Peter Rosei
Beitræge von Peter Rosei
FORVM, No. 246
H. C. Artmann:

Unter der Bedeckung eines Hutes

Juni
1974

H. C. Artmann: Unter der Bedeckung eines Hutes, Residenz Verlag, Salzburg, 108 Seiten, öS 98 Sie wollen mehr Texte online lesen?
Das ist machbar! Mit der fördernden Mitgliedschaft

Peter Rosei (2009)

Peter Rosei (* 17. Juni 1946 in Wien) ist ein österreichischer Romancier und Essayist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Rosei ist der Sohn eines Eisenbahnbeamten und einer Ladenbesitzerin. Er wuchs in Wien auf, wo er das Gymnasium besuchte und seine Reifeprüfung mit Auszeichnung bestand. Anschließend studierte er an der Universität Wien Jus. 1968 promovierte er dort zum Doktor der Rechtswissenschaften. Von 1969 bis 1971 war er Sekretär und Manager des Wiener Malers Ernst Fuchs. Danach leitete er für kurze Zeit einen Schulbuchverlag. Seit 1972 lebt er als freier Schriftsteller in Wien, von 1975 bis 1981 in Bergheim bei Salzburg, danach wieder in Wien. Aus der Salzburger Zeit datierte seine enge Freundschaft mit H. C. Artmann, die bis zu dessen Tod andauerte. Weiters gehörten Gerhard Amanshauser und Helmut Eisendle zum Salzburger Freundeskreis. Rosei unternahm und unternimmt immer wieder ausgedehnte Reisen. Unter anderem war er Writer in Residence an amerikanischen Universitäten, unterrichtete in Japan, zuletzt auch an der Universität für angewandte Kunst in Wien sowie an der Universität Wien. Er ist verheiratet mit Christiana Pock, der jüngeren Schwester von Rosa Artmann geb. Pock und hat einen Sohn. Mit seiner Frau lebte er in Italien und übersetzte aus dem Italienischen. Der Bildhauer Franz Rosei ist ein Bruder Peter Roseis.

Peter Rosei hat eines der umfangreichsten Werke der neueren Literatur deutscher Sprache geschaffen. Sein schriftstellerisches Debüt hatte Rosei 1972 mit dem Erzählband Landstriche, seinen ersten großen Erfolg 1977 mit dem Roman Wer war Edgar Allan? In den siebziger Jahren zählte er mit Autoren wie Barbara Frischmuth, Alois Brandstetter, Franz Innerhofer, Gernot Wolfgruber und Gert Jonke zu einer Art „Residenz-Kultur“. Von 1990 bis 2005 erschienen seine großen Prosaprojekte beim Stuttgarter Verlag Klett-Cotta. Der Verlag legte auch eine mehrbändige Ausgabe des frühen Werkes vor. Später kehrte Rosei wieder zum Residenz Verlag zurück. Nebenher verfasste Rosei Gedichte, zahlreiche Hörspiele, auch Filmdrehbücher, darunter zum Film Wer war Edgar Allan?, bei dem Michael Haneke Regie führte. Obgleich es durchaus stilistische und motivische Kontinuität erkennen lässt, gliedern deutliche Zäsuren das Werk Peter Roseis. Dominierte in den frühen Publikationen ein nüchterner, protokollarischer Ton, der Gesellschaft wie Natur mit radikalem Pessimismus schilderte, wich er später einer eher melancholischen bzw. sarkastischen Betrachtungsweise. Zugleich wurden die Bücher auf einen größeren Handlungsspielraum hin angelegt. Mehrfach sind die späteren Bücher Roseis in Zyklen organisiert, wie etwa das 15000-Seelen-Projekt aus den achtziger Jahren oder zuletzt auch die Wiener Dateien, beginnend mit dem Roman Wien Metropolis (2005). Darin versucht Rosei die österreichischen Befindlichkeiten in einer globalisierten Welt beispielhaft darzustellen. Seine Philosophie als Künstler hat Rosei in zahlreichen Essays konkretisiert. Vor allem sind hier seine Beiträge zu einer Poesie der Zukunft (1995) sowie Brown vs. Calder: Gedanken zur Dichtkunst (2015) zu nennen.

Peter Rosei war bis zu seinem Austritt von 1973 bis 1978 Mitglied der Grazer Autorenversammlung.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Rosei liest aus Das große Töten (2009)
  • Landstriche. Salzburg 1972.
  • Bei schwebendem Verfahren. Salzburg 1973.
  • Wege. Salzburg 1974.
  • Entwurf für eine Welt ohne Menschen. Entwurf zu einer Reise ohne Ziel. Salzburg 1975.
  • Der Fluß der Gedanken durch den Kopf. Salzburg 1976.
  • Wer war Edgar Allan? Salzburg 1977 (1984 verfilmt von Michael Haneke, mit Paulus Manker und Rolf Hoppe).
  • Nennt mich Tommy. München 1978.
  • Von hier nach dort. Salzburg/Wien 1978.
  • Alben. Erlangen 1979.
  • Das schnelle Glück. Salzburg/Wien 1980.
  • Die Milchstraße. Salzburg/Wien 1981.
  • Versuch, die Natur zu kritisieren. Salzburg/Wien 1982.
  • Komödie. Salzburg/Wien 1984.
  • Mann & Frau. Salzburg/Wien 1984.
  • 15000 Seelen. Salzburg/Wien 1985.
  • Die Wolken. Salzburg/Wien 1986.
  • Der Aufstand. Salzburg/Wien 1987.
  • Tage des Königs. Frankfurt am Main 1982.
  • Tage des Königs. Uraufführung, Regie: Martin Kušej, Schauspielhaus Graz.
  • Rebus. Stuttgart 1990.
  • Der Mann, der sterben wollte. Stuttgart 1991.
  • Fliegende Pfeile. Stuttgart 1993.
  • Persona. Stuttgart 1995.
  • Album von der traurigen und glücksstrahlenden Reise. Graz 2002.
  • Liebe / Kunst / Natur. Uraufführung im Rahmen des Donaufestivals, Regie und Ausstattung: Eva Hosemann – Stephan Bruckmeier.
  • Dramatisches I. Wien 2002.
  • Dramatisches II. Wien 2004.
  • Wien Metropolis. Stuttgart 2005.
  • Das große Töten. Salzburg 2009.
  • Wer war Edgar Allan?. Neuauflage Residenz Verlag, Salzburg – Wien 2021, ISBN 978-3-7017-1742-2.
  • Das wunderbare Leben. Residenz Verlag, Salzburg - Wien 2023, ISBN 978-3-7017-1766-8.
  • Von hier nach dort. Neuauflage Residenz Verlag, Salzburg – Wien 2023, ISBN 978-3-7017-1768-2.

Herausgeberschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur/Auswahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Schwarz (Hrsg.): Gespräche in Kanada. Frankfurt am Main 1992.
  • Gerhard Fuchs, Günther A. Höfler (Hrsg.): Dossier Peter Rosei. Graz 1994.
  • Walter Vogl (Hrsg.): Basic Rosei. Wien 2000.
  • Clemens K. Stepina (Hrsg.): Advanced Rosei. Wien 2011.
  • Alexandra Millner (Hrsg.): Extended Rosei. Klagenfurt 2020.

Archiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Großteil von Peter Roseis Manuskripten, Briefen und anderen Materialien befindet sich seit 2010 als Vorlass in der Handschriftensammlung der Wienbibliothek. Kleinere Konvolute sind im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek und in anderen Sammlungen aufbewahrt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]