ZOOM 3/1997
Juni
1997

Die albanische Tragödie

Robert Pichler über den Zerfall Albaniens und dessen historische Wurzeln in der fehlenden Erfahrung mit Staatlichkeit.

Innerhalb weniger Wochen ist es in Albanien zu einem fast vollständigen Zusammenbruch der Staatsmacht gekommen. Der innere Zerfall eines ethnisch relativ homogenen Staates stellt in der modernen europäischen Geschichte eine Ausnahme dar. Die Ursachen beschäftigen Journalisten, Diplomaten, Politiker und Wissenschafter gleichermaßen, genauso wie die Frage, welchen Weg man in Zukunft in der Albanienpolitik einschlagen soll. Eines läßt sich heute schon mit Bestimmtheit sagen: Es wird einer gesamteuropäischen Anstrengung bedürfen, die über die bisher angelaufene humanitäre Hilfe hinausgeht, um ein konsensfähiges politisches System zu etablieren, das den mühevollen Aufbau von Ökonomie, Verwaltung und insbesondere Moral zu bewerkstelligen weiß.

Politisierender Kapitalismus

Die Ereignisse, die das Land ins Chaos trieben, sind das Resultat eines kompromißlosen und tief korrupten Regierungsapparates im Zusammenwirken mit skrupellosen Geschäftemachern, die ein über Jahrzehnte vom Westen abgeschottetes und ausgehungertes Volk in die vollständige Verelendung trieben. Ein Gutteil der Bevölkerung hat einen Großteil seines Vermögens in hochverzinste Anlageunternehmen investiert, anfangs um die drückende soziale Not zu lindern, später dann, als sich dieser Mechanismus über Jahre bewährte, um sich schnell und ohne großen Aufwand zu bereichern. Auf ihren Höhepunkt steuerte diese Entwicklung im Herbst des letzten Jahres zu, als die Demokratische Partei Berishas nach den massiv manipulierten Parlamentswahlen vom vorangegangenen Frühjahr auch noch die Kommunalwahlen in beeindruckender Weise für sich entschied. Die Regierung galt als Garant für die Sicherheit der Unternehmen, deren Naheverhältnis mit den verantwortlichen Politikern des Landes regelmäßig im staatlich kontrollierten Fernsehen zur Schau gestellt wurde. Andererseits verstanden es die Unternehmen sehr geschickt, die Werbetrommel zu rühren und das Image von modernen, international expandierenden Konzernen zu suggerieren. Vor über fünf Jahren entstand das erste große Anlageunternehmen unter dem Namen VEFA. Die anfänglich 25-prozentige monatliche Verzinsung der Einlagen garantierte einen regen Zustrom der verarmten Bevölkerung. Daß die einzigen reellen Grundlagen des Unternehmens eine Supermarktkette mit selbstgeschaffenen Zulieferbetrieben für Wurst- und Fleischwaren, eine Baufirma und einige touristische Einrichtungen an der Küste waren, irritierte die Bevölkerung nicht weiter. Werbespots im landesweit empfangenen Fernsehsender EuroNews und Werbeplakate beim italienischen Grand-Prix in Imola vermittelten den Eindruck des Erfolgs. In Tirana fanden die ersten großen Popkonzerte statt, La Bouche im frisch restaurierten Fußballstadion, Sting und Peter Gabriel sollten folgen, gesponsert und organisiert von VEFA. Dem Vorbild dieses Großkonzerns folgend etablierten sich in den darauffolgenden Jahren immer mehr Unternehmen mit ähnlichen Organisationsstrukturen. Manche setzten auf Lokalpatriotismus, indem sie Fußballvereine sponserten und international renommierte Stars engagierten, andere tarnten sich als Wohltätigkeitsvereine zur Linderung der Armut in den verfallenen Provinzstädten.

Das Zusammenwirken der Konzerne mit den Machthabenden des Landes übertünchte die härtesten politischen Kontroversen innerhalb der Bevölkerung. Der scheinbare wirtschaftliche Aufwärtstrend setzte sich unaufhörlich fort. Nach den Herbstwahlen schien die Stabilität dieser Regierung durch nichts mehr zu erschüttern zu sein, und selbst die letzten Zweifler ließen sich von der vorgeblichen Sicherheit täuschen und setzten alles auf eine Karte. Zehntausende verkauften Haus und Hof und warteten in den wie Pilze aus dem Erdboden geschossenen Kaffeehäusern auf ihre Gewinne. Die Beschäftigung reduzierte sich auf das Bauwesen, auf Kleinhandel und auf den rasant wachsenden Markt mit illegalen Gütern. Um die Erträge zu steigern, begannen die Bauern des südlichen Berglandes massenweise Hanf anzubauen, der einen regen Absatz in Richtung Italien und Schweiz verzeichnete. Große Mengen an Erdöl wurden gegen saftige Devisen zur Zeit des Wirtschaftsembargos gegen die Bundesrepublik Jugoslawien über Montenegro nach Serbien geschmuggelt. Die Durchführung organisierte der albanische Geheimdienst und verlief über 15 neu errichtete Tankstellen zwischen dem nordalbanischen Zentrum Shkodra und der montenegrinischen Grenze – einer Strecke, die täglich von einigen Dutzend Autos befahren wird. Die Tankstellen dienten der Verladung des Treibstoffs in Fässer, um sie nächtens über den Shkodërsee nach Montenegro zu verschiffen. Eigentümerin dieses Unternehmens war die Firma Shqiponja (der „Adler“), gegründet 1992 von Mitgliedern der Demokratischen Partei, nachdem den Parteien die Gründung von Handelsunternehmen zur Aufbesserung ihrer Konten erlaubt worden war. Der Boß der Firma war Tritan Shehu, der gegenwärtige Vorsitzende der Demokratischen Partei.

Hauptplatz Tirana: Flagge, Moschee, Uhrturm, Skanderbeg
Fotos: Robert Pichler

Daß die sowjetischen und chinesischen Industrieruinen ihre Produktion gänzlich einstellten, die Landwirtschaft nur geringe Überschüsse an den Markt lieferte, und die Infrastruktur, die Bildungseinrichtungen und die medizinische Versorgung sich noch immer in einem katastrophalen Zustand befanden, wurde zwar allerorts bemängelt, aber angesichts der Zuwächse aus den monatlichen Zinsflüssen nicht überbewertet. Der kollektiven Gleichsetzung im Zeichen der sozialistischen Ideologie wich die individuelle Bereicherung auf Kosten des Staates, dessen Wirksamkeit in den entlegenen gebirgigen Zonen des Landes schon viel früher auf ein Mindestmaß an Verwaltung reduziert war, als es heute den Eindruck hat.

Als das Verhältnis der Einzahlungen mit dem sich überproportional vergrößernden Auszahlungsbedarf nicht mehr Schritt halten konnte, stürzte ein Unternehmen nach dem anderen wie im Dominoeffekt zusammen. Warnungen des Internationalen Währungsfonds wurden über Monate einfach in den Wind geschlagen, Unternehmensprüfungen natürlich nicht durchgeführt.

Die Achse Tirana-Wien

Daß diese Regierung auch noch die erklärte Zustimmung wichtiger westeuropäischer Staaten erhielt, galt der Bevölkerung als zusätzlicher Sicherheitsfaktor. Die Rolle Österreichs muß hier besonders betont werden, denn Österreich genießt einen außerordentlich hohen Respekt bei der albanischen Bevölkerung. Als das Schulsystem noch intakt war, lernten die Sprößlinge im Geschichteunterrricht, daß Österreich – entgegen den Aspirationen der Nachbarn, das Land unter sich aufzuteilen – für das Zustandekommen eines unabhängigen Albaniens 1912 wesentlich verantwortlich zeichnete. Die alte Generation kann sogar noch Geschichten darüber erzählen, wie sie unter österreichischer Initiative die ersten Schulen und Straßen im gebirgigen Norden errichtete. Dieses positive Image erfuhr auch nach dem Umbruch 1992 eine Prolongierung durch rege Kooperation im Bildungs- und Kulturbereich und Initiativen österreichischer Firmen in verschiedenen Branchen.

Auf politischer Ebene konzentrierte sich das Engagement auf die vorbehaltlose Unterstützung der Regierung Berisha. So kam es im Vorfeld der Parlamentswahlen zu einem regelrechten Polittourismus angesehener Persönlichkeiten wie Alois Mock und Wolfgang Schüssel in das kleine Balkanland, um dem Präsidenten die nötige symbolische Unterstützung zu gewähren. Noch Anfang März, als sich das Land bereits in Auflösung befand und die Mitverantwortung der Mannen rund um den Präsidenten auch den letzten Zweiflern klar wurde, ließ der ehemalige Außenminister und gegenwärtige Vorsitzende der europäischen Christdemokraten Alois Mock die albanische Nachrichtenagentur wissen, daß er „immer noch auf der Seite seiner Freunde von der Demokratischen Partei“ stehe. Dieses Loyalitätsverständnis erfreut sich in den gebirgigen Rückzugszonen Albaniens noch großer Beliebtheit, politische Räson ist darin aber nicht einmal im Ansatz zu entdecken. Vielmehr entspricht es einer Haltung, die noch in den Kategorien des kalten Krieges verfangen ist. Diese einseitige Position erklärt sich aber auch aus dem Image, welches die Demokratische Partei nach ihrer Machtübernahme 1992 so geschickt zu vermitteln wußte. Eine moderne demokratische Bewegung, die sich der Marktwirtschaft und den westlichen Militärbündnissen vorbehaltlos öffnet, die Menschenrechte respektiert und vor allem das Gespenst Kommunismus ins Abseits drängt, hat nicht nur Österreich zur Annahme verleitet, Albanien könnte sich zu einem Stabilitätsfaktor am krisengeschüttelten Balkan entwickeln. Mit diesen vorgetäuschten Trümpfen vermochte die Regierung auch die Geldflüsse für den Aufbau des Landes in enorme Höhen zu treiben. Wohin diese Summen geflossen sind, wird ähnlich schwer zu eruieren sein wie das Verschwinden von Milliardenbeträgen in den Spekulationsunternehmen.

Die Neigung des Westens, zwischen Reformisten und Altkommunisten eine scharfe Trennlinie zu ziehen, ist auf Albanien nur schwer anwendbar. Das fünfzigjährige stalinistisch-paternalistische System erstickte jede noch so kleine Abweichung von der Linie der Partei, wobei jeder, der eine Ausbildung genoß, direkt von der Indoktrinierung betroffen und ein Bestandteil des Systems war. Diejenigen, die Widerstand leisteten, verbrachten Jahrzehnte gemeinsam mit ihren Familien in Internierungslagern oder sie landeten in den berüchtigten Gefängnissen des Landes, wo sie unter erbärmlichen Bedingungen nur den Haß kultivierten, der sich dann in Rache gegen die ehemaligen Beherrscher niederschlug. Die sogenannte Erneuerung wurde deshalb auch großteils von Funktionären der alten Garde gemeinsam mit ehemals politisch Verfolgten gestaltet, die nicht den Dialog suchten, sondern die Abgrenzung und in letzter Konsequenz die Eliminierung Andersgesinnter. Unter dem Mantel der Demokratie legte sich eine Einparteien-Herrschaft über das Land, die zu keinerlei Kompromissen bereit war. Ein Parlament, in dem 122 von 140 Sitzen von der Regierungspartei besetzt waren, konnte nur noch eine Karikatur des 1991 erkämpften Pluralismus sein. Die marktwirtschaftlich und demokratiepolitisch völlig unerfahrene Bevölkerung leistete in dem Maße immer geringeren Widerstand, in dem sich die Einkünfte aus den staatlich sanktionierten Pyramidenfirmen vergrößerten. Der Kollaps der Anlageunternehmen hatte deshalb zwangsläufig auch die Massenrevolte gegen die Regierung zur Folge. Der Betrug wurde nicht zuallererst den Firmenbossen angelastet, sondern den politisch Verantwortlichen des Landes. Nur so wird die Forderung der Aufständischen nach Rückerstattung der Einlagen durch den Staat trotz fehlender gesetzlicher Haftung verständlich, und die darauffolgende Entwicklung, das Aufbegehren gegen alle Symbole des Staates, das Überlaufen der Sicherheitskräfte und die Plünderung der Waffenlager bis hin zur gegenwärtigen politischen Pattstellung.

Perrenjes, Südostalbanien: Kundgebung angeheuerter und betrunkener Demonstranten für die Demokratische Partei im Herbst 1996

Abwesenheit staatlicher Strukturen

Der Verlauf des Verfalls staatlicher Autorität läßt aber noch andere Symptome sichtbar werden, die sich auf kulturelle Spezifika beziehen, und nur im Einklang mit der historischen Erfahrung mit Staatlichkeit, Recht und sozialer Organisation verständlich werden können. Wie weit man in die Geschichte des albanischen Volkes auch zurückblickt, man wird nur schwer eine Zeit entdecken, in der es den Albanern gelingen konnte, eine überregionale staatliche Regierungsstruktur zu etablieren. Im Gegensatz zu den meisten anderen Balkanstaaten kann Albanien auf kein mittelalterliches Großreich oder – mit wenigen Ausnahmen – auf strahlende Helden der Antike zurückblicken. Die einzige verbindliche Figur, die für alle Albaner unabhängig ihrer Konfessions- und Staatenzugehörigkeit einen Kristallisationspunkt darstellt, ist ein Mann, der im 15. Jahrhundert einen 25 Jahre währenden Abwehrkampf gegen die osmanischen Besatzer führte. Skanderbeg war aber niemals der Beherrscher eines albanischen Einheitsstaates, sondern nur eines kleinen Distriktes in Nordalbanien. Er war militärischer Leiter einer Abwehrfront der nord- und mittelalbanischen Adelsherrschaften und als solcher politisch primus inter pares. Mit dem Tod Skanderbegs brach auch die Widerstandsfront zusammen, und Albanien fiel in den Herrschaftsbereich des osmanischen Reiches. Viele Albaner flüchteten in das benachbarte Italien oder zogen sich in das schützende Gebirge zurück, wo sie sich, weitgehend unbehelligt von der türkischen Verwaltung, ihre eigenen Organisationsstrukturen schufen. Im Norden kam es zur Herausbildung von Stammesgesellschaften, und im mittel- und südalbanischen Gebirge wurde der Clan zur bestimmenden sozialen Organisationsform. Bis weit ins 20. Jahrhundert lassen sich Relikte dieser Organisationsstrukturen in großen Teilen des Landes nachweisen. Ein Beispiel dafür sind die indigenen Gewohnheitsrechte, deren Wirkung in einigen nördlichen Zonen seit der Wende aufgrund mangelnder Präsenz des Staates wieder zunimmt. Die Gründe für die Beharrlichkeit lokaler Rechtspraktiken liegen einerseits in der extremen Gebirgigkeit großer Teile des Landes, miserablen Verkehrs- und Kommunikationsbedingungen und einer relativ geschlossenen Wirtschaftsweise. Andererseits mangelte es in den höher gelegenen Landesteilen auch an Schulen und Verwaltungseinrichtungen, weshalb ein Großteil der dort lebenden Bevölkerung bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts des Schreibens und Lesens nicht mächtig war. Die fehlende Schriftlichkeit war mit ein Grund, warum sich staatliche Organisation nur rudimentär etablieren konnte. Das mündlich tradierte, gesprochene Recht trägt im Unterschied zum positiven Recht des Staates dem Partikularismus dieser Gesellschaftsordnung Rechnung. Verwaltung, Rechtsprechung und Partizipation an der Macht sowie die Notwendigkeit, für die Sicherheit der Gruppe zu sorgen, waren nicht an öffentliche Instanzen geknüpft, sondern an die männlichen Mitglieder der Gemeinschaft beziehungsweise deren Repräsentanten. Das Tragen von Waffen war deshalb auch eine logische Konsequenz, die unmittelbar mit dem Status von Männlichkeit in Beziehung stand. Die Normen des Rechtes waren nicht in Texten zusammengefaßt, die nur von Experten interpretiert und angewandt werden konnten, sondern sie befanden sich im Gedächtnis eines jeden erwachsenen Mitgliedes der Gemeinschaft. Zusammen mit anderen damit in Beziehung stehenden sozialen Komponenten bewirkte die schwache staatliche Organisation auch eine späte Entstehung eines umfassenden nationalen Bewußtseins zugunsten lokaler Traditionen und Identitäten. Einmischungen von außen begegnete man gewöhnlich mit großem Mißtrauen, und nur wenn es darum ging, Eindringlingen, die der Autonomie gefährlich werden konnten, zu begegnen, kam es zu überregionalen Allianzen.

Demonstration in Vlora, Südalbanien

Erst mit der Machtübernahme der Kommunisten kam es zu einer radikalen Veränderung des Kräfteverhältnisses zugunsten eines zentralistischen Herrschaftssystems. Die vielfach mit Gewalt durchgesetzte Integration der nur lose miteinander in Beziehung stehenden Regionen wurde mit großem Aufwand und unter unsäglicher Repression und Entbehrung der Bevölkerung vorangetrieben. Das Ziel lag in der sukzessiven Einebnung interregionaler Unterschiede zwischen den nördlichen und den südlichen Zonen des Landes, aber auch derjenigen zwischen Stadt und Land, und in der Monopolisierung der Gewalt. Die Anwendung des Gewohnheitsrechtes wurde untersagt und die Durchsetzung des staatlichen Rechtes vorangetrieben.

Die kollektive Identitätsstiftung im Zeichen des Sozialismus scheiterte kläglich, eine radikale Abkehr von den Zwängen der dirigistischen Politik war die Folge. Der Haß und die Enttäuschung entluden sich schon damals gegen alle Symbole des Staates: Verwaltungsgebäude, öffentliche Einrichtungen, sogar Schulen und Krankenhäuser wurden geplündert und zerstört. Eine Fluchtwelle setzte ein, die nur ein Ziel kannte: den Westen. Zu dieser Zeit begann auch der rasante Aufstieg einer politischen Bewegung, die sich den Namen Demokratische Partei gab, Pluralismus, freie Marktwirtschaft und Menschenrechte propagierte, und damit zum Hoffnungsfaktor der ausgehungerten Bevölkerung wurde. Diese Zeit barg noch die Hoffnung einer gelingenden Wende in sich, eine Umbruchs- und Aufbruchsphase, die die Verbitterung über die Vergangenheit in Optimismus verwandelte. Unabhängig von Partei- und Regionszugehörigkeit herrschte Einheit über das zu erreichende Ziel, und vieles schien sich auch in diese Richtung zu bewegen, bis es zum Kollaps kam. Der Schaden, den die Regierung im Zusammenwirken mit den verbrecherischen Anlageunternehmen verursacht hat, ist für das psychologische Befinden noch katastrophaler als die Folgen der fünfzigjährigen kommunistischen Diktatur. Abgesehen davon, daß sich das Land ökonomisch wieder dort befindet, wo es vor fünf Jahren aus den Trümmern des Kommunismus herausgestiegen ist, haben sich die letzten Visionen eines konstruktiven Neubeginns verflüchtigt. Was bleibt, sind Resignation und der gänzliche Vertrauensverlust in staatliche Organisation und Führungskompetenz. Zur wirtschaftlichen Misere gesellt sich jetzt die Gefahr der Aufsplitterung des Landes in autonome Regionen, ein bekannter Reflex auf das Fehlen oder Versagen des Staates. Symptomatisch dafür ist der Tatbestand, daß es den Aufständischen im Süden nicht primär darum geht, die Zentralgewalt an sich zu reissen, sondern die Herrschaft über die jeweiligen Regionen zu übernehmen. Auf der anderen Seite wird ein weiteres historisches Erbe die Zentralgewalt in Tirana vor die fast unlösbare Aufgabe stellen, die Integration der Regionen in ein geordnetes System durchzusetzen, wobei ein Zusammenwirken der beiden großen politischen Blöcke, der Sozialisten und der Demokraten, für die Zukunft auszuschließen ist. Dieses fatale Szenario wird eine massive Intervention des Westens erfordern, die auch auf die zukünftige politische Gestaltung Einfluß nehmen muß, will man Albanien nicht dem inneren Zerfall preisgeben.

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