Grundrisse, Nummer 3
September
2002

Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Nach und nach gelingt es uns, das Konzept der grundrisse zu realisieren. Um ein „offenes Forum für Diskussion und Debatte gesellschaftlich relevanter Fragen“ darzustellen, wollten wir von Anfang an die Herausgabe der Zeitschrift durch die Organisation von Diskussionsveranstaltungen und Seminaren ergänzen. Der erste Schritt dazu stellte ein zweitägiges Seminar zum Thema „Empire“ dar, welches am 6. und 7. Juni 2002 in Wien stattfand. Im Anschluss an dieses Editorial findet ihr einen ausführlichen Bericht dazu. Ebenfalls nicht verschwiegen werden soll das glanzvolle grundrisse-Donauinselfest Ende Juli. Wer dieses Mega-Event heuer versäumt hat, kann den nächsten Termin schon jetzt im Kalender für 2003 eintragen: der letzte Samstag im Juli (sofern das Hochwasser die Donauinsel nicht entgültig abträgt).

Wenn ihr an regelmässigen Informationen über unsere Aktivitäten interessiert seid, schickt einfach eine kurze Nachricht an grundrisse/ at /gmx.net und ihr bekommt unsere seltenen Mail-Aussendungen. Ebenfalls empfiehlt es sich, öfters einen Blick auf unsere Website www.grundrisse.net zu werfen. Dort finden sich die älteren Ausgaben online sowie Ankündigungen und Nachlesen zu grundrisse-Veranstaltungen. Wir wollen an dieser Stelle auch festhalten, dass wir selbstverständlich ein großes Interesse daran haben, Veranstaltungen gemeinsam mit anderen Gruppen und Redaktionen durchzuführen. Einige Themen für gemeinsame Diskussionen wurden bereits innerhalb der Redaktion andiskutiert, doch derzeit sind diese Vorschläge noch zu unausgereift, um sie öffentlich vorzulegen. Gut Ding braucht Weile.

Leider ist es uns noch immer nicht gelungen, die rein männliche Zusammensetzung der Kernredaktion zu überwinden. Ständiges Klagen wird diesen Zustand nicht ändern, wir werden uns dazu in den nächsten Wochen einiges zu überlegen haben. Sehr erfreulich hingegen entwickelt sich die AutorInnenschaft der vorliegenden Nummer. Geographisch spannt sich der Bogen von Berlin (Michael Heinrich) über Klagenfurt (Alice Pechriggl) bis nach Tokio (Takashi Shimazaki); und für die Nummer 4_2002 liegt bereits ein Artikel von Stefan Gandler (Mexiko) vor, der leider aus Platzgründen in dieser Ausgabe noch nicht veröffentlicht werden konnte. Unsere Bemühungen, auch AutorInnen von außerhalb des deutschen Sprachraumes für die grundrisse zu gewinnen, sehen wir als einen auch in Zukunft verfolgenswerten Ansatz, nicht zuletzt aufgrund der Selbstbezogenheit der deutschsprachigen Linken.

Da wir bereits die nächste Nummer angesprochen haben: neben dem erwähnten Artikel von Stefan Gandler, der sich besonders mit der Philosophie von Bolivar Echeverría beschäftigt, findet ihr den zweiten Teil des Artikels zu 1968 und die versprochene Fortsetzung der feministischen Marxkritik von Knittler/Birkner. Als Schwerpunkt ist das Thema „Staat“ geplant.

Und was erwartet euch in dieser Ausgabe? Karl Reitter versucht in seinem umfangreichen Artikel zur 68er Bewegung nicht die - leider oft üblichen ­­- interpretativen Schnellschüsse abzufeuern, sondern in einer Art Kaleidoskop, die ganze Breite und Differenziertheit dieser Bewegung aufzuzeigen. Immerhin handelt es sich bei der 68er Bewegung um die wichtigste revolutionäre oder revoltierende – schon an dieser Bezeichnung scheiden sich die Geister – Welle nach 1945 in den westlichen Metropolen. Die Thematik des Beitrags von Alice Pechriggl ist nicht minder bedeutend: In Ihrer Einleitung zu dem von ihr übersetzten Buch von Pierre Vidal-Naquet „Die Schlächter der Erinnerung“ zeigt sie paradigmatisch eine Möglichkeit auf, sich mit der bedrückenden und emotionalisierenden Thematik der Leugnung des Holocaust auseinanderzusetzen, ohne in Depression oder Kurzschlüssigkeit zu verfallen. Michael Heinrich setzt sich in seinem Betrag akribisch mit der in der Nr. 1 der grundrisse veröffentlichten Kritik von Martin Birkner auseinander. Takashi Shimazaki gibt uns einen Einblick in die Debatten japanischer MarxistInnen und weist auf die Notwendigkeit einer marxistischen Ökologie hin – ein wohl nicht unaktuelles Thema. Haimo Perkmann erinnert uns an die Aktualität der frühen politischen Philosophie Merleau-Pontys, der schon in den 40er-Jahren hypothetisch die Konsequenzen des Zusammenbruchs des so genannten realen Sozialismus für die Geschichtsphilosophie vorweggenommen hat. Der Beitrag von Franz Naetar kann als Konkretisierung der „Empire“ Diskussion verstanden werden. Detailreich und aus eigener Erfahrung heraus diskutiert der Autor die Entwicklungstendenzen der EDV-Industrie im Spannungsfeld von – scheiternder - bürokratischer Regelung und spontaner Kreativität der Multitude.

Wer direkt mit einer bestimmten Autorin, einem bestimmten Autor Kontakt aufnehmen, Anfragen oder Kritik formulieren möchte, ist herzlich dazu eingeladen. Aus layout-technischen Gründen findet ihr die e-mail-Adressen diesmal auf der vorletzten Umschlagseite, in Zukunft stehen sie direkt unter den Artikeln. Anregende Lektüre & Diskussion wünscht

die grundrisse-Redaktion

PS: Das mit den Abos brauchen wir ohnedies nicht zu wiederholen, oder?

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