Paul Virilio
Beitræge
Context XXI, Heft 3-4/2001

Tanze mit mir in den Morgen, tanze mit mir in das Glück ...

Juli
2001

Die Volkstanz-Veranstaltungen sind gut besucht und stellen — als dezidiert politische „Events“ — einen gewissen Anziehungspunkt für Leute aus der „Szene“ dar. Stellt diese Entwicklung eine ernsthafte radikale Politisierung subkultureller Zusammenhänge dar, oder handelt es sich bloß um eine kurzlebige (...)

Paul Virilio (* 4. Januar 1932 in Paris; † 10. September 2018 ebenda[1]) war ein französischer Philosoph und Kritiker der Mediengesellschaft. Virilio war vor allem als Simulations-, Virtualitäts- und Geschwindigkeitstheoretiker sowie als Begründer der Dromologie bekannt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Virilio, dessen Vater als Kommunist vor dem faschistischen Regime von Italien nach Frankreich geflohen war, studierte Architektur und Urbanistik und machte eine Ausbildung zum Kunstglaser-Meister. Im Zweiten Weltkrieg erlebte er in Nantes die Bombardierung der Stadt durch Flugzeuge der Alliierten. Seinen Militärdienst leistete er als Kartograf in Freiburg im Breisgau und im Algerienkrieg ab. Er war tätig als Architekt, Stadtplaner, Ausstellungsmacher, Atelierleiter und Redaktionsmitglied verschiedener Zeitschriften. 1976 fand im Centre Georges Pompidou seine Ausstellung zur „Bunker-Archäologie“ statt.

Virilio war ab 1969 Professor und ab 1973 Studiendirektor an der École Spéciale d’Architecture in Paris. 1979 gründete er zusammen mit Alain Joxe das Centre interdisciplinaire de recherche de la paix et d′études stratégiques („Interdisziplinäres Zentrum für Friedensforschung und strategische Studien“). Er wurde 1997 emeritiert und widmete sich seitdem seinen dromologischen Forschungen.

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Virilio über den Zweiten Golfkrieg 1991: „Die Botschaft dieses Medienkrieges besteht weniger in der Information über die Realität der gegenwärtig stattfindenden Kämpfe als vielmehr in der Förderung der Möglichkeit zukünftiger Kriege“.[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1987: der französische „Große Nationalpreis der Architekturkritik“ (Le grand prix national de la critique est décerné à l'unanimité à Paul Virilio, par les ministères de l’équipement, du logement et de l'aménagement du territoire et des transports)
  • 1992: Siemens-Medienkunstpreis

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Virilio spricht mit Heinz-Norbert Jocks. Universität des Unglücks. Von Krieg, Raum und Zeit und vom Sterben am Meer in La Rochelle. Lettre International, Berlin, S. 24–31, 2018, ISSN 0945-5167
  • Armitage (Hrsg.): Paul Virilio. From Modernism to Hypermodernism and Beyond (= Theory, Culture & Society.). Sage Books, London u. a. 2000, ISBN 0-7619-5901-7.
  • Dirk Michael Becker: Botho Strauß. Dissipation. Die Auflösung von Wort und Objekt. Transcript, Bielefeld 2004, ISBN 3-89942-232-5 (Zugleich: Mainz, Universität, Dissertation, 2003).
  • Ingeborg Breuer, Peter Leusch, Dieter Mersch (Hrsg.): Welten im Kopf. Profile der Gegenwartsphilosophie. Band 1: Frankreich/Italien (= Rotbuch-Taschenbuch. 1046). Rotbuch-Verlag, Hamburg 1996, ISBN 3-88022-368-8.
  • Stefan Breuer: Der Nihilismus der Geschwindigkeit. Zum Werk Paul Virilios. In: Stefan Breuer: Die Gesellschaft des Verschwindens. Von der Selbstzerstörung der technischen Zivilisation. Junius, Hamburg 1992, ISBN 3-88506-202-X, S. 131–156.[4]
  • Dietmar Kamper, Christoph Wulf (Hrsg.): Die sterbende Zeit. 20 Diagnosen (= Sammlung Luchterhand. 724). Luchterhand, Darmstadt u. a. 1987, ISBN 3-472-61724-1.
  • Kay Kirchmann: Blicke aus dem Bunker. Paul Virilios Zeit- und Medientheorie aus der Sicht einer Philosophie des Unbewußten. Verlag Internationale Psychoanalyse, Stuttgart 1998, ISBN 3-608-91940-6.
  • Daniela Kloock, Angela Spahr: Medientheorien. Eine Einführung (= UTB. 1986). 3., aktualisierte Auflage. Fink, München 2007, ISBN 978-3-8252-1986-4.
  • Steve Redhead: Paul Virilio. Theorist for an Accelerated Culture. Edinburgh University Press, Edinburgh 2004, ISBN 0-7486-1928-3.
  • Richard Reschika: Wahnprinzip Geschwindigkeit – Paul Virilio und die Phantasmagorie der Moderne. In: Richard Reschika: Philosophische Abenteurer. Elf Profile von der Renaissance bis zur Gegenwart (= UTB. 2269). Mohr Siebeck, Tübingen 2001, ISBN 3-16-147586-0, S. 258–283.
  • Florian Rötzer: Französische Philosophen im Gespräch. Boer, München 1986, ISBN 3-924963-21-5.[5]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Architekt und Philosoph Paul Virilio ist tot (Memento des Originals vom 19. September 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.deutschlandfunkkultur.de, deutschlandfunkkultur.de, erschienen und abgerufen am 18. September 2018
  2. Paul Virilio: Krieg und Fernsehen (= Fischer 13778 Forum Wissenschaft. Kultur & Medien). Aus dem Französischen von Bernd Wilczek. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-596-13778-0, S. 60.
  3. Es erschien nur dieser Band.
  4. Erstmals erschienen in: Leviathan – Berliner Zeitschrift für Sozialwissenschaft. Band 16, Nr. 3, 1988, S. 309–330, JSTOR:23983436.
  5. Es handelt sich dabei um Jean Baudrillard, Cornelius Castoriadis, Jacques Derrida, Emmanuel Levinas, Jean-François Lyotard, Gérard Raulet, Michel Serres und Paul Virilio.