Heft 1/2000
Februar
2000

Militär und Geschlechterverhältnis

Krieg und Militär sind vergeschlechtlicht. Ebenso sind sie geschlechtsbestimmend. Ein Sammelband liefert eine Analyse der Konstruktion von Geschlecht durch das Militär, hat an der Armee selbst aber nichts auszusetzen.

Der Krieg ist männlich. Zumindest will uns die offizielle (männliche) Geschichtsschreibung das weismachen. Auch die Organisation Militär steht dem um nichts nach. Obwohl es kaum mehr eine Armee gibt, in der Frauen nicht zumindest als Verwaltungsangestellte beschäftigt sind, sind Krieg und Militär extrem männlich kodiert.

Dabei hatten Frauen immer einen großen Anteil an der Kriegführung, nur waren sie selten gleichberechtigt. Praktisch exklusives Zutrittsrecht zur Front war den Männern vorbehalten. Auch in der israelischen Armee, die den Ruf hat, Frauen gleichberechtigt zu behandeln und zu integrieren, werden Frauen nicht in kämpfende Einheiten aufgenommen. Ihnen stehen nur Tätigkeiten in der Verwaltung, in Pflegediensten und der Ausbildung offen. In den USA gibt es eine sogenannte „Kampfausschlußklausel“ für Frauen. Soldatinnen wurden auch im Golfkrieg nur in der Etappe eingesetzt, jedoch nicht direkt an der Front.

Auch in Österreich wird dies wohl noch nicht so bald der Fall sein. Frauen besitzen seit einiger Zeit zwar die Möglichkeit, den Beruf der Soldatin zu ergreifen, zu Auslandseinsätzen im Rahmen der UN- oder OSZE werden sie meines Wissens jedoch noch nicht herangezogen.

Der Ausschluß von Frauen vom Militär und von direkten Kampfhandlungen wurde damit begründet, daß die Frauen vor den Folgen des Krieges geschützt werden müßten und daß das Töten nicht in ihrer Natur liegen würde. Dies sei Bestandteil der männlichen Psyche. Außerdem stünden Frauen in Kampfeinheiten der emotionalen Bindung der männlichen Soldaten im Weg.

Seit der technischen Weiterentwicklung der Waffen und der Änderung der Kriegführung, sind etwa 90 % aller Opfer unter Zivilisten und Zivilistinnen zu finden, die Mehrzahl davon sind Frauen und Kinder. Also diejenigen, die die Organisation Militär vom Krieg und seinen Folgen fernhalten und beschützen will.

Die Erforschung des Verhältnisses von Militär, Krieg und Geschlecht ist im deutschsprachigen Raum defizitär. Anders ist die Situation in den angelsächsischen Ländern. Dort gibt es eine etwa 20 Jahre lange Tradition der wissenschaftlichen Erforschung dieses Verhältnisses. Mittlerweile hat sich ein breit gefächerter theoretisch und empirisch fundierter Forschungsbereich herausgebildet. Diesen Umstand wollen die Herausgeberinnen Ruth Seifert und Christine Eifler ändern. Mit dem vorliegenden Band wollen sie die wichtigsten Grundzüge der internationalen Diskussion darstellen und mit Arbeiten aus dem deutschsprachigen Raum zur Verbesserung der defizitären Situation beitragen.

Ruth Seifert ist neben ihrer Tätigkeit in den Bildungseinrichtungen der deutschen Bundeswehr eine der aktivsten Autoren und Autorinnen im Bereich der Militärsoziologie im allgemeinen und der militärsoziologischen Forschung unter der Berücksichtigung der Geschlechterverhältnisse im speziellen. Christine Eifler arbeitete bei Erscheinen des Buches an einem vergleichenden Forschungsprojekt über das Militär als Ort sozialer Konstruktion von Geschlecht.

Der einführende theoretische Teil ist ausgesprochen kurz geraten. Ein theoretischer Überblick über die internationalen Debatten wird zwar geliefert, aber eine Infragestellung der Organisation Militär als Ganzes findet nicht statt. Das Hauptthema des Bandes, die soziale Konstruktion von Geschlecht im Militär und deren Übernahme durch die Gesellschaft, wird abgehandelt, ohne daß die Fragestellungen in eine prinzipielle antimilitaristische Kritik eingebettet sind. Die Frage, ob es sinnvoll ist, daß Frauen dem Männerbund Militär überhaupt beitreten, wird nicht debattiert.

Gerade solch eine Diskussion wäre aber gerade jetzt, vor allem vor dem Hitergrund der Entwicklungen in der BRD, wo sich Frauen mittels einer Klage beim Europäischen Gerichtshof das Recht erstritten haben, für das Wohl der Nation nicht nur die männlichen Totschläger in Uniform zu verarzten, sondern auch selber zu ballern, ausgesprochen notwendig.

Christine Eifler/Ruth Seifert (Hg.): Soziale Konstruktionen – Militär und Geschlechterverhältnis. Forum Frauenforschung, Band 11. Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster 1999, 281 Seiten, 291,— öS

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