Thomas Gratt
Beiträge
FORVM, No. 303/304

Große Wahnschaffe

Verwirktes Strumpfgeld
März
1979

Gerichtsverhandlungen sind wie Alpträume, kreisen um Nebensachen, man will eingreifen, ist wie gelähmt — die Hauptsache verschwindet hinter einem banalen Konflikt, der mit einer schlechten Pointe endet. Im ersten österreichischen „Terroristenprozeß“, der vom 12. bis 16. Februar 1979 im Wiener (...)

FORVM, No. 303/304

Trotzkopfs Entführung

Psychologisches zum 1. österreichischen Terroristenprozeß
März
1979

Terrorpsychologen Terrorismus, das „Extremverhalten einer winzigen, isolierten Gruppe junger Menschen“, stellt (so das deutsche Bundesjugendkuratorium nach einem Hearing über „Terrorismus und junge Generation“) nur eine Form der „zahlreichen Varianten des Rückzugs Jugendlicher aus unserer (...)

Beiträge von Thomas Gratt
FORVM, No. 303/304

arbeiter = manager = bourgeois

aus dem schlußwort vor gericht
März
1979

mit den durch die bürgerliche restauration nach 1945 eingesetzten politischen strukturen ist es den us-monopolen gelungen, eine annähernde interessengleichheit zwischen dem us- und dem europäischen kapital zu erzwingen, das zugleich folge als auch voraussetzung eines ökonomisierungsprozesses der (...)

Thomas Gratt (* 21. Februar 1956 in Bregenz; † 29. März 2006 in Wien) war ein Mitglied der terroristischen Vereinigung Bewegung 2. Juni.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Gratt stammt aus einer katholisch-konservativen Bauunternehmerfamilie und wuchs in Bregenz und Wolfurt auf. Nach der Matura studierte er in Wien Theaterwissenschaft.[1] Sein universitätspolitisches Engagement für die Linke Liste (LILI) führte ihn im Frühjahr 1977 in Hinblick auf das geplante 3. Internationale Russell-Tribunal zur Situation der Menschenrechte in der Bundesrepublik Deutschland zur Mitbegründung der Arbeitsgruppe Politische Gefangene / Arbeitskreis Politische Prozesse (APG).[2]

Im Frühsommer 1977 wurde Gratt Mitglied der Bewegung 2. Juni und ging in die Illegalität.[2] Er beteiligte sich an der Entführung des österreichischen Unternehmers Walter Michael Palmers am 8. November 1977 und wurde zusammen mit einem Mittäter am 23. November in Chiasso an der italienischen Grenze auf der Flucht festgenommen. Im Februar 1979 übernahm Gratt im Wiener Strafprozess namens der Bewegung 2. Juni die Verantwortung.[2] Er wurde wegen räuberischer Erpressung zu 15 Jahren Haft verurteilt, von denen er 13 Jahre verbüßte.[2] Er stellte kein Gnadengesuch. In der Justizanstalt Stein inszenierte er Theaterstücke wie Don Juan oder König Ubu.

Noch in Haft veröffentlichte er unter dem Pseudonym Buster C. Daniels den Lyrikband ÜBERSETZUNG (Beiheft Nr. 26 der Zeitschrift sturzflüge, Bozen 1989).[3] Nach seinem Haftende 1990 war er Gast in dem von dem französischen Schriftsteller Patrick Deville gegründeten Maison des Écrivains Étrangers et des Traducteurs.[3] In dessen Verlag erschien im deutschen Original sowie in französischer Übersetzung durch Didier Viaud der Roman La mise en corps (Edition MEET, Saint-Nazaire 1995).[3]

Im Dokumentarfilm Keine Insel (Regie: Alexander Binder, Interviews: Michael Gartner), der im Oktober 2006 auf der Viennale erstmals gezeigt wurde, arbeitete Gratt die Geschichte der Entführung auf. Nach Abschluss der Dreharbeiten, aber noch vor der Fertigstellung des Films, beging er Suizid.[3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Freitag: Nicht einmal Pfadfinder. In: Die Presse. 14. September 2007, abgerufen am 14. April 2021.
  2. a b c d Irene Bandhauer-Schöffmann: Deutsche Terroristinnen in Österreich. 1. Mai 2007, abgerufen am 14. April 2021.
  3. a b c d Robert Sommer: An einem bestimmten Punkt der Grausamkeit ... In: Augustin - Die erste österreichische Boulevardzeitung. 25. September 2007, abgerufen am 14. April 2021 (deutsch).