Antonio Negri

Geboren am: 1. August 1933

Beitræge von Antonio Negri
Grundrisse, Nummer 16

Gespräch mit Toni Negri

Dezember
2005

Le Philosophoire: Ihr intellektueller Werdegang weist eine starke Kohärenz auf – das Projekt, die Immanenz des Realen auf der Grundlage einer materialistischen „Methode“ zu denken: Wenn Sie Ende der 70-Jahre mit dem Marxismus gebrochen haben, so deshalb, weil diese Denkweise Ihres Erachtens in (...)

Beitræge zu Antonio Negri
Café Critique, Jahr 1997

Beten zu Dionysos

Antonio Negris und Michael Hardts Staatskritik
Dezember
1997

Antonio Negri zählte neben Mario Tronti und den Autoren der Zeitschrift Quaderni Rossi in den 60er und 70er Jahren zu den wichtigsten Theoretikern der operaistisch orientierten italienischen Neuen Linken. Im deutschsprachigen Raum hatte er vor allem bei Spontis und Autonomen seine Fans. In der (...)

Grundrisse, Texte außerhalb der Grundrisse

Die politische Philosophie Antonio Negris

 
2001

Eine Quelle des politischen Denkens Negris stellt der sogenannte Operaismus dar. Ihn knapp und präzise zu charakterisieren ist nicht einfach, zumal er kein wirklich kohärentes Phänomen darstellt. Ausgangspunkt sind die sogenannten Arbeiteruntersuchungen, die in den Zeitschriften „Quaderni rossi“ (...)

Context XXI, Heft 3-4/2001

Die politische Philosophie Antonio Negris

Juli
2001

Die politische Philosophie Antonio Negris ist nur vor dem Hintergrund der außergewöhnlich heftigen und radikalen Klassenkämpfe der 60er und 70er Jahre in Italien zu verstehen. Die Klassenkämpfe im Italien der 60er und 70er Jahre lassen sich grob gesagt in zwei Zyklen unterscheiden, erstens die (...)

Context XXI, Heft 3-4/2001

Im Empire

Negri und Hardt im postfordistischen Kapitalismus
Juli
2001

In ihrem Buch Empire analysieren Hardt / Negri die Umstrukturierung des Kapitalismus vom Imperialismus zum Empire. Dieses Buch führt in eine Diskussion, die sich weder auf das Beklagen der Schrecken des kapitalistischen Systems noch auf das Hochjubeln einer wie auch immer gearteten (...)

Streifzüge, Heft 3/2001

„Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“

Oktober
2001

Dieser Beitrag stellt eine überarbeitete und erweiterte Fassung eines Artikels dar, den ich unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September geschrieben habe. Ich bezweifle, dass es der Linken bis dato gelungen ist, die Reaktion auf den Anschlag vom 11. September wirklich zu verarbeiten. Obwohl (...)

Grundrisse, Nummer 14

Multitude & Empire oder Negris gar nicht so heimlicher Spinozismus

Juni
2005

Die Vielheit der Multitude bedeutet nicht nur, unterschiedlich zu sein, sondern auch unterschiedlich zu werden. Werde anders als du bist! (Hardt/Negri 2004; 391) Mit Empire (2000) trafen Michael Hardt und Antonio Negri offenbar das Theoriebedürfnis rebellierender und widerständiger Schichten. Es (...)

Grundrisse, Nummer 19

Anfang und Ende des nietzscheanischen Linksradikalismus

Bataille und Negri im Vergleich
März
2006

I. Äpfel und Birnen? Einleitung George Bataille und Antonio Negri? Was hat der französische „unmögliche Theoretiker“ des Potlatch und der Überschreitung mit dem italienischen Post-Operaisten gemeinsam? Äußerte sich Negri je ausführlich zum Irrationalen, der Erotik und dem Heiligen, den wichtigsten (...)

Grundrisse, Nummer 35

Produktivität als Autonomie?

Zum Abschluss der Trilogie Empire, Multitude, Commonwealth von Antonio Negri und Michael Hardt
September
2010

Dieser kleine Text stellt selbstverständlich keine umfassende Analyse und Einschätzung der im Jahre 2000 mit Empire begonnen und nun mit Commonwealth abgeschlossenen Trilogie dar. Ob ein derartiges Unterfangen angesichts der oftmals unscharfen und schillernden Begriffsbildung und (...)

Grundrisse, Nummer 38

Auf der Reise durchs Immaterielle

Noch mehr Anmerkungen zu Negri / Hardt, Common Wealth
Mai
2011

Inmitten des Strudels, durch den die LeserInnen am Ende der Trilogie von Negri und Hardt zu rudern gezwungen sind, wird „ein Mann namens Mohammed“ vorgestellt, der in Monrovia / Liberia „über mehrere tausend Männer verfügt haben soll“, die er für „eine Vielzahl unterschiedlicher informeller Jobs (...)

Grundrisse, Nummer 49

Revolutionäre Subjekte & Organisation

März
2013

KommunistInnen sind eine kleine Minderheit der politisch Aktiven, gesellschaftliche Umwälzungen von unten erfordern jedoch Massenbewegungen. Es ist also notwendig, breite Allianzen zu schmieden, um grundlegende Veränderungen gesellschaftlicher Strukturen durchzusetzen. Das bedeutet nicht, dass (...)

Grundrisse, Nummer 48

Kampf für das Gemeinsame

Der (Post-)Operaismus als Interventionsstrategie für die radikale Linke
Dezember
2013

Prolog Seit der Veröffentlichung der Empire-Trilogie von Antonio Negri und Michael Hardt, die weltweit die Bestsellerlisten erklommen und beide weltberühmt machte, ist der (Post)Operaismus die einflussreichste postmarxistische Bewegungstheorie. Der Philosoph Slavoj Žižek sah in dieser gar das (...)

Grundrisse, Nummer 48

Zum Begriff der immateriellen Arbeit von Michael Hardt und Antonio Negri

Eine Kritik aus entwicklungspolitischer Sicht
Dezember
2013

Der Begriff der immateriellen Arbeit wird von Antonio Negri und Michael Hardt, in ihrem Buch „Empire“ (2000) verwendet, um auf veränderte Arbeitsprozesse aufmerksam zu machen. Diese neue Arbeitsform wird von Robert Foltin (2004) weiterhin wie folgt beschrieben: „Die jetzt dominierende immaterielle (...)

Grundrisse, Nummer 48

„Das Kapital wird identisch mit dem Staat“*

Entstehung und Entwicklung der marxistischen Staatskritik beim frühen Negri**
Dezember
2013

Bereits als Student setzte sich Toni Negri, damals noch stark hegelianisch geprägt, mit staatstheoretischen Fragestellungen auseinander. Seine Doktorarbeit aus dem Jahr 1958 trägt den Titel Stato e diritto nel giovane Hegel, also Staat und Recht beim jungen Hegel. Im Laufe seiner darauffolgenden (...)

Grundrisse, Nummer 49

Mario Tronti und die Entwicklung des italienischen Operaismus

März
2014

Einleitung Der offene Widerspruch der operaistischen Tradition […] und der politischen Philosophie der Multitude, die ihr gefolgt ist – der Widerspruch der trotzdem den grundlegenden Marxschen Einsichten treu bleibt – ist die doppelte Bekräftigung, einerseits der integralen Immanenz (...)

Grundrisse, Nummer 52
Reflexionen über die Entwicklung der Grundrisse (2001 – 2014)

Ende der Grundrisse und die Krise der Linken

Dezember
2014

Die Einstellung der Grundrisse ist eine traurige Nachricht. Damit endet ein pluralistisches linksradikales Projekt, das den Anspruch hatte strömungsübergreifend zu sein. Als ich vor zehn Jahren zu den Grundrissen ging, zog mich besonders der kontroverse Charakter der Redaktionssitzungen an: Fast (...)

Antonio Negri (2008)

Antonio „Toni“ Negri (* 1. August 1933 in Padua; † 16. Dezember 2023 in Paris[1]) war ein italienischer Philosoph und Politikwissenschaftler und ein bedeutender Vertreter der neomarxistischen Strömung des Operaismus.[2]

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Negri war in jungen Jahren Mitglied der sozial engagierten katholischen Jugendbewegung Gioventù Italiana di Azione Cattolica (GIAC). 1956 trat er der Sozialistischen Partei Italiens (PSI) bei. Anfang der 1960er engagierte er sich in der Redaktion der Quaderni Rossi. Negri und andere Operaisten dominierten damals die lokale Zeitung der PSI (Progresso Veneto). Negri war Stadtrat der PSI in Padua. Aus Protest gegen die Koalition mit den Christdemokraten (DC) verließ er 1964 die Sozialistische Partei. 1963 kam es zum Bruch in der Redaktion der Quaderni Rossi. Raniero Panzieri und seine Anhänger blieben, Romano Alquati, Alberto Asor Rosa, Rita Di Leo, Pier Luigi Gasparotto, Claudio Greppi, Toni Negri, Massimo Paci und Mario Tronti verließen die QR und gründeten die Zeitschrift Classe operaia (Januar 1964).

Antonio Negri wurde bereits mit 33 Jahren Professor für Staatstheorie an der renommierten Universität Padua.[3]

Nach einem Bruch mit Mario Tronti 1966 war Negri 1969 Mitgründer und Generalsekretär der Gruppe Potere Operaio. Anfang der 1970er Jahre verkündete er das Ende des Wertgesetzes und propagierte den bewaffneten Aufstand. Potere Operaio löste sich 1973 auf, viele Mitglieder und Sympathisanten zog es zur Prima Linea, einer bewaffneten Gruppe, andere schlossen sich der Autonomia Negris an. Auf die aufkeimende 77er-Bewegung, die offen mit allen traditionellen Vorstellungen von Arbeiterbewegung brach, auch denen der 68er, reagierte Negri mit dem Begriff „gesellschaftlicher Arbeiter“. Die Fabrik sei nicht mehr der zentrale Ort der Produktion und des Kampfes, sondern die ganze Gesellschaft. Die Konfrontationen mit den Symbolen des Staates wurden heftiger, man ging bewaffnet auf Demonstrationen und es kam zu Schusswechseln mit der Polizei. Rotbrigadisten ermordeten 1978 Aldo Moro, die folgende staatliche Reaktion erfasste die 77er-Bewegung.

Am 7. April 1979 wurden Negri und viele andere mit der Autonomia Organizzata in Verbindung stehende Intellektuelle und Universitätsdozenten verhaftet und als Terroristen und wegen des Umsturzversuches gegen den Staat angeklagt. Der Autonomia Organizzata wurde vorgeworfen, der Kopf der Roten Brigaden zu sein. Negri wurde 1984 zu 30 Jahren Haft verurteilt und 1986 zu weiteren viereinhalb, weil er die Zusammenstöße in den 1960er und 1970er Jahren moralisch unterstützt habe. Während seine formale Anklage vorbereitet wurde, konnte Negri 1983 für die Radikale Partei ins Parlament gewählt werden.[4] Bevor seine parlamentarische Immunität aufgehoben werden konnte, floh Negri nach Frankreich, wo er 14 Jahre lebte und schreiben und lehren konnte.

Er setzte sich intensiv mit poststrukturalistischen Denkern wie Michel Foucault und vor allem Gilles Deleuze und Félix Guattari auseinander und schrieb ein Buch über Spinoza. 1997 kehrte er nach Rom zurück und wurde verhaftet, die letzten Jahre seiner Haft hatte er jedoch nur die Nacht im Gefängnis zu verbringen. Er wurde allerdings mit Lehrverbot belegt.[5] Negri wurde 2003 entlassen. Er schrieb später auch für die Zeitschrift Futur Antérieur.

Toni Negris mit Michael Hardt geschriebener umfassender Traktat Empire – die neue Weltordnung, gefolgt vom programmatischen Multitude und dem dritten Teil Commonwealth (Sept. 2009, dt. Common Wealth, 2010), machten die Verfasser zu "Starintellektuellen", die vor allem bei der globalisierungskritischen Linken starke Resonanz finden, wie zum Beispiel der Gruppe der Disobbedienti. Negri und Hardt lernten sich 1986 in Paris kennen und wurden im Zuge einer einwöchigen gemeinsamen Arbeitswoche Freunde. Hardt war zum damaligen Zeitpunkt damit beschäftigt, Negris Spinoza-Buch ins Englische zu übersetzen.[6]

Auf Anregung der Pariser Regisseurin Barbara Nicolier schrieb Negri 2005 Essaim, eine Bühnenfassung von Empire. Die deutsche Erstaufführung hatte Schwarm im Januar 2009 am Theater Bielefeld unter der Regie von Christian Schlüter mit Silvia Weiskopf in der Hauptrolle.[7]

Toni Negri war Mitglied der Partei Democracy in Europe Movement 2025.[8] Er starb im Alter von 90 Jahren am 16. Dezember 2023 in Paris.[1]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    • deutsch: Zyklus und Krise bei Marx. 2 Aufsätze, Merve Verlag, Berlin 1972.
  • Crisi dello stato – piano comunismo e organizzazione rivoluzionaria, Florenz 1972.
    • deutsch: Krise des Planstaats, Kommunismus und revolutionäre Organisation, Merve-Verlag, Berlin 1973.
  • Partito operaio contro il lavoro, 1974.
    • deutsch: Massenautonomie gegen historischen Kompromiß, Trikont Verlag, München 1977, ISBN 3-920-38584-5.
  • Marx oltre Marx, 1979.
  • L’anomalia selvaggia, Feltrinelli, Mailand 1981.
    • deutsch: Die wilde Anomalie: Baruch Spinozas Entwurf einer freien Gesellschaft, Wagenbach, Berlin 1981, ISBN 3-8031-3507-9.
  • Il potere costituente. Saggio sulle alternative del moderno, SugarCo, Carnago, Varese 1992, ISBN 88-7198-179-0; Neuauflage Manifestolibri, Rom 2002, ISBN 88-7285-263-3.
    • französische Ausgabe: Le pouvoir constituant: essai sur les alternatives de la modernité, aus dem Italienischen übersetzt von Étienne Balibar und François Matheron, Presses universitaires de France, Paris 1997, ISBN 2130481213.
    • englische Ausgabe: Insurgencies :constituent power and the modern state, University of Minnesota Press, Minneapolis, Minn. 1999, ISBN 0-8166-2274-4.
  • mit Michael Hardt Empire, Harvard University Press, Cambridge, Mass. 2000
  • mit Michael Hardt Die Arbeit des Dionysos: Materialistische Staatskritik in der Postmoderne. (Aus dem Italienischen und Englischen von Thomas Atzert und Sabine Grimm), ID-Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-89408-058-2.
  • mit Michael Hardt Multitude: war and democracy in the age of empire, Penguin Books, London 2006, ISBN 0-14-101487-3.
    • deutsch: Multitude: Krieg und Demokratie im Empire, übersetzt von Thomas Atzert und Andreas Wirthensohn, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-593-37410-2.
  • mit Michael Hardt Commonwealth, Belknap Press of Harvard University Press, Cambridge, Mass. 2009, ISBN 978-0-674-03511-9.
    • deutsch: Common Wealth: das Ende des Eigentums, übersetzt von Thomas Atzert und Andreas Wirthensohn, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-593-39169-4.
  • mit Michael Hardt Declaration, 2012.
    • deutsch: Demokratie! Wofür wir kämpfen, Campus Verlag, Frankfurt am Main/New York 2013, ISBN 978-3-593-39825-9.
  • Antonio Negri Illustrated: Interview in Venice, Red Quill Books, Ontario 2011, ISBN 978-1926958132.
  • mit Michael Hardt: Assembly, Oxford University Press 2017 (E-Book).
    • deutsch: Assembly. Die neue demokratische Ordnung, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2018, ISBN 978-3-593-50873-3.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Antonio Negri. Eine Revolte, die nicht endet. Dokumentarfilm von Alexandra Weltz und Andreas Pichler. Produzent: Christian Beetz. Deutschland 2004. gebrueder beetz filmproduktion / ZDF / arte; 52 Minuten. Verleih und DVD-Bestellung: Neue Visionen Filmverleih.
  • Angela Melitopoulos: Antonio Negri – The Cell, Actar, ISBN 978-84-96540-89-7

Nachrufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Toni Negri – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Clay Risen: Antonio Negri, Philosopher Who Wrote a Surprise Best Seller, Dies at 90. In: nytimes.com. 22. Dezember 2023, abgerufen am 22. Dezember 2023: „Antonio Negri, an Italian philosopher whose essays and activism calling for a new workers’ revolution landed him in prison in 1979, and who two decades later became a global intellectual celebrity for writing “Empire,” a book hailed as the new “Communist Manifesto,” died on Saturday in Paris. He was 90.“
  2. Andreas Fanizadeh: Nachruf auf Toni Negri: Der Autonomia größter Denker. 17. Dezember 2023, abgerufen am 18. Dezember 2023.
  3. Vgl.: Thore Prien: Antonio Negri (geb. 1933) und Michael Hardt (geb. 1960), in: Rüdiger Voigt (Hrsg.): Staatsdenken. Zum Stand der Staatstheorie heute, Baden-Baden 2016, S. 410.
  4. Italienischer Philosoph Antonio Negri gestorben. Abgerufen am 17. Dezember 2023.
  5. Hartmut Rosa, David Strecker und Andrea Kottmann: Soziologische Theorien, UTB, Stuttgart, 2. Aufl., 2013, S. 263.
  6. Vgl.: Thore Prien: Antonio Negri (geb. 1933) und Michael Hardt (geb. 1960), S. 411.
  7. Tania Martini: „Der Verführer der Jugend. Empire als Theaterstück“, in taz vom 12. Januar 2009 online
  8. Italien: Politischer Philosoph Toni Negri gestorben. In: Zeit Online. 16. Dezember 2023, abgerufen am 22. Dezember 2023: „Zuletzt engagierte sich Negri als Mitglied in der vom ehemaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis mitbegründeten Bewegung Demokratie in Europa 2025 (DiEM25).“