Vereinigte Staaten von Amerika (...)
Beiträge
FORVM, No. 333/334

Kernwaffenkrieg

Führer durch das Rüstungslabyrinth
September
1981

Das Gleichgewicht des Schreckens verblaßt angesichts neuer technischer Entwicklungen und militärischer Strategien. Mehrfachsprengköpfe der Raketen, ihre Lenkbarkeit, neue Waffen wie Cruise Missiles verführen die Militärs und Politiker zu einer neuen Doktrin: daß nämlich der den Gegner lähmende atomare (...)

FŒHN, Heft 10/11

Wie wir da hingekommen sind, wo wir jetzt sind

Januar
1988

Die Geschichte der heimischen Stromproduktion ist eine ununterbrochene Folge der Ausplünderung unserer Heimat. Die Geschichte der heimischen Stromproduktion ist eine der Politik der Ersten und Zweiten Republik zwingend entsprechende. Von allem Anfang an wurde in Österreich die Erzeugung (...)

Context XXI, ZOOM 1/1996

Die USA verstärken Hegemonie am Waffenmarkt

Januar
1996

Das Vormachtsstreben der USA am internationalen Waffenmarkt setzt die europäische Rüstungsindustrie unter Druck. ZOOM bringt einen von Alexander Urban gekürzten und übersetzten Beitrag aus Le Monde diplomatique (Nov. 95). Die im Februar 1995 von Präsident Clinton erteilte Genehmigung zum Export von (...)

Context XXI, ZOOM 1/1996

WEU und Europäische Rüstungsproduktion

Januar
1996

Die europäische Rüstungsindustrie steckt in der Krise. Die WaffenproduzentInnen in der Union drängen auf einen Binnenmarkt auch für ihre Produkte. Die Beschäftigungsbilanz der Waffenproduktion in den EU-Staaten der vergangenen zehn Jahre fiel negativ aus: Kündigungswellen in Deutschland, 100.000 (...)

Context XXI, ZOOM 6/1996

Fit für den Frieden?

Oktober
1996

Combined Joint Task Forces: die NATO auf dem Weg zu einem militärischen Interventionsorgan für Konflikte in aller Welt. Endlich müssen die Europäer „nicht immer ihre amerikanischen Freunde zu Hilfe rufen, wenn es irgendwo brennt“. Denn auf ihrer Frühjahrstagung im Juni hat die NATO das Konzept der (...)

Context XXI, ZOOM 6/1996

Covert Operations

Oktober
1996

Der Historiker Oliver Rathkolb über die Hintergründe der österreichischen CIA-Waffenlager. ZOOM: Von wem wurden die 79 im Jänner 1996 durch einen Artikel im Boston Globe bekanntgewordenen Waffenlager angelegt? Oliver Rathkolb: Der Auftraggeber und diejenige amerikanische Institution, die das (...)

Context XXI, ZOOM 3/1997

Im Herzen der Finsternis

Juni
1997

Der paraphrasierte Titel von Joseph Conrads Roman „Das Herz der Finsternis“ ist nicht zufällig gewählt, denn der Roman spielt sich um Kisangani in Zaire ab, damals Stanley Falls in Belgisch-Kongo. Ende des vorigen Jahrhunderts klagten Joseph Conrad und Arthur Conan Doyle in ihren Publikationen die (...)

Context XXI, ZOOM 6/1997

Die NATO nach Madrid

Oktober
1997

Madrid, 9. Juli 1997: Die Weichen sind gestellt; die Signale zeigen grün. Der Lokführer wartet auf das Abfahrtszeichen. Gleich mehrere Schaffner drängen zum Aufbruch. Auf dem Bahnsteig Prominenz aus Politik und ganz Europa. Aus dem Lautsprecher quellen Ansagen: „Auf Gleis 16 steht erstmals zur (...)

Context XXI, ZOOM 7/1997

Warum Österreich nicht in Asien liegt

November
1997

Eine Studie von Christian Stifter beschäftigt sich mit der geheimen Remilitarisierung und ihren Implikationen für den Abschluß des Staatsvertrags. Eine Empfehlung. Für die österreichischen Politiker war nach Ende des Zweiten Weltkriegs schnell klar, auf welcher Seite des sich anbahnenden (...)

Context XXI, ZOOM 1/1998

Keinen Menschen, keinen Groschen für die NATO!

März
1998

Zwei Neutralitäten Mit dem Status der „Immerwährenden Neutralität“ waren in Österreich von Anfang an zwei sehr unterschiedliche Vorstellungen verbunden. Für die einen war Neutralität schlicht der Preis für den Abzug der Besatzungstruppen, vor allem der sowjetischen. In den Zeiten des Patts der (...)

Context XXI, ZOOM 1/1998

Ungarns „Amoklauf in die NATO“

März
1998

Am 16. November 1997 stimmte die ungarische Bevölkerung bei einem Referendum mit überwältigender Mehrheit für den NATO-Beitritt ihres Landes. Die Volksabstimmung Am Abstimmungstag waren 3.327.118 UngarInnen (85,3 %) für einen Beitritt zur NATO und nur 572.084 (14,7 %) dagegen. Die Beteiligung (...)

Context XXI, ZOOM 3/1998

Codenummer K28

Juni
1998

Fritz Molden war im österreichischen Widerstand gegen das Dritte Reich und nach Kriegsende Mitglied eines antisowjetischen Untergrundnetzes. In den fünfziger Jahren war er Redakteur und Herausgeber der Tageszeitung Die Presse und von 1957 bis 1960 Mitglied des Politischen Komitees des (...)

Context XXI, ZOOM 3/1998

Zero Tolerance?

Sexuelle Gewalt gegen Frauen in den US-Streitkräften
Juni
1998

Seit Ende 1996 erschütterten öffentlich gewordene Sexualdelikte die USA-Army. Das Problem ist nicht neu, nur ignorierten die Verantwortlichen in Politik und Militär seit mehr als 20 Jahren die Warnsignale. Krasse Fälle von Vergewaltigungen von Rekrutinnen durch Ausbilder in einer Basis der US-Army, (...)

Café Critique, Jahr 1998

Modell Österreich 

Von der agrarischen Semiperipherie zum ambitionierten Miniimperialisten
August
1998

Die Entwicklung Österreichs im 20. Jahrhundert ist die Geschichte einer zunehmenden Westintegration, die 1995 mit dem EU-Beitritt des Landes einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. Der Erste Weltkrieg endete mit dem Zusammenbruch der Habsburger-Monarchie. Anstelle des Projekts eines (...)

Context XXI, ZOOM 4/1998

Neutralität oder NATO oder ...?

Kritische Anmerkungen zum Handbuch von Klaus Heidegger und Peter Steyrer
Oktober
1998

Mit dem Band von Klaus Heidegger und Peter Steyrer liegt der bisher fundierteste und umfassendste Beitrag aus dem NATO-kritischen Spektrum zu dem Thema „Österreich und die NATO“ vor. Besonders gut dargestellt ist dort die Rolle des Verteidigungsministeriums und der Militärs beim Einpeitschen der (...)

Context XXI, ZOOM 5/1998

Codename Lindley?

November
1998

Das Militärwissenschaftliche Büro des Landesverteidigungsministeriums und das Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck veranstalteten Ende September eine gemeinsame wissenschaftliche Tagung im Haus der Industrie am Schwarzenbergplatz unter dem Titel „Gewitter über der Insel der Seligen (...)

Context XXI, ZOOM 5/1998

Codename Lindley!

November
1998

Anläßlich der im vorherigen Beitrag angesprochenen Kontroverse bezüglich der Rolle Österreichs und prominenter Österreicher nach 1945 kam folgendes Interview mit Siegfried Beer zustande. ZOOM: Sie haben in Ihrem Addendum zu den in der Presse erschienenen Artikeln geschrieben, daß Sie öfters mit (...)

Context XXI, ZOOM 5/1998

NATO oder Neutralität oder ...?

Eine Replik
November
1998

Franz Schandls Kritik am Buch „NATO-Streit in Österreich“ („Neutralität oder NATO oder ...?“ in ZOOM 4/98) ist grundlegend. Sie zeigt blinde Flecken an, kritisiert manche Position und mißversteht auch die eine oder andere. Sie bleibt aber immer konstruktiv. Insofern ist eine Antwort wohl mehr als (...)

Context XXI, ZOOM 6-7/1998

Washington – Bruxelles – Wien

Entscheidungen, Verlautbarungen und Bekenntnisse
Dezember
1998

Die internationale Entwicklung wurde synchronisiert. Nato, Weu und EU stehen weder gegeneinander noch nebeneinander, sondern sie werden zusammengeführt: Hier ein gestärkter europäischer Nato-Pfeiler und dort eine EU mit vierter Säule, die sich auf den europäischen Nato-Pfeiler bezieht. Die Weu wird (...)

Context XXI, ZOOM 1/1999

NATO neutral

Anmerkungen zu Christian Helbocks NOTO Channel
Januar
1999

Vor geraumer Zeit prägte ein Politiker die Formel „Neutral in die NATO“. Diese wurde seitdem vielfach abgewandelt. Etwa so: Als EU-Mitglied solle Österreich sich der NATO zugehörig fühlen, bei Konfikten außerhalb derselben aber neutral bleiben. Was aber, wenn sich die EU außerhalb ihres Territoriums (...)

Context XXI, ZOOM 1/1999
Professor Beer’s Erzählungen aus der Welt des Dritten Mannes oder

Das Märchen vom bezahlten Agenten Lindley

Januar
1999

In einem Brief vom 3.12.1998 an die Zeitschrift ZOOM nimmt Fritz Molden sowohl zum in der Ausgabe ZOOM 5/98 abgedruckten Artikel von Professor Beer als auch zu dessen Interview ausführlich Stellung. Eine kürzere Fassung des Beer’schen Artikels und eine nicht so umfangreiche Antwort Moldens ist in (...)

Context XXI, ZOOM 2/1999
NATO – Anarchie

Bomben auf das Völkerrecht

März
1999

NATO-Bombardements auf Jugoslawien stellen einen inflagranten Bruch des Völkerrechts dar und können völkerrechtlich nicht gerechtfertigt werden. Es ist ein beliebtes Ritual der Politik und vieler Medien, rechtswissenschaftliche Lehrmeinungen gegeneinander auszuspielen, um sich nach Belieben (...)

Context XXI, ZOOM 2/1999

„Irrational und rachsüchtig“

März
1999

Im folgenden dokumentieren wir die Antwort Noam Chomskys auf eine im Netz-Forum des US-amerikanischen Z-Magazins an ihn gerichteten Frage über die Gründe für den US/NATO-Krieg gegen Jugoslawien, die unserer Auffassung nach einige interessante Hinweise enthält. Frage: Inwieweit hängt die Anwendung (...)

Context XXI, ZOOM 2/1999

Für eine neue Friedensbewegung

März
1999

Die USA, ihre Verbündeten und die ihnen untergeordneten Staaten haben die internationale Lage durch ihren Angriffskrieg gegen Jugoslawien entscheidend verändert. Es liegt aber nicht allein an den USA, ob die Vereinten Nationen nun zu einer Institution ähnlich dem Völkerbund nach der japanischen (...)

Context XXI, Heft 1-2/1999

Militärbündnis EU

Schnelles Einlenken der bündnisfreien EU-Mitglieder
Juni
1999

Am Berliner Regierungsgipfel wurde die Verschmelzung von EU und WEU fixiert. Offen ist noch, ob die NATO Kern der EU-Militärpolitik bleibt — beziehungsweise wie sich die EU in militärpolitischen Fragen gegenüber den USA positioniert. Als Konsequenz aus dem Krieg im Kosovo, der das zweitägige (...)

Context XXI, Heft 1-2/1999

Garzón zwischen Pinochet und Kissinger

Juni
1999

Untersuchungsrichter Garzón hat seine Anklage gegen Pinochet Mitte Juni neuerlich um 36 weitere Folteropfer ausgeweitet. Die Streitgespräche rund um die heilige Tunika des General Pinochet überraschen mich auf einer Reise durch Südamerika und ich empfinde eine außerordentliche Neugier für den (...)

Context XXI, Heft 3/1999

Die Folgen des NATO-Krieges gegen Jugoslawien

Eine Analyse der Interessenlagen
September
1999

Bei der Entscheidung der NATO, einen Luftkrieg gegen Jugoslawien zu führen, spielten handfeste machtpolitische und geostrategische Überlegungen der USA eine entscheidende Rolle. Seit dem erzwungenen Rückzug des Osmanischen Reiches liegt der Balkan im Spannungsfeld dreier bzw. zweier Großräume: (...)

Context XXI, Heft 3/1999

Laßt die Dokumente sprechen ...

Replik auf Fritz Molden
September
1999

Zu den Stellungnahmen Fritz Moldens in der Tageszeitung Die Presse am 28. November 1998 („Ganz besondere Niedertracht. Widerständler, kein US-Agent“) und in der Zeitschrift ZOOM 1/99 („Das Märchen vom bezahlten Agenten Lindley“) Ob der eklatanten Unfähigkeit zu einer sachlichen Auseinandersetzung mit (...)

Context XXI, Radiosendungen 1999
Der imperiale Krieg

Geostrategie am Balkan

■  Sendungsgestaltung: Stephan GrigatRobert Zöchling
Oktober
1999

Der NATO-Luftkrieg gegen Jugoslawien ist beendet — der Kriegszustand am Balkan damit noch lange nicht. Die Zerstörung Jugoslawiens ist so gut wie abgeschlossen — die Gründe dieser Zerstörung bleiben so unklar und umstritten wie zu Beginn der NATO-Bombardements. Nie zuvor waren die Gründe für einen (...)

Context XXI, Heft 4-5/1999

Interesse, Gewissen und Projektion im Jugoslawienkrieg

■  Uli Krug
November
1999

Eine Kritik der geomaterialistischen Erklärungsversuche für die NATO-Aggression inklusive einer Replik auf Hannes Hofbauers Beitrag „Die Folgen des NATO-Krieges gegen Jugoslawien“ in der Nummer 3/99 von Context XXI Die klassische Aufklärung hielt Ideologie für das Werk „lügender Priester“. Diese (...)

Context XXI, Radiosendungen 1999

Krieg, Sinn und Wahnsinn

Die politische Ökonomie der Interesselosigkeit
■  Sendungsgestaltung: Stephan GrigatRobert Zöchling
November
1999

Die Frage, welche Art von Krieg die NATO gegen Jugoslawien führte, ist immer noch offen. Viele Kriegsgegner und Kriegsgegnerinnen stehen mit einer gewissen Ratlosigkeit nicht nur vor den Trümmern, die dieser Krieg am Balkan hinterlassen hat, sondern auch vor den Trümmern ihrer eigenen (...)

Context XXI, Heft 6/1999

Jugoslawien und die neue Konkurrenz im Weltmaßstab

Dezember
1999

Eine Anknüpfung an die Beiträge „Die Folgen des NATO-Krieges gegen Jugoslawien“ (Context XXI, Nr. 3/99) und „Interesse, Gewissen und Projektion im Jugoslawienkrieg“ (Context XXI, Nr. 4-5/99) nebst einer Besprechung des Sammelbandes von Hannes Hofbauer zum Konflikt auf dem Balkan von Erinnert sich (...)

Context XXI, Heft 1/2000

Bombengeschäfte

Die politische Ökonomie des Kosovo-Krieges
Februar
2000

Ein Buch von Winfried Wolf — gelesen von Winfried Wolf analysiert die Ursachen des Golfkrieges vor dem Hintergrund des militärisch-industriellen Komplexes. Er bietet damit ein weiteres Erklärungsmodell neben den bisher in Context XXI veröffentlichten Analyseversuchen. Das Erklärungsmodell (...)

Café Critique, Jahr 2000

Krieg der Stämme oder der Projektionen?

Mai
2000

Über die deutsche Notwendigkeit, in Jugoslawien Krieg zu führen Die zivilgesellschaftlichen Freunde des Kriegs – wie Dan Diner, Jürgen Habermas oder Daniel Goldhagen – wollen den Kosovo-Krieg als vollkommene Integration Deutschlands ins westliche Bündnis verstanden wissen. Aber die Frage lautet: wer (...)

Context XXI, Radiosendungen 2001

Tödliche Lügen

Die Kriegsverbrechen der „westlichen Wertegemeinschaft“ im Kosovo
■  Sendungsgestaltung: Robert Zöchling
April
2001

Jürgen Elsässer, Autor der Zeitschrift konkret, veröffentlichte ein Buch mit dem Titel Kriegsverbrechen — Die tödlichen Lügen der Bundesregierung und ihre Opfer im Kosovo-Krieg, in dem er die Nachrichtenmanipulationen und Lügen von Regierungen und Medien der „Westlichen Wertegemeinschaft“ offenlegt, (...)

Context XXI, Radiosendungen 2001

Die postfaschistische Linke, Israel und das WTC

■  Sendungsgestaltung: Stephan Grigat
Juni
2001

Horst Pankow über linke Projektion und die Anschläge von New York City. Eine Sendung von Cafe Critique. Am 23.10.2001 hatte in Wien die Veranstaltung „Israel und die Linke“ stattgefunden, die von Cafe Critique und der Basisgruppe Politikwissenschaft organisiert wurde. Nachdem dort die Wiener (...)

Café Critique, Jahr 2001

Krieg als kommunikatives Handeln

Oktober
2001

Kein Zweifel, Jürgen Habermas hat sich den Friedenspreis des deutschen Buchhandels redlich verdient: Daß dieser Sozialphilosoph den „Weg der Bundesrepublik Deutschland ebenso kritisch wie engagiert begleitet habe“, so die Kommission, gilt für jede Stufe seiner Karriere und für jede Phase in der (...)

Streifzüge, Heft 3/2001

The road to nowhere

Oktober
2001

Enduring freedom betitelt die US-Administration ihren aktuellen Kreuzzug. Zweifellos, sie meint das so. Es ist kein Witz, keine Persiflage, kein schlechter Film. Es ist bitterer Ernst. Todernst. Andauernde Freiheit kann es ebenso wie infinite justice nur im Tod geben. Andauernd ist bloß der (...)

Streifzüge, Heft 3/2001

Terror und Vergeltung: Paranoia gegen Paranoia

Frieden gibt es nur jenseits von Markt und Staat
Oktober
2001

Gleichheit Die über 6.000 Opfer der mörderischen Anschläge auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington haben in der westlichen Welt eine riesige Welle von Entsetzen und Bestürzung ausgelöst. War es aber wirklich nur die Abscheu vor der Tat und das Mitleid mit den (...)

Streifzüge, Heft 3/2001

Die Ohnmacht der Allmacht

Oktober
2001

So viel Wirres und Irres wie nach den Kamikaze- Volltreffern in New York und Washington haben die gewählten und nicht gewählten Sprecher der demokratischen Weltgemeinschaft selten abgesondert. Immerhin einer der seit dem 11.9. überall kursierenden Phrasen ist etwas abzugewinnen. „Dieser Tag hat (...)

Streifzüge, Heft 3/2001

Der Zusammenstoß der Barbareien

Milliardäre mit Bärten gegen Milliardäre ohne Bärte
Oktober
2001

Die Flüsse fließen stets ins Meer zurück, und die kapitalistische Globalisierung schlägt auf ihr Zentrum zurück, auf das Zentrum ihres Zentrums. Wenn alles globalisiert ist, die Märkte nie schlafen und die westlichen Waren bis in den letzten Winkel der Welt vordringen, wie kann man sich dann wundern, (...)

Streifzüge, Heft 3/2001

„Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“

Oktober
2001

Dieser Beitrag stellt eine überarbeitete und erweiterte Fassung eines Artikels dar, den ich unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September geschrieben habe. Ich bezweifle, dass es der Linken bis dato gelungen ist, die Reaktion auf den Anschlag vom 11. September wirklich zu verarbeiten. Obwohl (...)

Streifzüge, Heft 3/2001

Freiheit und Zerstörung

Oktober
2001

Nach den Anschlägen in den USA bot sich ein ungewohntes Bild: Die einzig verbliebene und hochgerüstete Weltmacht war schutzlos, der Inbegriff von politischer Macht und militärischer Stärke nun plötzlich machtlos, das Symbol wirtschaftlicher Potenz, das World-Trade-Center, nur noch ein rauchender (...)

Streifzüge, Heft 3/2001

Wertkritik contra Weltwirtschaftsbarbarei

Oktober
2001

Ich bin ein iranischer Weltwirtschaftsflüchtling, der seit anderthalb Jahrzehnten in Deutschland lebt. Ich habe den islamischen Terror am eigenen Leib erfahren, und vielleicht ist das der Grund meines Entsetzens über die Brutalität der anti-wertkritischen und antideutschen Stellungnahmen im (...)

Streifzüge, Heft 3/2001

Alles auf Kursk

Der islamistische Terror und die Selbstversenkung der radikalen Linken
Oktober
2001

Die Selbstmordattentate vom 11. September haben nicht nur die Twin-Towers gesprengt, sie sprengen auch das politische Bezugssystem. Nicht dass der Politik eine Scheu vor Leichenbergen anzudichten wäre, aber sie pflegt zu Gewalt und Massenmord eine instrumentelle Beziehung. Weniger die schiere (...)

Streifzüge, Heft 3/2001

Es gibt sie noch, die guten Deutschen

Oktober
2001

Eine bereits 1935 geschriebene Notiz, die sich in Adornos Minima Moralia mit dem Titel Der böse Kamerad findet, veranlaßte den Autor einer sein Objekt permanent dummdreist denunzierenden Adorno-Monographie (Hartmut Scheible, Theodor W. Adorno, Rowohlt 1989) zu einer besonderen Empörung. Adornos (...)

Streifzüge, Heft 3/2001

Angriff der Glücksritter

Oktober
2001

Während Deutschland nach dem 11. September nationalistisch formiert wird, entdecken Antideutsche den Glamour der bürgerlichen Geellschaft. Nichts wird mehr so sein wie vorher“ tönte es einhellig nach den reaktionären Terroranschlägen, und es entstand das spontane Gefühl, dass dieser Satz nicht nur (...)

Streifzüge, Heft 3/2001

Für eine nicht durchgeknallte Linke!

Kurze Erklärung zur Trennung im Kritischen Kreis
Oktober
2001

Die Anschläge in den USA haben nicht nur das World Trade Centre und das Pentagon getroffen, sondern auch den Kritischen Kreis. Ausgangspunkt unserer Trennung war die „Erste Stellungnahme der Bahamas zum islamistischen Massaker in den USA“, wo ganz offen Militärschläge gegen islamistische Zentren (...)

Streifzüge, Heft 3/2001

Manisch Germanisch

Ausufernde Anmerkungen zur Trennung im Kritischen Kreis
Oktober
2001

„In seiner Fernsehrede, die er am 27.7.1967 nach den Negerunruhen in Detroit hielt, meinte Präsident Johnson: „Es gibt kein amerikanisches Recht, Gebäude in Brand zu stecken und von Hausdächern zu schießen. Das sind Verbrechen.“ – Er hätte hinzufügen müssen: „es sei denn, Amerikaner täten das auf meine (...)

Café Critique, Jahr 2001

Das Böse ist nicht das Böse

Über die Perfidie, im Weltpolizisten das Kapital zu identifizieren
Oktober
2001

Der Gemeinschaft der Patrioten, die sich nun um Stars and Stripes und CNN versammelt, hält man vor, daß sie - irrational wie sie ist - vom selben „Bösen“ ausgehe, wie mit umgekehrtem Vorzeichen die islamistische Terrorbande; daß sie nicht selbstkritisch das Elend der „Globalisierung“ einsehe, auf den (...)

radiX, Texte

Der Feind unseres Feindes ist unser Feind

Der 11.September 2001, der Krieg und die Linke
Oktober
2001

Zu Beginn des 21.Jahrhunderts ist die Linke weltweit kein gewichtiger Faktor mehr. Das gilt für traditionelle KommunistInnen und StaatssozialistInnen, sozialrevolutionäre oder libertäre Linke und klassische antikolonial-nationale Befreiungsbewegungen. Der Kampf der Kreuzritter der (...)

Context XXI, Heft 6/2001

Es sind nicht die USA

November
2001

The importance of the Gulf War derives rather from the fact that it presented the United States as the only power able to manage international justice, not as a function of its own national motives but in the name of global right. (Hardt / Negri: Empire, S. 181) Every imperial war is a civil (...)

Context XXI, Heft 6/2001

Schafft ein, zwei, viele Afghanistan ...?

November
2001

Der 11. September war ein Schock. In der Ermordung tausender Menschen in New York in den brennenden und einstürzenden Twin Towers realisierte sich, was vorher vielleicht Stoff von Filmen war, aber keinen Ort in „unserer“ Welt zu haben schien. Dabei geht es nicht darum, dass täglich irgendwo auf der (...)

radiX, Flugblätter
11.September / Afghanistan:

Mehr Fragen als Antworten

Dezember
2001

Im Gegensatz zu einigen anderen Gruppen aus der (anti-)deutschen Linken, haben wir nach den Anschlägen vom 11. September auf das World Trade Center in New York keine voreilige Stellungnahme verfaßt. Daß wir einen Anschlag ablehnen, der tausenden ZivilistInnen das Leben gekostet hat und der sich (...)

Streifzüge, Heft 1/2002

Afghanistan: „Kein Krieg um Öl“

März
2002

Im Jahre 1900 nahmen die Großmächte die Ermordung des deutschen Gesandten im Zuge des sogenannten Boxeraufstands in China zum Anlass, dieses riesige Land in einem äußerst blutigen Feldzug endgültig zu einer Halbkolonie zu machen. Der deutsche General von Moltke notierte am 11. Juli in seinem (...)

Streifzüge, Heft 1/2002

Islamischer Antisemitismus?

Antijudaismus in islamischen Gesellschaften
März
2002

Nicht erst seit dem 11. September ist die Frage nach arabischem und islamischem Antisemitismus eine, an der sich die Linke nicht mehr vorbeidrücken kann. Die Aufgeregtheit, mit der diese Frage diskutiert wird, steht jener um die Einschätzung des 11. Septembers um nichts nach. Auf allen Seiten (...)

Streifzüge, Heft 1/2002

Schlagt den Moslem, wo ihr ihn trefft?

Wider die platte Einteilung der Welt in Deutsche und Antideutsche
März
2002

Die radikalen Islamisten seien in gewisser Weise die Wiedergänger der Nationalsozialisten – diese These vertreten eine Reihe linker oder ehemals linker Persönlichkeiten seit einigen Monaten, im Zusammenhang mit den Attentaten vom 11. September 01 in den USA. Daher, so begründen sie ihre aktuelle (...)

Streifzüge, Heft 1/2002

Von Auschwitz nach Bagdad

Anmerkungen zu den wundersamen Wandlungen des Anti-Antisemitismus
März
2002

Der folgende Artikel stammt aus dem Jahr 1991 und ist in der Krisis 11 erschienen. Vor allem ob der aktuellen Parallelen dokumentieren wir ihn hier in einer Kurzfassung. Die Zwischentitel stammen von der Redaktion. Hu-Hu-Hussein!? (…) Die Zuspitzung am Golf ging natürlich auch an der (...)

Streifzüge, Heft 1/2002

Auschwitz und Wahnwitz

Offener Brief an Gerhard Scheit
März
2002

Der Grund, warum ich mich zu Deinem kleinen Text (vgl. „Streifzüge“ 3/2001) über das Auseinanderbrechen des Wiener „Kritischen Kreises“, der die „Streifzüge“ hervorbrachte, äußere, ist der, dass er mir einen Begriff an die Hand gibt, der es mir erlaubt, meine Haltung zur These, die „islamistischen (...)

Streifzüge, Heft 1/2002

„Leben im Sterben“

März
2002

Mit der Masse der Gegenstände wächst daher das Reich der fremden Wesen, denen der Mensch unterjocht ist, und jedes neue Produkt ist eine neue Potenz des wechselseitigen Betrugs und der wechselseitigen Ausplünderung. (Karl Marx) Wie gewöhnlich erstürmte sich der Herbst an jenem unseligen 11. Tag im (...)

Café Critique, Jahr 2002

L’antisémitisme, l’antisionisme et la gauche

Conférence tenue à Mayence le 13 mai 2002 dans le cadre des « Deutsche Projektionen »
mai
2002

Si on souhaite s’informer pour savoir si l’idée d’un antisémitisme de gauche tient debout, on peut se référer à une bibliographie qui depuis quelques années ne cesse de s’élargir. Hannah Arendt critiquait déjà dans les années cinquante l’idée que l’antisémitisme serait un phénomène exclusivement de droite : (...)

Grundrisse, Nummer 2

Immaterielle Arbeit, Empire, Multitude, neue Begrifflichkeiten in der linken Diskussion. Zu Hardt/Negris „Empire“

Juni
2002

Das Buch „Empire“ von Michael Hardt und Antonio Negri ist im Jahr 2000 erschienen, geschrieben wurde es in den neunziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, zwischen dem Golfkrieg 1991 und der Bombardierung Jugoslawiens 1999. Im Jahr 2001 wurde das Buch zu einem Bestseller („Empire war ein (...)

Grundrisse, Nummer 2

Ursprüngliche Akkumulation im Postfordismus

Juni
2002

„Ursprüngliche Akkumulation“ nennt Marx den Vorgang der Ansammlung von Kapital, „welche(r) nicht das Resultat der kapitalistischen Produktionsweise ist, sondern ihr Ausgangspunkt“ (MEW 23, 741). Er verweist auf den Prozess der Enteignung von gemeinschaftlich bearbeitetem Grund und Boden – Einhegung (...)

Context XXI, Heft 3-4/2002

„Half the story has never been told“*

Die Nation X und ihre weißen Freunde
Juni
2002

500 Jahre nachdem das erste Schiff afrikanischer Sklaven 1502 die Karibikinsel Hispaniola erreichte, erschien erstmals in Österreich eine umfassende Arbeit über die Sklaverei auf amerikanischem Boden und die Redaktionen der Strömungen des “Black Nationalism” auf die anhaltende Diskriminierung von (...)

Café Critique, Jahr 2002

To know the worst

Über den kategorischen Imperativ Adornos im Zeitalter des suicide bombing
September
2002

Das Ganze ist das Unwahre bedeutet das Gegenteil von: alles ist eins. Nicht von ungefähr hat Adorno dem zweiten Teil der Minima moralia das Motto (von F. H. Bradley) vorangestellt: „Where everything is bad / it must be good / to know the worst.“ Der kategorische Imperativ, den Adorno später in der (...)

Grundrisse, Nummer 3

Die 68er Bewegung – Versuch einer Darstellung

Teil 1
September
2002

Es gibt geschichtliche Ereignisse, die keine Theorie vorhersehen kann. Marx ging davon aus, daß die Revolution zuerst in den fortgeschrittensten Ländern losbrechen würde. Die Machtergreifung der Bolschewiki jedoch erforderte massive theoretische Anstrengungen, neue Überlegungen und neue (...)

Grundrisse, Nummer 3

Wie die EDV Konzerne ihre Mehrwertproduktion zu kontrollieren versuchen – ein Erfahrungsbericht

September
2002

Ist der Kapitalismus eine Schranke für die Produktivkräfte? Aufgrund seiner Vorstellungen über das Verhältnis von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen schreibt Marx: „In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige (...)

Streifzüge, Heft 3/2002

Versprochenes wie Gebrochenes

Zum scheinbar unbegreiflichen Charakter des Wahlversprechens
Oktober
2002

Ein kluger Machthaber kann und darf daher sein Wort nicht halten, wenn ihm dies zum Schaden gereichen würde und wenn die Gründe weggefallen sind, die ihn zu seinem Versprechen veranlasst haben. Machiavelli, Der Fürst, XVIII. Kapitel Gibt es einen abgeschmackteren Vorwurf als den, ein (...)

Context XXI, Heft 5-6/2002

Im Jahr danach

Ein Rundgang durch Neuerscheinungen über den 11. September und die Folgen
November
2002

Ein Jahr ist es her, dass die schrecklichen Bilder des Anschlags auf das World Trade Center in New York live in den Fernsehanstalten der Welt übertragen wurden, dass wir in Echtzeit miterleben durften wie Menschen aus den oberen Stockwerken des WTC in den Tod sprangen und schließlich allesamt, (...)

Grundrisse, Nummer 4

Zum Verhältnis von Kommunikation und Gebrauchswert in der mexikanischen Marxismus-Diskussion

Dezember
2002

Die gegenwärtige sozialtheoretische Diskussion ist hierzulande, auch in Zeiten allseits beschworener Globalisierung, weitgehend unbedarft was theoretische Beiträge aus Ländern jenseits des Horizonts der hochindustrialisierten Gebiete betrifft. Der folgende Text stellt einen der relevantesten (...)

Context XXI, Heft 7/2002

Entgrenzte Konflikte

Dezember
2002

Teil 1: Mary Kreutzer und Thomas Schmidinger, zwei Redaktionsmitglieder jener Zeitschrift, die Sie gerade in der Hand haben, oder deren content Ihnen auf andere Weise nutzbar gemacht wird, bewegen sich über Monate in einem für viele fremden Teil Lateinamerikas. Sie führen Interviews, machen (...)

Streifzüge, Heft 1/2003

Warum läuft Herr B. Amok?

Gedanken über die Logik von Krieg und Terror und über den Bruch mit ihr
März
2003

Werner Fassbinder hat 1969 den Film „Warum läuft Herr R. Amok?“ gedreht. Darin erwächst der abschließende Amoklauf aus dem normalen Alltag, aus einem Leben, in dem Herr R. gerade deswegen entgleist, weil er es so ernst und wörtlich nimmt. Mittlerweile weiß auch der fassungslose Normalverbraucher aus (...)

Streifzüge, Heft 1/2003

Transnational statt internationalistisch!

Ungeschliffene Thesen. Vorabfassung
März
2003

Wir werden mehr umdenken müssen als wir vor einigen Jahren noch glaubten. Aus dem Reformationsprojekt des Sozialismus ist inzwischen ein Abbruchunternehmen geworden und immer weniger eignet sich zur Weiterverwendung. Kein Begriff, der heute noch ungeniert verwedet werden könnte. Die Aufgabe ist (...)

Streifzüge, Heft 1/2003

Informalisiertes Elend

Über den Zusammenhang von informellem Sektor und moderner Warenproduktion
März
2003

Der Trend der Informalisierung der Weltökonomie wird sich noch gewaltig beschleunigen und in weit größerem Maße als bisher auch die kapitalistischen Metropolen erfassen. Oberflächlich betrachtet, mag dies als eine Rückkehr des Frühkapitalismus erscheinen. Tatsächlich jedoch kündigt sich eine viel (...)

Café Critique, Jahr 2003

Der Haß der Antiglobalisierungsbewegung auf Israel

Eine Kritik der No-Globals und ihrer Kritiker
Mai
2003

Das Konzept des SPOG-Kongresses vermittelte von Anfang an den Eindruck, als wolle man sich einmal treffen, um über dieses und jenes zu reden, um nachher in etwa so weiterzumachen wie bisher. Anfänglich waren Israel und die antisemitischen Ausfälle der Palästinasolidarität als Themen gar nicht (...)

Context XXI, Heft 2-3/2003

Der David der lateinamerikanischen Legende

Antiamerikanismus in Lateinamerika
Mai
2003

Buenos Aires am 24. März 2003: Auf der Plaza de Mayo gedenken Menschen der Opfer der argentinischen Militärdiktatur. Am Vortag vor 27 Jahren hatten sich hohe Armeeangehörige an die Regierung des Staates geputscht. Mit Unterstützung der US-amerikanischen Regierung begann eine Zeit der brutalen (...)

Context XXI, Heft 2-3/2003

„Die Situation hat sich verändert“

Exiliraqische Politiker im Gespräch
Mai
2003

Während rechte wie linke Medien die Positionen der iraqischen Parteien selbst kaum zu Wort kommen ließen, entschied sich die Redaktion von Context XXI Kasim Talaa von der Iraqischen Kommunistischen Partei (IKP) und Nareman Darbandi von der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) zu einem (...)

Context XXI, Heft 4-5/2003

Ein Feindbild verbindet

Zur Querfront gegen den „Imperialismus“
August
2003

Ende Jänner dieses Jahres erschien auf der rechtsextremen Homepage Wiener Nachrichten Online (WNO) ein bezeichnender Text unter dem Titel „Opernball und Antiimperialismus“. Der Autor verfügt offenbar über ausgezeichnete Kenntnisse der antiimperialistischen Szene Wiens und berichtet dort voller (...)

Context XXI, Heft 4-5/2003

Auf den Kopf gestellt

Zur Wahrnehmung des Nachkriegsirak in Europa
August
2003

Liest man die Schriften anttiimperialistischer Gruppen aller Couleur zum Irak, so fühlt man sich zurückerinnert an den Wahn, mit dem christliche Sekten Schallplatten der Beatles oder der Rolling Stones rückwärts abspielten, um einer geheimen Botschaft auf die Spur zu kommen. In etwa gleichermaßen (...)

Café Critique, Jahr 2003

Europa wird links!

November
2003

„Geht doch rüber“ – das werden die amerikanischen Linken sicherlich bald zu hören bekommen. Zu recht – wenn sie so links sind wie Derrida und Habermas, Baudrillard und rifondazione comunista, das Weltsozialforum und Ted Honderich. Europa soll wieder die Lokomotive der Geschichte werden, fordern (...)

Context XXI, Heft 8/2003 — 1/2004

Der Irak, die Türkei und die Kurden

Dezember
2003

Stabilität in der kurdischen Gesellschaft ist für die ganze Region von Bedeutung. Für die weitere Entwicklung des Irak sind die Reaktionen und die Politik der Nachbarstaaten gegenüber dem Land von großer Bedeutung. Während in Kuwait, das sich nach dem Überfall Saddam Husseins 1990 auch weiterhin vom (...)

Café Critique, Jahr 2004

Bewegung für eine gesinnungsethische Zurichtung der Welt

Die Linke als Avantgarde Deutsch-Europas
März
2004

Die Abschlusserklärung des Weltsozialforums in Porto Alegre liest sich wie ein Manifest, in dem in sehr komprimierter Form, alles anzutreffen ist, was die Bewegung der Antiglobalisierer ausmacht: fetischistischer und personifizierender gesinnungsethischer Antikapitalismus, der alles Übel der (...)

Context XXI, Heft 2-3/2004

Antirassistischer Antisemitismus

Judenhass im moralisch einwandfreien Gewand
März
2004

Auch nach jahrelanger Auseinandersetzung und seminaristischer Bearbeitung des Themas herrscht in der Linken ein falscher Begriff des Antisemitismus vor. Dies legt durchaus den Schluss nahe, dass es sich hier weniger um ein Verkennen dessen Charakters handelt, als vielmehr um ein interessiertes (...)

Context XXI, Heft 2-3/2004

Hallo, Leute von der Context XXI!

März
2004

Dieses Schreiben richtet sich an alle, die die Zeitschrift mitgestalten und sich verantwortlich fühlen. Die Arge Wehrdienstverweigerung, Gewaltfreiheit und Flüchtlingsbetreuung möchte ihre Zusammenarbeit mit der Context XXI beenden, und zwar auf allen Ebenen: keine MitherausgeberInnenschaft mehr, (...)

Context XXI, Heft 2-3/2004

Hallo, Leute von der Arge Wehrdienstverweigerung!

März
2004

Dieses Schreiben richtet sich an alle, die in der Arge tätig sind und sich verantwortlich fühlen. Die Redaktion Context XXI ist über die Trennung von der Arge nicht unglücklich. Längst schon hat es inhaltliche Differenzen gegeben, die jetzige Trennung ist nur mehr eine formale Angelegenheit. Die (...)

Context XXI, Heft 4-5/2004

Auf den Spuren von Baj Ganjo

Die „Rückkehr nach Europa“ auf Bulgarisch
Juni
2004

Was die literarische Figur des „Vetter Ganjo“, die alten und neuen politischen Eliten und die ArbeitsbrigardistInnen an Europa denken lässt, ist die Sehnsucht nach einem besseren Leben. Ob sie jenes dort finden werden, bezweifelt Jutta Sommerbauer. Das Ende der Welt liegt zum Beispiel in (...)

Context XXI, Heft 4-5/2004

Europäische „Wiedergeburt“

Zur Konstruktion Europas gegen die USA
Juni
2004

Zwischen Irak-Krieg und Osterweiterung haben die europäischen Ideologieschmieden alle Hände voll zu tun. Vor allem Rechtsextreme arbeiten an der Identität Kontinentaleuropas, das sich gegen die USA zur Weltmacht aufschwingt. Der ehemalige Nationalsozialist und spätere FPÖ-Nationalrat Otto Scrinzi (...)

Context XXI, Radiosendungen 2004

Die Sprache des Exils

Stephen Tree über Isaac Bashevis Singer
■  Sendungsgestaltung: Mary Kreutzer
Juni
2004

Stephen Tree präsentierte im Jüdischen Museum sein fesselndes Porträt des Literaturnobelpreisträgers Isaac Bashevis Singer.

Café Critique, Jahr 2004

Fahrenheit 9/11 — Der Kreuzzug des kleinen Mannes

Über den neuesten Avantgardismus in Sachen Antiaufklärung
August
2004

Soviel stand bereits vor dem Filmstart in Europa bereits fest: Fahrenheit 9/11, der neueste Film von Michael Moore, ist ein Kassenknüller. Und es ist ebenfalls eingetreten, was man mit hoher Wahrscheinlichkeit prognostizieren konnte: das ressentimentgeladene Propagandawerk ist auch in Europa an (...)

Context XXI, Heft 6-7/2004

Blinde Solidarität

Oktober
2004

Die Reaktion der Arabischen Liga auf die Massenmorde sudanesischer Milizen in Darfur ist von ideologischer Starrheit geprägt. Nur vereinzelt regt sich Widerstand gegen die vorherrschende Suche nach den Ursachen. Jede Krise in einem arabischen Land, die dann in der Regel, wenn nicht in Krieg, so (...)

Context XXI, Heft 6-7/2004

An unnecessary necessity

Oktober
2004

Letztes Jahr erschienen zwei Sammelbände mit unterschiedlichen Intentionen zum Thema Amerika und Amerikakritik. Während das eine Buch seinen Schwerpunkt auf die antiamerikanischen Ressentiments innerhalb der Linken setzt, versucht das andere die internationale Situation, mit der die USA (...)

Café Critique, Jahr 2004

Propaganda der Tat, Freiheit des Opfers

Gerhard Scheit über sein neues Buch Suicide Attack
Dezember
2004

Gerhard Scheit ist Autor verschiedener Bücher zum Antise­mitismus und Mitglied der Wiener Gruppe Café Critique. Soeben erscheint im ça ira-Verlag sein neues Buch: „Suicide Attack“ — Zur Kritik der politischen Gewalt. Phase 2 be­fragte Gerhard Scheit zu dem von ihm wiedereingeführten Begriff des (...)

Context XXI, Heft 8/2004

US-Truppen verlassen den Irak

Der europäische Traum, ein irakischer Alptraum
Dezember
2004

Stellen Sie sich vor, der amerikanische Präsident würde für morgen eine wichtige Fernsehansprache an die Welt ankündigen. Stellen Sie sich weiter vor, er würde dann in dieser Fernsehansprache mitteilen: Er habe sich geirrt – die Befreiung des Irak sei ein Fehler gewesen. Er werde den Fehler auf (...)

Café Critique, Jahr 2005

„Suicide Attack. Zur Kritik der politischen Gewalt“

Buchpräsentation, Berlin, im Februar 2005
Februar
2005

Einführungstext Spätestens der tausendfache Mord der Suicide Attacks vom 11. September hat unübersehbar gemacht, was sich bereits zuvor in den zahlreichen Selbstmordattentaten in Israel manifestiert hatte: eine Bewegung, die im Namen Allahs zum Djihad aufruft gegen Juden und alles was sie mit (...)

Context XXI, Jahr 2005

„Krieg heimatloser Finanzzentren gegen die Völker“

Antisemitische Motive aus der Anti-Globalisierungsbewegung
Juni
2005

Eine Veranstaltung der Gruppe gegen Antisemitismus und Antizionismus Zürich. Thomas Haury ist Soziologe und arbeitet schon seit Jahren zum Themenbereich Antisemitismus und Antiamerikanismus von links. Mit anschliessender Diskussion. Auf der Demonstration gegen das Jahrestreffen des WEF in (...)

Context XXI, Radiosendungen 2005

Stadt aus Glas

Teil 1
■  Sendungsgestaltung: Heide Hammer
Juni
2005

Stadt aus Glas erschien 1985 als erster Roman von Paul Auster. Der zu Beginn wie eine Kriminalgeschichte wirkende Text wird in sechs Teilen mit musikalischer Untermalung vorgetragen.

Context XXI, Radiosendungen 2005

Stadt aus Glas

Teil 2
■  Sendungsgestaltung: Heide Hammer
August
2005

„Stadt aus Glas“ erschien 1985 als erster Roman von Paul Auster. Zu Beginn wirkt dieser erste Teil der „New York Triologie“ wie eine Kriminalgeschichte. Paul Austers erster Roman wird in insgesamt sechs Teilen mit musikalischer Untermalung (...) Sie wollen diesen Text online lesen?
Das ist machbar!

Context XXI, Radiosendungen 2005

Stadt aus Glas

Teil 3
■  Sendungsgestaltung: Heide Hammer
August
2005

Stadt aus Glas erschien 1985 als erster Roman von Paul Auster. Der zu Beginn wie eine Kriminalgeschichte wirkende Text wird in sechs Teilen mit musikalischer Untermalung vorgetragen.

Context XXI, Radiosendungen 2005

Stadt aus Glas

Teil 4
■  Sendungsgestaltung: Heide Hammer
August
2005

Stadt aus Glas erschien 1985 als erster Roman von Paul Auster. Der zu Beginn wie eine Kriminalgeschichte wirkende Text wird in sechs Teilen mit musikalischer Untermalung vorgetragen.

Context XXI, Radiosendungen 2005

Stadt aus Glas

Teil 5
■  Sendungsgestaltung: Heide Hammer
September
2005

Stadt aus Glas erschien 1985 als erster Roman von Paul Auster. Der zu Beginn wie eine Kriminalgeschichte wirkende Text wird in sechs Teilen mit musikalischer Untermalung vorgetragen.

Context XXI, Radiosendungen 2005

Stadt aus Glas

Teil 6
■  Sendungsgestaltung: Heide Hammer
September
2005

Stadt aus Glas erschien 1985 als erster Roman von Paul Auster. Der zu Beginn wie eine Kriminalgeschichte wirkende Text wird in sechs Teilen mit musikalischer Untermalung vorgetragen.

Context XXI, Heft 7-8/2005

Unlawful Combatants

Das Dilemma des „War on Terror“
Dezember
2005

Das berüchtigte US-Internierungslager in Guantanamo erinnert sicherlich nicht an deutsche KZ’s, wie neben Giorgio Agamben und Micha Brumlik auch ungezählte Linke meinen behaupten zu müssen. Geheuchelte moralischer Empörung dieser Art nährt sich aus einem Antiamerikanismus, der schon immer wusste, (...)

Context XXI, Heft 1-2/2006

Gegen die Zersetzung durch Intellekt und Trieb

Zum Hass der Antisemiten und Antisemitinnen auf die Nicht-Identischen
Mai
2006

[(Vorbemerkung: Bei vorliegendem Text handelt es sich um einen Vortrag, den ich im November 2004 am Symposium „Feindaufklärung und Reeducation. Über die Notwendigkeit Kritischer Theorie heute“ gehalten habe. Im von Stephan Grigat herausgegebenen Band zu diesem Symposium wurde er nicht aufgenommen. (...)

Café Critique, Jahr 2007

Tragicomedy in the Bavarian Alps

■  Lizas Welt
February
2007

It is well known that anti-American jokes are in fashion nowadays here in Germany. Whoever, for example, pokes the usual fun at George W. Bush can be more or less sure to have the laughs on his side. And then those “Amis” have such absurd laws: in America, for example, one can sue the tobacco (...)

Café Critique, Jahr 2007

Ein Beitrag der Zivilgesellschaft

Mai
2007

Die US-Regierung hat den österreichischen Ölmulti OMV wegen geplanter Geschäfte mit der nationalen iranischen Ölgesellschaft gerügt. In Österreich sind die Reihen hinter der OMV fest geschlossen. „Es geht um einen Geschäftsvorgang, der mit dem Nuklearprogramm nichts zu tun hat.“ Mit diesen Worten (...)

Streifzüge, Heft 41

Über den Horizont unserer Handlungen

Aus den nachgelassenen Briefen des André Gorz
November
2007

ZUM ZEHNTEN TODESTAG Anstatt noch einen weiteren Nachruf nachzureichen, haben wir uns entschlossen, einige Passagen aus den Briefen des André Gorz an Franz Schandl und Andreas Exner zu veröffentlichen. Gorz soll also noch einmal selbst zu Wort kommen. Die Auszüge wurden äußerst behutsam redigiert. (...)

Café Critique, Jahr 2008

Die europäischen Steigbügelhalter der Mullahs

Die Schweizer stehen nicht allein mit ihren Iran-Geschäften
 
2008

Die Schweizer sind ihrem EM-Kooperationspartner Österreich nicht nur in fußballerischen Belangen voraus. Während die Österreichische Mineralölverwaltung (OMV) immer noch über ihren 22-Milliarden-Euro-Deal mit dem iranischen Regime verhandelt, hat die Elektrizitätsgesellschaft Laufenburg letzte Woche (...)

Café Critique, Jahr 2008

Dialektik der Feindaufklärung

Wie Franz Neumann, Ernst Fraenkel und Leo Strauss mit den Augen des Westens sehen lernten
Januar
2008

Für oder gegen den Westen – Carl Schmitt hat 1932 die Alternative benannt, als er konstatierte, daß die „Weimarer Verfassung zwei Verfassungen sind“, und der Zeitpunkt zwischen ihnen zu wählen nun gekommen sei: „Anerkennung substanzhafter Inhalte und Kräfte des deutschen Volkes oder Beibehaltung und (...)

Café Critique, Jahr 2008

Engagement ohne Sartre

Zur Kritik der europäischen Neokonservativen
November
2008

Jede Nation scheint die Neokonservativen zu haben, die sie verdient. In den USA sind es politische Berater, die sich an den Platon- und Maimonides-Exegesen von Leo Strauss geschult haben; in Frankreich Moralisten nach dem Vorbild Voltaires und Zolas; und in Deutschland Komiker in der Tradition (...)

Café Critique, Jahr 2009

Fetisch und deutsche Ideologie

Januar
2009

Erstaunt verkündet das Feuilleton eine Marx-Renaissance. Die Krise habe das Marxsche Kapital zum Verkaufsschlager werden lassen. Lesekreise zur Kritik der politischen Ökonomie würden nur so aus dem Boden sprießen. Nach einem Jahrzehnt der weit gehenden Abwesenheit von kapitalismuskritischen Tönen (...)

Café Critique, Jahr 2009

Der „Antirassismus“ von Holocaust-Leugnern

April
2009

Diese Woche findet in Genf die UN-Antirassismuskonferenz statt, die Nachfolgekonferenz jener Veranstaltung, bei der 2001 im südafrikanischen Durban Israel als einziges Land der Welt wegen „staatlichem Rassismus“ an den Pranger gestellt wurde und während deren NGO-Forum es tätliche Angriffe auf (...)

Café Critique, Jahr 2010

Sitcom as Endgame, Tatort out of the Volksempfänger

An attempt to understand the culture industry
March
2010

“Advertising has absorbed surrealism“ – and sitcoms have absorbed Beckett’s Endgame. It seems that what Adorno noticed in the appendix of the “Dialictic of Enlightenment” named “The Scheme of Mass Culture” (Adorno 1997 Bd. 3: 306) is to be extrapolated for King of Queens and Beckett. The modern work of (...)

Café Critique, Jahr 2010

Alpendonaunazis für Ahmadinejad

Über die abendländischen Freunde des Jihad und ihr eigentliches Feindbild
April
2010

Sie brüllen „Daham statt Islam“ und bewundern die Djihadisten. Die unter österreichischen Neonazis besonders beliebte Homepage Alpen-Donau-Info, die nicht anders als Kronen Zeitung und FPÖ das „Abendland in Christenhand“ wünscht, ist zugleich auf Distinktionsgewinn aus: „Mit billiger (...)

Grundrisse, Nummer 45

Die Eroberung der Demokratie

März
2013

Die Diskussion über die politische Form der künftigen Gesellschaft spielte bei Kommunisten und Sozialisten, welche die Modelle der Sowjetunion, China usw. als Modelle sozialistischer Gesellschaften zurückwiesen, nur eine marginale Rolle. Häufig wurde hier Bezug auf Äußerungen von Marx und Engels (...)

Grundrisse, Nummer 45

Über Postfaschismus

Wie Staatsbürgerschaft ein exklusives Privileg wird
März
2013

Wie Staatsbürgerschaft ein exklusives Privileg wird Ich habe ein Interesse anzumelden. Die Regierung meines Landes, Ungarns, ist – zusammen mit der Bayrischen Landesregierung (ländlich in mehr als einem Sinne) – die stärkste ausländische Unterstützerin von Jörg Haiders Österreich. Das (...)

Grundrisse, Nummer 45

Vorläufige Thesen zu einem System der Angst

März
2013

Kapital rennt rund um den Globus auf der Suche nach billigen Löhnen. Es rennt auch in die Gegenrichtung auf der Jagd nach konkurrierender Konsumentennachfrage. Es rennt Gelegenheiten für lukrative Investitionen nach. Es rennt zu Plätzen mit niedrigen Steuern. Es rennt, um stabile Regierungen oder (...)

Grundrisse, Nummer 45

Zur Demokratie sozialer Bewegungen

März
2013

Immer wieder wurde durch emanzipatorische soziale Bewegungen mehr Demokratie gefordert. In den revolutionären Phasen war es die direkte Demokratie der Räte, in den 1970ers tauchte das Schlagwort „Basisdemokratie“ auf. Die sozialen Bewegungen der letzten Jahre von unibrennt bis hin zu den Indignados (...)

Grundrisse, Nummer 45

Bewegung und Kritik

Zu typisch deutschen Kritikern von Occupy und David Graeber
März
2013

Die Occupy-Bewegung ist sicherlich als eine der größten und breitesten sozialen Bewegungen der letzten Jahrzehnte zu bewerten. Sie hatte internationale Resonanz hervorgerufen – bis nach China und nach Nigeria, wo sich auch eine gleichnamige Bewegung konstituierte, und sie wirkt noch jenseits des (...)

Grundrisse, Nummer 47

Frauen- und Tierrechtsbewegung

Eine doppelt verschwiegene Geschichte
Mai
2013

Die Geschichte der Anstrengungen des Menschen, die Natur zu unterjochen, ist auch die Geschichte der Unterjochung des Menschen unter den Menschen. Max Horkheimer Auf den versteckt liegenden Pfaden des Londoner Battersea Parks kann man einem kleinen Stück einer doppelt verschwiegenen Geschichte (...)

Grundrisse, Nummer 47

Was tun mit Demokratie – in Praxis und Theorie?

Mai
2013

Einen Text über Demokratie zu schreiben ist ebenso problematisch wie über Gerechtigkeit (siehe Blume/Sinakusch 2013). Unweigerlich handelt mensch sich einen Rattenschwanz an Assoziationen, „Nebenthematiken“ und Begriffen ein, die untrennbar mit Demokratie verknüpft sind. Ein paar Beispiele: (...)

Grundrisse, Nummer 47

Die Tränengasdemokratie

Istanbul, Frankfurt und der globalisierte Widerstand
Mai
2013

Wer Meldungen zu den Protesten in Frankfurt anlässlich der Blockupy-Aktionen 2013 verfolgte und zeitgleich die Mitteilungen zur Revolte in der Türkei, die über die social networks eintrudelten, wusste manchmal nicht mehr genau, wovon die Rede war. So ging es einem Facebook-Leser, so ging es mir. (...)

Grundrisse, Nummer 47

Marx’ Kritik der politischen Ökonomie

(Noch) Schlüssel für die Ideologie- und Bewusstseinstheorie der Linken heute?
Mai
2013

Kontinuität und Bruch Die globale Finanzkrise hat die kapitalistische Gesellschaftsordnung in den Grundfesten erschüttert. Aber die gegenwärtige Weltwirtschaftskrise erweist sich damit noch keineswegs als „Stunde der Linken“ und radikaler Bewusstseinsveränderungen. Bei aller Skepsis einer Mehrheit (...)

Grundrisse, Nummer 46

Griechenland und die EU

Autoritäre positive Integration und der griechische Nationalstaat
Mai
2013

Die Tatsache, dass konservative Journalisten das aktuelle Krisenmanagement der EU zum Anlass nehmen, ihre über Jahrzehnte vertretenen Auffassungen zu hinterfragen und die Demokratie in Europa bedroht zu sehen, verweist auf das offenbar außerordentlich problematische Verhältnis zwischen (...)

Grundrisse, Nummer 48

Kampf für das Gemeinsame

Der (Post-)Operaismus als Interventionsstrategie für die radikale Linke
Dezember
2013

Prolog Seit der Veröffentlichung der Empire-Trilogie von Antonio Negri und Michael Hardt, die weltweit die Bestsellerlisten erklommen und beide weltberühmt machte, ist der (Post)Operaismus die einflussreichste postmarxistische Bewegungstheorie. Der Philosoph Slavoj Žižek sah in dieser gar das (...)

Grundrisse, Nummer 48

Zum Begriff der immateriellen Arbeit von Michael Hardt und Antonio Negri

Eine Kritik aus entwicklungspolitischer Sicht
Dezember
2013

Der Begriff der immateriellen Arbeit wird von Antonio Negri und Michael Hardt, in ihrem Buch „Empire“ (2000) verwendet, um auf veränderte Arbeitsprozesse aufmerksam zu machen. Diese neue Arbeitsform wird von Robert Foltin (2004) weiterhin wie folgt beschrieben: „Die jetzt dominierende immaterielle (...)

Grundrisse, Nummer 48

„Das Kapital wird identisch mit dem Staat“*

Entstehung und Entwicklung der marxistischen Staatskritik beim frühen Negri**
Dezember
2013

Bereits als Student setzte sich Toni Negri, damals noch stark hegelianisch geprägt, mit staatstheoretischen Fragestellungen auseinander. Seine Doktorarbeit aus dem Jahr 1958 trägt den Titel Stato e diritto nel giovane Hegel, also Staat und Recht beim jungen Hegel. Im Laufe seiner darauffolgenden (...)

Grundrisse, Nummer 50

Vegan-Hype

Ursachen und Vereinnahmung aus kämpferischer Perspektive
Mai
2014

Was heute alltäglich ist, hätte noch vor fünf Jahren kaum jemand aus der Tierrechtsszene für möglich gehalten: Geschäfte werben damit, dass sie vegane Artikel führen, große, bürgerliche Zeitungen wie Die Süddeutsche oder Die Zeit behandeln den Veganismus in ganzseitigen Artikeln, im Privatfernsehen wird (...)

Grundrisse, Nummer 50

Schuld ohne Sühne

Mai
2014

Die Streitfrage um eine mögliche Komplizenschaft Frankreichs mit dem Völkermordregime Ruandas ist 20 Jahre nach den Massakern immer noch aktuell. Dies liegt vor allem an den militärischen Verstrickungen Frankreichs in diesem Konflikt begründet. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Ende (...)

Grundrisse, Nummer 50

Nichts geht mehr

Zum Propagandadebakel der Mainstream Medien im Falle der Ukraine
Mai
2014

Dieser kleine Artikel hat bloß den Anspruch, das bemerkenswerte Debakel der Mainstream Medien rund um die Geschehnisse in der Ukraine zu dokumentieren. Ein Debakel, das in dieser Form und in diesem Ausmaß nicht zu erwarten war. Ich beginne mit einem kurzen Rückblick auf die Ereignisse. Nachdem (...)

Grundrisse, Nummer 50

„Lob des Kommunismus 2.0“: Eine Kritik

■  Paul Pop
Mai
2014

Mit einem Wort, die Kommunisten unterstützen überall jede revolutionäre Bewegung gegen die bestehenden gesellschaftlichen und politischen Zustände. In allen diesen Bewegungen heben sie die Eigentumsfrage, welche mehr oder minder entwickelte Form sie auch angenommen haben möge, als die Grundfrage der (...)

Grundrisse, Nummer 51

Geschichtsphilosophie und soziale Bewegungen

September
2014

In den 1960ern erreichte der Prozess der Entkolonialisierung sein Ende, bis auf Ausnahmen erreichte ein großer Teil der Staaten des globalen Südens die formale Unabhängigkeit. Durch die Existenz der Sowjetunion war es in einem Teil der Staaten möglich, eine vom Westen unabhängige Politik zu machen. (...)

Streifzüge, Heft 63

Den Kapitalismus vor sich selber retten?

März
2015

Vielleicht ist es ja unvermeidlich, dass über die Rettung einer herrschenden Lebensweise am erbittertsten gestritten wird, wenn sie nicht mehr zu retten ist, wenn sie sich allenthalben aufzulösen beginnt. Es wird „um Arbeitsplätze gekämpft“, als ob Hackeln der Sinn des Lebens wäre. Und für das (...)

Streifzüge, Heft 64

Wie kommt die Welt nur weg vom Geld?

Juni
2015

Ein aktueller Witz über Griechenland – ein Kabarettist gibt ihn im Ersten Deutschen Fernsehen zum Besten – geht so: Hans hat vier Äpfel. Er isst neun… Und das war er schon, der Witz. Wir verstehen: „Die Griechen“ haben über ihre Verhältnisse gelebt, haben mehr verbraucht, als sie erwirtschaftet haben, (...)

Café Critique, Jahr 2015

„Bei alten Freunden“

September
2015

Das Wiener Abkommen mit dem iranischen Regime.

Streifzüge, Heft 65

Symmetrische und asymmetrische Kriege

Teil I — Von entfesselter Konkurrenz und Atomwaffen
November
2015

„Ich geh mit meiner Laterne“ (Kinderlied) Eigentlich leben wir in einer schönen Welt. Ein ausreichendes Maß Ressourcen an Naturstoffen, hochtechnologisierte Produktionsmittel und die historisch gewachsenen menschlichen Fähigkeiten könnten für alle Menschen ein gutes, genussvolles Leben frei von Armut (...)

Streifzüge, Jahrgang 2016

Polizei und Rassismus in den USA

Warum US-Polizisten schwarze Bürger töten
Juli
2016

Deutsche Medien berichten von Polizeigewalt in den USA meist erst, wenn es zu gewalttätigen Protesten kommt – „besorgt“ um die innere Ordnung des NATO-Partners. Die Frage, warum US-Polizisten regelmäßig afroamerikanische Bürger töten, spielt dabei kaum eine Rolle. In der vergangenen Woche sterben (...)

Streifzüge, Jahrgang 2016

Tod und Zerstörung

September
2016

Der »Krisenimperialismus« ist kaum mehr auf Beherrschung aus. Ziel ist, die »Überflüssigen« von den kapitalistischen Zentren fernzuhalten Der Kapitalismus ist kein Naturding. Er ist nicht die ewige Voraussetzung menschlicher Entwicklung, wie es die herrschende Ideologie mit ihrer Naturalisierung (...)

Streifzüge, Jahrgang 2016

Freihandel und Flüchtlinge

Oktober
2016

Anlässlich der TTIP-Proteste ein Blick zurück auf die vergessenen desaströsen Freihandelsdeals der EU, die Afrika aufgenötigt wurden. Freihandel macht mobil, zumindest die politische Opposition gegen die windigen Freihandelsabkommen zwischen der EU einerseits sowie den USA und Kanada anderseits (...)

Streifzüge, Jahrgang 2016

Let’s Atomize!

Oktober
2016

Angesichts der krisenbedingt eskalierenden geopolitischen Spannungen droht ein verheerender nuklearer Großkrieg. Es ist die Banalität der nuklearen Apokalypse: Als ob es sich um den Wetterbericht handeln würde, wird in Medien und Politik über einen drohenden Großkrieg, über einen nuklearen (...)

Streifzüge, Heft 69

Reaktionäre Politisierung

Polens Regierung forciert den autoritären Umbau von Staat, Armee und Medien
April
2017

Wie sehr rechte Politik dazu tendiert, sich selbst ins Extrem zu treiben, kann derzeit in Warschau studiert werden. Polens rechtspopulistische Regierung, die von der Partei Recht und Gerechtigkeit (Prawo i Sprawiedliwość – PiS) um Jarosław Kaczyński gestellt wird, ist seit ihrem überraschenden (...)

Streifzüge, Jahrgang 2017

Wir sind Zombie

Anlässlich des Todes von George Andrew Romero
August
2017

Ein kurzer Exkurs zu der steilen kulturindustriellen Karriere, die dem Phänomen der Untoten in den vergangenen Jahren beschieden war. Knapp 400 Millionen US-Dollar – soviel soll die Produktion und Vermarktung des jüngsten Zombiespektakels World War Z verschlungen haben. Wenn Hollywood eine solch (...)

United States of America
Vereinigte Staaten von Amerika
Flagge der Vereinigten Staaten
Großes Siegel der Vereinigten Staaten
Flagge Siegel
Wahlspruch:
E pluribus unum
(lateinisch für Aus vielen Eins, immer inoffiziell[1])
In God We Trust
(englisch für Auf Gott vertrauen wir, offiziell seit 1956[1])
Amtssprache de jure: keine
de facto: Englisch[2]
Hauptstadt Washington, D.C.
Staats- und Regierungsform föderale präsidentielle Republik
Staatsoberhaupt, zugleich Regierungschef Präsident Joe Biden
Fläche 9.826.675[3] km²
Einwohnerzahl 328 Mio. (2019)[4]
Bevölkerungsdichte 33[5] Einwohner pro km²
Bevölkerungs­entwicklung   +0,74 %[6] pro Jahr
Bruttoinlandsprodukt
  • Total (nominal)
  • Total (KKP)
  • BIP/Einw. (nominal)
  • BIP/Einw. (KKP)
2019[7]
  • 21,433 Bio. USD (1.)
  • 21,433 Bio. USD (2.)
  • 65.254 USD (7.)
  • 65.254 USD (8.)
Index der menschlichen Entwicklung   0,926 (17.) (2019)[8]
Währung US-Dollar (USD)
Gründung 1787/89 (Verfassung)
Unabhängigkeit 4. Juli 1776 (vom Königreich Großbritannien)
National­hymne The Star-Spangled Banner
Nationalfeiertag 4. Juli (Independence Day)
Zeitzone UTC−5 bis UTC−10
(50 Bundesstaaten und D.C.)
Kfz-Kennzeichen USA
ISO 3166 US, USA, 840
Internet-TLD .us, .gov, .mil, .edu
Telefonvorwahl +1 (siehe NANP)
ChileUruguayArgentinienParaguayPeruBolivienBrasilienEcuadorPanamaVenezuelaGuyanaSurinameKolumbienTrinidad und TobagoFrankreich (Französisch-Guayana)Niederlande (ABC-Inseln)Costa RicaHondurasEl SalvadorGuatemalaBelizeMexikoJamaikaKubaHaitiDominikanische RepublikBahamasNicaraguaVereinigte StaatenKanadaInseln über dem Winde (multinational)Puerto Rico (zu Vereinigte Staaten)Vereinigtes Königreich (Kaimaninseln)Vereinigtes Königreich (Turks- and Caicosinseln)Vereinigtes Königreich (Bermuda)Frankreich (St.-Pierre und Miquelon)Dänemark (Grönland)RusslandIslandNorwegenIrlandVereinigtes KönigreichDeutschlandDänemarkBelgienFrankreichSpanienPortugalSpanien (Kanarische Inseln)MarokkoLibyenKap VerdeMauretanienMaliTunesienGuineaGuinea-BissauGambiaSenegalSchweizItalienNiederlandeSchwedenFinnlandPolenEstlandLettlandLitauenRusslandItalienWeißrusslandUkraineJapanVolksrepublik ChinaMongoleiKasachstanMoldauRumänienBulgarienÖsterreichUngarnTschechienSlowakeiSlowenienSerbienKroatienBosnien und HerzegowinaMontenegroAlbanienNordkoreaUnited States on the globe (North America centered).svg
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Die Vereinigten Staaten von Amerika (englisch United States of America; abgekürzt USA), kurz Vereinigte Staaten (englisch United States, abgekürzt U.S., US) genannt und häufig auch umgangssprachlich verkürzt zu Amerika (englisch America), sind eine föderale Republik. Sie besteht aus 50 Bundesstaaten, einem Bundesdistrikt (der Hauptstadt Washington, D.C.), fünf größeren unmittelbar unionsabhängigen Territorien und neun Inselterritorien. Die 48 zusammenhängenden Contiguous United States (häufig Lower 48 genannt) sowie Alaska liegen in Nordamerika und bilden zusammen die Continental United States, während der Bundesstaat Hawaii und kleinere Außengebiete im Pazifik beziehungsweise in der Karibik liegen. Das Land weist eine sehr hohe geographische und klimatische Diversität mit einer großen Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten auf.

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind der drittgrößte Staat der Erde, gemessen an der Fläche von 9,83 Millionen Quadratkilometern[3] (nach Russland und Kanada) und gemessen an der Bevölkerung von etwa 328,2 Millionen Einwohnern (nach China und Indien). Die nach Einwohnerzahl größte Stadt ist New York City, bedeutende Metropolregionen sind Los Angeles, Chicago, Dallas, Houston, Philadelphia, Washington, Miami, Atlanta, Boston und San Francisco, mit jeweils über 5 Millionen Einwohnern. Der Grad der Urbanisierung liegt bei 82,46 Prozent (Stand: 2019).[9]

Populäre Nationalmythen der Vereinigten Staaten besagen, die USA sei eines der ethnisch multikulturellsten Länder; empirische Studien zeigen jedoch, dass die USA im weltweiten Vergleich der nationalen ethnischen und kulturellen Vielfalt nur durchschnittlich abschneiden.[10][11] Anders als in 32 Bundesstaaten gibt es auf Bundesebene keine gesetzliche Amtssprache, jedoch herrscht Englisch als De-facto-Amtssprache vor. Im Südwesten sowie in Miami ist zusätzlich die spanische Sprache weit verbreitet. Insgesamt waren 2015 mehr als 350 Sprachen in heimischem Gebrauch, davon allein 150 indigene. Darunter waren als größte die der Yupik in Alaska, der Dakota aus der Sioux-Sprachfamilie sowie die verschiedenen Apache-Sprachen in Gebrauch, dann Keres, die Sprache der Pueblo-Indianer, und Cherokee.[12]

Paläoindianer wanderten vor mehr als 13.000 Jahren aus Asien in das nordamerikanische Festland der heutigen Vereinigten Staaten ein (Buttermilk Creek Complex), nachdem sie mehrere Jahrtausende zuvor das heute zu den USA gehörende Alaska besiedelt hatten. Die europäische Kolonisierung begann etwa um 1600 vorwiegend aus England, allerdings in langwieriger Auseinandersetzung mit Frankreich. Die Vereinigten Staaten gingen aus den 13 Kolonien an der Atlantikküste hervor. Streit zwischen Großbritannien und den amerikanischen Kolonien führte zur Amerikanischen Revolution. Am 4. Juli 1776 verabschiedeten Delegierte der 13 Kolonien die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten und somit die Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika. Der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg, der mit der Anerkennung der Unabhängigkeit endete, war der erste erfolgreiche Unabhängigkeitskrieg gegen eine europäische Kolonialmacht. Die heutige Verfassung wurde am 17. September 1787 verabschiedet. Bisher wurden 27 Zusatzartikel ergänzt. Die ersten zehn Zusatzartikel, die gemeinsam als Bill of Rights bezeichnet werden, wurden 1791 ratifiziert und garantieren eine Vielzahl von unveräußerlichen Rechten.

Angetrieben von der Doktrin Manifest Destiny begannen die Vereinigten Staaten eine Expansion über Nordamerika, die sich über das 19. Jahrhundert erstreckte. Dies schloss die gewaltsame Vertreibung indigener indianischer Stämme, den Erwerb neuer Territorien u. a. im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg und die Gründung neuer Bundesstaaten ein. Der Amerikanische Bürgerkrieg führte 1865 zum Ende der legalen Sklaverei in den Vereinigten Staaten. Zum Ende des 19. Jahrhunderts erreichte der Staat eine Ausdehnung bis zum Pazifik, seine Wirtschaft wurde zur größten weltweit. Der Spanisch-Amerikanische Krieg und der Erste Weltkrieg bestätigten die Rolle der Vereinigten Staaten als globale Militärmacht. Aus dem Zweiten Weltkrieg gingen die USA als Supermacht und als erstes Land mit Atomwaffen hervor und wurden eines von fünf ständigen Mitgliedern im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Nach Ende des Kalten Krieges und dem Zerfall der Sowjetunion sind die USA die einzige verbliebene Supermacht. Sie sind Gründungsmitglied der Vereinten Nationen, der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und vieler weiterer internationaler Organisationen. Ihr politischer und kultureller Einfluss ist weltweit groß.

Die Vereinigten Staaten sind ein industrialisierter Staat und die größte Volkswirtschaft mit einem Bruttoinlandsprodukt in Höhe von 22,4 Billionen US-Dollar im Jahr 2019, was 25 % der nominellen bzw. 17 % der kaufkraftbereinigten globalen Wirtschaftsleistung entsprach.[7] Das Land hatte 2016 das achthöchste Pro-Kopf-Einkommen. Laut der Weltbank ist die Einkommensverteilung in den Vereinigten Staaten eine der ungleichsten unter den OECD-Staaten.[13] Die Wirtschaftsleistung des Landes wird begünstigt durch den Reichtum an natürlichen Ressourcen, eine gut entwickelte Infrastruktur und eine hohe durchschnittliche Produktivität.[14][15] Obwohl die Wirtschaftsstruktur gemeinhin als postindustriell angesehen wird, ist das Land nach wie vor einer der weltgrößten Güterproduzenten.[16] Die USA waren 2016 für 36 % der weltweiten Militärausgaben verantwortlich und lagen damit auf Platz 1, gefolgt von China mit 13 % und Russland mit 4,1 %.[17] Der in Folge der Terroranschläge am 11. September 2001 ausgerufene Ausnahmezustand ist seit 2001 in Kraft.[18]

Begriffsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„united states of America“ am 4. April 1776
Alexis de Tocquevilles Über die Demokratie in Amerika (1835/1840) – eines der meistrezipierten Werke der Sozialwissenschaften

1507 fertigte der deutsche Kartograf Martin Waldseemüller eine Weltkarte, auf der er die Landmasse der westlichen Hemisphäre als „Amerika“ nach dem italienischen Entdecker und Kartografen Amerigo Vespucci benannte.[19] Dieser Begriff umfasste ursprünglich den Doppelkontinent Amerika, der den Europäern als Neue Welt bekannt wurde. Seit der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika hat sich die Verwendung des Begriffs Amerika aus verschiedenen historischen Gründen und je nach Sprachraum in unterschiedlichem Maße auf die Vereinigten Staaten konzentriert.

Der erste dokumentierte Hinweis auf die Bezeichnung United States of America liegt in einem anonym verfassten Essay, das am 6. April 1776 in der Zeitung The Virginia Gazette in Williamsburg veröffentlicht wurde.[20][21] Im Juni 1776 fügte Thomas Jefferson die Bezeichnung „UNITED STATES OF AMERICA“ in Versalien in den Titel seines ursprünglichen Entwurfs der Unabhängigkeitserklärung ein.[22][23] In der fertigen Version wurde der Titel in The unanimous Declaration of the thirteen united States of America („Die einstimmige Deklaration der dreizehn vereinigten Staaten von Amerika“) geändert.[24]

In den 1777 veröffentlichten Konföderationsartikeln wird verkündet: The Stile of this Confederacy shall be ‘The United States of America’ („Die Bezeichnung dieser Konföderation soll ‚The United States of America‘ sein“).[25]

Die Kurzform United States ist allgemein gebräuchlich. Andere häufig benutzte Formen sind „U.S.“ bzw. „US“, „U.S.A.“ bzw. „USA“ und „America“. Andere umgangssprachliche Namen sind „U.S. of A.“ und – international – „die Staaten“ (the States). „Columbia“, ein populärer Name in der Dichtung und Liedern des späten 17. Jahrhunderts,[26] leitet sich vom Namen Christoph Kolumbus ab. Es ist Teil der Bezeichnung District of Columbia.

Die amtliche deutsche Bezeichnung für Bürger der Vereinigten Staaten ist „Bürger der Vereinigten Staaten (von Amerika)“ oder „Amerikaner“.[27] „Amerikanisch“ und „US-amerikanisch“ werden im deutschen Sprachgebrauch für die adjektivische Bezeichnung verwendet („amerikanische Werte“), verbreitet ist auch das Präfix „US-“ („US-Streitkräfte“). „Amerikanisch“ ist die empfohlene Form in den Leitfäden zum amtlichen Sprachgebrauch in Deutschland,[27] Österreich[28] und der Schweiz.[29] Im deutschen Leitfaden geht dem noch die alternative Bezeichnung „der Vereinigten Staaten (von Amerika)“ voran. Einzig für die USA gibt es im deutschen Leitfaden keine eindeutige Bezeichnung. Das Korrektorat der Neuen Zürcher Zeitung rät von der Verwendung der erstmals 1951 im Duden verzeichneten Neubildung „US-amerikanisch“ ab, da sie ebenso unnötig wie künstlich sei, und empfiehlt, sie durch „amerikanisch“ zu ersetzen.[30]

Im englischen Sprachraum wird das Pendant „American“ selten benutzt, um sich auf Themen zu beziehen, die keinen unmittelbaren Zusammenhang mit den Vereinigten Staaten haben.[31] Die Bezeichnung ‚United States‘ wurde auch im englischen Sprachraum ursprünglich als Plural behandelt, eine Beschreibung für eine Ansammlung unabhängiger Staaten, zum Beispiel the United States are im 13. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, ratifiziert im Jahr 1865. Es wurde nach dem Ende ihres Bürgerkriegs in den Vereinigten Staaten normal, die Bezeichnung als Singular zu behandeln, zum Beispiel the United States is. Die Singularform ist heute üblich. Die Pluralform wird jedoch in Reden und Literatur immer noch verwendet, zum Beispiel these United States („diese Vereinigten Staaten“).[32] Dem Unterschied wird mehr Bedeutung beigemessen als nur in der Freiheit der Wortwahl, da er den Unterschied zwischen einer Ansammlung von Staaten und einer Einheit widerspiegelt.[33]

Außerhalb der englischen Sprache wird der Name häufig als wörtliche Übersetzung von entweder ‚United States‘ oder ‚United States of America‘ übersetzt. Im Französischen, Deutschen, Italienischen, Japanischen, Hebräischen, Arabischen, Portugiesischen und Russischen haben sich Eigenbezeichnungen herausgebildet, die zwar die Vereinigten Staaten als Teil des Kontinents von Amerika unterscheiden, zum Beispiel wie im oben erwähnten Begriff US-Amerikaner[34] oder im französischen étatsunien. Allerdings sind diese Formen nicht so häufig im Gebrauch wie das Polysem Amerika bzw. amerikanisch.[35] Die US-Botschaft in Spanien bezeichnet sich als Botschaft der „Estados Unidos“ und benutzt auch die Initialen „EE.UU.“ Doppelbuchstaben deuten im Spanischen die Pluralbenutzung an.[36] An anderen Stellen der offiziellen Internetseite wird „Estados Unidos de América“ benutzt.[37]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grenzen und Ausdehnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Satellitenbild der 48 Zentralstaaten der Vereinigten Staaten (ohne Alaska und Hawaii) und angrenzender Gebiete

Die Vereinigten Staaten haben eine gemeinsame Grenze mit Kanada, die insgesamt 8.895 Kilometer lang ist (wobei sich ca. 2.477 Kilometer zwischen Alaska und Kanada erstrecken), und eine mit Mexiko, die 3.326 Kilometer lang ist. Die Gesamtlänge der US-Landesgrenzen beträgt 12.221 Kilometer. Die Küstenlinie an Atlantik, Pazifik und Golf von Mexiko umfasst insgesamt 19.924 Kilometer.

Der Staat umfasst eine Landfläche von 9.161.924 km², hinzu kommen 664.706 km²[38] Wasserflächen, so dass sich ein Staatsgebiet von 9.826.630 km² ergibt.

Die Nord-Süd-Ausdehnung zwischen der kanadischen und der mexikanischen Grenze beträgt etwa 2.500 Kilometer, die Ausdehnung zwischen Atlantik und Pazifik rund 4.500 Kilometer. Der Hauptteil des Landes liegt etwa zwischen dem 24. und 49. nördlichen Breitengrad und zwischen dem 68. und 125. westlichen Längengrad und ist in vier Zeitzonen eingeteilt (siehe Zeitzonen in den Vereinigten Staaten).

Die nördlichste Stadt der USA ist Utqiaġvik in Alaska, der südlichste Ort ist Hawaiian Ocean View in Hawaii.

Geologie und Landschaftsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet weist eine deutliche Gliederung auf. So erstrecken sich Gebirgszüge wie die vulkanische Kaskadenkette, die Faltengebirge der Rocky Mountains und der Appalachen von Nord nach Süd. Während auf ihrer Wetterseite ausgedehnte Wälder bestehen, erstrecken sich in ihrem Windschatten riesige Trockengebiete mit Wüsten- oder Graslandschaften (Prärien). Die Flusssysteme der Vereinigten Staaten, wie die des Mississippi und Missouri ermöglichten schon früh eine dichte Besiedlung, während die umgebenden trockenen Regionen bis heute dünn besiedelt sind.

Der höchste Berg der Vereinigten Staaten ist der Denali in Alaska mit 6190 m, der niedrigste Punkt ist die Senke Badwater im Death Valley mit 85,5 m unter dem Meeresspiegel. Denali und Badwater sind zugleich der höchste bzw. niedrigste Punkt des nordamerikanischen Kontinents.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klimate der Vereinigten Staaten

Wichtigster Einflussfaktor des Klimas ist der polare Jetstream (Polarfrontjetstream), der umfangreiche Tiefdruckgebiete vom Nordpazifik bringt. Verbinden sich die Tiefs mit denjenigen von der atlantischen Küste, bringen sie im Winter als Nor’easters schwere Schneefälle. Da kein Gebirgszug westostwärts verläuft, bringen Winterstürme oftmals große Schneemengen weit in den Süden, während im Sommer die Hitze weit nordwärts bis nach Kanada reicht.

Die Gebiete zwischen den Gebirgszügen weisen dementsprechend hohe Temperaturextreme auf, dazu eine mehr oder minder große Trockenheit, die nach Süden und Westen zunimmt. Die Pazifikküste hingegen ist im Norden ein sehr regenreiches, häufig nebliges Gebiet. Das Gebiet um den Golf von Mexiko ist bereits subtropisch mit hohen Temperaturen im Sommer und häufig hoher Luftfeuchtigkeit. Zudem wird das Gebiet häufig von tropischen Wirbelstürmen erreicht.

In Alaska herrscht arktisches Klima, die dortigen Gebirge sind zugleich die höchsten der Vereinigten Staaten (Denali, 6190 Meter). Hawaii, dessen Mauna Kea 4205 Meter hoch ist, weist hingegen tropisches Klima auf.

Flora und Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gebiete an der Ostküste bis zu den Großen Seen waren bis ins 19. Jahrhundert sehr stark bewaldet, die Westküste im Bereich des gemäßigten Regenwalds von mitunter extrem hohen Bäumen mit Wuchshöhen von über 100 Meter. Von diesen Flächen sind nur wenige, wie die Redwoods oder der Hoh-Regenwald geblieben. Große Flächen wurden zu Ackerland umgewandelt oder bebaut, den überwiegenden Teil nehmen heute Nutzwälder ein. Die Artenvielfalt der trockeneren Graslandschaften wurde im Zuge der landwirtschaftlichen Nutzung ebenfalls stark reduziert. Schutzgebiete und -maßnahmen führten jedoch dazu, dass viele der über 17.000 Gefäßpflanzenarten gerettet werden konnten. Allein Hawaii weist 1.800 Blütenpflanzen (Bedecktsamer) auf, von denen zahlreiche endemisch sind.[39]

Rund 400 Säugetier-, 750 Vogel- und 500 Reptilien- und Amphibienarten sowie weit über 90.000 Insektenarten bilden einen Teil der Fauna,[40] wobei seit 1973 ein eigenes Gesetz bedrohte Arten schützt. 58 Nationalparks in den noch großen verbliebenen Wildnisregionen und mehrere hundert weitere Schutzgebiete weisen überwiegend eine große Artenvielfalt auf, die in deutlichem Kontrast zu den weitverbreiteten Monokulturen steht. Vor allem aufgrund der großen Zahl von endemischen Arten, Gattungen und Familien, der großen Artenvielfalt bzw. Biodiversität und den vielfältigen Ökosystemen gehört die USA zu den Megadiversitätsländern dieser Erde. Lediglich die mediterrane Hartlaubvegetation der Florenprovinz Kalifornien wird aufgrund der großen Gefährdungslage für die Natur international als Hotspot der Biodiversität geführt.

Natur und Umweltschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisch entstammen einige wichtige Entwicklungen des Naturschutzes aus der Geschichte der Vereinigten Staaten: Die Nationalparkidee und mit ihr der Yellowstone-Nationalpark, das weltweit erste Großschutzgebiet dieser Art, entstanden in den Vereinigten Staaten. Als nationale Behörde richtete der Senat die National Fish and Wildlife Foundation (NFWF) zur Betreuung aller nationaler Schutzgebiete ein. Auf der einen Seite engagieren sich US-amerikanische NGOs wie Conservation International weltweit führend für Natur- und Ressourcenschutz. Auf der anderen Seite haben die Vereinigten Staaten das wichtigste internationale Abkommen, die Biodiversitätskonvention, als eines von wenigen Ländern bis heute nicht unterzeichnet.

Ballungsräume[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsdichte der Vereinigten Staaten

82,26 Prozent der Amerikaner lebten im Jahr 2018 in städtischen Gebieten.[9][41] 2016 hatten 307 Orte mehr als 100.000 Einwohner und es gab 54 Metropolregionen mit mehr als einer Million Einwohner (bei nur zehn Städten). Die größten Metropolregionen waren 2016 New York City (20,1 Millionen), Los Angeles (13,3 Millionen), Chicago (9,5 Millionen), Dallas (7,2 Millionen), Houston (6,7 Millionen), Washington, D.C. (6,1 Millionen) und Philadelphia (6 Millionen).[42] Die Hauptballungsräume liegen zwischen New York und den Großen Seen, in Kalifornien und Arizona sowie in Texas und in geringerem Maße in Florida. Mit 33 Einwohner pro Quadratkilometer sind die USA ein eher dünn besiedeltes Land. Der Osten des Landes ist dabei deutlich dichter besiedelt als der Westen.[43]

Top 10 Städte und Metropolregionen (Stand 2016)[42]
Rang Stadt Einwohner Rang Metropolregion Einwohner
01 New York City 08.537.673 01 New York City-Newark-Jersey City 20.153.634
02 Los Angeles 03.976.322 02 Los Angeles-Long Beach-Anaheim 13.310.447
03 Chicago 02.704.958 03 Chicago-Naperville-Elgin 09.512.999
04 Houston 02.303.482 04 Dallas-Fort Worth-Arlington 07.233.323
05 Phoenix 01.615.017 05 Houston-The Woodlands-Sugar Land 06.772.470
06 Philadelphia 01.567.872 06 Washington, D.C.-Arlington-Alexandria 06.131.977
07 San Antonio 01.492.510 07 Philadelphia-Camden-Wilmington 06.070.500
08 San Diego 01.406.630 08 Miami-Fort Lauderdale-Palm Beach 06.066.387
09 Dallas 01.317.929 09 Atlanta-Sandy Springs-Roswell 05.789.700
10 San José 01.025.350 10 Boston-Cambridge-Newton 04.794.447

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ethnien und Einwanderergruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abstammungsgruppen mit höchstem Bevölkerungsanteil in den Counties
Bevölkerungsgruppen
(Gemäß Census-Schätzung von Juli 2019)[44]
Weiße 60,4 %
Hispanics und Latinos 18,3 %
Afroamerikaner 13,4 %
Asiatische Amerikaner 5,9 %
Multiethnische Amerikaner 2,7 %
Indianer Nordamerikas und Ureinwohner Alaskas 1,3 %
Eingeborene Hawaiianer und Amerikaner aus Ozeanien 0,2 %

Die ursprünglichen Bewohner des Landes, die Indianer („Native Americans“ oder „American Indians“), stellen heute nur noch rund ein Prozent der Bevölkerung. Einzig in Alaska erreichen sie einen zweistelligen Prozentanteil an der Bevölkerung. Weitere Schwerpunkte bilden Oklahoma, Kalifornien, Arizona, New Mexico und South Dakota. Sie bilden keine Einheit; Kultur, Sprache und Religion unterscheiden sich von Volk zu Volk. Insgesamt gibt es 562 anerkannte Stämme (tribes), hinzu kommen 245 Gruppen, die derzeit nicht als Stamm anerkannt sind.

Die ersten kolonialen Einwanderer auf dem von Indianern besiedelten Kontinent waren Europäer, zunächst vorrangig spanischer, französischer und englischer Herkunft. Mit ihnen kamen ab dem 17. Jahrhundert Sklaven, meist aus Westafrika. Ab Mitte des 18. und verstärkt zur Mitte des 19. Jahrhunderts folgten Europäer deutschsprachiger und irischer Herkunft. Später kamen Einwanderer aus anderen Regionen Europas dazu, vor allem Italiener, Skandinavier und Osteuropäer, einschließlich osteuropäischer Juden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zur Einwanderung aus Ostasien und Vorderasien. Neben wirtschaftlichen Motiven spielte für viele auch religiöse oder politische Verfolgung eine Rolle.

Die Amerikaner mit europäischen Vorfahren bilden heute 72 Prozent der Gesamtbevölkerung. Afroamerikaner stellen etwas mehr als 13 Prozent. Sie leben vor allem im Süden und in den großen Industriestädten des Nordens. Asiatische Einwanderer, zu großen Teilen aus China, Japan, Korea, Indien und den Philippinen, stellen rund fünf Prozent. Während der letzten Volkszählung gaben über 50 Millionen Personen eine deutsche Herkunft an. Damit sind die Deutschamerikaner die größte Bevölkerungsgruppe der Vereinigten Staaten.[45]

Vor allem im Südwesten der Vereinigten Staaten und in Florida gibt es einen hohen Bevölkerungsanteil mit lateinamerikanischer Herkunft, die dort pauschal als „Hispanics“ oder „Latinos“ bezeichnet werden. Viele von ihnen halten stark an ihrer Kultur und Sprache fest. Ihr Anteil in den USA wuchs in den letzten Jahrzehnten stetig (bis 2013 auf 17 Prozent), da viele Lateinamerikaner vor wirtschaftlicher Not in den Norden fliehen. Sie kommen oft als illegale Einwanderer.

Es bestehen große Unterschiede in der Sozialstruktur zwischen weißer und schwarzer Bevölkerung. Schwarze haben im Durchschnitt ein geringeres Einkommen, eine kürzere Lebenserwartung und eine schlechtere Ausbildung. Sie sind sowohl häufiger Opfer als auch Täter in einem Tötungsdelikt und werden häufiger zum Tode verurteilt. Die Ursachen dafür und mögliche Wege der Problembehebung sind umstritten. Nicht nur in den Südstaaten sind Wohngegenden und nicht-öffentliche Einrichtungen – wie Kirchen oder private Organisationen – oft faktisch nach Ethnien getrennt, wenn auch die formale Trennung inzwischen ungesetzlich und verpönt ist.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung in den Vereinigten Staaten
Bevölkerungspyramide der USA 2016

Die Bevölkerungszahlen sind seit 1610 kontinuierlich gewachsen. Prognosen gehen von einem weiteren Anstieg bis 2050 aus: Bis zum Jahr 2025 wird die Bevölkerung nach einer Prognose der Vereinten Nationen auf 358 Millionen Einwohner anwachsen, und im Jahr 2050 werden demnach über 408 Millionen Menschen im Land leben.[46]

Seit 1790 sieht die Verfassung eine alle zehn Jahre stattfindende Volkszählung vor, den sogenannten United States Census. Einen erheblichen Anteil am Bevölkerungszuwachs hatten die Einwanderer. So stieg seit dem Immigration and Naturalization Services Act of 1965 die Zahl der im Ausland geborenen Menschen auf das Fünffache, und zwar von 9,6 Millionen im Jahr 1970 auf rund 49,8 Millionen 2017. In den 1990er Jahren stieg die Zahl der Einwanderer auf eine Million pro Jahr. Im Jahr 2000 lag der Anteil der im Ausland geborenen Menschen bei 11,1 Prozent der Gesamtbevölkerung.[47] Bis zum Jahr 2017 stieg er auf 15,3 % an. Gleichzeitig lebten knapp 3 Millionen Amerikaner im Ausland. Die meisten davon in Mexiko (900.000), Kanada (310.000), im Vereinigten Königreich (190.000), in Deutschland (140.000) und Australien (120.000).[48][49]

Die Geburtenrate pro Frau betrug 2016 1,87 Kinder. Die Geburtenrate der Hispanics und Latinos ist dabei höher als die der restlichen Bevölkerung. Auf 1000 Einwohner kamen 2016 12,5 Geburten und 8,2 Todesfälle. Im selben Jahr lag das Median-Alter bei 37,9 Jahren. 2016 wuchs die Einwohnerzahl um 0,81 %, oder ca. 3 Millionen an. Von den Ländern der industrialisierten Welt haben die USA eine der jüngsten und am schnellsten wachsenden Bevölkerungen.[43]

Census
Jahr Bevölkerung

1770 2.148.100
1780 2.780.400
1790 3.929.214
1800 5.308.483
1810 7.239.881
1820 9.638.453
1830 12.866.020
1840 17.069.453
1850 23.191.876
Jahr Bevölkerung

1860 31.443.321
1870 38.558.371
1880 50.189.209
1890 62.979.766
1900 76.212.168
1910 92.228.496
1920 106.021.537
1930 123.202.624
Jahr Bevölkerung

1940 132.164.569
1950 151.325.798
1960 179.323.175
1970 203.211.926
1980 226.545.805
1990 248.709.873
2000 281.421.906
2010 308.745.538

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Englisch ist in 32 Bundesstaaten offizielle Amtssprache, Hawaii akzeptiert zusätzlich Hawaiisch und seit 2014 akzeptiert Alaska auch die 20 indigenen Sprachen des Bundesstaates.[50] Louisiana übersetzt auch ins Französische, New Mexico auch ins Spanische. In mehreren Staaten müssen noch Gerichte darüber entscheiden.
In den Vereinigten Staaten zuhause gesprochene Sprachen nach Anzahl der Sprecher (2013)[51]
Englisch (nur) 231,1 Millionen
Spanisch, inkl. Kreolsprachen 37,4 Millionen
Chinesisch 2,9 Millionen
Tagalog (Philippinen) 1,6 Millionen
Vietnamesisch 1,4 Millionen
Französisch, inkl. Cajun 1,3 Millionen
Koreanisch 1,1 Millionen
Deutsch 1,1 Millionen

Die meistgesprochene Sprache der Vereinigten Staaten ist amerikanisches Englisch. Daneben werden noch viele Sprachen der Indianer bzw. Hawaiier und die Sprachen von Einwanderern gesprochen. Insgesamt stellte der letzte Zensus 382 Sprachen fest, von denen 169 indianische sind. Letztere weisen allerdings nur etwa 400.000 Sprecher auf, davon etwa die Hälfte Navajo. Allein im Apache County in Arizona zählte man 37.000, im McKinley County in New Mexico 33.000. 227 Millionen Einwohner sprechen ausschließlich Englisch, alle anderen Sprachen zusammen machen mehr als 60 Millionen Sprecher aus.[52] Besonders hoch ist der Spanisch sprechende Anteil, wobei viele Einwanderer nur ihre spanische Muttersprache sprechen und teilweise eigene Viertel in Städten bewohnen (zum Beispiel East Los Angeles oder Union City). In Kalifornien beträgt ihr Anteil rund 30 %, jedoch sind viele, insbesondere die Jüngeren von ihnen, zweisprachig. Etwa 30 bis 40 Millionen leben in den Vereinigten Staaten, nicht wenige ausländerrechtlich illegal. Während es im 19. Jahrhundert viele Zeitungen in deutscher Sprache gab, ist Spanisch die Sprache, in der heute Zeitungen am zweithäufigsten erscheinen.

Neben Deutsch (→ Deutschamerikaner) sind auch Französisch, Chinesisch, Koreanisch, Vietnamesisch und Tagalog verbreitet. Vor allem in Fällen, in denen die Vermischung mit der übrigen Bevölkerung gering ist, wird die mitgebrachte Sprache in den folgenden Generationen beibehalten (zum Beispiel von den Amischen in Pennsylvania, Ohio, Indiana und Illinois).

Trotz gewisser Vorzüge einer gemeinsamen Sprache haben die Vereinigten Staaten keine einheitliche Amtssprache festgelegt. Alle amtlichen Schriftstücke werden jedoch auf Englisch verfasst. In zweiunddreißig Bundesstaaten ist Englisch Amtssprache;[53] einzelne Staaten und Territorien definieren sich als zwei-, drei- oder vielsprachig, wie beispielsweise Hawaii, Alaska, Guam oder Puerto Rico. Zunehmend werden Dokumente und Beschilderungen ins Spanische übersetzt, jedoch bleibt dieses Phänomen meist regional beschränkt. Knapp 18 % der Amerikaner sprachen im Jahr 2006 zuhause nicht Englisch, 10 % gaben bei der Volksbefragung 2000 Spanisch als Muttersprache an.

1847 gestattete ein Gesetz Französischunterricht in Louisiana, 1849 erkannte die kalifornische Verfassung Spanisch an. Mit dem Sezessionskrieg verschwanden die Rechte der Frankophonen, 1868 empfahl man die Unterrichtung der Indianer auf Englisch, 1896 sollte das auch auf Hawaii gelten. Ab 1879 wurden kalifornische Gesetze nur noch auf Englisch veröffentlicht, während des Ersten Weltkriegs wurde der Gebrauch des Deutschen eingeschränkt. Einzelne Staaten, wie Virginia 1981 und Kalifornien 1986, erklärten Englisch zur offiziellen Sprache.

Am 8. Mai 2007 wurde dem Senat eine Resolution vorgelegt, nach der Englisch zur „Nationalsprache“ erklärt werden sollte.[54] Dieses Vorhaben wurde abgelehnt.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Religionsgruppen
(Gemäß Pew Research Center, 2019)[55]
Protestanten 43 %
Konfessionslose 26 %
Katholiken 20 %
Mormonen 2 %
Juden 2 %
Muslime 1 %
Hindu 1 %
Buddhisten 1 %
Andere 3 %
Keine Angabe 2 %

Die Regierung führt kein Register über den Religionsstatus der Einwohner. Das United States Census Bureau darf selbst keine Fragen zur Religionszugehörigkeit stellen, veröffentlicht aber die Ergebnisse anderer Umfragen.[56] In einer Umfrage des Pew Research Centers bezeichneten sich im Jahr 2014 rund 25,4 % der Bevölkerung als evangelikale Protestanten, 20,8 % als römisch-katholisch, 14,7 % als Mainline-Protestanten, 6,5 % gehören traditionellen schwarzen protestantischen Kirchen an. Unter den kleineren christlichen Kirchen sind 1,6 % Mormonen und 0,8 % Zeugen Jehovas, 0,5 % waren Mitglied einer orthodoxen Kirche. Zu den nicht-christlichen Religionsgemeinschaften zählen 1,9 % Juden, 0,9 % Muslime sowie 0,7 % Buddhisten. 22,8 % der Befragten gaben keine religiöse Überzeugung an, davon waren explizit 3,1 % Atheisten und 4,0 % Agnostiker.[57]

Zusammengefasst lebten damit im Jahr 2014 rund 70,6 % Christen sowie 5,9 % Anhänger nicht-christlicher Religionen in den USA. In einer Umfrage aus dem Jahr 2008 bezeichneten 82 % der US-Amerikaner Religion als für ihr Leben wichtig oder sehr wichtig (55 % sehr wichtig). Dabei bezeichneten 65 % der Frauen Religion als für ihr Leben sehr wichtig gegenüber 44 % der Männer. Nach dieser Umfrage beten 54 % der US-Bevölkerung mindestens einmal am Tag, ein Wert, der in Frankreich bei 10 %, in Deutschland bei 19 %, in Polen bei 32 %, in der Türkei bei 42 % und in Brasilien bei 69 % liegt.[58]

Laut einer Studie des Gallup-Instituts waren im Jahr 2016 ca. 73 % der Bevölkerung Christen (48,9 % Protestanten der verschiedenen Strömungen, 23 % Katholiken und 1,8 % Mormonen). Das Judentum ist mit einem Anteil von 2,1 % an der Bevölkerung weiterhin die größte nicht-christliche Religion in den Vereinigten Staaten. 0,8 % der Bevölkerung sind Muslime, 2,5 % gehören anderen Religionen an. 18,2 % der Befragten waren der Gruppe der Konfessionslosen/Atheisten/Agnostiker zuzurechnen.[59]

Die regionale Verteilung der Konfessionen ist unterschiedlich; während in Neuengland mehrheitlich Katholiken leben, sind die Südstaaten evangelikal geprägt. Das Zentrum der Mormonen befindet sich in Utah und den umgebenden Bundesstaaten (Nevada, Idaho); insbesondere im Süden der USA an der Grenze zu Mexiko und durch die kubanische Auswanderung im Großraum Miami leben überwiegend katholische Latinos.[60] Die Zentren der jüdischen Bevölkerung sind Metropolen wie New York und Umgebung, Boston, Los Angeles, San Francisco und der Südosten Floridas.[61]

Gesellschaftsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verteilung der ärmsten Haushalte in den Vereinigten Staaten

Laut Soziologen wie Dennis Gilbert vom Hamilton College bestand die Gesellschaft 1998 aus sechs sozialen KlassenQuelle? mit einem bestimmbaren Anteil an der Gesamtbevölkerung: einer Oberklasse (etwa 1 %), die aus den prominentesten, wohlhabendsten und mächtigsten Bürgern besteht; einer oberen Mittelklasse (etwa 15 %), die aus hochqualifizierten Berufstätigen wie Ärzten, Professoren, Anwälten besteht; einer unteren Mittelklasse (etwa 32 %), die aus gut ausgebildeten Berufstätigen wie Schullehrern und Handwerkern besteht; einer Arbeiterklasse (etwa 32 %), die aus Industriearbeitern und Lohnarbeitern (Blue-Collars) sowie einfachen Angestellten besteht, und schließlich einer Unterklasse (etwa 20 %), die in zwei Gruppen zerfällt. Ihre obere Gruppe besteht aus den „Working Poor“, den arbeitenden Armen, die in schlecht bezahlten Jobs ohne Versicherung oder nur Teilzeit arbeiten. Die untere Gruppe arbeitet nicht und ist auf die – in den Vereinigten Staaten sehr geringfügige – öffentliche Wohlfahrt angewiesen (unemployed poor).

Auffällig ist dabei, dass Angehörige dieser Unterschichten meist in bestimmten Stadtvierteln der Großstädte leben, während die Mittelklasse in den 1960er bis 1980er Jahren in die suburbs, die jenseits der Grenzen der Großstädte, aber noch innerhalb der Metropolregionen liegen, ausgewichen ist. Der Armenanteil unter den Schwarzen und Hispanics ist überproportional hoch (etwa 30 %).[62]

Zwischen 1977 und 1999 stiegen die Einkommen im reichsten Hundertstel der Bevölkerung nach Steuerabzug um 115 %. Die Reallöhne für 60 % der Arbeitnehmer sind in dieser Zeit um 20 % gefallen. Die Zahl der Amerikaner, die in Armut leben, ist 2002 um 1,7 Millionen Menschen auf insgesamt 34,6 Millionen gestiegen. Die Zahl der in extremer Armut lebenden (weniger als die Hälfte der offiziellen Armutsgrenze), stieg von 13,4 Millionen 2001 auf 14,1 Millionen im Jahr 2002 an. Die Armuts- und auch die Kinderarmutsrate variieren stark zwischen ethnischen Gruppen. Im Jahr 2009 waren 7,1 Millionen (18,7 Prozent) der Menschen über 65 Jahre von der NAS-Armutsdefinition betroffen.[63] 2013 bezogen in den USA 47 Millionen Menschen in 23 Millionen Haushalten und damit 20 % der US-Haushalte staatliche Lebensmittelmarken.[64] 90 % der US-Amerikaner beziehen ein Einkommen von 30.000 Dollar?, das entspricht dem Niveau von 1965.[65] Eine Auswertung der Census-Daten von 2010 ergab zudem, dass rund 1,5 Millionen Haushalte praktisch ohne jedes Geld leben müssen. Sie haben Einkünfte von unter 2 Dollar pro Person und Tag, beziehen aber teilweise Lebensmittelgutscheine oder Sachzuweisungen und leben zum Teil in öffentlich bezahlten Wohnungen. Ein signifikanter Anteil ist aber völlig von der Geldwirtschaft abgeschnitten.[66][67]

Selbst Haushalte mit Einkommen weit über der Armutsgrenze des Bundes können aufgrund von hohen Lebenshaltungskosten ihrer Region häufig als working poor angesprochen werden, wenn und soweit sie nicht in der Lage sind, Rücklagen oder ein Sparvermögen zu bilden. Rund 25 % der Haushalte mit Mittelklasse-Einkommen zwischen 40 und 55 Jahren hatten Ende 2014 ein Netto-Vermögen unter 17.500 Dollar (bei Nicht-Berücksichtigung eventuellen selbstgenutzten Wohneigentums und Ansprüchen auf Altersversorgung).[68]

Insgesamt lässt sich konstatieren, dass sich die Kluft zwischen den Ärmsten und der Spitze der Gesellschaft in den letzten Jahren dramatisch vergrößert hat: Die Oberklasse, also das obere 1 % der Bevölkerung, besaß 2009 nach Schätzung des Levy Economics Institute des Bard College (USA) 37,1 % des Gesamtvermögens der Vereinigten Staaten, das ist ein Zuwachs von 3,7 % gegenüber 2001. Den unteren 80 % der Bevölkerung gehören dagegen nur 12,3 % des Gesamtvermögens, was einer Abnahme von 3,3 % für denselben Zeitraum entspricht.[69]

2017 gab es laut Forbes in den Vereinigten Staaten 585 Milliardäre (27 % aller Milliardäre der Welt), womit die Vereinigten Staaten das Land mit den meisten Milliardären der Welt sind. 7 der 10 reichsten Personen weltweit waren 2018 Amerikaner. Der reichste Mann Amerikas und der Welt war Jeff Bezos, dessen Vermögen von 112 Milliarden Dollar höher war als die Wirtschaftsleistung Kenias (Stand Februar 2018).[70] Das reichste Prozent der Amerikanischen Bevölkerung erzielte 2005 mit 524 Milliarden Dollar ein Einkommen, das um 37 % höher lag als das der ärmsten 20 % der Bevölkerung (383 Milliarden Dollar).[71] So lag das Durchschnittsvermögen aller US-Familien bei 692.000 Dollar; der aussagekräftigere Medianwert der Vermögen betrug 97.300 Dollar.[72]

Einwanderungspolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einbürgerungszeremonie am Kennedy Space Center
Häufigste Herkunftsstaaten von Migranten nach Geburtsland 2015[73]
Rang Land Anzahl an Migranten
1 MexikoMexiko Mexiko 12.050.031
2 China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 2.103.551
3 IndienIndien Indien 1.969.286
4 PhilippinenPhilippinen Philippinen 1.896.031
5 Puerto RicoPuerto Rico Puerto Rico 1.744.402
6 VietnamVietnam Vietnam 1.302.870
7 El SalvadorEl Salvador El Salvador 1.276.489
8 KubaKuba Kuba 1.131.284
9 Korea SudSüdkorea Südkorea 1.119.578
10 Dominikanische RepublikDominikanische Republik Dominikanische Republik 940.874

Von 1951 bis 1960 wanderten jährlich 2,5 Millionen Menschen ein, zwischen 1971 und 1980 insgesamt 4,5 Millionen und in den 1990er Jahren insgesamt über 10 Millionen.[74] 2003 erhielten 463.204 Menschen die US-Staatsbürgerschaft, 1997 bis 2003 lag der Durchschnitt bei etwa 634.000. Im Jahr 2015 gab es 46.627.102 Einwohner, die im Ausland geboren wurden und 14,5 % der Bevölkerung ausmachten, womit die USA die weltweit größte Anzahl an Migranten hatte. Ein großer Teil der im Ausland geborenen Einwohner war lateinamerikanischer Herkunft, vor allem aus Mexiko und Zentralamerika. In den letzten Jahren stieg die Migration aus asiatischen Ländern wie China, Indien, Vietnam, Südkorea und den Philippinen.[73]

Schon 1790 regelten die Vereinigten Staaten die Einwanderung mit dem Naturalization Act, einem Gesetz, das die Zuwanderung aus Europa fördern sollte, Schwarze und „Unfreie“ jedoch ausschloss und einen „guten moralischen Charakter“ verlangte. 1882 schloss man Chinesen mit dem Chinese Exclusion Act explizit aus, eine Regelung, die 1943 leicht abgewandelt wiederholt wurde. 1891 entstand eine Einwanderungskommission, die jährlich Länderquoten festlegte.

1921 regelte der Emergency Quota Act erstmals die Einwanderung so, dass Nord- und Westeuropäer bevorzugt wurden, indem man ihren Bevölkerungsanteil entsprechend der Volkszählung einfror – eine Tendenz, die mit dem Immigration Act von 1924 verfestigt wurde.[75] Die Einwanderungspolitik war Anfang des 20. Jahrhunderts gegenüber Asiaten besonders restriktiv.

Erst ab 1965 wurden der Zeitpunkt der Antragstellung und die Weltregion berücksichtigt; dazu kamen Fälle der Familienzusammenführung. Seit 1978 gilt für die Einwanderung in die Vereinigten Staaten eine einheitliche Quote. 1970 waren noch 62 % der im Ausland geborenen Amerikaner Europäer, doch sank dieser Anteil bis 2000 auf 15 %.[76]

Die Hispanics sind die größte Minderheit in den Vereinigten Staaten. Im Jahr 2000 lebten 35,2 Millionen Hispanics in den USA, 2013 waren es 54 Millionen, woraus sich eine prozentuale Zunahme von 54 Prozent ergibt. Von den 54 Millionen waren 34,5 Millionen mexikanischer Herkunft.[77][78] Die Schätzungen über die illegalen Einwanderer schwanken zwischen 7 und 20 Millionen,[79] die meisten schätzen ihre Zahl auf rund 12 Millionen.[80] Pro Jahr überqueren Hunderttausende illegal die Südgrenze, darunter Zehntausende teils unbegleitete Minderjährige. Die staatliche Kommission für Menschenrechte in Mexiko gab an, dass allein 2007 500 Illegale beim Versuch, die Grenze zu überqueren, ums Leben kamen – häufig durch Verdursten. Zwischen 1995 und 2007 seien es 4.700 Mexikaner gewesen.[81]

Um die illegale Einwanderung aus Mexiko zu bekämpfen, unterzeichnete Präsident Bush im Oktober 2006 den Secure Fence Act, der die Errichtung einer 1.100 Kilometer langen Grenzbefestigung vorsah.[82] Zudem wurde die Unterstützung illegaler Einwanderer strafbar.

Schon 1954 hatte die Regierung versucht, mit der Operation Wetback 1,2 Millionen Hispanics abzuschieben – wobei sich das Schimpfwort „Wetback“ (Engl.; „Nassrücken“) von den Mexikanern ableitete, die durch den Rio Grande geschwommen waren.[83] 1965 wurde die mexikanische Einwanderung eingeschränkt, mit dem Immigration Reform and Control Act (IRCA) von 1986 wurden erstmals illegale Einwanderer legalisiert.

2015 lebten ca. 627.000 in Deutschland geborene Personen in den Vereinigten Staaten.[84]

Kriminalität und Justiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mordrate seit 1950
Fälle von Gewaltkriminalität seit 1960. Übersetzungen: Aggravated Assault=Schwere Körperverletzung, Rape=Vergewaltigung, Robbery=Raub, Murder and Manslaughter=Mord und Totschlag

Laut FBI Uniform Crime Reporting geht die Kriminalitätsrate in den Vereinigten Staaten seit den frühen 1990er Jahren zurück. Die Gewaltkriminalität erreichte ihren Höhepunkt 1991 mit 758 Fällen pro 100.000 Einwohner. Im Jahr 2000 waren es 507, 2010 noch 405, und 2018 wurden 381 Fälle verzeichnet.[85]

Für Vergleiche der Gewaltneigung über lange Zeiträume und große räumliche Distanzen hinweg wird die Rate der Tötungsdelikte als Index verwendet.[86] Die Vereinigten Staaten kam hierbei im Jahr 2017 auf 5,3 Fälle pro 100.000 Einwohner. Ein Höhepunkt war 1991 mit 9,7 Fällen. Die heutige Rate von 5,3 liegt weit höher als die von Deutschland, die bei eins liegt. Der Durchschnitt in Europa sind 3 Fälle pro 100.000 Einwohner, der globale Durchschnitt bei 6,1. Ostasiatische Staaten liegen durchschnittlich bei 0,6, Singapur bei nur 0,2 Fällen pro 100.000 Einwohner.[87]

Die Vereinigten Staaten haben weltweit sowohl absolut als auch relativ zur Bevölkerung die größte Gefängnispopulation.[88] 2008 befanden sich über 2,4 % der Bevölkerung der Vereinigten Staaten entweder im Gefängnis (2,3 Millionen) oder sie waren zur Bewährung (4,3 Millionen) oder zur Haftaussetzung (0,828 Millionen) auf freiem Fuß.[89] Bis zum Jahr 2011 stieg die Zahl der Gefangenen auf über 2,4 Millionen. Damit stehen die Vereinigten Staaten im Verhältnis von Gefängnisinsassen zur Einwohnerzahl mit Abstand weltweit an der Spitze. Die Kriminalitätsrate blieb hingegen zunächst konstant und nahm später sogar ab.

Während der 1960er Jahre war der Anteil der Strafgefangenen um etwa ein Prozent jährlich gesunken und erreichte 1975 mit 380.000 seinen Tiefststand. Seit etwa 1980 stieg die Zahl deutlich an, so dass es 1985 bereits 740.000 gab und Ende 1998 gar zwei Millionen. Zwei Drittel der Strafgefangenen stammen dabei aus Haushalten, die weniger als die Hälfte der als Armutsschwelle definierten Einkommen zur Verfügung hatten.[90][91][92]

2000 waren in den Vereinigten Staaten 133.610 Personen unter 18 Jahren in Haftanstalten und Jugendhaftanstalten untergebracht. Die Strafmündigkeit setzt in den Vereinigten Staaten weitaus früher ein als in Deutschland. In vielen Bundesstaaten können bereits 7-Jährige beim Verstoß gegen ein Strafgesetz zur Verantwortung gezogen werden, in den meisten anderen ist das ab dem 11. Lebensjahr der Fall.[93] 2005 wurden 1.403.555 unter 18-Jährige verhaftet.[94] 2003 war es in 33 Bundesstaaten möglich, geisteskranke Kinder und Jugendliche auch dann in Haft unterzubringen, wenn diese nicht gegen das Strafrecht verstoßen hatten.[95]

Afroamerikaner haben einen Anteil von ungefähr 13 Prozent an der Gesamtbevölkerung, stellen aber 38 Prozent der Gefängnisinsassen.[96] Die Hälfte aller Morde in den USA und ungefähr ein Drittel aller Vergewaltigungen werden von Afroamerikanern begangen.[97] Ein überproportionaler Anteil von Schwarzen und Latinos lässt sich bei der Anzahl von bewaffneten Angreifern feststellen. So waren zwischen Januar und Juni 2008 insgesamt 98 Prozent aller mit Schusswaffen bewaffneten Angreifer in New York City entweder schwarz oder hispanisch.[98] Im März 2015 waren 16 Prozent der Häftlinge in amerikanischen Gefängnissen mexikanische Staatsbürger, weitere 7,5 Prozent der Häftlinge hatten eine andere als eine amerikanische oder mexikanische Staatsbürgerschaft.[99]

Im Gegensatz zu fast allen anderen Staaten der westlichen Welt wird in zahlreichen Bundesstaaten der Vereinigten Staaten die Todesstrafe vollstreckt, was seit Jahren umstritten ist, auch in den Vereinigten Staaten selbst. Insgesamt 19 Bundesstaaten haben die Todesstrafe abgeschafft, zuletzt Nebraska im Mai 2015. In den übrigen Bundesstaaten kommt es weiterhin zur Vollstreckung von Todesurteilen, selbst an Menschen mit geistigen Behinderungen und solchen, die zum angeklagten Tatzeitpunkt minderjährig waren. In den Todeszellen befinden sich mehr als 3.200 Männer und Frauen, fast 42 % sind Afroamerikaner.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Cliff Palace, eine Ansammlung von Felsbehausungen im Mesa Verde National Park in Colorado, wurde von den Angehörigen der Anasazi-Stämme 1190 n. Chr. erbaut

In Alaska reichen die ältesten gesicherten menschlichen Spuren 12.000 bis 14.000 Jahre zurück. Als älteste Kultur galt lange die Clovis-Kultur, doch die Funde in den Paisley-Höhlen, die rund ein Jahrtausend vor den Clovis-Funden liegen, zeigten, dass Nordamerika schon früher bewohnt war. Als älteste menschliche Überreste gelten die Relikte der über 10.500 Jahre alten Buhl-Frau aus Idaho. An diese frühe Phase schloss sich die Archaische Periode an.

Zwischen 4000 und 1000 v. Chr. entwickelten sich der Gebrauch von Keramik, Ackerbau und verschiedene Formen abgestufter Sesshaftigkeit. Die Jagdtechniken wurden durch Atlatl und später durch Pfeil und Bogen wesentlich verbessert. Bevölkerungsverdichtungen traten in Nordamerika um die Großen Seen, an der pazifischen Küste um Vancouver Island (Kanada), am Mississippi und an vielen Stellen der Atlantikküste sowie im Südwesten auf.

Im Einzugsgebiet der Adena- und der Mississippi-Kultur entstanden komplexe Gemeinwesen, die jedoch kurz vor Ankunft der ersten Europäer untergegangen sind. Sie strahlten bis weit in den Norden und Westen aus. Im Südwesten entstanden Lehmbausiedlungen mit bis zu 500 Räumen. Diese Pueblo-Kultur ging auf die Basketmaker zurück, die bereits Mais anbauten. Um die Großen Seen entwickelten sich befestigte Großdörfer und dauerhafte Konföderationen. Diese Gruppen betrieben, ähnlich wie im Westen, Mais- und Kürbisanbau sowie einen ausgedehnten Fernhandel – etwa mit Kupfer und bestimmten Gesteinsarten, die für Jagdwaffen und Schmuck von Bedeutung waren –, der sich in British Columbia (Kanada) ab 8000 v. Chr. nachweisen lässt.

Auswirkungen der Kolonisierung auf die Ureinwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Indianer leisten Abgaben an Franzosen in Florida. (Kupferstich, um 1600)

Eingeschleppte Krankheiten dezimierten die Bevölkerung in einem schwer zu bemessenden Ausmaß. Viele Gruppen verschwanden durch eingeschleppte Seuchen, ohne dass ein Europäer sie überhaupt zu Gesicht bekommen hatte. Nach dem Anthropologen Alfred Kroeber schätzte man die Bevölkerung nördlich des Rio Grande auf nur eine Million Menschen. Diese Schätzungen wurden bereitwillig aufgegriffen, da sie den Mythos aufrechterhielt, die Weißen hätten einen weitgehend menschenleeren Kontinent erobert. Das als eher vorsichtig bekannte Smithsonian Institute hat seine Schätzung für Nordamerika auf drei Millionen Menschen verdreifacht. Wie stark die Diskussion in Bewegung geraten ist, zeigt die These, die riesigen Büffelherden seien Weidetiere der Indianer gewesen, die Größe der Herden stellte demzufolge kein natürliches Gleichgewicht dar, sondern beruhte auf Übervermehrung nach dem starken Rückgang der menschlichen Population.

Trotz der nicht zu überschätzenden Wirkung der Epidemien – schon Hernando de Soto schleppte verheerende Krankheiten in das Gebiet zwischen Mississippi und Florida ein, 1775 verheerte eine Pockenepidemie die Pazifikküste – sollten die Auswirkungen der Kriege nicht unterschätzt werden. Die verlustreichsten Kriege im Osten dürften der Tarrantiner-Krieg (1607–1615), die beiden Powhatankriege (1608–1614 und 1644–1646), der Pequot- (1637), der König-Philips-Krieg (1675–1676), die Franzosen- und Indianerkriege (1689–1697, 1702–1713, 1744–1748, 1754–1763) sowie die drei Seminolenkriege (1817–1818, 1835–1842 und 1855–1858) gewesen sein. Dazu kamen die stammesübergreifenden Aufstände, die von den Häuptlingen Pontiac (1763–1766) und des Tecumseh (ca. 1810–1813) geführt wurden. Die Franzosen standen von etwa 1640 bis 1701 in den Biberkriegen, dann in vier Kriegen mit den Natchez (1716–1729), die Niederländer im Wappinger-Krieg und in den Esopuskriegen (1659–1660 und 1663–1664), die Spanier 1680 gegen die Pueblos im Südwesten und in zahlreichen weiteren Kämpfen. Im Westen der Vereinigten Staaten waren es vor allem die Kämpfe unter Cochise (1861–1874), der Sioux- (1862) und der Lakotakrieg (1866–1867), oder der der Apachen unter Geronimo (bis 1886), die bekannt wurden. Ebenso bekannt wurden einzelne Schlachten, wie die am Little Bighorn oder das Massaker von Wounded Knee (1890).

Ganz andere Fernveränderungen löste der Pelzhandel aus. Dieser Handel wirkte einerseits auf die Stämme, die als Jäger und Anbieter auftraten, aber auch auf deren nahe und ferneren Nachbarn, sei es durch den Erwerb von Waffen und damit zusammenhängende Machtverschiebungen, sei es durch die Entwicklung von Handelsmonopolen der in der Nähe der Handelsstützpunkte (Forts) lagernden Stämme, sei es durch Auslösung von umfassenden Völkerwanderungen, wie durch die Irokesen. Auch wurde die Stellung der Führungsgruppen vom Pelzhandel abhängig.

Von der ersten Kolonisierungsphase bis zur Unabhängigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mayflower brachte 1620 englische Pilgerväter nach Neuengland.
George Washington war der erste Präsident der Vereinigten Staaten.

Die erste europäische Siedlung auf dem heutigen US-Gebiet wurde im Jahr 1565 von den Spaniern in St. Augustine in Florida gegründet. Die erste dauerhafte englische Kolonie war Jamestown in Virginia, das 1607 entstand, kurz nachdem Franzosen eine erste Kolonie im späteren Kanada gegründet hatten. Die Ankunft des Auswandererschiffs „Mayflower“ in Plymouth Colony (später mit Massachusetts Bay Colony zu Massachusetts zusammengefügt) im Jahr 1620 gilt als wichtiges symbolisches Datum. Schwedische Kolonien am Delaware und niederländische Siedlungen um New York (Nieuw Amsterdam) wurden von England übernommen.

Dauerhafte politische Bedeutung konnten außer den Briten nur Franzosen und Spanier erringen. Für Spanien hatte seine Kolonie Florida nur eine sekundäre Funktion im Vergleich zu seinen großen Besitzungen in Mittel- und Südamerika. Frankreich wiederum beschränkte sich bei der Besiedlung auf sein koloniales Kerngebiet am Sankt-Lorenz-Strom (Neufrankreich), wobei es dennoch ein starkes wirtschaftliches Interesse an seinen übrigen Territorien zwischen dem Mississippi und den dreizehn Kolonien der Briten behielt. Um die Pelzhandelswege zu decken, wurden diese ansonsten nicht von Europäern besiedelten Gebiete durch ein System von Forts und Bündnissen geschützt. Die britischen Kolonien hingegen standen unter einem hohen Einwanderungsdruck, was zu einer beständigen Verschiebung der Siedlungsgrenze nach Westen führte. Das geschah sowohl nach staatlichem Plan (durch eine einzelne Kolonie) als auch in wilder Kolonisation gegen britischen und indianischen Widerstand.

Im Franzosen- und Indianerkrieg von 1754 bis 1763 prallten die gegensätzlichen Interessen aufeinander. Der Konflikt stellte dabei einen Nebenschauplatz in der globalen Auseinandersetzung zwischen Großbritannien und Frankreich dar, dem Siebenjährigen Krieg. Die meisten Indianerstämme kämpften auf Seiten der Franzosen.

Der britischen Seite fielen im Friedensschluss von 1763 die gesamten französischen Territorien östlich des Mississippi (außer New Orleans) sowie die von Franzosen besiedelten Gebiete um Québec und Montreal zu. Spanien hatte sich im Verlauf des Krieges auf die Seite seiner französischen Verwandten geschlagen. Nach dem Krieg musste es Florida an die Briten abtreten und erhielt als Ausgleich das bisher französische Gebiet westlich des Mississippi.

Eine der Flaggen der Unabhängigkeitsbewegung von 1775

Die Regierung in London verlangte, dass die Kolonisten einen höheren Anteil an den Kosten der Nachkriegsordnung tragen sollten, zugleich versuchte sie, um Konflikte zu vermeiden, die wilde Siedlung nach Westen zu verhindern. Die Kolonien wehrten sich gegen die Besteuerung und argumentierten, dass diese gegen englisches Recht verstoße, wonach es „keine Besteuerung ohne politische Repräsentation“ („no taxation without representation“) geben dürfe. Damit erklärten die Siedler faktisch das britische Parlament für nicht weisungsberechtigt (nicht aber die Krone). Zudem verlangte das Mutterland zwar eine höhere Besteuerung, doch blockierte es die Entwicklung von wirtschaftspolitischen Instrumenten wie eine eigene Währungsemission, was zu einer finanziellen Stärkung der Kolonien notwendig gewesen wäre. Das Parlament handelte so, weil es einer amerikanischen Staatsbildung nicht Vorschub leisten wollte, schuf damit jedoch einen Widerspruch. Darüber hinaus erbitterten verschiedene als ungerecht empfundene Steuern wie der Stamp Act oder auf Zucker und Tee die Kolonisten. Es kam zu Boykotten und Widerstandsaktionen, wie der Boston Tea Party, die einen ersten Höhepunkt im Massaker von Boston fand. London stationierte schließlich mehr Soldaten, was die separatistischen Tendenzen in den dreizehn Kolonien weiter anfachte.

Ein Versuch britischer Soldaten, ein koloniales Waffenlager auszuheben, war schließlich 1775 der Auslöser des Unabhängigkeitskrieges. Ein Kontinentalkongress trat zusammen, der das militärische Oberkommando George Washington übertrug. Am 4. Juli 1776 wurde von 13 Kolonien die Unabhängigkeitserklärung verkündet. Nicht zuletzt durch die militärische Unterstützung Frankreichs zwangen die Amerikaner 1783 das britische Empire zur Anerkennung ihrer staatlichen Souveränität im Frieden von Paris.

Das Gebiet der nun unabhängigen Kolonien umfasste das Gebiet folgender 16 der heute 50 Bundesstaaten der Vereinigten Staaten: New Hampshire, Massachusetts, Maine, Rhode Island, Connecticut, New York, Vermont, New Jersey, Pennsylvania, Delaware, Maryland, Virginia, West Virginia, North Carolina, South Carolina und Georgia.

Von der Unabhängigkeit bis zum Bürgerkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abraham Lincoln, 16. Präsident der Vereinigten Staaten

Die 1777 verabschiedeten und 1781 ratifizierten Konföderationsartikel hatten sich als unzureichend erwiesen, um das Überleben des jungen Staatenbundes zu gewährleisten. Daher wurde 1787 in Philadelphia die zweite Verfassung der Vereinigten Staaten unterzeichnet. Sie ist die zweitälteste noch gültige republikanische Staatsverfassung – nur die Verfassung der Republik San Marino aus dem Jahr 1600 ist älter. Erster Präsident der Vereinigten Staaten wurde 1789 der in großem Konsens einstimmig gewählte George Washington, der General des Unabhängigkeitskrieges.

Die seit 1783 unabhängigen dreizehn Kolonien und die weitere territoriale Ausbreitung der Vereinigten Staaten in Richtung Westen

Die Entwicklung des neuen Staats wurde in den ersten Jahrzehnten wesentlich von zwei Faktoren bestimmt: einerseits von einem raschen territorialen Wachstum und der weiteren Landnahme zu Lasten der Indianer, andererseits von der Auseinandersetzung um die Sklaverei,[100] die später den Kampf um die Bürgerrechte der Nachkommen der ehemaligen Sklaven bestimmte. Zur Zeit des Unabhängigkeitskrieges lebten etwa zwei Millionen Weiße und 500.000 versklavte Schwarze in den dreizehn Kolonien.

Während der europäischen Koalitionskriege war das Louisiana-Territorium (nicht zu verwechseln mit dem heutigen Staat Louisiana) von Spanien zurück an Frankreich gefallen. Napoléon sah aber aus finanziellen Gründen davon ab, das französischen Überseeimperiums wiederzuerrichten. Stattdessen verkaufte er 1803 das gesamte Gebiet zwischen Mississippi und Rocky Mountains für 15 Millionen Dollar an die USA, die damit ihr Staatsgebiet auf einen Schlag verdoppelten. Im selben Jahr traten die ersten Staaten aus dem zwischen Ohio und den Großen Seen gelegenen Northwest Territory der Union bei, ab 1813 folgten Teile des Louisiana-Gebiets.

Die Vereinigten Staaten verfolgten gegenüber Frankreich und Großbritannien zunächst einen Neutralitätskurs. Im Jahr 1812 kam es jedoch zum Britisch-Amerikanischen Krieg um das weiterhin britische Kanada. Der Konflikt endete mit einem Kompromiss, so dass die Grenzziehung zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada von da an im Osten abgeschlossen war. Die frühe amerikanische Außenpolitik wurde ansonsten von der 1823 verkündeten Monroe-Doktrin des Präsidenten James Monroe geprägt. Diese sagte aus, dass sich die europäischen Mächte vom amerikanischen Kontinent fernhalten sollten, bei gleichzeitiger Nicht-Einmischung der Vereinigten Staaten in die Angelegenheiten anderer Staaten.

Die Indianerpolitik wurde ab 1820 aggressiver: Mit dem Indian Removal Act und dem darauf folgenden Pfad der Tränen begann eine Jahrzehnte dauernde gewaltsame Landnahme und Besiedlung, was zu erneuten Kämpfen führte. Die Indianer wurden in Reservate (reservations) abgeschoben. Einer der wenigen Siege für die Indianer war die Schlacht am Little Bighorn 1876, die jedoch politisch bedeutungslos blieb. Die Indianerkriege endeten 1890 mit dem Massaker von Wounded Knee. Im Jahr 1900 lebten weniger als eine Viertelmillion Indianer, wozu nicht nur Krieg, sondern auch Epidemien beigetragen hatten. Erst 1924 erhielten die Indianer volle Bürgerrechte.

Die Schlacht von Gettysburg 1863 während des Sezessionskrieges

Das zweite zentrale Thema der amerikanischen Politik bis 1865 war die Sklavenfrage. Die Einfuhr von weiteren Sklaven aus Übersee wurde 1808 gesetzlich verboten. Durch das weitläufige Umgehen dieses Verbotes durch die Sklavenhändler[101] und natürliches Bevölkerungswachstum hatte sich die Zahl der Sklaven bis 1860 jedoch trotzdem auf etwa vier Millionen erhöht. Die Sklavenfrage entzweite zunehmend die Süd- von den Nordstaaten, da in den Nordstaaten die Industrialisierung einsetzte und die Anzahl der Sklaven langsam abnahm,[102] während die Besitzer der riesigen Reis- und Baumwollplantagen in den Südstaaten weiterhin Sklaverei in wachsendem Ausmaß betrieben. Neue Staaten aus den erworbenen Territorien wurden nur paarweise aufgenommen, um das labile Gleichgewicht nicht zu gefährden. Die Sklaverei stand im Widerspruch zur Unabhängigkeitserklärung, nach der „alle Menschen gleich geschaffen“ sind. Daher gewannen im Norden Bewegungen wie der Abolitionismus, der die Abschaffung der Sklaverei forderte, starken Zulauf. Der Krieg gegen Mexiko (1846–1848) brachte den Vereinigten Staaten einen weiteren Flächengewinn, der den heutigen Südwesten ausmacht. Er verstärkte aber auch die innenpolitischen Spannungen, da die Nordstaaten ihn teilweise als Landnahme zugunsten der Ausbreitung der Sklavenstaaten sahen.

Nachdem 1860 Abraham Lincoln für die neu gegründete Partei der Republikaner zum US-Präsidenten gewählt worden war, traten elf Südstaaten aus der Union aus. Das bedeutete den Beginn des Sezessionskrieges (1861–1865). Dabei stand zunächst die Verfassungsfrage im Vordergrund, ob die Bundesregierung überhaupt das Recht habe, über elementare Sachfragen in den Bundesstaaten zu entscheiden. Die Nordstaaten gingen als Sieger aus dem Bürgerkrieg hervor und die Sklaverei wurde gesetzlich abgeschafft. Die Schwarzen erhielten mit dem Civil Rights Act von 1866 und dem 14th Amendment von 1868 formal die vollen Bürgerrechte.

Vom Bürgerkrieg bis zur Weltwirtschaftskrise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Menschenauflauf vor der Wall Street am Schwarzen Donnerstag Ein liegengebliebenes Auto einer Familie aus Missouri, welche vor der Dust Bowl und wegen der Weltwirtschaftskrise gen Kalifornien flieht
Menschenauflauf vor der Wall Street am Schwarzen Donnerstag
Ein liegengebliebenes Auto einer Familie aus Missouri, welche vor der Dust Bowl und wegen der Weltwirtschaftskrise gen Kalifornien flieht

1890 wurde die Frontier für geschlossen erklärt. Damit endete die Ära des „Wilden Westens“. Die Einwanderung ließ nicht nach, so dass zwischen 1880 und 1910 insgesamt 18 Millionen Menschen aufgenommen wurden. Die Industrialisierung seit dem Sezessionskrieg führte zur Bildung großer Trusts, die durch ihre wirtschaftliche Macht die Politik beeinflussen konnten. Daher wurde 1890 der Antitrust Act verabschiedet, in dessen Folge ab 1911 mehrere Großkonzerne wie Standard Oil und die American Tobacco Company entflochten wurden.

Infolge des Spanisch-Amerikanischen Krieges von 1898 dehnten die Vereinigten Staaten ihren Einflussbereich auf die Philippinen, Puerto Rico, Hawaii und Kuba aus. Eine interventionistische Politik betrieb Präsident Theodore Roosevelt (1901–1909), der eine hegemoniale Machtstellung über die lateinamerikanischen Staaten beanspruchte (Big Stick). So lösten die Vereinigten Staaten 1903 Panama aus Kolumbien heraus, um sich von dem neu gebildeten Staat die Souveränität über den Panamakanal abtreten zu lassen.

Während des Ersten Weltkriegs blieben die Vereinigten Staaten bis 1917 formal neutral, unterstützten aber die Entente vor allem durch Nachschublieferungen. Am 1. Februar 1917 erklärte Deutschland als Gegenmaßnahme den uneingeschränkten U-Boot-Krieg, woraufhin die Vereinigten Staaten am 6. April Deutschland den Krieg erklärten und am 5. Juni die Wehrpflicht einführten. Das Deutsche Reich sandte nach seinem Sieg über Russland die freigewordenen Truppen an die Westfront und organisierte im Frühjahr 1918 eine letzte vergebliche Offensive. Die in Frankreich eintreffenden amerikanischen Truppen verschoben die Kräfteverhältnisse endgültig zugunsten der Alliierten. Nach dem militärischen Sieg versuchte Präsident Woodrow Wilson (1913–1921) in Europa eine stabile Nachkriegsordnung zu etablieren, indem er auf der Grundlage seines 14-Punkte-Programms das Selbstbestimmungsrecht der Völker und die Bildung eines Völkerbundes zur Maxime machte. Dieser Plan schlug fehl: Zum einen verweigerten Engländer und Franzosen die Umsetzung von Wilsons Plan zugunsten eines Siegfriedens gegenüber dem Deutschen Reich, zum anderen lehnte der US-Senat den Beitritt zum Völkerbund ab, so dass die mittlerweile größte politische Macht der Welt in diesem Gremium fehlte und zum Isolationismus zurückkehrte.

Durch den kostspieligen Krieg und den anschließenden Wiederaufbau waren die Europäer zu Schuldnern der Vereinigten Staaten geworden. Die herausragende wirtschaftliche Rolle der Vereinigten Staaten zeigte sich besonders, als auf den Börsenkrach im Oktober 1929 (Schwarzer Donnerstag mit Kursverlusten am Dow Jones von bis zu 12,8 % an einem Tag) die Weltwirtschaftskrise folgte. Das führte in den Vereinigten Staaten zu einer jahrelangen inneren Krise (Great Depression) mit etwa 15 Millionen Arbeitslosen bei ca. 125 Millionen Einwohnern im Jahr 1932. Unter Präsident Franklin D. Roosevelt wurden mit dem New Deal tiefgreifende Wirtschafts- und Sozialreformen umgesetzt. Unter anderem wurden die Finanzmärkte reguliert (Glass-Steagall Act) und mit dem Social Security Act von 1935 Grundlagen eines amerikanischen Sozialstaats geschaffen. Zudem wurden zahlreiche öffentliche Bauprojekte wie Straßen, Brücken, Flughäfen und Staudämme realisiert.

Vom Zweiten Weltkrieg bis zum Ende des „Kalten Kriegs“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berliner beobachten die Landung eines Rosinenbombers auf dem Flughafen Tempelhof (1948). Fotografie von Henry Ries.

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs blieben die Vereinigten Staaten zunächst neutral, unterstützten jedoch im Rahmen des Leih- und Pachtgesetzes Großbritannien und die Sowjetunion massiv mit Kapital- und Waffenlieferungen. Im Anschluss an den Angriff auf Pearl Harbor durch japanische Streitkräfte am 7. Dezember 1941 erklärten sie Japan den Krieg und erhielten kurze Zeit später Kriegserklärungen von Deutschland und Italien. Wie schon im Ersten Weltkrieg war das industrielle Potenzial der Vereinigten Staaten entscheidend für den Sieg der Alliierten. Die Kapitulation des Deutschen Reichs im Mai und die Kapitulation Japans im August 1945 beendeten den Zweiten Weltkrieg.

Die USA hatten im Zweiten Weltkrieg mit geringen Opfern hohe Gewinne erzielt. Ihre Gesamtverluste lagen bei 300.000 Gefallenen und 670.000 Verwundeten, weniger als 0,5 % der Bevölkerung. Das Land ging als einziges wirtschaftlich gestärkt aus dem Krieg hervor und verfügte am Ende des Krieges allein über eine nukleare Massenvernichtungswaffe. Die USA waren zu einer Supermacht mit weltweiter Präsenz angestiegen.[103]

Das bereits 1944 gegründete Bretton-Woods-System etablierte den Dollar als internationale Leit- und Reservewährung mit Goldstandard. Es entsprach den amerikanischen Ideen von freiem Welthandel und offenen Märkten.[104]

Die Vereinigten Staaten waren maßgeblich an der Gründung der Vereinten Nationen am 26. Juni 1945 in San Francisco beteiligt, die im Einvernehmen mit der Sowjetunion stattfand. Bald jedoch zeichnete sich eine Konfrontation mit dem einstigen Kriegsverbündeten Stalin ab, die in den Kalten Krieg mündete. Präsident Harry S. Truman verfolgte eine antikommunistische Containment-Politik, die in der Truman-Doktrin ihren Ausdruck fand. Diese gewährte, in Abkehr von der isolationistischen Monroe-Doktrin, allen Ländern zur Wahrung ihrer Unabhängigkeit Militär- und Wirtschaftshilfe. Die Vereinigten Staaten unterstützten Griechenland und die Türkei und legten den Marshall-Plan auf, der Westeuropa wirtschaftlich stabilisieren sollte. Der Kalte Krieg erreichte einen ersten Höhepunkt mit der Berlin-Blockade 1948/49, auf die die Vereinigten Staaten mit der Berliner Luftbrücke reagierten. 1949 wurde die NATO als Militärbündnis zwischen den Vereinigten Staaten, Kanada und Westeuropa gegründet.

Das nun einsetzende atomare Wettrüsten zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt, das beiden Seiten ab den 1960er Jahren eine mehrfache „Overkill-Kapazität“ verschaffte, und das man zugleich als Wettlauf der gesellschaftlichen Systeme betrachtete, führte zu Konfrontationen und Stellvertreterkriegen, wie dem Koreakrieg (1950–1953), der Kubakrise (1962), bei der die Welt nur knapp einem Dritten Weltkrieg entging, oder dem Vietnamkrieg. Durch den Atomwaffensperrvertrag und die SALT-Verhandlungen (1968 und 1969) wurde versucht, die gefährliche Situation zu entschärfen.

Der Kalte Krieg, der nur in den Industriestaaten nicht offen ausgefochten wurde, führte dazu, dass viele Amerikaner den Kommunismus als Feindbild betrachteten. Innenpolitisch führte das zu einem Klima der Verdächtigungen und der Kontrolle, die als „McCarthy-Ära“ bezeichnet wird. Der republikanische Senator Joseph McCarthy profilierte sich im Senatsausschuss für unamerikanische Umtriebe (HUAC) dadurch, dass er besonders Filmschaffende, Politiker und Militärs als Kommunisten verdächtigte und Denunziationen erwartete. Wer die Aussage verweigerte, musste mit Berufsverbot rechnen. Die Anhörungen wurden oft im Fernsehen übertragen. Als McCarthy schließlich Präsident Eisenhower verdächtigte, wurde er 1954 vom Senat entmachtet.

Brennendes Vietcong-Camp in My Tho, Vietnam

Der Vietnamkrieg, in den die Vereinigten Staaten 1964 nach dem Tonkin-Zwischenfall eingriffen, nachdem sie zuvor schon Militärberater entsandt hatten, entwickelte sich zu einem militärischen und moralischen Fiasko, das mit dem Abzug der US-Truppen 1973 endete. Die Glaubwürdigkeit als Verbreiter demokratischer Werte litt hier und auch bei anderen Konfliktherden mit der Unterstützung zahlreicher Militärdiktatoren oder der Unterstützung von Militärputschen, wie jene Mobutus im seinerzeit „Zaire“ genannten Kongo oder den Militärputschen gegen die demokratisch gewählten Regierungen Guatemalas (1954)[105], Brasiliens (1964)[106] und Chiles (1973)[107]

Neben sozialen und politischen Bewegungen erschütterten in den 1960er Jahren vor allem drei Mordanschläge die Nation und mit ihr die Welt: die Ermordung des Präsidenten John F. Kennedy (1963), die Ermordung des Predigers und Bürgerrechtlers Martin Luther King, der die Galionsfigur des gewaltlosen Kampfes für die Rechte der Schwarzen war (1968) – sowie im gleichen Jahr die Ermordung des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Robert F. Kennedy, einem jüngeren Bruder des ermordeten Präsidenten.

Die Schwarzen waren zwar formell 1865 von der Sklaverei befreit worden, doch schon im Laufe des Wiederaufbaus (Reconstruction) des im Krieg zerstörten Südens hatten die Südstaaten Gesetze erlassen, die ihre Bürgerrechte wieder einschränkten (Jim-Crow-Gesetze). Sie betonten zwar die gleichen Rechte, sahen jedoch zugleich die Rassentrennung vor. Erst die Bürgerrechtsbewegung (Civil Rights Movement) konnte die letzten formalen Ungleichbehandlungen beseitigen. Ein sehr wesentlicher Schritt war die Aufhebung der Rassentrennung in öffentlichen Einrichtungen durch den Obersten Gerichtshof im Jahr 1954. Der Schulbesuch von Schwarzen musste jedoch teilweise mithilfe der Nationalgarde durchgesetzt werden, da die Gouverneure der Südstaaten (vor allem George Wallace aus Alabama) bis Ende der 1960er Jahre auf ihren state rights beharrten, zu denen sie auch die Rassentrennung (segregation) zählten.

Präsident Johnson bei der Unterzeichnung des Civil Rights Act von 1964

Im Jahr 1964 wurde unter Präsident Lyndon B. Johnson, der Kennedy nach seiner Ermordung 1963 im Amt nachfolgte, selbst 1964 gewählt wurde und bis 1969 im Amt blieb, der Civil Rights Act von 1964 verabschiedet, der die Rassentrennung in den Vereinigten Staaten für illegal erklärte. 1965 erließ Johnson ein weiteres Gesetz, den Voting Rights Act, der jegliche Benachteiligung von Afroamerikanern bei Wahlen verboten hatte. Schließlich wurde vom Kongress der Civil Rights Act von 1968 verabschiedet, der Diskriminierung jeglicher Art gesetzlich verbot. Auch wenn Präsident Johnson durch den Krieg in Vietnam einen Rückgang seiner Zustimmung erfahren hatte, konnte er im Rahmen seines Programms der Great Society weitere wichtige Reformen veranlassen, die insbesondere die Bekämpfung der Armut, die Intensivierung des Bildungssystems und den Verbraucherschutz betrafen. In der Tat sank die Zahl der in Armut lebenden US-Bürger um rund die Hälfte. Überdies wurde 1965 ein neues Einwanderungsgesetz verabschiedet, das die 1924 eingeführten Beschränkungen erheblich lockerte und zu einer verstärkten Immigration aus Lateinamerika und Asien führte, die langfristig einen signifikanten demographischen Wandel einleitete.[108]

Von großem Einfluss waren neben der Bewegung gegen den Vietnamkrieg solche, die sich gegen die Benachteiligung innerhalb der Gesellschaft richteten. Das war zunächst die Frauenrechtsbewegung, dann die Schwulenbewegung, die sich allerdings mit den Gesetzgebungen der jeweiligen Bundesstaaten konfrontiert sahen. Sogenannte „Sodomiegesetze“, die bis 1962 die Praxis der männlichen Homosexualität sowie „abweichende sexuelle Praktiken“ heterosexueller Paare in vielen Bundesstaaten verboten hatten, wurden teilweise aufgehoben. Als der Supreme Court 1987 diese Gesetze bestätigte, existierten sie noch in der Mehrheit der Bundesstaaten und wurden erst mit der Entscheidung Lawrence vs. Texas vom 26. Juni 2003 vom Obersten Gerichtshof aufgehoben.

Die Watergate-Affäre um einen Einbruch und einen Lauschangriff in Büros der Demokratischen Partei im Watergate-Gebäudekomplex, von dem Präsident Richard Nixon wahrscheinlich wusste und bei dem dieser die FBI-Ermittlungen zu behindern versuchte, entwickelte sich zum größten Skandal der amerikanischen Nachkriegsgeschichte. Um der drohenden Amtsenthebung zu entgehen, trat Nixon 1974 zurück.

Die Ölkrise 1974 und die iranische Geiselkrise 1979 sowie die Folgen des Vietnamkriegs verursachten eine außenpolitische Orientierungslosigkeit. Eine Wirtschaftskrise traf vor allem das Schwerindustrierevier in den Staaten Pennsylvania, Ohio, West Virginia, Indiana und Michigan, den sogenannten Rust Belt. Das führte zu ethnisch motivierten Unruhen in den Südstaaten, was den Wahlerfolg des Republikaners Ronald Reagan begünstigte.

Ronald Reagan hält 1987 eine Rede in Berlin mit einem an Michail Gorbatschow gerichteten Appell: „Tear down this wall!“; vier Jahre vor Ende des Kalten Krieges.

So bezeichnete der Amtsantritt der Regierung Reagan einen Paradigmenwechsel der amerikanischen Politik, sowohl im Innern als auch in der Außenpolitik. Die Gesellschaft wurde ökonomisch stark polarisiert. Seine acht Regierungsjahre bis 1989 waren durch eine liberale Wirtschaftspolitik (Reaganomics), die Verminderung staatlicher Subventionen und Sozialleistungen, Einsparungen in der öffentlichen Verwaltung und Steuersenkungen in den oberen Einkommensgruppen gekennzeichnet. Christlicher Glaube und strikter Antikommunismus machten ihn für die konservativen Kreise zum Vorbild. Seine Gegner sahen in ihm einen Lobbyisten der Konzerne und Rüstungsunternehmen.

Die widersprüchliche Innen- und Außenpolitik gegenüber Staaten, die die Menschenrechte nicht achteten, das mangelnde Verständnis für andere Kulturkreise und daraus folgende Fehleinschätzungen zeigten sich in der Außenpolitik bis zum Irakkrieg. Hatte man schon nach dem Ausbruch des Ersten Golfkriegs zwischen Iran und Irak (1980–1988) aus Furcht vor den fundamentalistischen Kreisen in Teheran den Diktator Saddam Hussein unterstützt, so häuften sich Fehler wie in der Iran-Contra-Affäre, in der die Vereinigten Staaten 1986 auf Vermittlung durch Sicherheitsberater Robert McFarlane und Oberst Oliver North Waffen an den Iran geliefert hatten, um aus diesen Erlösen die Gegner der Sandinisten in Nicaragua zu unterstützen. Die Geld- und Waffenlieferungen an die Mudschaheddin in Afghanistan erwiesen sich ebenfalls als zweischneidig: Die Sowjetunion musste zwar nach zehn Jahren ihre Truppen abziehen, doch wurden gleichzeitig radikal-islamische Gruppen gestärkt.

Reagan bezeichnete die Sowjetunion wiederholt in Anlehnung an religiöse Terminologie als „Reich des Bösen“ (evil empire). Die Rüstungsausgaben wurden erhöht und ein sogenanntes „Star-Wars-Programm“ (SDI-Projekt, „Krieg der Sterne“) aufgelegt. Bei der Genfer Gipfelkonferenz (1985) und 1986 traf er sich mit seinem sowjetischen Amtskollegen Michail Gorbatschow zu Abrüstungsverhandlungen unter der Bezeichnung START (Strategic Arms Reduction Talks). 1991 endete der „Kalte Krieg“ mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion.

Nach dem Ende des Kalten Kriegs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bill Clinton (Dritter von links) zusammen mit internationalen Staatschefs bei der Unterzeichnung des Dayton-Vertrags

Unter dem demokratischen Präsidenten Bill Clinton (1993–2001) kam es zu einem länger anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung. Das Ende des Kalten Krieges und die „New Economy“, welche in den USA ihren Ausgangspunkt hatte, begünstigten eine ökonomische Konsolidierung. Die Verwahrlosung der Städte wurde aufgehalten – kriminalitätsbelastete Stadtteile in den Metropolen wie New York, Miami und Los Angeles erholten sich.

1996 wurde dennoch der Bezug von Sozialhilfe auf zwei Jahre in Folge und insgesamt fünf Jahre verkürzt, was die Zahl der Empfänger reduzierte.

Präsident Clintons Außenpolitik führten die Außenminister Warren Christopher während seiner ersten Amtszeit und Madeleine Albright während seiner zweiten. Sie war die erste Frau in diesem Amt.

Das erfolglose Engagement in Somalia, unter George Bush sen. begonnen, hatte die Entmachtung der „War Lords“, besonders Mohammed Aidids zum Ziel. Nach der verheerenden Schlacht von Mogadischu, zogen die Sondereinsatztruppen aus dem Land ab. Auch die Invasion Haitis von 1994 brachte zwar den demokratisch gewählten Jean-Bertrand Aristide an die Macht zurück und der Militärdiktator Raoul Cédras wurde abgesetzt, löste jedoch die sozialen Probleme des Staates nicht.

Nachdem es den europäischen Staaten nicht gelungen war nach dem Zerfall Jugoslawiens die Region zu befrieden, griffen US-Truppen 1995 (Operation Deliberate Force) und 1999 (Operation Allied Force) im Rahmen der NATO im Bosnienkrieg und Kosovokrieg gegen serbische Einheiten des Autokraten Slobodan Milošević ein. Versuche, in Vorderasien einen Frieden zwischen Israel und Palästina zu erreichen, erlitten mit dem Attentat auf Jitzchak Rabin einen schweren Rückschlag.

Clinton reagierte auf Provokationen des irakischen Diktators Saddam Hussein mit sporadischen Luftangriffen, ebenso wie im Sudan und Afghanistan nach Terroranschlägen auf die US-Botschaft in Nairobi und ein US-Kriegsschiff im Jemen. Diese Anschläge wurden bereits dem Al-Qaida-Netzwerk des Osama bin Laden zur Last gelegt.

Seit der Jahrtausendwende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York sowie das Pentagon in Washington verkündete Präsident George W. Bush einen weltweiten Krieg gegen den Terrorismus, was zunächst in weiten Teilen der Bevölkerung Zustimmung fand. Bush identifizierte, ähnlich wie bereits Reagan, eine „Achse des Bösen“ (axis of evil), der er sogenannte Schurkenstaaten (rogue states) zurechnete. Zu diesen zählte er den Iran, den Irak, Kuba und Nordkorea.

Im Oktober 2001 wurde durch einen Feldzug in Afghanistan das radikal-islamische Taliban-Regime gestürzt, das Osama bin Laden beherbergt hatte. Ebenfalls im Namen des Krieges gegen den Terrorismus begann im März 2003 der Dritte Golfkrieg gegen den Irak mit dem Ziel, den Diktator Saddam Hussein zu stürzen. Unter dem Vorwand, er besitze Massenvernichtungswaffen und habe Kontakte zu Bin Laden, griffen die Vereinigten Staaten ohne UN-Mandat an.

Trotz eines schnellen Sieges konnte der Irak nicht befriedet werden. Einige Staaten der „Koalition der Willigen“ zogen bereits im Frühling 2004 ihre vergleichsweise kleinen Kontingente wieder ab. Im Juni 2004 wurde die Regierungsgewalt an eine irakische Übergangsregierung übergeben.

George W. Bushs Hinwendung zu einem strategischen Konzept der Präemption wurde als Abkehr von der zuvor verfolgten amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik gewertet, die auf Abschreckung, Eindämmung sowie der Einwirkung von „Soft power“ (dt. „Sanfte bzw. weiche Stärke“) basierte, was die Attraktivität ökonomischer und kultureller gegenüber militärischer Einflussnahme meint.

Ab 2007 zeichnete sich eine Finanzkrise ab, hauptsächlich beruhend auf einer Kredit- und Immobilienblase, welche die größten wirtschaftlichen Probleme hervorrief, die es seit der Großen Depression gegeben hatte. Barack Obama, ein demokratischer Senator aus Illinois und der erste afroamerikanische und multiethnische Präsident, wurde während der Krise im November 2008 gewählt und ordnete Maßnahmen und Reformen an, um die Wirtschaft zu stimulieren und die negativen Folgen der Krise abzuschwächen. Es wurde unter anderem der American Recovery and Reinvestment Act erlassen, welcher Steuersenkungen sowie Investitionen und Ausgaben u. a. für das Gesundheitswesen, die Infrastruktur oder die Arbeitslosenversicherung vorsah. Die Arbeitslosenzahl war nach dem Höhepunkt der Krise wieder rückläufig. Auch wurde der Dodd–Frank Act, die größte Finanzmarktreform der letzten Jahrzehnte, beschlossen.[109] Ein größerer Fokus wurde während Obamas Amtszeit auch auf die Umweltpolitik gelegt. Obgleich Obama beabsichtigte, den Anstieg der Schulden unter dem Niveau der Vorgängerregierung zu halten,[110] stiegen auch in den folgenden Jahren die Staatsschulden deutlich an.[111]

2010 wurde der Affordable Care Act („Obamacare“) verabschiedet, um das Gesundheitssystem zu reformieren. Die Zahl der Bürger ohne Krankenversicherung sank in den darauffolgenden Jahren signifikant; die Reform blieb mit Hinblick auf Effektivität und Finanzierbarkeit kontrovers.[112]

Ende 2011 wurde der US-amerikanische Truppenabzug im Irak abgeschlossen und die Besetzung des Iraks offiziell beendet.[113] Am 31. Dezember 2014 wurde der Kampfeinsatz der ISAF-Mission in Afghanistan unter NATO-Führung beendet und die US-Truppen, bis auf eine kleine Einheit, die in der Folgemission Resolute Support verbleibt, abgezogen.[114] Ende 2014 kündigte Obama überraschend die Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Kuba an. 2015 beteiligte sich die Regierung unter Obama an einem Atomabkommen mit dem Iran.

Der Republikaner Donald Trump, der erste Präsident ohne vorherige militärische oder politische Erfahrung vor Amtsübernahme, wurde im November 2016 gewählt.

Von der COVID-19-Pandemie waren die USA weltweit am stärksten betroffen. Bis Ende Mai 2020 waren über 1.000.000 Amerikaner infiziert und mehr als 100.000 verstorben, bis Februar 2021 starben über 500.000 Menschen mit dem Virus. Durch die wirtschaftlichen Folgen der Maßnahmen zur Reduktion der Virusausbreitung verloren über 30 Millionen Amerikaner ihren Job.

Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd während eines Polizeieinsatzes am 25. Mai 2020 kam es unter dem Motto „Black Lives Matter“ zu Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt. Es kam zu Ausschreitungen in zahlreichen Städten der USA – in mehr als 40 Städten wurden nächtliche Ausgangssperren verhängt.[115] In vielen Städten wurde zudem die Nationalgarde als Unterstützung der Polizei eingesetzt.

Nach der Wahlniederlage Trumps 2020, den er selbst nicht anerkannte, heizte er die chaotische Lage in den USA noch weiter an. Nach vielen, zum Teil gewaltreichen Protesten kam es zum Sturm auf das Capitol mit 5 Todesfällen. Es kam zu einem zweiten Amtsenthebungsverfahren gegen ihn, der abgelehnt wurden.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vereinigten Staaten sind ein präsidentieller Bundesstaat mit einem Zweikammersystem. Die Regierungsform gründet auf einer repräsentativen Demokratie.

Im sogenannten Demokratieindex der britischen Zeitschrift „The Economist“ belegen die Vereinigten Staaten Platz 25 von 167 Ländern und gelten als eine „unvollständige Demokratie“. Sie bekommen dabei 7,92 von 10 Punkten.[116] Nach dem Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International lagen die Vereinigten Staaten 2019 von 180 Ländern zusammen mit Frankreich auf dem 23. Platz, mit 69 von maximal 100 Punkten.[117]

Gewalten auf Bundesebene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vereinigten Staaten verfügen nach den Konföderationsartikeln seit ihrer Gründung über ihre zweite Verfassung. Sie sieht ein präsidiales, föderales und republikanisches politisches System vor, das horizontal Legislative, Exekutive und Judikative sowie vertikal die Bundesebene von den Bundesstaaten vergleichsweise strikt trennt.

Legislative[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 44. Präsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama, spricht im Kongress (9. September 2009)

Stärkstes Staatsorgan auf Bundesebene ist laut Verfassung der Kongress, der die Legislative ausübt. Er setzt sich aus gewählten Repräsentanten aus allen 50 Bundesstaaten zusammen. Der aus zwei Kammern bestehende Kongress hat die Budgethoheit sowie das Recht zur Gesetzesinitiative. Der Kongress hat unter anderem infolge des ihm zustehenden Budgetrechts wesentlichen Einfluss auf die amerikanische Politik. Allein dem Kongress kommt das Recht zu, Bundesgesetze zu erlassen und Kriegserklärungen auszusprechen. Verträge mit fremden Ländern werden vom Präsidenten unterzeichnet, bedürfen jedoch der Ratifizierung durch die zweite Kammer des Kongresses, den Senat. Bei wichtigen Ernennungen (zum Beispiel zu Kabinettsposten oder Richterämtern des Bundes, insbesondere am Obersten Gericht) hat der Senat nach Anhörungen der Kandidaten das Recht, den Vorschlag des Präsidenten zu bestätigen oder zurückzuweisen.

Die Mitglieder des Repräsentantenhauses, der ersten Kammer des Kongresses, werden für zwei Jahre gewählt. Jeder Repräsentant vertritt einen Wahlbezirk seines Bundesstaates. Die Anzahl der Wahlbezirke wird durch eine alle zehn Jahre vorgenommene Volkszählung festgelegt. Senatoren werden für sechs Jahre gewählt. Deren Wahl findet gestaffelt statt, das heißt, alle zwei Jahre wird ein Drittel des Senats neu gewählt. Die Verfassung sieht vor, dass der Vizepräsident dem Senat vorsteht. Er hat dabei kein Stimmrecht, außer bei Stimmengleichheit.

Bevor eine Gesetzesvorlage zum Bundesgesetz wird, muss sie sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat durchlaufen haben. Die Vorlage wird zunächst in einer der beiden Kammern vorgestellt, von einem oder mehreren Ausschüssen geprüft, abgeändert, im Ausschuss abgelehnt oder angenommen und danach in einer der beiden Kammern diskutiert. Sobald sie in dieser Kammer angenommen ist, wird sie an die andere Kammer weitergeleitet. Erst wenn beide Kammern die gleiche Version der Gesetzesvorlage angenommen haben, wird sie dem Präsidenten zur Zustimmung vorgelegt. Der Präsident hat danach die Möglichkeit, das Inkrafttreten des Gesetzes aufzuschieben. Der Kongress kann nach einem solchen Veto eine neue Gesetzesvorlage beschließen oder den Präsidenten mit zwei Dritteln Zustimmung endgültig überstimmen.

Exekutive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Weiße Haus, ein Gebäude in Washington, D.C., ist Amtssitz und offizielle Residenz des Präsidenten der Vereinigten Staaten

Staats- und Regierungschef in Personalunion ist der Präsident, der an der Spitze der Exekutive steht. Er ist ferner Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Vereinigten Staaten und bildet gemeinsam mit dem Verteidigungsminister die National Command Authority (NCA), der es alleine obliegt, die Entscheidung über einen Angriff der Vereinigten Staaten mit Kernwaffen zu fällen. Dazu müssen beide Personen unabhängig voneinander dem Nuklearschlag zustimmen. 46. Amtsinhaber ist seit dem 20. Januar 2021 der am 3. November 2020 gewählte Demokrat Joe Biden. Vertreten wird der Präsident durch den mit ihm gewählten Vizepräsidenten. Dieser tritt bei einer vorzeitigen Amtserledigung des Präsidenten bis zum Ablauf der Regierungsperiode vollständig an dessen Stelle, ebenfalls sitzt er dem Senat vor. Derzeitige Vizepräsidentin ist die Demokratin Kamala Harris.

Für den Fall der Verhinderung oder der Abwesenheit des Vizepräsidenten benennt der Senat einen „Pro-Tempore-Vorsitzenden“, einen Vorsitzenden auf Zeit. Die Mitglieder der ersten Kammer, des Repräsentantenhauses wählen ihren eigenen Vorsitzenden, den „Sprecher des Repräsentantenhauses (Speaker)“. Speaker und Pro-Tempore-Vorsitzender sind Mitglieder der jeweils stärksten Partei ihrer Kammer. Speaker ist seit 2019 die Demokratin Nancy Pelosi, das Amt des Pro-Tempore-Vorsitzenden hat seit 2019 der republikanische Senator Chuck Grassley inne.

Judikative[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberster Gerichtshof in Washington, D.C.

An der Spitze der Judikative, die ebenfalls föderal organisiert ist, steht der Oberste Gerichtshof. Die 1787 in Kraft getretene Verfassung, deren Bestimmungen einklagbar sind, hat eine große Bedeutung im politischen System der Vereinigten Staaten. Es spricht für den Erfolg und die Stabilität dieser Verfassung, dass sie bislang nur 27 Änderungen („amendments“) erfahren hat.

Parteien und Wahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Vereinigten Staaten hat sich, durch das relative Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet. Diese Parteien sind seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Demokraten und die Republikaner. Die Demokraten sind zurzeit die größte Partei mit 72 Millionen registrierten Anhängern (42,6 %), gefolgt von den Republikanern mit 55 Millionen Anhängern (32,5 %) und 42 Millionen Wählern, die ohne Parteipräferenz registriert sind (24,9 %).[118] Dabei lassen sich beide Parteien, denen keine verfassungsgemäße Rolle zugesprochen ist, höchstens rudimentär einer Schematisierung unterwerfen, da sie bereits innerparteiliche Koalitionen von unterschiedlichen Strömungen darstellen.

Themenspezifische politische Strömungen und Interessenvertretungen versuchen eher, Einfluss auf die Abgeordneten und andere Führungskräfte beider Großparteien zu nehmen, als selbstständige Parteien zu gründen. Beispiele dafür sind die American Civil Liberties Union, die fundamental-christliche Moral Majority und die Tea-Party-Bewegung.

Kleinere Parteien wie die Grünen, die Libertäre Partei oder die Kommunistische Partei der USA sind unbedeutend, wenn auch bei Präsidentschaftswahlen mitunter die für den Kandidaten der Grünen abgegebenen Stimmen als – womöglich entscheidender – Nachteil für den demokratischen Kandidaten wahrgenommen werden kann. Ein in den 1990er Jahren zeitweiliger Hauptexponent der Grünen Partei der Vereinigten Staaten war Ralph Nader, der 1996 als Kandidat der Partei in den Präsidentschaftswahlkampf zog und im In- und Ausland als „Verbraucheranwalt“ große Bekanntheit genießt.

Auf der Ebene der Bundesstaaten wurde das Frauenwahlrecht zu unterschiedlichen Zeiten erreicht. In New Jersey hatten vermögende Frauen schon seit 1776 das Wahlrecht und wählten ab 1787.[119] Als das allgemeine Wahlrecht für Männer dort eingeführt wurde, verloren Frauen das Wahlrecht.[119] Schlusslichter waren 1918 Oklahoma, Michigan, South Dakota und Texas (Frauenwahlrecht bei Vorwahlen)[119]. In manchen Bundesstaaten wurden auch nach 1920 noch Beschränkungen wie Lese- und Schreibtests und Wahlsteuern benutzt, um Schwarze vom Wählen auszuschließen.[119] Auf Bundesebene sah die Verfassung vom 13. September 1788 beim passiven Wahlrecht zwar keine Beschränkungen in Bezug auf das Geschlecht für die beiden Kammern vor.[120] Explizit wurden aber erst 1920 mit dem Inkrafttreten des 19. Zusatzartikels zur Verfassung der Vereinigten Staaten in den USA alle Einschränkungen des Wahlrechts aufgrund des Geschlechts untersagt, womit Frauen das vollständige Wahlrecht auf allen Ebenen erhielten.[121][122] Die amerikanische Präsidentschaftswahl von 1920 war die erste, bei der das Frauenwahlrecht zum Tragen kam.

Föderale Gliederungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundesstaaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vereinigten Staaten bestehen aus 50 Bundesstaaten.

AlaskaHawaiiRhode IslandWashington, D.C.MaineNew HampshireVermontMassachusettsConnecticutNew YorkPennsylvaniaDelawareNew JerseyMarylandVirginiaWest VirginiaOhioIndianaNorth CarolinaKentuckyTennesseeSouth CarolinaGeorgiaFloridaAlabamaMississippiMichiganWisconsinIllinoisLouisianaArkansasMissouriIowaMinnesotaNorth DakotaSouth DakotaNebraskaKansasOklahomaTexasNew MexicoColoradoWyomingMontanaIdahoUtahArizonaNevadaWashingtonOregonKalifornienKubaKanadaBahamasTurks- und CaicosinselnMexikoUnited States, administrative divisions - de - colored.svg
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Bundesstaaten nach Jahr des Beitritts zur Bundesverfassung

Das Kernland umfasst 48 der 50 Bundesstaaten sowie den District of Columbia (Bundesdistrikt mit der Hauptstadt Washington D.C.), die innerhalb einer gemeinsamen Grenze liegen (sogenannte „Lower 48“), während Alaska und Hawaii außerhalb des Kernlandes (Continental United States) sind.

Bei der Gründung der Vereinigten Staaten bestanden dreizehn Bundesstaaten, denen sich im Zuge der Westexpansion bis zum Mississippi nach und nach weitere Territorien anschlossen. Nach Texas übersprang die Anschlusswelle die dünn besiedelten Gebirgszüge und setzte sich vor allem mit Kalifornien und Oregon nach der Mitte des 19. Jahrhunderts fort. Diese Entwicklung wurde erst während des Ersten Weltkriegs abgeschlossen. Im Jahr 1959 wurden die pazifische Inselgruppe Hawaii sowie das nordwestlich gelegene Alaska, das über die 100 km breite Beringstraße an Russland grenzt, als Bundesstaaten Teil der Vereinigten Staaten.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte der Vereinigten Staaten mit Staats- und County-Grenzen

Im Jahr 2002 gab es in den Vereinigten Staaten laut Zensus- und Volkszählungsbüro 87.900 lokale Regierungseinheiten, einschließlich Ortschaften, Kreise, Siedlungen, Schul- und andere Bezirke. Mehr als drei Viertel der Bürger der Vereinigten Staaten leben in großen Städten oder deren Vorstädten (Liste der Städte in den Vereinigten Staaten).

Ein County ist eine Untereinheit der meisten Bundesstaaten und etwa mit einem Landkreis vergleichbar. In Louisiana heißen sie „Parish“; in Alaska gibt es diese Verwaltungseinheiten nicht, sondern lediglich statistische Unterteilungen. In Virginia und Missouri gibt es zudem Städte, die keinem County zugeordnet sind. Bei Großstädten (zum Beispiel Philadelphia) kommt es vor, dass die Grenzen von Stadt und County gleich sind; die Stadt New York nimmt sogar fünf Countys ein, die jeweils als „Borough“ bezeichnet werden. Nicht selten überschreiten Städte und sogar Dörfer eine County-Grenze. Die Regierungsformen der Countys und deren Befugnisse sind von Staat zu Staat sehr unterschiedlich, manchmal sogar innerhalb eines Staates, wenn das Parlament des entsprechenden Bundesstaates verschiedene Formen zur Auswahl vorgegeben hat. Fast alle nehmen Kredite auf und treiben Steuern ein. Sie haben Angestellte, sind sehr oft für die Beaufsichtigung von Wahlen zuständig und bauen und unterhalten Straßen und Brücken (manchmal im Auftrag des Bundes oder Landes). Sozialhilfeprogramme werden teilweise von ihnen betrieben, teilweise auch von den Townships, die, insbesondere im Mittleren Westen, nicht deckungsgleich mit den Kommunen sind, die mit einer Fläche von 36 Quadratmeilen bei der Landesvermessung aus dem 18. Jahrhundert bestimmt wurden.

Ein besonderer Aspekt bei manchen kleineren Städten, der selten und überwiegend in den Neuenglandstaaten vorkommt, ist das „town meeting“. Einmal im Jahr – bei Bedarf häufiger – kommen alle registrierten Wähler einer Stadt zu einer öffentlichen Versammlung und wählen Beamte, diskutieren die Lokalpolitik und erlassen Gesetze für das Funktionieren der Regierung. Als Gruppe beschließen sie Straßenbau und -ausbesserung, Errichtung von öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen, Steuern und den Stadthaushalt. Das „town meeting“, das schon seit zwei Jahrhunderten existiert, ist oft die reinste Form der Demokratie, in der Regierungsgewalt nicht delegiert, sondern direkt und regelmäßig von allen Bürgern ausgeübt wird. Die überwiegende Mehrheit der Bürger kennt jedoch nur die repräsentative Demokratie.

Außengebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den Bundesstaaten und dem District of Columbia (Gebiet der Hauptstadt Washington, D.C.) gibt es Außengebiete mit unterschiedlich geregelter Autonomie. Die größten Außengebiete sind Puerto Rico in der Karibik und Guam im Pazifik.

Innenpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine wichtige Rolle in der amerikanischen Innenpolitik spielen überwiegend moralisch-ethische Fragen wie beispielsweise die Grenzen der Meinungsfreiheit, das Recht auf Abtreibung, die Berechtigung der Todesstrafe, die politische Anerkennung von Homosexualität, die Rechte von Minderheiten oder die Frage, welche Rolle religiöse Werte im öffentlichen Leben spielen sollen.

Waffenrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Bundesstaaten verfügen über Waffengesetze, die im internationalen Vergleich extrem liberal sind. Das Recht auf den Besitz von Waffen wird in den Vereinigten Staaten traditionell hochgeschätzt, da es durch den zweiten Zusatzartikel der Verfassung („[…] right to bear arms […]“) geschützt ist. Privatpersonen können daher ohne größere Schwierigkeiten Schusswaffen und Munition erwerben und die Waffen offen tragen. Insgesamt gibt es in den Vereinigten Staaten mehr als 200 Millionen Pistolen und Gewehre in Privatbesitz.[123]

Die bestehende Gesetzeslage ist in den Vereinigten Staaten umstritten. Ihre Kritiker sehen darin eine Ursache für die hohe Anzahl von jährlich 350.000 bewaffneten Verbrechen und 11.000 Mordopfern sowie insbesondere den zahlreichen Amokläufen vornehmlich in Schulen und Hochschulen, da Verbrecher sich leichter bewaffnen könnten. Die Befürworter liberaler Waffengesetze wie die National Rifle Association (NRA) bestreiten diesen Zusammenhang und verweisen auf niedrige Mordraten in Ländern wie der Schweiz, Kanada oder Neuseeland, in denen ebenfalls überproportional viele Waffen in Privatbesitz sind. Des Weiteren argumentieren sie, dass Kriminelle überwiegend illegal in den Besitz von Waffen gelangen würden, weshalb Privatpersonen wenigstens die Möglichkeit zur Verteidigung gegeben werden solle.

Gesundheitspolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lebenserwartung nach County 2018
Entwicklung der Lebenserwartung[124]
Zeitraum Lebenserwartung in
Jahren
Zeitraum Lebenserwartung in
Jahren
1950–1955 68,7 1985–1990 74,9
1955–1960 69,7 1990–1995 75,7
1960–1965 70,1 1995–2000 76,5
1965–1970 70,4 2000–2005 77,2
1970–1975 71,4 2005–2010 78,2
1975–1980 73,3 2010–2015 78,9
1980–1985 74,4
Das Texas Medical Center, der größte medizinische Gebäudekomplex der Erde[125]
Unterzeichnung des Patient Protection and Affordable Care Act

Das Gesundheitssystem der Vereinigten Staaten ist – besonders in der Forschung – teilweise Weltspitze, auf anderen Gebieten hingegen – vor allem in der allgemeinen Patienten- und Versicherungsversorgung – zum Teil in einem desolaten Zustand. Jährlich werden etwa 1,8 Billionen US-Dollar für das Gesundheitssystem aufgewendet. Dies sind etwa 17 Prozent der gesamten US-amerikanischen Wirtschaftsleistung.[126] Das ist im Vergleich zu Deutschland nahezu das Doppelte pro Kopf. Rund 47 Millionen Amerikaner, etwa 16 % der Gesamtbevölkerung, sind nicht krankenversichert.[127] − das jedoch nicht ausschließlich aus Einkommensgründen (rund ein Drittel der Nicht-Versicherten verfügt über ein Haushaltseinkommen von 50.000 Dollar und mehr) beziehungsweise wegen zu hohen Alters und des damit verbundenen Krankheitsrisikos (rund 40 Prozent der Nicht-Versicherten sind zwischen 18 und 35 Jahre alt).[128] Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer an illegalen Einwanderern, die ebenfalls keine Krankenversicherung haben. Viele derjenigen, die versichert sind, müssen bei sämtlichen ärztlichen Leistungen zuzahlen, andere, die in einer Krankenversicherung (HMO) sind, müssen bürokratische Papierkriege und lange Wartezeiten bei Einschränkung der Arztauswahl erdulden. 1993 scheiterte Präsident Clinton mit dem Versuch der Einführung einer einheitlichen gesetzlichen Krankenpflichtversicherung. Im Jahr 2010 wurden unter Präsident Obama Gesetze verabschiedet, durch die das Gesundheitssystem bis 2018 nach und nach reformiert werden soll. Der Ende 2016 gewählte neue Präsident Donald Trump kündigte an, die Gesundheitsreform wieder vollständig oder teilweise abzuschaffen und zu ersetzen.[129]

Das hohe Ausmaß von Übergewicht hat im 21. Jahrhundert den Charakter einer nationalen Gesundheitskrise angenommen. Laut Daten der Weltgesundheitsorganisation waren 2014 67,8 Prozent der volljährigen Amerikaner übergewichtig und 33,7 % der über 300 Millionen Einwohner sogar stark übergewichtig.[130] Dies ist eine der höchsten Quoten weltweit und verursacht jährlich Kosten von hunderten Milliarden Dollar.

Die Lebenserwartung lag 2016 in den Vereinigten Staaten bei 79,8 Jahren und damit weltweit auf Platz 43.[131] Das ist im Vergleich zu 1984 eine Verschlechterung um 20 Plätze und einer der schlechtesten Werte in der entwickelten Welt. Als Gründe werden fehlende Krankenversicherungen und Fettleibigkeit genannt. Die Lebenserwartung der schwarzen Bevölkerung liegt bei 73,3 Jahren.[132] Hinzu kommen die Risiken der Armut. So waren im Dezember 2009 38,97 Millionen Menschen auf Lebensmittelmarken angewiesen. 2013 waren es 47 Millionen Menschen in 23 Millionen Haushalten, das sind 20 % aller US-Haushalte.[64]

Sozialpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vereinigten Staaten sind ein Sozialstaat, in dem Transferleistungen häufig von Bundesregierung und Bundesstaaten gemeinsam finanziert und organisiert werden. Gesetzliche Regelungen der Bundesstaaten können erheblichen Einfluss auf die Sozialpolitik ausüben. Eine grundlegende soziale Absicherung im Alter erbringt auf Bundesebene die öffentliche Rentenversicherung Social Security.

Energie- und Umweltpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste kommerzielle Kernkraftwerk in Shippingport
Power County Windpark in Idaho

Die Vereinigten Staaten haben nach China den zweitgrößten CO2-Ausstoß der Welt.[133] Der Anteil an den weltweiten CO2-Emissionen beträgt 17,7 Prozent (Jahr 2011).[134]

Beim Klimaschutz-Index 2020 (Stand Dezember 2019) lagen die USA auf Platz 61 und damit auf dem letzten Platz aller untersuchten Staaten. Sie schnitten in allen bewerteten Kategorien sehr schlecht ab. Insbesondere wurde der Mangel an einer nationalen Klimaschutzstrategie sowie der unter Präsident Trump vollzogene Ausstieg aus dem internationalen Klimaschutzabkommen kritisiert.[135]

In den Vereinigten Staaten steigt der Anteil der erneuerbaren Energien leicht an. 2017 erreichten sie beim Energieverbrauch einen Anteil von 11 Prozent, bei der Energieproduktion 17 Prozent.[136]

2002 veröffentlichte die Regierung eine Strategie, die Treibhausgase der US-Wirtschaft um 18 Prozent zu vermindern (bis 2012). Das sollte zu einer Senkung der CO2-Emissionen von 160 Millionen Tonnen führen. International werden die Maßnahmen als völlig unzureichend kritisiert. Bill Clinton ließ gegen Ende seiner Amtszeit zwar das Kyoto-Protokoll unterzeichnen, was wegen fehlender Ratifizierung durch den Kongress nicht verbindlich ist. Die Schwellenländer seien im Vertragswerk nicht zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen verpflichtet worden, zudem spielt ein starkes Souveränitätsbewusstsein, vor allem im Senat, eine wichtige Rolle.

Umweltkatastrophen und Aktionen von Umweltschützern, unter ihnen der ehemalige Präsidentschaftskandidat Al Gore, haben einen Bewusstseinswandel eingeleitet. Barack Obama leitete einen Kurswechsel in der Klimapolitik ein. Im Dezember 2012 erklärte er den Kampf gegen den Klimawandel zu einem der drei wichtigsten Themen für die neue Amtszeit.[137] In seiner Rede zur Amtseinführung im Januar 2013 hob er den Kampf gegen den Klimawandel und den Ausbau erneuerbarer Energien als Priorität für die kommenden Jahre heraus und kündigte einen Fokus auf erneuerbaren Energien an, in denen die USA führend werden sollten, statt die weltweite Entwicklung zu ignorieren.[138]

In den Vereinigten Staaten werden Klimawandel und Importabhängigkeit von Öl vor allem auch unter Aspekten der internationalen Sicherheit diskutiert.[139][140]

Die Klimaschutzpolitik setzte bisher vorrangig auf freiwillige Maßnahmen und Forschungsförderung. Einige Bundesstaaten (insbesondere Kalifornien) setzten strengere Regeln durch. Die wichtigste Umweltbehörde auf Bundesebene ist die Environmental Protection Agency (EPA), die Umweltschützer für ihre geringe Aktivität kritisieren.

Außen- und Sicherheitspolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Außenpolitik der Vereinigten Staaten liegt eine Haltung zugrunde, die große Übereinstimmungen mit dem politischen Realismus aufweist. Diesem steht ein seit der Unabhängigkeitsbewegung ungebrochener und ungewöhnlich starker Idealismus gegenüber, deren Ursprung in den antieuropäischen Affekten der Revolution liegt und in einigen außenpolitischen Denkschulen den Glauben an einen historisch einmaligen Auftrag der Vereinigten Staaten begründet (American Exceptionalism, zu Deutsch „amerikanische Einzigartigkeit“). Trotz häufiger Spannungen zwischen Anspruch und Praxis besteht diese Bipolarität der amerikanischen Außenpolitik wegen vieler Übereinstimmungen fort. Beispielsweise konvergiert das Ideal der größtmöglichen Vertragsfreiheit in einer liberalen Gesellschafts- und Weltordnung mit der wirtschaftlichen Abhängigkeit der Vereinigten Staaten vom Überseehandel im Eintreten für den Freihandel.

Zu den realpolitischen Interessen, für die die offizielle Außenpolitik der Vereinigten Staaten eintritt, zählt neben der Garantie weltweiter Sicherheit ihrer Staatsbürger und derer Angehöriger die Sicherung der Vereinigten Staaten vor Angriffen von außen und die ständige Verfügbarkeit von Ressourcen, die für die Wirtschaft des Landes von zentraler Bedeutung sind. Die ideellen Interessen, die das langfristige Handeln der Vereinigten Staaten leiten und rechtfertigen sollen, bestehen im Eintreten für die Menschenrechte, in der demokratisch-plebiszitären politischen Gestaltung souveräner Staaten durch deren Staatsvölker und ein globales marktwirtschaftliches System.

In ihrer konkreten Umsetzung hat sich die Außenpolitik zunehmend von einer passiven zu einer gestaltenden Rolle hin entwickelt. Von ihrer Gründung bis in den Zweiten Weltkrieg hinein überwog der Isolationismus, also die bewusste Vernachlässigung der Außenpolitik zugunsten der inneren Entwicklung und Kultivierung. Drückte sich diese Haltung in der Konsolidierungsphase des Landes durch die Monroe-Doktrin am stärksten aus, lockerte sie sich im Zeitalter des Imperialismus bis zum Ersten Weltkrieg zunehmend, um durch den Angriff auf Pearl Harbor völlig diskreditiert zu werden. Sogleich gewann der Internationalismus amerikanischer Prägung durch die Konfrontation mit der Sowjetunion im Kalten Krieg schlagartig an Bedeutung. Gestützt wurde dieser von einer institutionalistischen Praxis, also der Gründung transnationaler Gremien zur langfristigen Kooperation mit Staaten. Das geschah entweder im Verbund mit Staaten, die ähnliche Interessen vertraten, um diese zu stärken, oder zur Überbrückung politischer Differenzen mit Staaten, die gegensätzliche Interessen hatten. Die Vereinigten Staaten sind daher Initiatoren und Mitbegründer zahlreicher multinationaler Gremien und Organisationen, wie den Vereinten Nationen, der Welthandelsorganisation (ehemals GATT), der Weltbank und der NATO oder der KSZE. Zugleich verwahrt sich die Politik der Vereinigten Staaten seit ihrem Bestehen gegen eine mögliche Beschneidung der eigenen Souveränität durch internationale Abkommen. So lehnen die Vereinigten Staaten etwa die Unterzeichnung internationaler Klimaschutzabkommen wie des Kyoto-Protokolls, die Unterstützung des Internationalen Strafgerichtshofes und der Ottawa-Konvention gegen die Verbreitung von Antipersonenminen ab. Bilaterale Handels- und Verteidigungsabkommen spielen daher trotz ihres Universalanspruches eine wesentlich größere Rolle als beispielsweise bei den meisten Mitgliedern der Europäischen Union.

Protest gegen den Krieg im Jemen, New York City, 2017

Abhängig vom innenpolitischen weltweiten Fokus räumen die Vereinigten Staaten einzelnen außenpolitischen Anstrengungen Priorität ein und summieren diese zu moralisch verstärkten Begrifflichkeiten. Dazu zählen der „Krieg gegen den Terror“ (War on Terrorism), der Krieg gegen Drogen (War on Drugs) und der Kampf gegen Armut (War on Poverty).

Durch die überragende politische, wirtschaftliche wie auch militärische Position der Vereinigten Staaten und ihre zunehmend offensive Einflussnahme auf Politik und Wirtschaft der gesamten Staatengemeinschaft polarisiert die Außenpolitik des Landes wie sonst kaum eine andere. Kritisiert werden vor allem die zahlreichen militärischen Interventionen im Ausland, die durch die Globalisierung verursachten weltweiten sozialen Umwälzungen sowie Menschenrechtsverletzungen im Umgang mit mutmaßlichen Terroristen und Kriegsgefangenen.

Verbündete der Vereinigten Staaten finden sich unter anderem in der NATO. Darüber hinaus unterhalten sie enge diplomatische und strategische Beziehungen zu Nationen außerhalb der NATO (siehe Major non-NATO ally). Teils handelt es sich dabei um demokratisch und marktwirtschaftlich orientierte Länder, die sich von benachbarten politischen Akteuren existenziell bedroht sehen, wie zum Beispiel Israel, Südkorea oder Taiwan, teils um durch historische Vorgänge eng verbündete Staaten wie Japan, die Philippinen und Australien und teils um vor allem strategisch wichtige Partner wie Pakistan, Jordanien und Kuwait. Die mit Abstand stärksten Beziehungen unterhalten die Vereinigten Staaten mit dem Vereinigten Königreich, das einzige Land, mit dem sie selbst in so sensiblen Bereichen wie der Nukleartechnologie zusammenarbeiten. Die Vereinigten Staaten betreiben weltweit nach eigenen Angaben 766 Militärstützpunkte unterschiedlicher Größe in 40 Ländern (davon 293 in Deutschland, 111 in Japan und 105 in Südkorea; Stand von 2006).[141]

Militär[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Pentagon bei Washington ist der Hauptsitz des amerikanischen Verteidigungsministeriums.
Die U.S. Army und das US Marine Corps verfügen zusammen über 5970 M1 Abrams-Kampfpanzer.[142]
Weltweite militärische Beziehungen und Präsenz der Vereinigten Staaten
Die Flugzeugträger-Kampfverbände der Kitty Hawk, Ronald Reagan und Abraham Lincoln mit Kampfflugzeugen des Marine Corps, der Navy und der Air Force

Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten sind das kostenintensivste und in Zahlen zweitgrößte Militär der Welt (nach der chinesischen Volksbefreiungsarmee). Sie sind global aufgestellt; die geltende Armeedoktrin sieht vor, dass die Vereinigten Staaten in der Lage sein müssen, weltweit gleichzeitig zwei regionale Kriege siegreich führen zu können. Die Streitkräfte sehen sich zunehmend der asymmetrischen Kriegführung ausgesetzt. Diese Entwicklung ist in ihrer Geschichte vor allem ab dem Vietnamkrieg eingetreten.

In den Vereinigten Staaten ist der Präsident der Oberbefehlshaber der nationalen Streitkräfte und beruft deren Vorsitzende, den Verteidigungsminister und die Joint Chiefs of Staff. Das Verteidigungsministerium verwaltet die bewaffneten Streitkräfte, die unterteilt sind in Heer (Army; etwa 561.000 Soldaten), Luftwaffe (Air Force; etwa 336.000 Soldaten), Marine (Navy; etwa 330.000 Soldaten) und Marineinfanterie (Marine Corps; etwa 202.000 Soldaten), gesamt ca. 1.430.000 Soldaten per 30. April 2011.[143]

Die Küstenwache (Coast Guard; rund 44.000 Mann) ist eine zivile Einrichtung, die im Frieden dem Ministerium für Innere Sicherheit unterstellt ist und im Kriegsfall dem United States Department of the Navy unterstellt werden kann. Es verfügt nur über relativ begrenzte militärische Kapazitäten. Darüber hinaus unterhält jeder Bundesstaat Einheiten der Nationalgarde (National Guard). Das sind Milizverbände, die normalerweise dem Gouverneur des jeweiligen Bundesstaates unterstellt sind, aber auf Weisung des Präsidenten als Teil der Armee im Ausland eingesetzt werden können. Der Militärdienst ist freiwillig, obwohl die Einberufung in Kriegszeiten durch das Selective Service System ergehen kann.[144]

Des Weiteren sind die Bundesstaaten befugt, eigene Militäreinheiten einzurichten, die sogenannten Staatsgarden, je nach Staat als State Guard, State Military, State Defence Force, State Militia oder State Military Reserve bezeichnet. Diese unterscheiden sich von den Nationalgarden darin, dass sie nicht unter den Befehl des Bundes gestellt werden können und die Bundesstaaten nicht verpflichtet sind, sie einzurichten. Daher unterhalten derzeit nur 22 Bundesstaaten und das Territorium Puerto Rico solche Militäreinheiten.

Die Vereinigten Staaten waren die erste Atommacht der Welt und haben mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki als bislang einziger Staat in einem Krieg Kernwaffen eingesetzt. Amerikanische Rüstungsunternehmen sind vor allem in der Luftfahrt weltweit führend. Hinsichtlich Heereswaffen verlieren die US-Rüstungsunternehmen an Bedeutung. Die Militärausgaben der Vereinigten Staaten beliefen sich 2015 auf rund 596 Milliarden US-Dollar. Damit waren die Vereinigten Staaten das Land mit den weltweit höchsten Militärausgaben im Jahr 2015. Die Militärausgaben der Vereinigten Staaten sind fast dreimal so hoch wie die von China, das weltweit an zweiter Stelle liegt.[145]

Militärische Entwicklungen, gerade technologischer Art, sind vor allem für die Verbündeten der Vereinigten Staaten in der NATO wegweisend. Die staatskritische Tendenz, die dazu führte, dass das Militär der Vereinigten Staaten in seiner Geschichte bis zum Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg eine geringe Größe hatte, wurde im Kalten Krieg zunehmend von der Angst vieler Amerikaner vor dem Kommunismus überlagert. Dadurch ist die ursprüngliche Idee, dass das Militär als äußerstes Instrument staatlicher Gewalt eine Gefahr für die Bürger darstellt, im Schwinden begriffen.

Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich für die Vereinigten Staaten die Unterstützung befreundeter Nationen durch größere Waffenlieferungen als probates Mittel zur passiven Unterstützung in Krisenzeiten bewährt. Im Zweiten Weltkrieg ermöglichte das Leih- und Pachtgesetz die Lieferung von schwerem Gerät zuerst an Großbritannien und den Commonwealth, später auch an die Sowjetunion, was das militärische Gleichgewicht stark zu Ungunsten der Achsenmächte verschob. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde etwa Persien durch Lieferung von modernen Flugzeugen, Panzern und Raketen zur Vormachtstellung im Nahen Osten verholfen. Als sich durch Umsturz des Schahregimes die Freundschaft zu den Vereinigten Staaten in Feindschaft umkehrte, gingen die Vereinigten Staaten in den 1980er Jahren zur Belieferung des Irak unter Saddam Hussein über, der sich dem Westen als Gegner des Iran anbot und den Ersten Golfkrieg gegen den Iran führte.

Polizei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Gefängnissystem der Vereinigten Staaten, Todesstrafe in den Vereinigten Staaten

Menschenrechte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vereinigten Staaten haben mit der Ratifizierung verschiedener Konventionen bestimmte Pflichten übernommen, die auch die Überprüfung der Situation der Menschenrechte in den Vereinigten Staaten durch den Menschenrechtsrat der UNO beinhalten. Dennoch wird häufig Kritik an der Situation der Menschenrechte in den Vereinigten Staaten, insbesondere von privaten Non-Governmental Organizations wie Amnesty International und Human Rights Watch, geäußert: Human Rights Watch beispielsweise kritisiert insbesondere die bis heute praktizierte Todesstrafe, Misshandlungen durch Polizei, Justiz oder Militär, die überfüllten Gefängnisse und zum Teil menschenunwürdige Haftbedingungen. Diese verstoßen zum Teil gegen die UN-Antifolterkonvention und anderen internationalen Standards humaner Behandlung. So müssen Gefangene zum Beispiel häufig 23 Stunden in Einzelhaft verbringen, das Licht brennt 24 Stunden am Tag, und körperliche Bewegung ist nur an vier Stunden pro Woche in einer kleinen Zelle erlaubt.

Black Lives Matter protestieren gegen Polizeibrutalität in Minneapolis, Minnesota.

An dieser Stelle setzen auch Aspekte der Kritik an der Rassendiskriminierung als Verletzung der Menschenrechte an: Bei einem Bevölkerungsanteil von 13 Prozent ist eine Quote von 43 Prozent Afroamerikanern unter den rechtskräftig Verurteilten sehr hoch. In einigen Staaten der Vereinigten Staaten ist jeder zehnte Afroamerikaner eingesperrt. Die Anzahl der Gefängnisinsassen in den Vereinigten Staaten ist generell hoch: Im Jahr 2001 saßen 2,1 Millionen Amerikaner im Gefängnis, jeder 146. Erwachsene. Bis 2011 stieg diese Zahl weiter auf 2,4 Millionen. Zudem starben im Jahr 2009 mindestens 47 Menschen bei Polizeiangriffen durch den Einsatz von Elektroschockwaffen (vgl. Amnesty International Report 2010, USA).

International haben auch Verhaftungen und polizeiliche oder geheimdienstliche Handlungen im Zusammenhang mit dem 11. September 2001 Aufsehen erregt. Nach dem Anschlag auf das World Trade Center und das Pentagon wurden in den Vereinigten Staaten 1200 Ausländer festgenommen und aus verschiedenen Gründen über längere Zeit in Haft gehalten. Informationen über die Identität der Verhafteten, den Ort ihrer Haft und ob sie anwaltliche Hilfe erhielten, hat das Justizministerium nicht öffentlich gemacht. Das Prinzip der Unschuldsvermutung wurde in diesen Fällen nicht angewandt. Ermöglicht hatte dies der USA PATRIOT Act vom 25. Oktober 2001, der eine Einschränkung der amerikanischen Bürgerrechte in größerem Maße mit sich brachte. Das Gesetz ermöglicht nicht nur der Polizei das Abhören und Überwachen von Personen ohne richterliche Befugnis, auch Hausdurchsuchungen, Abschiebungen und Sammlung von privaten Daten ohne vorliegende Beweise für ein Verbrechen werden damit zugelassen. Die weitreichendste Änderung ist aber die Befugnis des Auslandsgeheimdienstes CIA, von nun an auch im Inland operieren zu dürfen – dies wurde bisher streng getrennt und war vorher lediglich der Bundespolizei FBI erlaubt. Der Military Commissions Act ermöglicht es außerdem, feindlich gesinnte Personen als sogenannte „ungesetzlich feindliche Kombattanten“ zu deklarieren, wodurch diese Personen von Militärgerichten (auch aufgrund von unter Folter erlangten Geständnissen) verurteilt werden können, ohne dass sie die Möglichkeit bekommen, sich auf die für Kombattanten geltenden Genfer Konventionen zu berufen oder gegen ihre Behandlung zu klagen.

Auch die Situation der Gefangenen in dem amerikanischen Gefangenenlager der Guantanamo Bay Naval Base auf Kuba ist von vielen Seiten scharf kritisiert worden. Über 600 Menschen aus 42 Nationen werden dort zumeist rechtswidrig festgehalten, darunter eine Reihe von Kindern unter 16 Jahren. Ihr Status bleibt weiterhin unklar, sie sind weder Kriegsgefangene noch Kriminelle und befinden sich in einem – so die Auffassung der Vereinigten Staaten – rechtsfreien Raum, wodurch die in den Vereinigten Staaten geltenden Gesetze dort nicht anwendbar seien. Dies ist aber international nicht anerkannt und wird als völkerrechtswidrig angesehen.[146] Jedoch ermöglichte dies den Militärs, völkerrechtswidrige Maßnahmen wie Folter oder Gerichtsverhandlungen ohne ein Recht auf Verteidigung durchzuführen. Eine juristische Aufarbeitung der unter der vormaligen Bush-Administration in geheimen Haftzentren der CIA (Black Sites) systematisch ausgeübten Folterpraktiken wie simuliertes Ertrinken („Waterboarding“) an zum Teil rechtswidrig aus anderen Ländern entführten Menschen ist bislang unterblieben. Die Haftbedingungen in solchen militärischen Gefangenenlagern sind häufig menschenunwürdig: Es wird berichtet von körperlichen Misshandlungen, Anwendung von Gewalt und Folter (z. B. Verrenken von Gliedmaßen, Schläge auf die Hoden, oder totaler Schlaf- und Nahrungsentzug), sowie Demütigungen der Würde und Religion der Gefangenen (z. B. durch das Beschmieren der Person mit Exkrementen, oder Koran-Schändung).

Der UN-Sonderberichterstatter über extralegale Hinrichtungen zeigte sich darüber besorgt, dass es zwischen 2003 und Mai 2009 „weit mehr als die offiziell gemeldeten 74 Todesfälle unter Migranten im Gewahrsam der Einwanderungs- und Zollbehörden gegeben hat“.[147][148]

Im Zuge des Irakkrieges verübten amerikanische Soldaten eine Reihe von Massakern an Zivilisten. Bekannte Beispiele sind das Massaker von Haditha, das Massaker von Maqarr adh-Dhib, die Luftangriffe in Bagdad vom 12. Juli 2007, das Massaker von Mahmudiyya und der Abu-Ghuraib-Folterskandal. Auch in Afghanistan kam es seit 2001 wiederholt zu Massakern an Zivilisten durch Angehörige der US-Streitkräfte (unter anderem die Kill-Team-Morde in Afghanistan). In ihren Krieg gegen den Terror setzen die Vereinigten Staaten zunehmend auf Einsätze von Kampfdrohnen in anderen Ländern (zum Beispiel Jemen, Pakistan) und verletzen dadurch das Völkerrecht und das Menschenrecht auf Unversehrtheit. Zwischen 2004 und 2009 registrierte das „Bureau for Investigative Journalism“ 52 Drohnenattacken. Seit dem Amtsantritt Präsident Obamas sind es 264. Nach den Recherchen des „Bureau for Investigative Journalism“ gab es seit Beginn der Angriffe bis Mai 2012 zwischen 2440 und 3113 Tote. Die Zahl der Zivilisten unter ihnen wird mit 479 bis 821 angegeben, davon 174 Kinder. Dazu kommen rund 1200 Verletzte.[149]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaftliche Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die New York Stock Exchange an der Wall Street ist die weltgrößte Börse gemessen an der Marktkapitalisierung der an ihr gelisteten Unternehmen.
Ökonomische Indikatoren
Nominales BIP 20,891 Billionen $ (Q4 2018) [150]
Reales BIP Wachstum 2,6 % (Q4 2018) [151]
2,9 % (2018) [152]
Verbraucherpreisindex-Inflation 2,5 % (April 2018) [153]
Beschäftigungsquote 60,7 % (Feb. 2019) [154]
Arbeitslosenquote 3,8 % (Feb. 2019) [155]
Erwerbspersonenpotenzial 63,2 % (Feb. 2019) [156]
Armutsquote 12,3 % (2017) [157]
Staatsverschuldung 21,516 Billionen $ (Q3 2018) [158]
Vermögen der privaten Haushalte 104,3 Billionen $ (Q4 2018) [159]

Die Vereinigten Staaten hatten 2020 ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 21,4 Billionen US-Dollar[160] und ist damit die größte Volkswirtschaft der Welt. Mit 57.324 US-Dollar[161] haben sie das weltweit acht-höchste BIP pro Kopf. Der Dienstleistungssektor erwirtschaftete 2012 etwa 77,6 % des realen BIP, davon etwa ein Drittel im Banken-, Versicherungs- und Immobiliengeschäft. Das verarbeitende Gewerbe trug rund 20,8 %, die Landwirtschaft 1,6 % bei.[162] Die Struktur der Wirtschaft ist stark auf Konsum und Dienstleistungen ausgerichtet. 2015 wurden knapp ein Drittel der weltweiten Konsumausgaben in den USA gemacht.[163] Die Konsumlastigkeit führt zu einer niedrigen Sparquote der öffentlichen Haushalte.

Die Wirtschaft wuchs 2017 um 2,3 %,[164] die Inflationsrate betrug 2,1 %.[165] Die Arbeitslosenquote betrug 2015 durchschnittlich ca. 5,3 % und sank weiter ab auf 4,1 % im Oktober 2017.[166] Die „versteckte Arbeitslosenquote“, die Arbeitnehmer miteinrechnet, die die Jobsuche aufgegeben haben oder unterbeschäftigt sind, lag im Juni 2017 bei 8,6 %, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise hatte sie bis zu 17 % betragen.[167]

Seit der Präsidentschaft Ronald Reagans sind die Eingriffe des Staates in die Wirtschaftsabläufe drastisch reduziert worden (siehe Reaganomics).[168] Einige Wirtschaftsbereiche unterliegen einer Aufsicht durch eine Regulierungsbehörde; zum Beispiel überwachen die Bundesstaaten die Elektrizitätsversorgung durch eine Public Utility Commission.

Die Steuerung durch das seit 1913 bestehende Federal Reserve System („Fed“), das die Aufgaben einer staatlichen Zentralbank übernahm, hat seit der Finanzkrise ab 2007 erheblich zugenommen. Bis dahin griff sie nur mittels Steuerung der Geldmenge bzw. Höhe der Leitzinsen in das Wirtschaftsgeschehen ein; seitdem tritt sie als Garantiegeber und als Kreditgeber auch außerhalb des Bankensystems auf.[169] Sie kaufte 2014 monatlich im Umfang von 55 Mrd. Dollar Staatspapiere auf[170] und hält 32,5 % aller zehnjährigen US-Staatsanleihen. Langjähriger Vorsitzender der Fed war ab 1987 Alan Greenspan, dem 2006 Ben Bernanke, 2014 Janet Yellen und am 5. Februar 2018 Jerome Powell folgte.

Die USA waren 2016 weltgrößter Absatzmarkt für Importgüter und nach China die zweitgrößte Exportnation der Erde. Die Handelsbilanz der USA wies 2014 ein Defizit in Höhe von 505 Milliarden US-Dollar aus: Das Exportvolumen für Waren und Dienstleistungen betrug 2014 2.345,4 Milliarden US-Dollar, importiert wurden im selben Zeitraum Waren und Dienstleistungen in Höhe von 2.850,5 Milliarden US-Dollar. Sowohl das Export- als auch das Importvolumen wuchsen im Vergleich zum Vorjahr. Hauptabnehmerländer für US-Waren waren im Jahr 2014 Kanada, Mexiko, China, Japan, Großbritannien und Deutschland.[171]

Prozentualer Anteil der Haushalte in den jeweiligen Einkommensgruppen.[172]
Pro-Kopf-Einkommen nach County (2016)

Der Median für das jährliche Bruttoeinkommen amerikanischer Haushalte lag bei 43.389 US-Dollar; etwa 16 % aller Haushalte hatten ein Bruttoeinkommen von über 100.000 US-Dollar.[172] Dabei verdienten die oberen 20 Prozent aller Haushalte mehr als 88.030 US-Dollar brutto im Jahr, das untere Fünftel weniger als 18.500.[173]

Bildung und ethnische Zugehörigkeit hatten starken Einfluss auf das Einkommen. Während der Median des Bruttohaushaltseinkommens 2006 für asiatische Haushalte bei 57.518 US-Dollar lag, betrug er 30.134 US-Dollar für schwarze.[174] Der gleiche Median lag für eine Person mit Highschool-Abschluss bei 25.900 US-Dollar, bei Personen mit einem akademischen Grad bei 81.400.[175]

Die Armutsschwelle wurde 2006 bei einem Jahreseinkommen von 20.614 US-Dollar (15.860 Euro) für eine vierköpfige Familie und von 10.294 US-Dollar (7920 Euro) für eine alleinstehende Person angesetzt. 36,46 Millionen (≈ 15 % der Bevölkerung) lebten 2005 unterhalb dieser Grenze.[176]

Der Mindestlohn betrug 7,25 US-Dollar pro Stunde bis 2014 mit zahlreichen Abweichungen in den Bundesstaaten.[177] Präsident Obama hob per Dekret zum 1. Januar 2015 für Beschäftigte, deren Arbeitgeber auf Vertragsbasis für die Regierung tätig sind, den Mindestlohn von 7,25 auf 10,10 US-Dollar an.[178]

Laut einer Studie der Credit Suisse belief sich das totale Haushaltsvermögen (Eigentum weniger Schulden) 2017 auf 93,6 Billionen US-Dollar. Amerikanische Haushalte besitzen damit knapp ein Drittel des weltweiten Vermögens. Insgesamt 6,4 % der erwachsenen Amerikaner waren Vermögensmillionäre.[179] Im ersten Quartal 2018 überstieg das Haushaltsvermögen erstmals die Marke von 100 Billionen US-Dollar.

Kennzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegen die USA den zweiten von insgesamt 137 Plätzen (Stand 2017–2018).[180] Im Index für wirtschaftliche Freiheit belegt das Land 2017 Platz 17 von 180 Ländern.[181]

Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP), real Weltbank[182]
Jahr 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Veränderung in % gg. Vj. 2,9 1,9 −0,1 −2,5 2,6 1,6 2,3 1,8 2,5 2,9 1,6 2,2 2,9
Entwicklung des BIP (nominal), Weltbank
absolut (in Mrd. USD)[183] je Einwohner (in Tsd. USD)[184]
Jahr 2015 2016 2017 2018 Jahr 2015 2016 2017 2018
BIP in Mrd. $ 18.219 18.707 19.485 20.494 BIP je Einw. (in Tsd. $) 56,4 57,6 59,5 62,6
Entwicklung des Außenhandels[185]
in Mrd. US-Dollar und seine Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent
2016 2017 2018
Mrd. USD % gg. Vj. Mrd. USD % gg. Vj. Mrd. USD % gg.Vj.
Einfuhr 2.187,6 −2,7 2.342,0 7,7 2.542,7 8,6
Ausfuhr 1.451,0 −3,5 1.546,3 6,6 1.664,1 7,6
Saldo −736,6 −795,7 −878,7
Haupthandelspartner der Vereinigten Staaten (2018)[185]
Export (in Prozent) nach Import (in Prozent) von
KanadaKanada Kanada 18,0 China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 21,2
MexikoMexiko Mexiko 15,9 MexikoMexiko Mexiko 13,6
China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 7,2 KanadaKanada Kanada 12,5
JapanJapan Japan 4,5 JapanJapan Japan 5,6
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 4,0 DeutschlandDeutschland Deutschland 5,0
DeutschlandDeutschland Deutschland 3,5 Korea SudSüdkorea Südkorea 2,9
Korea SudSüdkorea Südkorea 3,4 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 2,4
sonstige Länder 43,5 sonstige Länder 36,8

Staatshaushalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haushaltsausgaben des Bundes für das Fiskaljahr 2015

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von 3,89 Billionen US-Dollar, dem standen Einnahmen von 3,36 Billionen US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 2,8 % des BIP. Das Defizit betrug 530 Milliarden Dollar.[186] Die USA konnten in den letzten Jahren somit bei der Haushaltskonsolidierung deutliche Fortschritte erzielen. Für 2017 bis 2019 wird ein jährliches Defizit von um die 2,9 Prozent des BIP erwartet.[187]

Die Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten betrug Anfang Januar 2015 18,08 Billionen US-Dollar oder 104 % des BIP.[188] Die lokalen Schulden belaufen sich nach der US Debt Clock[188] im Januar 2015 auf 1,87 Billionen US-Dollar, die Schulden der 50 Bundesstaaten insgesamt auf rund 1,19 Billionen US-Dollar. Im August 2014 waren 34,4 % der Staatsschulden Gläubigern aus dem Ausland zugeteilt, 65,6 % heimischen Gläubigern.[189] Nach Angaben des US-Finanzministeriums besitzt China zum Jahresende 2013 US-Staatsanleihen im Wert von 1,27 Billionen Dollar und ist damit der größte ausländische Gläubiger der Vereinigten Staaten, gefolgt von Japan mit 1,18 Billionen Dollar und Belgien mit 256 Milliarden Dollar.[190]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Logistics Performance Index, der von der Weltbank erstellt wird und die Qualität der Infrastruktur misst, belegten die Vereinigten Staaten 2018 den 14. Platz unter 160 Ländern. Die Vereinigten Staaten verfügen damit über eine leistungsfähige und hochmoderne Infrastruktur. In einigen Bereichen besteht inzwischen allerdings erheblicher Investitionsbedarf.[191]

Energieversorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stromverbrauch der Vereinigten Staaten betrug 2014 ca. 3.913 Terawattstunden pro Jahr, mit 12.950 kWh im Jahr haben die USA den weltweit zehnthöchsten Verbrauch pro Kopf.[192][193] Im Jahr 2015 wurden 36 % des Energieverbrauchs aus Erdöl, 16 % aus Kohle und 29 % aus Erdgas, 10 % aus erneuerbaren Energiequellen und 9 % aus Kernenergie generiert. Im Jahr 2019 waren es 35 % aus Erdgas, 31 % aus Erdöl, 14 % aus Kohle, 12 % aus erneuerbaren Quellen und 8 % aus Kernkraft.[194] Die Vereinigten Staaten sind schon seit Jahrzehnten und auch 2020[195] mit Abstand der weltweit größte Verbraucher von Erdöl.[196] 2015 wurden 91 % des Energiebedarfs durch die eigene Produktion gedeckt.

Über Jahrzehnte waren Öl, Erdgas und Kohle die Hauptenergiequellen in den Vereinigten Staaten. 2008 erreichte die Kohleproduktion einen Höchstwert, fiel dann aber wieder ab, sodass 2015 die Produktion auf dem gleichen Niveau war wie 1981. 2015 erreichte die Erdgasförderung einen Höchststand, primär durch Erschließung neuer Fördergebiete und Anwendung von effektiveren Fördermethoden, wie dem Fracking. Die Erdölgewinnung verringerte sich seit 1970 stetig. Ab 2009 kehrte sich dieser Prozess parallel zur Erdgasförderung um, indem neue Gebiete, wie in Texas oder North Dakota, erschlossen und neue Fördermethoden angewendet wurden. 2015 war die Erdölgewinnung fast wieder auf dem gleichen Stand wie von 1972. Aufgrund von Produktivitätssprüngen ist die Öl- und Gasproduktion in den USA auch bei vergleichsweise niedrigen Preisen wettbewerbsfähig. Die USA sind größter Erdgasproduzent der Welt und gehören mit Russland und Saudi-Arabien zu den weltgrößten Ölproduzenten. 2016 wurde mit Inbetriebnahme des Terminals Sabine Pass in Louisiana erstmals Flüssiggas (LNG) vom US-Festland exportiert. Weitere Terminals befinden sich bereits im Bau. Das gesetzliche Exportverbot für Rohöl wurde Ende 2015 aufgehoben.

Die Energiegewinnung durch erneuerbare Energien steigt in den USA seit 2001 deutlich an, wobei regelmäßig neue Höchststände erreicht wurden.[194] Die installierte Gesamtleistung der Solarkraftwerke erreichte im 2. Quartal 2020 42,3 GW, die der Windkraftwerke 109,6 GW.[197] Bis Ende 2020 stieg die installierte Windleistung auf 122,3 GW,[198] 16 % der Gesamtleistung der Windkraftwerke der Welt.

Auch die Arbeitsplatzbilanz hat sich inzwischen in Richtung der erneuerbaren Energien verschoben. Beispielsweise waren 2016 in der Kohlebranche ungefähr 53.000 Menschen beschäftigt, während in der US-amerikanischen Solar- und Windenergiebranche rund 475.000 Arbeitsplätze vorhanden waren.[199]

Wasserversorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im globalen Vergleich haben die USA ein relativ gut ausgebautes und sicheres Wasser- und Trinkwassersystem. Der überwiegende Großteil der amerikanischen Haushalte bezieht das Trinkwasser aus den Versorgungssystemen der Gemeinden. Die Wasserversorgungssysteme können in öffentlicher sowie in privater Hand sein. Es gibt etwa 155.000 eigenständige Wasserversorger. Obgleich die meisten der Wasserversorgungssysteme Grundwasser beziehen, werden 68 % der Bevölkerung mit Oberflächenwasser versorgt, insbesondere in den Großstädten.[200]

Seit einigen Jahren ergeben Studien, dass Engpässe bei der Versorgung mit Trinkwasser wegen verschiedener Faktoren, wie eines sich verändernden Klimas und steigender Einwohnerzahlen, zunehmen könnten. Gleichzeitig ermitteln Behörden und Institute der einzelnen Staaten und des Bundes Möglichkeiten, die Wasserversorgung und die Bewirtschaftung zu verbessern.[201]

Kommunikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vereinigten Staaten weisen ein ausgebautes und technologisch fortgeschrittenes Kommunikationssystem auf. Es gab 2015 etwa 122 Millionen private Festnetzanschlüsse und 328 Millionen Mobilfunkanschlüsse. Das Mobilfunknetz wird stetig ausgebaut. Das Internet, das in den USA seinen Ursprung hatte, hat sich zu einem bedeutenden Kommunikationsmittel entwickelt. Im Jahr 2000 hatten knapp über die Hälfte der amerikanischen Haushalte einen eigenen festen Internetzugang und 98 % aller Schulen. 2016 gab es 286 Millionen Internetanschlüsse, sodass 88,5 % der Amerikaner einen Internetzugang hatten.[202][203] Jedoch haben Stand 2021 mehr als 35 Prozent der amerikanischen Haushalte, die auf dem Lande leben, nach Regierungsinformationen, wenn überhaupt, nur einen minimalen Breitbandanschluss.[204]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Interstate Highway System, das sich über 75.440 km erstreckt.[205]

Das Verkehrsnetz ist polyzentrisch aufgebaut: Straßen, Schienen und Flugverbindungen laufen vor allem sternförmig auf die Ballungsräume New York, Philadelphia, Atlanta, Chicago, Houston, Charlotte, Dallas, Denver, Los Angeles und Seattle zu.[206] Mit einer Gesamtlänge von 6.586.610 Kilometern haben die Vereinigten Staaten das längste Straßensystem der Welt (Stand: 2012).[207]

Der Güterverkehr wird vor allem von Eisenbahn und LKWs geleistet. Der Personentransport findet mit Ausnahme des im Fernverkehr dominierenden Flugverkehrs fast ausschließlich auf der Straße (Individualverkehr oder Überlandbusse) statt. Die Bahn übernimmt nur noch einen Bruchteil des Personenverkehrs. 87,2 % (-1,7 % gegenüber 2000) der Personenverkehrsleistung wurde 2010 mit Kraftfahrzeugen abgewickelt, 11,6 % (+1,5 %) der Personenkilometer wurden mit Flugzeugen zurückgelegt. Lediglich 0,9 % (+0,2 %) wurden im Linienverkehr und 0,4 % (+0,1 %) mit der Eisenbahn erbracht.[208]

Insbesondere für den Verkehr innerhalb der Bundesstaaten, teilweise aber auch für Langstrecken, hat der Überlandbusverkehr große Bedeutung.

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vereinigten Staaten verfügen über ein ausgebautes Straßennetz. Für den Lang- und Mittelstreckenverkehr existiert ein Netz von inner- und zwischenstaatlichen Fernstraßen. Jedoch sind Stand April 2021 fast 300.000 Kilometer Straßen und 45.000 Brücken nach Angaben des Weißen Hauses »in miserablem Zustand«.[204]

Die Interstate Highways sind mehrspurige Autobahnen, die zwischen den einzelnen Bundesstaaten liegen und die Ost- und Westküste miteinander verbinden. Das ab den 1950er Jahren errichtete Interstate Highway System ist über 75.000 km lang und wickelt ein Fünftel des motorisierten Verkehrs ab. Finanziert wird der Neubau und die Instandhaltung hauptsächlich durch den Bund. Die United States Highways und States Highways sind Bundesstraßen, die ebenfalls zwischen den verschiedenen Staaten liegen. Viele U.S. Highways führen jedoch auch als Ortsdurchfahrten durch Groß- und Kleinstädte und haben in der Regel weniger Fahrspuren als die Interstates. Die United States Highways werden durch den jeweiligen Bundesstaat finanziert. Die State Routes auch State- oder Provincial Highways genannt sind untergeordnete Haupt- und Nebenstraßen. Jeder Bundesstaat hat dabei ein eigenes System der Straßennummerierung und Bezeichnung, sowie eigene Schilder. Der Zustand und Ausbau bei den State Routes kann je nach Staat und Streckenabschnitt variieren. In einigen Staaten können auf bestimmte Straßenabschnitte aller Straßenarten, Brücken oder Tunnel Mautgebühren anfallen.[209][210]

Im Straßenverkehr passierten mehr tödliche Unfälle als in den meisten anderen entwickelten Ländern. 2013 kamen in den Vereinigten Staaten insgesamt 10,6 Verkehrstote auf 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im selben Jahr 4,3 Tote. Insgesamt kamen damit 34.000 Personen im Straßenverkehr ums Leben. Allerdings muss dabei die hohe Motorisierungsrate des Landes beachtet werden. 2017 kamen in den USA 910 Kraftfahrzeuge auf 1000 Einwohner. In Deutschland waren es nur 562 Fahrzeuge. Mit über 255 Millionen Einheiten verfügen die USA über den größten Fuhrpark aller Staaten.[211]

Eisenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Streckennetz der sieben größten Bahngesellschaften

Für den Massengüterverkehr über lange Strecken spielt die im Güterverkehr von verschiedenen privaten Gesellschaften betriebene Eisenbahn noch heute eine große Rolle. Mit einer Gesamtlänge von 293.564 Kilometern im Jahre 2014 haben die Vereinigten Staaten das längste Eisenbahnnetz der Welt.[207] Es dominieren sieben große überregionale Bahngesellschaften den Markt. Daneben gibt es noch mehrere hunderte weitere kleinere Gesellschaften. Die Bedeutung des Schienenverkehrs ist nicht mehr mit den Jahrzehnten seit der Verkehrserschließung durch die transkontinentalen Eisenbahnen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zu vergleichen. Nichtsdestotrotz steigt seit einigen Jahren die Wichtigkeit der Eisenbahn wieder; zwischen 2000 und 2012 hat sich die Anzahl der beförderten Personen von Amtrak fast verdoppelt. Weite Teile des Streckennetzes sind nicht elektrifiziert und werden mit Diesellokomotiven bedient. Ein großer Teil der Nebenstrecken ist gering ausgebaut und in einem sanierungsbedürftigen Zustand. Der Güterverkehr hat im Vergleich zu anderen Ländern eine wesentlich höhere Produktivität, das Haupttransportgut auf der Schiene ist Kohle (45 % des Gütervolumens).[212][213]

In den städtischen Ballungsgebieten der Ostküste, Kaliforniens und im Raum Chicago hat der Personenverkehr auf der Schiene eine gewisse Rolle behalten, die er teilweise sogar wieder ausbauen konnte, beispielsweise mit dem Acela Express zwischen Washington D.C. und Boston, der eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 140 km/h erreicht. Die weiten Strecken zwischen den städtischen Agglomerationen werden fahrplanmäßig bedient, jedoch liegt die Hauptbedeutung hier eher im touristischen Bereich – vergleichbar den Schienenkreuzfahrten in Europa, auch aufgrund meist sehr langer Fahrzeiten und geringer Geschwindigkeiten. Insgesamt hat der Schienenverkehr nur einen sehr geringen Anteil am gesamten Personenverkehr in den Vereinigten Staaten, bei weitem geringer als in anderen Staaten. Der Personenverkehr wird hauptsächlich von der Gesellschaft Amtrak betrieben.

Die US-Regierung plante den Aufbau eines Hochgeschwindigkeitsnetzes auf zehn Korridoren zwischen verschiedenen großen Ballungsräumen, u. a. an der Westküste in Kalifornien und an der Ostküste, verteilt bis 2017. Vor allem aufgrund des überlasteten Straßen- bzw. Flugverkehrs sei dies langfristig sinnvoll. Insgesamt sollte das Projekt 53 Milliarden US-Dollar (ca. 39 Milliarden Euro) kosten, hauptsächlich finanziert aus dem Konjunkturpaket der Vereinigten Staaten.[214] Der Obama-Administration ist es jedoch nicht gelungen, die notwendigen Mittel im Haushalt durch den Kongress genehmigen zu lassen.[215]

Flugverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Atlanta Hartsfield-Jackson Flughafen; nach Passagieraufkommen ist er der größte internationale Flughafen weltweit.

Wichtiger Verkehrsträger im Personenverkehr für Lang-, Mittel- und auch Kurzstrecken ist der Flugverkehr. Die Vereinigten Staaten weisen das größte und ausgebauteste Zivilluftfahrtssystem der Welt auf. Es gibt insgesamt 19.000 Start-und-Lande-Bahnen verschiedenster Kategorien, davon 389 größere. 88 % aller Passagiere starten von den 62 größten Flughäfen im Land.[216] Die größten amerikanischen Fluggesellschaften sind American Airlines, Delta Air Lines, Southwest Airlines und United Airlines. Unter den hinsichtlich der Passagierzahlen zehn größten Fluggesellschaften der Welt sind fünf amerikanische vertreten.[217] 2017 wurden insgesamt über 849 Millionen Personen von im Land registrierten Airlines transportiert.[218]

Der nach Passagieraufkommen größte Flughafen der Welt befindet sich in Atlanta. Weitere wichtige Drehkreuze sind in Los Angeles, Chicago, Dallas-Fort Worth, New York, Denver, San Francisco, Charlotte, Las Vegas und Miami. Kleine Flughäfen mit planmäßigem Betrieb gibt es in nahezu jeder Kleinstadt.

Seeschifffahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schifffahrtswege werden primär für den Fracht- und Gütertransport genutzt. Im Inland umfasst das Netz von Wasserwegen 40.000 Kilometer, davon ist die Hälfte für alle größeren Schiffe befahrbar. Es gibt etwa 230 Anlegeplätze. Insgesamt sind 41 der 50 Bundesstaaten miteinander über den Wasserweg verbunden. Wichtige Wasserwege im Inland sind u. a. der Mississippi, der sich von New Orleans bis nach Minneapolis erstreckt, sowie das Ohio Fluss-Becken. 2014 wurden etwa 600 Millionen Tonnen Güter durch Binnenschiffe transportiert, das machte 5 % des kommerziellen Güterverkehrs aus.[219] An den Küsten sind der Gulf Intracoastal Waterway und die Kanäle an der Pazifikküste von Gewicht.[220][221] Die größten Frachthäfen befinden sich unter anderem in Boston, Chicago (über den Sankt-Lorenz-Großschifffahrtsweg), New York, Houston, Los Angeles sowie in Louisiana.

Große Bedeutung hat die Kreuzschifffahrt; die Hälfte des weltweiten Passagieraufkommens für Kreuzfahrten kommt aus den Vereinigten Staaten, die mit Abstand wichtigste Destination ist dabei die Karibik.[222]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hollywood Sign über den Hollywood Hills steht als Sinnbild für die amerikanische Filmindustrie, eine der ältesten der Welt

Die amerikanische Kultur ist geprägt von der Vielfalt der ethnischen Einflüsse und Traditionen, die zahlreiche Einwanderergruppen mitbrachten. Erst in den 1930er Jahren bildete sich durch die Massenmedien eine einheitliche amerikanische Populärkultur heraus. Verschiedene Kulturwissenschaftler haben sich mit der typisch amerikanischen Mentalität befasst, Selbstbild und Fremdbilder verglichen und daraus sogenannte Kulturstandards des Verhaltens formuliert.

Die frühe Kulturproduktion in den Vereinigten Staaten war vor allem durch die englische „Leitkultur“ geprägt, die aber aufgrund der neuen, einzigartigen Verhältnisse schnell an Eigenständigkeit gewann. Den afrikanischen Sklaven wurde eine Ausübung ihrer kulturellen Traditionen und eine eigene Kulturproduktion verboten, so dass sie sich stark an europäischen Mustern orientieren mussten. Jedoch konnten Elemente ihrer Ursprungskulturen im Geheimen aufrechterhalten werden.

Im 20. Jahrhundert lösten sich amerikanische Künstler von den Vorbildern der Alten Welt. Die unterschiedlichen kulturellen Disziplinen wurden in neue Richtungen erweitert.

Zur zeitgenössischen Kunst- und Unterhaltungsszene in den Vereinigten Staaten gehörten die Verjüngung der Musik, Neuentwicklungen im Modernen Tanz, die Verwendung ureigener amerikanischer Themen im Theater, die Filmproduktion in ihrer ganzen Bandbreite und die Globalisierung der Bildenden Künste.

Sicht über einen Teil des Las Vegas Strips bei Nacht.

In den Vereinigten Staaten gibt es – ähnlich wie in Deutschland, aber anders als in Frankreich – kein zentrales Kulturministerium, das eine landesweite Kulturpolitik steuert. In dieser Tatsache spiegelt sich die Überzeugung wider, dass es Bereiche im gesellschaftlichen Leben gibt, in denen die Regierung nur eine kleine oder gar keine Rolle spielen sollte. Die zwei nationalen Stiftungen für Kunst und Geisteswissenschaften – „National Endowment for the Arts“ (NEA) und „National Endowment for the Humanities“ (NEH) – unterstützen mit Zuschüssen sowohl einzelne Künstler und Wissenschaftler als auch Institutionen, die im Bereich der Kunst und Geisteswissenschaften tätig sind. Seit der „Republican Revolution“ 1994, bei der die Republikaner im Kongress die Mehrheit errangen, wurden beide Stiftungen sowie auch die öffentlichen Rundfunkanstalten PBS und NPR immer wieder durch Mittelkürzungen bedroht, oft begleitet von dem Vorwurf, sie betrieben eine „linke“ Politik zugunsten einer „Elite“. Insbesondere Kunst, die von christlich-fundamentalistischen oder stark römisch-katholischen Kreisen kritisch betrachtet wird, wird ein Zielpunkt dieser Drohungen.

Während das Budget der NEA, das sich 2003 auf 115 Millionen US-Dollar belief, verglichen mit der Kulturförderung anderer Länder bescheiden war, so machten von jeher private Spenden den Großteil der Kulturförderung aus. Diese privaten Spenden wurden für das Jahr 2002 auf ungefähr 12,1 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Indigene Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kulturformen der rund 350 als Stämme (tribes) betrachteten Indianergruppen, deren Angehörige sich als American Indians oder Native Americans bezeichnen und im Hauptteil der Vereinigten Staaten leben, sind nicht einheitlich, auch die in Alaska lebenden 225 anerkannten Stämme der Alaska Natives unterscheiden sich erheblich, erst recht die Gruppen auf Hawaii. Innerhalb des Landes, zwischen Stadt und Land, sowie zwischen den ethnischen Gruppen sind die Unterschiede denkbar groß. Sie entwickelten eigene Identitäten und kulturelle Strukturen, die sich Kulturarealen zuordnen lassen, die Zahl der Sprachen war sehr hoch, jedoch sind viele von ihnen vom Aussterben bedroht. Die größte Sprache mit rund 150.000 Sprechern ist das Navajo.

An der Pazifikküste war die Kultur von Fischfang dominiert, oder vom Walfang, wie bei den Makah im Nordwesten Washingtons. Dort finden sich gewaltige Totempfähle, deren größter in Washington steht. Im Binnenland dominierten berittene Jagd, Sammeln und Flussfischerei. In den großen Ebenen, den Plains, stand die Bisonjagd im Mittelpunkt, in anderen der Elch. Durch die Ankunft des Pferdes entwickelte sich ab dem 17. Jahrhundert ein Reiternomadismus, der weiträumige Völkerbewegungen in Gang setzte. Der Osten hingegen wurde ab 1830 weitgehend entvölkert (Pfad der Tränen), so dass der indianische Kultureinfluss hier lange weniger zu spüren war.

Ähnlich wie die Literatur verfolgt die indianische Kunstszene nicht nur traditionelle Elemente, sondern verbindet sie mit von Europa inspirierten Mitteln der amerikanischen Kultur. Andere Indianerkünstler produzieren losgelöst von diesen Traditionen in deren Genres und mit deren Mitteln. Meist stehen in der Literatur ökologische Probleme, Armut und Gewalt, entmenschte Technik oder Spiritualität im Vordergrund. Dabei reicht die schriftliche Tradition bis in das frühe 19. Jahrhundert zurück, riss jedoch immer wieder ab: William Apes: The Experience of William Apes, a Native of the Forest (1831), ein Pequot, George Copway, ein Anishinabe und Elias Johnson, ein Tuscarora sind frühe Beispiele. Die Novelle Laughing Boy von Oliver La Farge (1929) wurde erst in den 1960er Jahren wieder aufgenommen. Der Kiowa N. Scott Momaday erhielt 1969 den Pulitzer-Preis für House Made of Dawn, Vine Deloria publizierte Custer Died For Your Sins. An Indian Manifesto. Den nationalen Rahmen sprengte Dee Browns Bury My Heart At Wounded Knee von 1970.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Louis Armstrong, einer der bedeutendsten Musiker des Hot Jazz mit großem Einfluss auf die weitere Entwicklung des Jazz

Ein wesentlicher Beitrag der Vereinigten Staaten zur Weltkultur ist die Entwicklung des Jazz, der als erste eigenständige Musikform der Vereinigten Staaten gilt, sowie des Blues und des Country, aus deren Zusammenführung in den 1950er Jahren der Rock ’n’ Roll entstand. Diese Musikkultur ist einzigartig durch den Zusammenfluss afroamerikanischer mit europäischer Folklore und bildet heute eine zentrale Grundlage der populären Kultur der westlichen Welt.

Seit 1959 werden die Grammy Awards von der Recording Academy in Los Angeles jährlich in derzeit 78 Kategorien an Künstler wie Sänger, Komponisten, Musiker sowie Produktionsleiter und die Tontechnik verliehen. Der Grammy gilt als die höchste internationale Auszeichnung für Künstler und Aufnahmeteams.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John Smiths Generall Historie of Virginia (1624)
Einer der wichtigsten amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts war John Steinbeck (Foto 1962)
Gertrude Stein, eine der wichtigsten Literatinnen der amerikanischen Moderne.
Fotografie von Carl van Vechten, 1935.

Die Literaturproduktion knüpfte in keiner Weise an die Traditionen der Indianer an, sondern setzte mit Reiseberichten und Geschichtsschreibung ein, hinzu kamen Tagebücher und theologische Literatur. Das erste gedruckte Buch war das Bay Psalm Book von 1640. Die wichtigsten puritanischen Dichter waren Edward Taylor und Anne Bradstreet (The Tenth Muse Lately Sprung Up in America, London 1650).

1704 verfasste Sarah Kemble Knight den Bericht einer Reise von Boston nach New York (The Journal of Madam Knight), womit die Landschaft erstmals eine Auseinandersetzung erzwang. Mit den Gefangenschaftsberichten bei Indianern drangen zudem interkulturelle Kontakte und Fremdheit in die Literatur vor, wie etwa bei Mary Rowlandson oder John Smiths Bericht über seine angebliche Rettung durch Pocahontas. Als wichtigstes Werk der puritanischen Geschichtsschreibung gelten die Magnalia Christi Americana (1702) von Cotton Mather.

Zahlreiche politische Essays und Satiren, die in England wie in den Vereinigten Staaten gelesen wurden, stammten aus der Feder von Benjamin Franklin. Patriotismus prägte die Literatur der Gründungsjahre. Philip Freneau wurde zum „Dichter der amerikanischen Revolution“ und zeichnete ein wohlwollendes Bild der Indianer. Webster kompilierte von 1806 bis 1828 sein An American Dictionary of the English Language. Auf seine Rechtschreibform gehen zahlreiche Unterschiede des amerikanischen gegenüber dem britischen Englisch zurück.

Charles Brockden Brown griff die englische Tradition der Gothic Novel auf und gilt als Wegbereiter des psychologischen Romans. Washington Irving und James Fenimore Cooper waren von den historischen Romanen Sir Walter Scotts beeinflusst. Irving wird oft als Begründer der Kurzgeschichte bezeichnet. Cooper erfasste im „Lederstrumpf“ (1823–1841) die Frontiererfahrung und präsentierte Indianer als „edle Wilde“.

Die amerikanische Romantik, häufig als American Renaissance bezeichnet, erreichte ihren Höhepunkt über 30 Jahre nach der europäischen. Von Ralph Waldo Emerson ging der Transzendentalismus aus. Er berief sich auf Immanuel Kants Transzendentalphilosophie, verband sie jedoch mit fernöstlicher und indischer Philosophie. Sein The American Scholar von 1837 wurde als „kulturelle Unabhängigkeitserklärung“ der Vereinigten Staaten bezeichnet.

Henry David Thoreau lebte zwei Jahre in einer Blockhütte. Sein Streben nach einem alternativen Lebensentwurf machte sein über diese zwei Jahre berichtendes Walden in den 1960er Jahren zu einem Kultbuch der Hippiebewegung. Thoreaus politischer Essay Ziviler Ungehorsam (1849) beeinflusste Martin Luther King ebenso wie die Umweltbewegung.

Walt Whitman stellte in freien Versen die Körperlichkeit in den Vordergrund, Nathaniel Hawthorne war dagegen von einem tiefen Skeptizismus geprägt. Seine Themen waren Schuld, Strafe und Intoleranz, etwa in der Gesellschaft seiner puritanischen Vorfahren. In Die Blithedale-Maskerade 1841 schilderte er das Scheitern einer utopischen Kommune.

Herman Melvilles Moby Dick (1851) war eine Reflexion über die Fragen des Daseins, über Gut und Böse, die Begrenztheit der menschlichen Erkenntnisfähigkeit. Dieses und seine Spätwerke, wie Bartleby der Schreiber, wurden erst lange nach seinem Tod anerkannt.

Edgar Allan Poes Kurzgeschichten beeinflussten die Entwicklung der phantastischen und der Horrorliteratur, mit Der Doppelmord in der Rue Morgue erfand er die Detektivgeschichte. Poe gelang es mittels einer Dichtungstheorie (Die Philosophie der Komposition, Das poetische Prinzip) die Lyrik in das Gebiet symbolistischer und lautpoetischer Sprachkunst zu entwickeln.

Der Konflikt zwischen Nord- und Südstaaten um die Sklaverei wurde auch mit literarischen Mitteln ausgetragen. 1789 erschien die Autobiografie Olaudah Equianos, Harriet Beecher Stowes Onkel Toms Hütte (1852) wurde im Norden ein Bestseller.

Herausragend sind Faulkners Yoknapatawpha-Romane (1930er Jahre), Stephen Vincent Benéts John Brown’s Body (1928) und nicht zuletzt Margaret Mitchells Vom Winde verweht (1936). Die Südstaaten schwankten zwischen Nostalgie und scharfer Kritik. Der Dichter und Musiker Sidney Lanier schrieb düstere Oden, Kate Chopin über die kreolisch geprägte Gesellschaft Louisianas. Mark TwainsDie Abenteuer des Huckleberry Finn (1885) – oder Frank Norrislocal color literature exponierten regionale Eigenheiten und Dialekte.

Das Massenelend in den Städten wurde zum Thema. Jack London zog während des Klondike-Goldrauschs in den äußersten Norden (Ruf der Wildnis). Frank Norris gehörte wie London der radikalen Literaturszene San Franciscos an. Seine Romane thematisierten das harte Leben in Kalifornien, dem vermeintlichen Gelobten Land (Gier nach Gold, 1899). Upton Sinclair deckte in Der Sumpf (1906) die Missstände in den Schlachthöfen Chicagos auf.

T. S. Eliot oder W. H. Auden, Ezra Pound und Hilda Doolittle (H. D.) gelten als Vertreter der Moderne. Viele amerikanische Schriftsteller verbrachten einige Zeit in Europa; Stein schuf für sie den Begriff („Verlorene Generation“). John Dos Passos schrieb mit Manhattan Transfer den bekanntesten Großstadtroman. Als 1927 die Anarchisten Sacco und Vanzetti hingerichtet wurden, hielten vor den Gefängnistoren John Dos Passos, Langston Hughes und Edna St. Vincent Millay Mahnwache. Viele Schriftsteller wandten sich dem Sozialismus zu. Die „proletarische Literatur“ erreichte mit Werken wie Dos Passos’ U.S.A.-Trilogie (1930–1936) und John Steinbecks Früchte des Zorns (1939) ihren Höhepunkt.

Die zwölf Autoren des Pamphlets I’ll Take My Stand und ihre Nachfolger wurden als Southern Agrarians bekannt; sie wandten sich gegen Rationalität, Industrialisierung und Verstädterung. Eliot veröffentlichte 1922 das wohl bekannteste Gedicht der englischsprachigen Moderne: Das wüste Land.

Gertrude Steins Gedichte sind oft mehr dem Klang als dem Sinn verpflichtet. Ein Extrem der Prosa stellt der knappe Stil Ernest Hemingw