K. G. Fischer

Geboren am: 5. Januar 1928

Gestorben am: 1. Dezember 2001

Jg. 1928, Univ. Gießen, für Didaktik des politischen Unterrichts (Sozialkunde).

Beitræge von K. G. Fischer
FORVM, No. 217

Politisch verbildete politische Bildung

Januar
1972

I. Kürzlich stand ich in der Südsteiermark vor einer Klasse des Polytechnischen Lehrgangs, und zwar einer reinen Bubenklasse. Ich sollte und wollte dort in einer Doppelstunde vorführen, was ich — im Sinn eines „Einstiegs“ — unter demokratischem politischem Unterricht verstehe, wofür ich seit mehr als (...)

Kurt Gerhard Fischer (* 5. Januar 1928 in Leipzig; † 1. Dezember 2001 in der Toskana) war ein deutscher Politikdidaktiker und Hochschullehrer an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Er ist einer der „Gründungsväter“ der Politikdidaktik in Deutschland und leitete in den 1960er Jahren die „didaktische Wende“ für die politische Bildung ein, mit der die wesentlichen Entscheidungen der Unterrichtsplanung, insbesondere die Auswahl und Strukturierung von Lerninhalten, zum Gegenstand der fachdidaktischer Theoriebildung wurden.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fischer wurde 1948 vom Studium in Leipzig ausgeschlossen und ging nach Frankfurt am Main, wo er 1952 promovierte. Zunächst arbeitete er als Berufsschullehrer. Sein Buch Der politische Unterricht (1960) trug maßgeblich zur Etablierung der neuen Disziplin bei. Er wirkte ab 1962 als Dozent in Gießen und ab 1970 bis zu seiner Emeritierung als Professor in der Didaktik der Sozialkunde bzw. der Gesellschaftswissenschaften. 1988 verließ er Deutschland in Richtung Italien.

Fischer verfasste und gab eine erfolgreiche Schulbuchreihe (Gesellschaft und Politik, Metzler) für die politische Bildung heraus und wirkte in Hessen in der Lehrplankommission sowie als langjähriger Zweiter Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für politische Bildung (DVPB), für die er 1982 in Gießen den ersten Bundeskongress für politische Bildung organisierte. Er war der erste Schriftleiter der (von 1956 bis 1972 erschienenen) Zeitschrift Gesellschaft–Staat–Erziehung/GSE. Ferner nahm er schon früh die Fragen interkulturellen Lernens auf und begann in den 1980er Jahren ein erstes vergleichendes Forschungsprojekt zur Situation der politischen Bildung in Westeuropa und zu Perspektiven ihrer Europäisierung. Ferner veröffentlichte er Schriften zur Erwachsenenbildung und machte die Werke vieler historischer Pädagogen zugänglich: Friedrich Wilhelm Foerster, Don Bosco, Jean Paul und Adalbert Stifter, was ihm die Mitgliedschaft im Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich und die Verleihung des Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich einbrachte.

Fischer liebte die Lebensart im Süden Italiens, schon in den späten 1950er Jahren hielt er sich mehrere Jahre lang rund 10 km nördlich von Guardia Piemontese in Kalabrien auf,[1] schrieb literarische Bücher mit Reiseeindrücken und verbrachte seinen Ruhestand ganz in der Toskana und Italien.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zur Frage einer pädagogischen Herbart-Renaissance heute. Phil. Diss. Frankfurt am Main 1952.
  • mit Karl Herrmann/ Hans Mahrenholz: Der politische Unterricht, Gehlen, Bad Hornburg v. d. Höhe 1960; 2. erw. Auflage (mit Helmut Freudel/ Friedrich C. Brune) 1965; 3. neu bearb. Auflage (unter Mitarb. v. Wolfgang Eckhardt) 1973 ISBN 978-3476200204.
  • Mein calabresisches Tagebuch, Progress-Verlag, Fladung, Gundemhausen (bei Darmstadt) 1962.
  • Die Pädagogik des Menschenmöglichen: Adalbert Stifter, 1962.
  • Jean Paul als Pädagoge. Nachwort zu: Jean Paul: Levana oder Erziehlehre, Schöningh, Paderborn 1963 (S. 299–330). Hg. K. G. Fischer (Reihe: Schöninghs Sammlung pädagogischer Schriften. Quellen zur Geschichte der Pädagogik).
  • Briefe aus der Basilicata, 1963.
  • Einführung in die Politische Bildung, 1970.
  • Zum aktuellen Stand der Theorie und Didaktik der Politischen Bildung, 1975.
  • Das Exemplarische im Politikunterricht. Beiträge zu einer Theorie politischer Bildung, Schwalbach/Ts. 1993.
  • (Hrsg.): Documenta Paedagogica Austriaca – Adalbert Stifter (Folge 15 der Schriftenreihe des Adalbert Stifter-Instituts des Landes Oberösterreich) Linz, 1961, 2 Bde.
  • (Hrsg.): Giovanni Bosco: Pädagogik der Vorsorge, 1966

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Engelhardt: Ein Besuch bei Kurt Gerhard Fischer, in: Siegfried George/ Wolfgang Sander (Hrsg.): Demokratie-Lernen als politische und pädagogische Aufgabe. Für Kurt Gerhard Fischer zum 60. Geburtstag, Stuttgart 1988.
  • Wolfgang Sander: "Vor allem aber bedarf der politische Unterricht des philosophischen Menschen". Kurt Gerhard Fischer als Politikdidaktiker, in: kursiv – Journal für politische Bildung (2003), Heft 4.
  • Michael May, Jessica Schattschneider (Hrsg.): Klassiker der Politikdidaktik neu gelesen, Wochenschau 2011. ISBN 978-3-89974632-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sila Greca - ein Reisehandbuch. Abgerufen am 26. Februar 2021.