FORVM, No. 137
Mai
1965

Der Herr Dr. Karl

Ein österreichisches Schicksal hielt Adolf Kozlik zeitlebens — er starb am 2. November 1964 in Paris, erst 52 jährig — unter dem ihm zukommenden Rang. Als Sozialdemokrat aus seiner Heimat vertrieben, erwarb er — Dr. jur. et Dr. rer. pol., Sohn eines Taxichauffeurs — in der westlichen Hemisphäre Professuren (Iowa State College; Mexico City; Dalhousie University, Halifax; Forschungsauftrag in Princeton). Überdies wurde er ein erfolgreicher Privatunternehmer, der sein Geld zur Herausgabe sozialistischer Publikationen verwendete. Schüler und Freund erlauchter Köpfe wie Morgenstern, Max Adler, Kelsen, Mieses, Röpke, Joan Robinson, war er selbst ein unermüdlicher Autor auf dem Gebiet der Nationalökonomie, Statistik, Mathematik, Ethnologie, Soziologie. Er sprach, schrieb oder las englisch, französisch, spanisch, russisch, tschechisch, polnisch, serbokroatisch, holländisch, dänisch, schwedisch, norwegisch. In seiner Heimat konnte Kozlik nach 1945 dennoch nie recht Fuß fassen, trotz mehrfachen Versuchen, zuletzt als zweiter Direktor des Instituts für höhere Studien (Ford Foundation) in Wien. Er hinterließ zwei große Manuskripte, „Vergeudungskapitalismus“ und „Wer wird wie Student“; beide werden im Europa Verlag, Wien, erscheinen. Aus dem zweitgenannten drucken wir einige wesentliche Stellen. Sie zeugen sowohl von Kozliks Fähigkeit, gesellschaftliche Probleme durch polemische Überspitzung plastisch darzustellen, wie auch von seiner echten Sorge um die Hochschulen seiner Heimat.

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