FORVM, No. 123
März
1964

Letzte Seiten aus dem Tagebuch

Im Aprilheft 1963 hatte unser Mitarbeiter Roland Nitsche die Schrift „Katholische Kirche und scholastisches Naturrecht“ von August Maria Knoll sehr hart, aber sehr gerecht verurteilt. „Von Kelsens reiner Rechtslehre tief beeinflußt und dennoch kein Rechtspositivist, später Nachfahr des Antiklerikalismus der Jahrhundertwende und dennoch Christ, Anhänger der Ideologielehre Marxens und nicht Marxist, Soziologe und von Wissenssoziologie unberührt, Universitätsprofessor und schert sich den Teufel um Quellen- und Methodenfragen ... Diese knapp hundert Seiten Polemik rufen nach zumindest hundert Seiten Wissenschaft.“ Am 24. Dezember des Vorjahres ist Knoll, erst 64, gestorben (vgl. den Nachruf Norbert Lesers im Januarheft). Alles gilt noch so, wie es weiter oben absichtsvoll aus unserem damaligen Urteil zitiert wurde. Aber die Gewichte haben sich verschoben. „Dennoch Christ“ wiegt nun am schwersten. Wie schwer, lassen die folgenden Tagebuchseiten ahnen, die wir aus dem Nachlaß veröffentlichen. Im wörtlichen Sinn scheint uns deren katholische Spannweite ausgemessen: christliche Spannweite, auch, gehörig dahinter rangierend, österreichische Spannweite. Der Papst, Otto Habsburg, Hitler, Oscar Pollak‚ der Kardinal-Erzbischof — im Prisma eines tief christlichen, tief österreichischen Temperaments erscheint ein Spektrum von reiner Strahlkraft, der wir uns beugen.

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