4]

In der ältesten bekannten griechischen Übersetzung der hebräischen Bibel, der Septuaginta, wird patriarches in der Bedeutung „Erzväter“ verwendet. Dementsprechend wurde die Bezeichnung „Patriarch“ im Mittelalter und in der frühen Neuzeit als Synonym für die Stammväter der Israeliten vor der Sintflut und danach bis zum Auszug aus Ägypten verwendet. Daraus erklärt sich die Assoziation von „Patriarch“ mit einem alten Mann, denn von den Stammvätern der Israeliten wird in der Bibel berichtet, dass sie ein sehr hohes Alter erreichten. Die von den Römern anerkannte Institution des jüdischen Patriarchats unter Führung eines „Nasi“ (Patriarchen) bestand vom 2. bis Anfang des 5. Jahrhunderts in Palästina. In der christlichen Kirche wird die Bezeichnung „Patriarch“ ebenfalls seit der Spätantike als Titel für einen hohen Metropoliten (Oberbischof) verwendet. Entsprechend heißen die von einem Patriarchen regierten Teilkirchen oder KirchenprovinzenPatriarchate“.[5]

Abgeleitet vom griechischen und römischen Recht wird als Patriarchat in der Familiensoziologie eine familiale Organisation verstanden, die dem männlichen Oberhaupt in Anlehnung an den pater familias als dem „Herrn des Hauses“ die rechtliche und ökonomische Macht über die von ihm abhängigen Familienmitglieder zuschreibt.[6][7]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nomadische Gruppen von Jägern und Sammlern lebten Historikern zufolge weitgehend egalitär. Mit der neolithischen Revolution und dem Beginn der Sesshaftigkeit setzte demnach eine Schlechterstellung von Frauen ein. Diese Änderung wird unter anderem auf eine veränderte Ernährungsgrundlage, eine geringere Mobilität und eine damals einsetzende höhere Zahl von Geburten zurückgeführt, sowie auf das neu entstandene Erfordernis, den Besitz an Land und Vorräten zu verteidigen. Die Position der Frau schwächte sich zudem dadurch, dass Frauen üblicherweise zu den Familien ihrer Männer zogen, ihre eigene Gemeinschaft zurücklassend (Virilokalität).[8]

Der älteste griechische Text, der ein Patriarchat bezeugt, ist die Ilias von Homer. Bevor die griechische Flotte in See stechen kann, opfert der Heerführer Agamemnon seine Tochter Iphigenie, um die Götter, die zu Troja halten, auf seine Seite zu ziehen. Hinter dem Agamemnon des Mythos verbirgt sich der Anführer des kriegerischen Volksstamms der Achäer, der im 2. Jahrtausend v. Chr. die auf der Peloponnes ansässigen Völker unterjochte und etwa um 1500 v. Chr. die minoische Kultur auf Kreta, die einzige europäische Hochkultur ohne Patriarchat, ablöste.[9] Wie im Reich der Achäer, so herrschte auch im klassischen Athen das Patriarchat. Uwe Wesel schrieb 1980: „Die griechische Demokratie war eine Männerdemokratie, die Unterdrückung der Frau ohne Beispiel in der damaligen Antike, besonders in Athen“.[10] Plato schrieb, die Frauen seien „daran gewöhnt, verborgen und im Dunkel zu leben“.[11] Das Theater durften sie nicht besuchen, und die Schauspieler waren immer Männer, mit Masken für die Frauenrollen. Die Männer waren also unter sich, wenn die Orestie des Aischylos aufgeführt wurde, die den Konflikt zwischen Mutterrecht und Vaterrecht behandelt. Angeklagt ist Orest, Agamemnons Sohn, der seine Mutter ermordet hat, um den Tod des Vaters zu rächen. Am Ende erklärt die Göttin Athene: „Drum wiegt für mich der Mord an einer Frau doch leichter, die den Mann erschlug.“ Weil ihre Stimme den Ausschlag gibt, wird Orest freigesprochen.[12] Es muss aber auch erwähnt werden, dass die Familienplanung nicht abgelehnt wurde. Aristoteles schrieb: „Die Zahl der zu erzeugenden Kinder ist ja bestimmt. Wenn aber Eheleute durch die Beiwohnung noch weiteren Nachwuchs über diese Grenze hinaus erzielen, so muss man diese Leibesfrüchte, bevor Gefühl und Leben in sie kommt, abtreiben“.[13] Auch die römische Gesellschaft war patriarchal organisiert. Der römische Mann hatte das Recht, seine Ehefrau wegen Untreue zu töten.[14]

Die strikte Ablehnung der Empfängnisverhütung und der Abtreibung, die im 4. Jahrhundert zum Dogma wurde, war ein Rückschritt im Vergleich zur liberalen Haltung, die in der Antike herrschte.[15] Das Gebären und Aufziehen von Kindern wurde zur wichtigsten Aufgabe der Frau (Pronatalismus). Die Reformation und der Humanismus änderten daran nichts, wie auch die folgenden Zitate zeigen. In Bezug auf den zu seiner Zeit noch häufigen Tod einer Mutter im Kindbett schrieb Martin Luther 1522: „Ob sie sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nicht. Lass (sie sich) nur tot tragen, sie sind darum da. Es ist besser kurz gesund denn lange ungesund leben“.[16] Und der englische Humanist Thomas Morus ließ seinen Idealstaat Utopia fordern, dass die Frauen verheiratet werden, sobald sie körperlich ausgereift sind.[17] Einer drohenden Übervölkerung sollte durch Auswanderung und Gründung von Kolonien begegnet werden.

Im 20. Jahrhundert verlangten die Interessen vor allem der Konsumgüterindustrie in den kapitalistischen Ländern ein neues Frauenbild. Die Frau wurde nun als Käuferin von Konsumgütern und Haushaltsgeräten umworben, und dazu diente der von Betty Friedan beschriebene „Weiblichkeitswahn“.[18] Mit ihm hat das Patriarchat sich an die veränderten Verhältnisse angepasst. Aber auch als Arbeitskräfte in traditionellen Männerberufen wurden Frauen verstärkt benötigt, vor allem in und nach den Kriegszeiten.[19]

Warum das Patriarchat die Jahrtausende überdauert hat, wurde erst spät untersucht. In Fortführung einer Theorie von Antonio Gramsci, wonach jede stabile Herrschaft auf die zumindest partielle Zustimmung und Mitarbeit der Beherrschten angewiesen ist, schrieb die marxistische Feministin Frigga Haug: „Die einzelnen Frauen finden selbstverständlich […] die gesellschaftlichen Verhältnisse […] zunächst fertig vor. Aber diese Strukturen existieren nur weiter, wenn sie von denen, die in ihnen leben, immer wieder hergestellt werden“.[20]

Patriarchat als politische Legitimationsform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Robert Filmer verwendet in seiner im 17. Jahrhundert abgefassten staatstheoretischen Abhandlung Patriarcha[21] den Ausdruck „Patriarchat“ für eine gottgegebene Autorität, die von Vätern an den ältesten Sohn vererbt werden kann.[22] Auf dieser Basis beruht nach Filmer die Legitimität aller politischen Herrschaft. Die Schrift ist als Rechtfertigung des Gottesgnadentums und des Absolutismus zu verstehen.

Die Überwindung des biblischen Patriarchatsbegriffes zeigt sich zum ersten Mal in der politischen Ideengeschichte als „Emanzipation der Söhne“ Ende des 17. Jahrhunderts bei John Locke, der väterliche Gewalt als Staatsbegründung ablehnte. Als Entgegnung auf Filmer argumentierte Locke, dass die Gewalt des Vaters über den Sohn als Gewalt der Eltern über die Kinder zu verstehen sei. In seiner Neubegründung politischer Gewalt nehmen die Brüder die politische Stellung des Vaters ein, wobei Locke die Emanzipation der Frau vom Mann jedoch ausschloss.[23] Die Politikwissenschaftlerin Carole Pateman bezeichnet dies als „Geschlechtervertrag“ (sexual contract) zwischen Männern, der in dieser Form nicht nur ein vormodernes Phänomen sei, sondern das moderne „brüderliche“ Patriarchat begründe.[24]

Patriarchat als evolutionäre Entwicklungsstufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Entwicklung der Anthropologie im 19. Jahrhundert und evolutionistischen Theorien, die alternative Erklärungsmuster zur biblischen Schöpfungsgeschichte und Chronologie anboten, kamen ab 1860 Vorstellungen einer unilinearen stufenweisen Entwicklung der Menschheit und ihrer sozialen Organisation auf, die sich schnell verbreiteten. Auf der Suche nach dem Ursprung der Zivilisation postulierten Johann Jakob Bachofen (Das Mutterrecht) und Henry Sumner Maine (Ancient Law) das Patriarchat als zivilisatorische Errungenschaft von Männern, dem nach Bachofen ein ursprüngliches Mutterrecht oder Matriarchat vorausgegangen war.[23] Bachofen historisierte das Geschlechterverhältnis und stellte die Naturgegebenheit der patriarchalen Familienordnung und das Verhältnis der Geschlechter in Frage. Er hatte dabei keine Kritik am patriarchalen Geschlechtermodell beabsichtigt, sondern vielmehr, dieses zu legitimieren[25] (siehe auch: Geschichte der Matriarchatstheorien). Damit wurden mit dem Begriff Patriarchat erstmals die Beziehungen zwischen Frauen und Männern in den Blick genommen.[23] Und je nachdem, wie man die vermutete evolutionäre Entwicklung als Ganzes und die zeitgenössischen gesellschaftlichen Verhältnisse bewertete, wurde das Patriarchat oder das Matriarchat als jeweils höhere oder niedrigere Entwicklungsstufe menschlicher Gesellschaftsordnung beurteilt.[26]

Für Bachofen galt der angenommene Übergang vom Mutterrecht zum Vaterrecht als Durchbruch des geistig-männlichen Prinzips, mit dem das höchste Ziel menschlicher Entwicklung erreicht sei.[27] Wie Bachofen nahm auch Lewis Henry Morgan ein ursprüngliches Mutterrecht an. Er war überzeugt, dass diese Gesellschaftsform Vorteile für Frauen aufwies, während der Übergang zur Patrilinearität mit negativen Folgen für die soziale Stellung der Frau verbunden gewesen sei.[28]

Theoretiker des Sozialismus rezipierten Morgans und Bachofens Ideen vom Mutterrecht positiv. Im Gegensatz zu Bachofen beurteilte Friedrich Engels den fiktiven Umsturz des Mutterrechts als die „weltgeschichtliche Niederlage des weiblichen Geschlechts“.[29] Die Frage, ob es sich beim Patriarchat um eine politische oder familiale Herrschaftsform handelt, entschieden sie zu Gunsten der familialen.[23] In diesem Sinne ist Patriarchat als Merkmal der bürgerlichen Gesellschaft seitdem ein fester Bestandteil im Kontext marxistischer Weltanschauung und Wissenschaft.[30] Darauf basierend kritisieren die Vertreter des Freudomarxismus (bzw. der kritischen Theorie) Fromm (1932), Reich (1933) und Horkheimer (1936) die autoritäre Kindererziehung innerhalb der patriarchalen Familie zu einem gesellschaftlich autoritären Charakter als postulierte Grundbedingung zu faschistischen Systemen (siehe auch Studien über Autorität und Familie). Dieses Konzept der Reproduktion des autoritären Charakters aus der (patriarchalen) Familie als „Agentur der Gesellschaft“ wurde von der 1968er-Bewegung[31] sowie in der modernen Kindheitssoziologie (siehe Konzept „Ordnungsfähigkeit“) aufgegriffen und werden darin als weiterhin gültig verstanden.

Marxistische Aktivistinnen der neuen (zweiten) Frauenbewegung beriefen sich insbesondere auf Friedrich Engels, der (frühe) akademische Feminismus übernahm Engels’ Thesen.[32]

Patriarchatsbegriff bei Max Weber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Patriarchat wird in der Herrschaftstypologie Max Webers (1864–1920) eine persönliche, auf Gewalt und Gehorsam beruhende Form der traditionalen Herrschaft klassifiziert.[27] Dieser herkömmliche Patriatchatsbegriff wurde in den verschiedenen gesellschaftstheoretischen Debatten als zu eng kritisiert, da er nur für eine bestimmte historische Epoche gelte.[33] Weber erklärte alle Herrschaftsbeziehungen durch Sozialisation und gesellschaftliche Verhältnisse mit Ausnahme der Beziehung zwischen Männern und Frauen, die er auf eine natürliche Geschlechterdifferenz zurückführte.

„Bei der Hausautorität sind uralte naturgewachsene Situationen die Quelle des auf Pietät ruhenden Autoritätsglaubens. Für alle Hausunterworfenen das spezifisch enge, persönliche, dauernde Zusammenleben im Hause mit seiner inneren und äußeren Schicksalgemeinschaft. Für das haushörige Weib die normale Ueberlegenheit der physischen und geistigen Spannkraft des Mannes.“

Feministischer Patriarchatsbegriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der feministischen Theoriebildung seit den 1960er Jahren ging es darum, die Naturwüchsigkeit der Beziehung zwischen Männern und Frauen, wie von Weber vorausgesetzt, und damit der Nachrangigkeit von Frauen in Frage zu stellen.[23] Die zweite Frauenbewegung weitete den Patriarchatbegriff auf die Bedeutung allgemeiner, nahezu global verbreiteter Männerdominanz aus[27] und erweiterte ihn zu einem Synonym für ‚männliche Herrschaft und Unterdrückung der Frauen‘. Patriarchat wurde zu einem Sammelbegriff für Strukturen und Formen von Nachrangigkeit, Ausbeutung und direkter sowie symbolischer Gewalt, die Frauen betreffen, und zur Grundlage feministischer Theorie und Praxis.[34][33]

„Patriarchat bedeutet wörtlich die Herrschaft von Vätern. Aber heute geht männliche Dominanz über die Herrschaft der Väter hinaus und schließt die Herrschaft von Ehemännern, von männlichen Vorgesetzten, von leitenden Männern in den meisten gesellschaftlichen Institutionen in Politik und Wirtschaft mit ein […] Das Konzept Patriarchat wurde durch die neue feministische Bewegung als ein Kampfbegriff wiederentdeckt, weil die Bewegung eine Bezeichnung brauchte, durch welche die Gesamtheit von bedrückenden und ausbeuterischen Beziehungen, die Frauen betreffen, sowie ihr systematischer Charakter ausgedrückt werden konnte. Außerdem zeigt der Begriff Patriarchat die historische und gesellschaftliche Dimension der Frauenausbeutung und Unterdrückung an, und ist so für biologistische Interpretationen weniger geeignet als zum Beispiel das Konzept der männlichen Dominanz.“

Maria Mies (1988)[35]

Patriarchat bezeichnet demnach zugleich ein analytisches Konzept und einen Zustand, den es zu bekämpfen und zu überwinden gilt. Als Schlüsselbegriff feministischer Theorie und sozialwissenschaftlicher Forschung gewann das Konzept Patriarchat an Bedeutung, um „Ungleichheiten und Diskriminierungen, die Frauen in den unterschiedlichen Lebenssphären betreffen, als Teile eines übergreifenden Phänomens zu erfassen.“[33]

Forschungskontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kate Millett skizzierte in ihrem Werk Sexual Politics (1969; deutsch: Sexus und Herrschaft) Umrisse einer „Patriarchatstheorie“, in der sie postulierte, die Verhältnisse zwischen den Geschlechtern als Herrschaftsverhältnis zu begreifen, da alle Macht von Geburt an in den Händen privilegierter Männer liege. Demgegenüber argumentierte die marxistische Soziologin Juliet Mitchell in ihrer Schrift The Woman’s Estate (1971), dass eine Theorie, die ein universales Patriarchat über alle Räume und Zeiten behauptet, für das Anliegen von Frauen, ihre politischen Rechte einzufordern, eher hinderlich sei. Eine feministische Geschichtsbetrachtung solle Frauen eine „eigene Geschichte“ zumessen, in der sie dem Patriarchat Widerstand geleistet hätten.[36]

Ute Gerhard sieht die Stärken des Konzepts Patriarchat in seinem herrschaftsanalytischen und -kritischen Gehalt. Feministische Theorie brauche einen eigenständigen Begriff, um das Geschlechterverhältnis als Herrschaftsverhältnis zu beschreiben.[37] Diese Annahme wurde insbesondere von Judith Butler kritisiert:

„Die politische Annahme, dass der Feminismus eine universale Grundlage haben müsse, die in einer quer durch die Kulturen existierenden Identität zu finden sei, geht häufig mit der Vorstellung einher, daß die Unterdrückung der Frauen eine einzigartige Form besitzt, die in der universalen oder hegemonialen Struktur des Patriarchats bzw. der männlichen Herrschaft auszumachen sei.“

Mit Hilfe des analytischen Konzepts Patriarchat hat es die britische Soziologin Sylvia Walby unternommen, die Benachteiligung von Frauen in allen zentralen Lebensbereichen in einer systematischen und zusammenfassenden Weise zu erklären und als empirische Realität in Geschichte und Gegenwart nachzuweisen. Um dem Begriff Patriarchat seine universalistischen und ahistorischen Tendenzen zu nehmen, kategorisierte sie sechs Strukturen, die aus ihrer Sicht durch die Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen durch Männer bestimmt sind und von denen Frauen auf unterschiedliche Weise betroffen sein können: Beschäftigungssystem, Reproduktionsarbeit, Sexualität, Kultur, Gewalt und die staatliche Regelung von Geschlechterbeziehungen.[39] Eva Cyba und die Politikwissenschaftlerin Marion Löffler kritisierten, dass der Kategorisierung die Annahme einer überwiegend passiven Rolle von Frauen zugrunde liege.[33][40]

Seit Mitte der 1980er Jahre findet im feministischen Diskurs und in der Gesellschafts- und Geschlechterforschung eine Auseinandersetzung um das Theorem Patriarchat statt. Kritisiert wird, dass der Begriff nicht geeignet sei, die historischen und kulturübergreifenden Formen der Nachrangigkeit von Frauen angemessen zu erfassen, weil er häufig undifferenziert und ahistorisch verwendet werde.[41][42][43]

Die Soziologin Eva Cyba argumentiert, dass dem Konzept Patriarchat ein grundlegender Mangel anhafte, da es die Aufmerksamkeit zu einseitig auf die Rolle von Männern und die von ihnen dominierten Strukturen lenke und es Konstellationen gebe, die von niemandem beabsichtigt, sondern „aufgrund ihrer Trägheit als selbstverständliche Tradition reproduziert werden.“[33] Eine Erklärung, wie es zur Reproduktion von Tradition kommt, lieferte bereits Max Weber. Darauf weist Heike Kahlert hin.[44] Demnach beruht die Fügsamkeit der Gewaltunterworfenen bei der patriarchalen Herrschaft auf „dem Glauben an die Unverbrüchlichkeit des immer so Gewesenen als solchem“. Die Tatsache der traditionalen Herrschaft gehe „im Bewusstsein der Unterworfenen allem anderen voraus“.[45] Frauen, so schlussfolgert Kahlert, wirken in dieser Sichtweise an der Aufrechterhaltung der Geschlechterhierarchie mit. Und es sei zu fragen, „welche Beiträge Frauen zur Reproduktion der bestehenden Geschlechterverhältnisse leisten […] und unter welchen Voraussetzungen sie ihre Zustimmung zur patriarchalen Herrschaft entziehen oder gar offen verweigern.“[44] So ermögliche Webers handlungstheoretische Sichtweise, die Aufmerksamkeit auch auf die Veränderbarkeit der Geschlechterverhältnisse zu lenken.[44] Um die konkreten historischen und gegenwärtigen Ursachen und Wirkungsweisen von Unterdrückung und Benachteiligung von Frauen zu analysieren und zu erklären, müssen, so Cyba und Walby, zum Konzept Patriarchat weitere Spezifizierungen hinzukommen, beispielsweise die Verschränkung von patriarchalen Strukturen mit der (kapitalistischen) Wirtschaftsweise sowie die Rolle des Staates.[33] Die Auseinandersetzung um den Patriarchatsbegriff verweise nach Heike Kahlert darauf, dass eine differenzierte Theorie geschlechtlicher Herrschaft in Vergangenheit und Gegenwart fehle.[44] Auch die Soziologin Gudrun-Axeli Knapp plädiert dafür, an Stelle eines undifferenzierten Patriarchatsbegriffes die Debatte um die Theoretisierung von Macht und Herrschaft im Geschlechterverhältnis wieder aufzunehmen.[46]

Rezeption im Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Annabella Misuglio: L’aggettivo donna. Dokumentarfilm, Italien 1971: Kritik des Patriarchats in Italien: analysiert die doppelte Ausbeutung der Arbeiterinnen, die Isolation der Hausfrauen und die Abrichtung der in die Schulen eingesperrten, von den anderen Menschen getrennten Kindern.
  • Paolo Taviani, Vittorio Taviani: Padre Padrone – Mein Vater, mein Herr. Spielfilm, Italien 1977, original Padre Padrone: preisgekrönter Film der Tavianis über die Unterdrückung eines Sohnes durch seinen Vater, nach dem autobiographischen Roman Padre padrone von Gavino Ledda 1975.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pierre Bourdieu: Die männliche Herrschaft. 5. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-518-58435-9 (französisch: La domination masculine. Übersetzt von Jürgen Bolder).
  • Eva Cyba: Patriarchat: Wandel und Aktualität. In: Ruth Becker, Beate Kortendiek (Hrsg.): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie, Methoden, Empirie. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17170-8, S. 17–22.
  • Karin Hausen: Geschlechtergeschichte als Gesellschaftsgeschichte. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012, ISBN 978-3-525-37025-4, S. 359–360.
  • Maria Mies: Patriarchat und Kapital: Frauen in der internationalen Arbeitsteilung. 5. Auflage. Rotpunkt, Zürich 1996, ISBN 3-85869-050-3.
  • Sylvia Walby: Theorizing Patriarchy. Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 1990, ISBN 0-631-14769-1 (englisch).
  • Sylvia Walby: Structuring patriarchal Societies. In: Anthony Giddens, Philip W. Sutton (Hrsg.): Sociology. Introductory Readings. 3. Auflage. Polity, Cambridge 2010, ISBN 978-0-7456-4884-2, S. 30–31 (englisch).
  • Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriß der verstehenden Soziologie, 3. Abschnitt Patriarchale und Patrimoniale Herrschaft. 5., revidierte Auflage. Mohr/Siebeck, Tübingen 2002, ISBN 3-16-147749-9 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche – Erstausgabe: 1922, Studienausgabe).

Theorien zur Patriarchatsentstehung:

  • Ernest Bornemann: Das Patriarchat. Ursprung und Zukunft unseres Gesellschaftssystems. 8. Auflage. Fischer, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-596-23416-6 (Erstausgabe: 1975).
  • Gerda Lerner: Die Entstehung des Patriarchats. dtv, München 1997, ISBN 3-423-04710-0 (englisch: The Creation of Patriarchy/Women & History. Übersetzt von Walmot Möller-Falkenberg).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl-Heinz Hillmann: Wörterbuch der Soziologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 410). 5., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-520-41005-4, S. ??.
  2. Androkratie ist eine Neubildung von altgriechisch ἀνήρ anḗr, deutsch ‚Mann‘, zu Genitiv ἀνδρός andrós mit dem Wortstamm κράτος kratos ‚Herrschaft‘.
  3. Beispielsweise: Birgit Sauer: Die Allgegenwart der „Androkratie“: feministische Anmerkungen zur „Postdemokratie“. In: Politik und Zeitgeschichte. APuZ 1–2/2011, Bundeszentrale für politische Bildung, 28. Dezember 2012.
  4. Patriarchat. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Abgerufen am 31. Juli 2020
  5. Ernst Christoph Suttner, Richard Potz, Victor Saxer: Patriarchat (II). In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 7. Herder, Freiburg im Breisgau 1998, Sp. 1465–1468.
  6. Gerda Lerner: Die Entstehung des Patriarchats. Campus 1991, S. 295.
  7. vgl. Michael Mitterauer, Reinhard Sieder: Vom Patriarchat zur Partnerschaft, Becksche Reihe, C.H. Beck, München 5. Aufl. 1991, ISBN 978-3-406-35575-2.
  8. Lisa Lamm: Diskriminierung von Frauen: Woher kommt das Patriarchat? In: nationalgeographic.de. 19. Januar 2023, abgerufen am 1. Februar 2023.
  9. Alfred Weber: Kulturgeschichte als Kultursoziologie. Piper, München 1960, S. 125–126.
  10. Uwe Wesel: Der Mythos vom Matriarchat. Über Bachofens Mutterrecht und die Stellung von Frauen in frühen Gesellschaften. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1980.
  11. Plato: Gesetze. S. 781c.
  12. Antike Tragödien. Aufbau, Berlin 1990, S. 155.
  13. Aristoteles: Politik, 7. Buch, Kapitel 16. S. 1335b.
  14. Gunnar Heinsohn: Privateigentum, Patriarchat, Geldwirtschaft. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984, S. 77.
  15. J. T. Noonan: Empfängnisverhütung. Geschichte ihrer Beurteilung in der katholischen Theologie und im kanonischen Recht (aus d. Engl.). Mainz 1969.
  16. Martin Luther: Vom ehelichen Stande (1522). In: Werke. 10, II, 1907, S. 301.
  17. Morus, Thomas: Utopia. Reclam, Stuttgart 1964, S. 73 (Übersetzt von Gerhard Ritter).
  18. Betty Friedan: The Feminine Mystique. Penguin Books, London 1982, S. 13.
  19. Lisa Maria, Julia: Die Frau im I. Weltkrieg: Leben in Erfurt zwischen Kriegserfahrung und verändertem Rollenverständnis. In: 100jahre-ersterweltkrieg.jimdofree.com. Abgerufen am 12. Januar 2022 (Dossier von Radio F.R.E.I.: 100 Jahre – Erster Weltkrieg).
  20. Frigga Haug: Opfer oder Täter? Über das Verhalten von Frauen. In: Das Argument. Band 123, 1980, S. 643–649.
  21. Robert Filmer: Patriarcha. Hrsg.: Peter Schröder. Meiner, Hamburg 2019, ISBN 978-3-7873-3684-5.
  22. Beate Wagner-Hasel: Das Diktum der Philosophen: Der Ausschluss der Frauen aus der Politik und die Sorge vor der Frauenherrschaft. In: T. Späth, B. Wagner-Hasel (Hrsg.): Frauenwelten in der Antike: Geschlechterordnung und weibliche Lebenspraxis. Stuttgart u. a. 2000, S. 198–217, hier S. 201 mit Hinweis auf R. Filmer: Patriarchia. The natural Power of Kings defended against the Unnatural Liberty of the People, 1640/1680, Nachdruck 1991 (englisch).
  23. a b c d e Marion Löffler: Feministische Staatstheorien. Eine Einführung. Campus Verlag, 2011, S. 142 f.
  24. Steffen Kailitz: Schlüsselwerke der Politikwissenschaft, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2007, ISBN 978-3-531-14005-6, S. 352 f.
  25. Susanne Lenward: Mythos, Mutterrecht und Magie. Zur Geschichte religionswissenschaftlicher Begriffe. Reimer, Berlin 1993, S. 78.
  26. vgl. auch Peter Davis: Myth, matriarchy and modernity. Johann Jakob Bachofen in German Culture 1860–1945. De Gruyter, Berlin/ New York 2010, ISBN 978-3-11-022708-6, insbesondere Kapitel 2, S. 49 ff.
  27. a b c Elke Hartmann: Zur Geschichte der Matriarchatsidee. Antrittsvorlesung. Humboldt-Universität Berlin 2004 (PDF auf hu-berlin.de).
  28. Meret Fehlmann: Die Rede vom Matriarchat. Zur Gebrauchsgeschichte eines Arguments. Chronos Verlag, Zürich 2011, ISBN 978-3-0340-1067-2, S. 81 f.
  29. Friedrich Engels: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates (PDF; 2,8 MB), Stuttgart 1892, S. 61.
  30. Vergleiche Ernst Bornemann: Das Patriarchat. Fischer, Frankfurt am Main 1975, ISBN 3-596-23416-6; Neuauflage ebenda 1991.
  31. „Fromms Untersuchungen über den autoritären Charakter und seine Reproduktionsbedingungen in der bürgerlichen Kleinfamilie als ‚Agentur der Gesellschaft‘ (1932a, GA I, S. 42) wurden z. Zt. der Studentenbewegung wieder aufgegriffen; sie sind aber auch heute noch unverändert aktuell.“ (Helmut Johach: Erich Fromm und die Kritische Theorie des Subjekts [PDF], S. 5).
  32. Sara Delamont: Feminist Sociology. Sage Publications, London 2003, S. 105: „Feminist attention to Engels began in the late 1960s […]. This book [The Origins of the Family, Private Property and the State] did address sex, gender and the reproduction of labour power. Quotes form Origins were an obligatory part of the manifestos of all the Marxist women´s liberation groups, and in the early academic feminism […]. Because Engels recognised that the Victorian bourgeois family was not the acme of an evolutionary process, but merely a transitory form, his ideas were useful for feminists arguing for social change.“
  33. a b c d e f Eva Cyba: Patriarchat: Wandel und Aktualität. In: Becker, Kortendiek (Hrsg.): Handbuch der Frauen- und Geschlechterforschung. VS Verlag, 2010, ISBN 978-3-531-92041-2, S. 17 ff.
  34. Sylvia Walby: Theorizing Patriarchy. John Wiley & Sons, 1990, ISBN 978-3-8252-3061-6.
  35. Maria Mies: Patriarchat und Kapital. 5. Auflage. Rotpunktverlag, Zürich 1996, ISBN 978-3-85869-050-0, S. ?? (erstveröffentlicht 1988)
  36. Claudia Opitz: Nach der Gender-Forschung ist vor der Gender-Forschung. Plädoyer für die historische Perspektive in der Geschlechterforschung. In: Rita Casale, Barbara Rendtorff (Hrsg.): Was kommt nach der Genderforschung? Die Zukunft der feministischen Theoriebildung. Transcript Verlag, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-89942-748-6, S. 15 f.
  37. Ute Gerhard: Bewegung im Verhältnis der Geschlechter und Klassen und der Patriarchalismus der Moderne. In: Wolfgang Zapf (Hrsg.): Die Modernisierung moderner Gesellschaften. Verhandlungen des 25. Deutschen Soziologentages in Frankfurt am Main 1990. Frankfurt am Main/ New York 1991, ISBN 3-593-34574-9, S. 418–432.
  38. Judith Butler: Das Unbehagen der Geschlechter. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1991, ISBN 978-3-518-11722-4, S. 18.
  39. Sylvia Walby: Structuring patriarchal Societies. In: Anthony Giddens, Philip W. Sutton: Sociology: Introductory Readings. 3. Auflage. Polity Press, 2010, ISBN 978-0-7456-4884-2, S. 30–31 (englisch).
  40. Marion Löffler: Feministische Staatstheorien: Eine Einführung. Campus, 2011, ISBN 978-3-593-39530-2, S. 147.
  41. Barbara Holland-Cunz: Feminismus: Politische Kritik patriarchaler Herrschaft. In: Franz Neumann (Hrsg.): Handbuch Politische Theorien und Ideologien. 2. Auflage. Band 2. Opladen 2000, ISBN 978-3-8252-1854-6, S. 357–388.
  42. Karin Hausen: Patriarchat. Vom Nutzen und Nachteil eines Konzeptes für Fraupolitik und Frauengeschichte. In: Journal für Geschichte. 5/1986, S. 12–21.
  43. Gudrun-Axeli Knapp: Im Widerstreit. Feministische Theorie in Bewegung (Geschlecht und Gesellschaft), VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2012, ISBN 978-3-531-18267-4, S. 117 f.
  44. a b c d Heike Kahlert: Das Verschwinden des Patriarchats. Modernisierungstheoretische Ansichten eines umstrittenen Theorems. In: Politische Utopien im Geschlechter- und Modernisierungskontext, Bd. 29/1, 2000, S. 50.
  45. Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriß der verstehenden Soziologie. 5., revidierte Auflage. Studienausgabe, Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), 1980 (1. Auflage 1921–1922). ISBN 978-3-16-538521-2. S. 580.
  46. Gudrun-Axeli Knapp: Im Widerstreit. Feministische Theorie in Bewegung (Geschlecht und Gesellschaft), VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2012, ISBN 978-3-531-18267-4, S. 269.