Wurzelwerk, Wurzelwerk 26
Dezember
1983
Geht es Politikern um Arbeitsplätze?

Die Waldviertler Holzwerkstatt

Damals sahen 8 arbeitslose Tischler im Raume Zwettl-Waldviertel keine andere Möglichkeit, dem unvermeidbar scheinenden Pendlerschicksal zu entgehen, als sich zusammen zu schließen. Und dieser Zusammenschluß führte zur Gründung der Waldviertler Holzwerkstatt — kurz WHS!

Daß dieser Zusammenschluß und vor allem die WHS nicht nur gehebt wurde, kann man sich vorstellen ... Aber zuerst zu denen, die das Wagnis — Selbstverwaltung — mitzubringen bereit waren:

  1. alle Frauen und Freundinnen der Betroffenen
  2. der Berglandaktionsfond in der Person von Dr. Toni Rohrmoser
  3. das Bundeskanzleramt Abt. Raumplanung mit einem Zuschuß von 1.000.000 aus der Berggebietssonderaktion
  4. der Bundesminister für soziale Verwaltung, Alfred Dallinger (übrigens der einzige Politiker, den wir in dieser Situation kennenlernten, dem es wirklich um Arbeitsplätze geht — und wir hatten viel mit „Politikern“ zu tun), der bereit war, dieses Experiment mit einem zinslosen Darlehen in der Höhe von 1.000.000 Schilling mitzutragen.

Nun zu denen, die nicht bereit waren, Arbeitsplätze zu unterstützen:

  1. viele kleine ÖVP-Funktionäre des Waldviertels
  2. Waldviertlermanager Dir. Dipl.-Ing. Adolf Kastner (ÖVP)
  3. sämtliche ÖVP Abgeordnete des Waldviertels
  4. Landeshauptmannstellvertreter Dr. Erwin Pröll

Dabei muß man wissen, daß die ÖVP-Linie im Land NÖ durchaus bereit ist, „Freunde“ zu (über) fördern: Die ehemalige Firma Berein in Zwettl (nach deren Konkurs die Mitarbeiter den Betrieb übernehmen wollten, was vom Land NÖ nicht erlaubt wurde!) wurde an den ÖVP-Gemeinderat von Pabneukirchen, OÖ, Herrn Kurt Reising verkauft (?!) — mit 18,5 Mio. Schilling Förderungszusagen.

Zieht man nun in Betracht, daß die Fa. Berein mit 36 (!) Mio. Schilling Förderung in Zwettl in die Grüne Wiese gebaut wurde und für die Weiterführung durch Reisinger weitere 18,5 Mio. Schilling Förderungen flüssig wurden, ergibt sich folgend pro Arbeitsplatz-Förderungs Rechnung:

Bau von Berein in die Grüne Wiese + Maschinen vom Land NÖ gefördert 36.000.000
Grund + Grundaufschließung Gem. Zwettl ca. 4.500.000
Pro. Industrie an Reisinger v. Land NÖ 8.000.000
Betriebsmittelinvestitionsfond an Reisinger v. Land NÖ 2.000.000
ERP — für angestellten Ausbau in Pabneukirchen vom Bund 4.500.000
Gemeinsame Grenzlandförderung beantragt und zur Hälfte ausgeführt vom Land 2.000.000
und vom Bund 2.000.000
  59.000.000

Derzeit ca. 26 Mitarbeiter — Förderungssumme pro Arbeitsplatz ca 2.700.000.

Diese Förderung kassierte zwar nicht die Fa. Anrei — Kurt Reisinger, sondern dieser Betrag ist von der öffentlichen Hand notwendig gewesen um die 26 Arbeitsplätze zu erhalten.

Zum Vergleich die Pro-Arbeitsplatz-Förderungssumme in der WHS, von der behauptet wird, daß die Arbeiter überfördert sind und daher ungleiche Marktchancen bestehen:

Berggebietssonderaktion vom Bund 1.000.000
Zinsenzuschuß BMS vom Bund 1.000.000
kleine Grenzlandförderung vom Land 160.000
  2.160.000

Derzeit 23 Mitarbeiter, daher Förderungssumme pro Arbeitsplatz ca. 94.000.

Ein direkter Vergleich macht einen Kommentar überflüssig!!!

Die Personalsteigerung auf den dreifachen Anfangsstand erklärt die gute handwerkliche Arbeit der Tischler einerseits und die Entwicklung der „Waldvierteler Spiellandschaften“ andererseits.

Die Waldvierteler Spiellandschaften erheben den Anspruch, nicht nur Kinderzimmer (Aufenthalt- und Aufbewahrungsraum) sondern vielmehr Spiel-zimmer zu sein — d.h. Kinder von seinem Design und seiner Funktion her zum Spielen anzuregen, ja herauszufordern, um ihre Träume und Vorstellungen verwirklichen zu können.

Die Waldviertier Spiellandschaften geben Kindern die Möglichkeit zu probieren, Begabungen zu aktivieren, Sozialverhalten zu üben und ihre Motorik einzusetzen.

Die Gestaltung der einzelnen Elemente dieser Spiellandschaften machen Angebote an jede Form des „Erfahrungssammelns“, die Spaß macht und selbst organisiert werden kann.

Auf dieser Grundlage ergeben sich eine ganze Menge Spiel- und Gestaltungsmöglichkeiten:

  • Rückzugsmöglichkeit in Kleinbereiche/Höhlen (geschützte Kuschel- und Spielecken). Die Abteilung erfolgt durch stabile, in beliebigen Winkeln zueinander aufstellbare Trennelemente, die wiederum eine Fülle von Spielmöglichkeiten zulassen. Erweiterung durch Decken, Vorhänge etc.
  • Rollenspiele aller Art (Kaufmannsladen/Kasperltheater/Elternspiele)
  • Bewegungsmöglichkeiten durch Rutsche, Leiter, Sprossenwand, „Kriechtunnel“ unterm Bett, Durchklettermöglichkeit im Stockbett, etc.
  • Akustische Erfahrungsmöglichkeit durch einhängbare, verschiedenartige Klangkörper, Schlauchtelefon, etc.
  • Bildnerische Gestaltungsmöglichkeiten durch spezielle Tafelkonstruktion, welche neben der Verwendung von Kreide und Filzstiften auch das Malen mit Naßfarben erlaubt.
  • Geschicklichkeitsspiele wie Wurfballspiele, etc.

Die Waldviertler Spiellandschaften wurden vor allem für die leider viel zu kleinen Kinderzimmer konzipiert.

  • Sämtliche Kanten sind gerundet und alle Scharniere klemmfrei.
  • Wesentliche Teile des Kinderzimmers, wie Schrank, Betten, etc. lassen sich durch Austausch einiger Spielteile zum attraktiven Erwachsenenmöbel umbauen.

Waldviertler Holzwerkstatt
3800 Göpfritz/Wild 75
Tel.: 02825/390

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