FORVM, No. 335/336
November
1981

Neuer Revisionismus

Liebe Genossinnen und Genossen, [*]

wir stehen an der Bahre des alten Sozialismus. Tut mir leid, wenn Ihr es nicht merkt. Nachruf: Sozialismus ist die Fortsetzung des Kapitalismus mit anderen Mitteln, die die gleichen sind.

Argumentationsbruchstücke folgen.

1. Verdammte Ähnlichkeit mit dem Kapitalismus

Fast aller bisherige Sozialismus hat eine verdammte Ähnlichkeit mit dem Kapitalismus; Sozialismus und Kapitalismus als siamesische Zwillinge.

Damit meine ich nicht eine Denunziation der guten alten Tante SP, wie Parteikommunisten oder Extremlinke sie betreiben. Die sollen gefälligst den Mund halten. Die kommunistischen Staaten sind ja den kapitalistischen auch ganz schön ähnlich. Und alle Linken, die von Staat und Verstaatlichung schwärmen, von Industrialisierung und Wachstum, Sozialstaat, Lebensstandard, Wohlstand sind ja auf dem kapitalistischen Dampfer.

Ivan Illich sagte mir vor Jahren, malerisch hingelagert auf dem Plateau einer mexikanischen Tempelpyramide: künftige Generationen werden sich wundern, was eigentlich der Unterschied war zwischen Kapitalismus und Sozialismus. Sie werden das so wenig begreifen wie wir heute den Unterschied zwischen katholisch und protestantisch (worum doch Millionen starben).

Damals, als Illich mir das sagte, hielt ich ihn für einen Reaktionär. Heute glaub ich’s selber.

Widerspiegelung unsres Scheiterns ist die Angst und Wut, mit der innerhalb der Partei diskutiert wird. Vor allem in Eurer, wegen der deutschen Gründlichkeit. So schlecht ging’s Euch schon lang nicht. Auf These und Antithese folgt Synthese, lehrte Hegel. Ihr widerlegt ihn.

Frei nach Marx: Die Befreiung der SPD kann nur das Werk der SPD selber sein. Doch eingeladen, mir Euren Kopf zu zerbrechen, tu ich dies lieber als meinen eigenen.

Ich bin nämlich ohnehin Optimist. Die Partei ist in der Krise, das ist furchtbar wahr. Aber draußen in der Wirklichkeit brodelt, siedet und kocht der neue Sozialismus. Mit der 68er Bewegung begann es; wer glaubt, daß sie tot ist, versteht von Geschichte einen Schmarr’n. In ihr wirken immer nur homöopathische Dosen. Heute ist die neue sozialistische Bewegung viel breiter als damals: Grüne, Alternative, Jugend-, Friedensbewegung. Welch schöne Zeit! Es ist eine Lust, Sozialist zu sein.

2. Ende der Fortschrittsreligion

Fast aller bisherige Sozialismus operierte nach der Leninschen Formel: Amerika einholen und überholen; schauen wir uns den kapitalistischen Fortschritt an, machen wir ihn nach, nur besser. Wir haben noch gar kein eigenes, sozialistisches Bild vom Menschen, von Gesellschaft, von Natur. Sondern all das ist importiert aus der bürgerlichen Revolution und später, noch schlimmer, aus dem bürgerlichen Normalzustand. Der Sozialismus hat noch gar nicht begonnen.

Bisheriger Sozialismus hat an den (bürgerlichen) Fortschritt geglaubt. Künftiger wird fragen, wohin er führt. Die Jungen fragen schon. Daher unsre Wut auf sie. »Das hat der Fortschritt so an sich, daß er viel kleiner ist als er ausschaut!« — Nestroy. Aber der hat sich furchtbar getäuscht. Der Fortschritt ist groß. Nur in die falsche Richtung.

Bisheriger Sozialismus produzierte, einträchtig mit dem Kapitalismus:

  • Statt Kultur Häßlichkeit
  • Statt Selbstbestimmung Sozialstaat
  • Statt Wärme Wohlstand
  • Statt Romantik kranke Seelen, arbeitslos inmitten Vollbeschäftigung, und jetzt ist auch die weg.

Wenn die Zukunft zubetoniert ist, ist das offene Ende der Geschichte hinten. Notfalls muß man reaktionär werden.

Fast aller bisherige Sozialismus ging aus von dem bürgerlichen, genauer: bürgerlich-atheistischen Vorurteil, daß der Mensch alles kann, darf, soll, muß. Nötig sei bloß die richtige Aufklärung (Bildung, Erziehung, Schulung). Aber alle solche Aufklärung, könnte einem auffallen, ist Zwang, vom aufgeklärten Absolutismus, der mit dem Stock aufklärt, bis zur Diktatur des Proletariats, die dieses mit Genickschüssen aufklärt.

Darf man bitte fragen, wohin uns der Fortschritt geführt, welches Licht uns die Aufklärung angesteckt hat? Sozialismus und Kapitalismus haben in aufgeklärter Partnerschaft den Menschen zum Konsumtrottel entwürdigt, den Planeten verwüstet, die Seele sterilisiert.

Wettstreit zwischen aufgeklärtem Sozialismus und Kapitalismus: wer schändet Mutter Natur besser und öfter?

Fortschritt: der weiße Mensch auf einem Riesenhaufen von Konsumgütern, Zivilisationsdreck und Waffen, Waffen, Waffen.

Zurück in die Steinzeit? Vielleicht war’s damals schöner?

»Sozialismus ist Wiederanschluß des Menschen an die Natur.« Sagte des Edelanarchist Gustav Landauer, ehe ihn die Faschisten erschlugen (1919).

3. Begleitmusik zum Weltuntergang

Stunde der Wahrheit. Stunde Null des Sozialismus. Aber Weltuntergang heißt immer: die bisherige Welt geht unter, eine neue entsteht.

Die grüne, die alternative Bewegung ist nur die Begleitmusik zum Ende des Wachstums.

Das Ende des Wachstums ist nur der Anfang einer neuen Phase von Kapitalismus.

  • Ende der Wachstumsdemokratie: Tritt vor die Wähler und versprich ihnen du bringst ihnen mehr Konsumglück als die andre Partei; geht nicht mehr.
  • Ende der Wachstumswirtschaft: Betonieren wir alles zu, überall Atommeiler, mehr Energie, angeblich mehr Arbeitsplätze, jedenfalls mehr Profit, und den teilen sich die Sozialpartner, mehr oder minder ungerecht; geht nicht mehr.
  • Ende der Wachstumskultur: Mach nichts selber (du kannst eh nix), kauf dir alles, das Beste, Teuerste, Tollste; geht nicht mehr.

Immer wenn wir sagen, offen oder insgeheim: Geht nicht mehr — sagen die Grünen, Alternativen, Jungen, Friedensmarschierer: Gar nicht wahr, es geht, nur genau andersherum, als ihr es gemacht habt! Zur Hölle mit dem Wachstum. Der BNP-Sozialismus ist keiner.

Statt alles besser zu wissen (in Wahrheit tief drinnen ratlos) — sollten wir genau zuhören und lernen.

4. Sozialistische Arbeit

Ursprüngliches Ziel des Sozialismus ist die Arbeitslosigkeit — die Freiheit von kapitalistischer Fremdarbeit, statt dessen selbstverwaltete Arbeit in freien kleinen Assoziationen. Wegfall der Grenze zwischen Arbeit und Freizeit.

Derzeit ist das höchste Ziel des Sozialismus: zu garantieren, daß alle Menschen kapitalistische Fremdarbeit haben.

Zu Zeiten des Wachstums war das pervers, aber vielleicht erreichbar. Jetzt ist es pervers und unerreichbar.

Wir brauchen also einen sozialistischen Begriff von Arbeit. Das ist nicht utopisch, sondern praktisch notwendig: In einer ständig sich rationalisierenden Großindustrie heißt Schaffung eines neuen Arbeitsplatzes: Vernichtung eines Vielfachen an alten Arbeitsplätzen durch Hinauswurf von immer mehr Steuergeldern. Der Staatsbürger finanziert seine Wegrationalisierung.

Autobahnbau: Riesenmaschinen, dahinter fünfeinhalb Türken. Hingegen Stadtsanierung, Landschaftssanierung, Umweltschutz: Schaffung von vielen Arbeitsplätzen um wenig Geld.

Das Absterben der Großbaustellen, die Umwelt, Stadt und gutes Leben vernichten — ist schlecht für die Großindustrie. Das muß aber nicht so sein, sie muß sich nur umorganisieren. Manche beginnen schon.

5. Sozialistische Arbeitslosigkeit

Die Sozialdemokratie war immer eine Partei der Arbeitenden. Die Arbeitslosen fing die KP oder NSDAP. Die Gewerkschaften organisierten immer nur Arbeitende; Arbeitslose werden nicht aufgenommen. Folglich schwächte Arbeitslosigkeit die Organisation. Folglich müssen Partei und Gewerkschaften sich entschließen, eigene Arbeitslosenorganisationen mit eigenen Zielsetzungen zu schaffen.

Der verzweifelte Ruf nach Vollbeschäftigung, an die wir selbst nicht mehr glauben, geht ins Leere. Arbeitslosigkeit ist der kapitalistische Normalfall. Mit Ende des abnormen Nachkriegs-Wachstums sind wir wieder beim Normalfall. Großtechnik und Großbürokratie können die Vollbeschäftigung nicht mehr schaffen, der Steuerzahler sie nicht mehr finanzieren. Gott sei Dank.

Denn der Preis für solche Vollbeschäftigung ist die Verwüstung der Natur und der Seele.

Alle Landschaft und alle Flüsse verbetonieren, alle Städte mit Betonklötzen zerstören, und doch nicht genug Arbeitsplätze schaffen — das ist kein sozialistisches Ziel, sondern der sozialistische Bankrott. Es geht aber um Sinn, Wert, neue Moral, anderes Leben. Statt Energie Phantasie. Das ist Sozialismus, oder niemand braucht ihn.

Unterdessen arbeiten wir am moralischen Bankrott fleißig weiter. Wir betreiben die Schaffung von immer teureren, immer sinnloseren Arbeitsplätzen mit aller Gewalt. Großtechnik kann nur noch hochgezogen werden durch Bürgerkriegsschlachten zwischen Polizei und Wählern.

Die Arbeitslosigkeit ist nicht wegzukriegen, weil das gute alte Wachstum nicht herzukriegen ist.

Was ist eigentlich so bedrohlich an einem Maß von Arbeitslosigkeit, das so ausschaut:

  • möglichst wenig Fremdarbeit leisten;
  • möglichst viel eigene, eigenbestimmte Arbeit leisten; ob das überhaupt Arbeit ist oder Freizeit, wird ununterscheidbar;
  • möglichst sinnvolle, lustvolle Arbeit;
  • dann reicht relativ geringes Einkommen, dafür in einer guten, d.h. natürlichen, menschlichen Umwelt.

6. Sozialistische Einkommenspolitik

Das Konzept des Wohlstands ist falsch. Wozu soll ein Mensch immer mehr verdienen, wenn er es, inmitten verwüsteter Umwelt, doch nur ausgeben kann für immer unsinnigeren, immer schädlicheren Plunder?

Wer traut sich vor die Wähler zu treten und zu sagen:

Leute, Ihr könntet mit weit weniger Einkommen weit besser leben, in einer besseren Umwelt. Die zu schaffen kostet weit weniger als die ewige Erhöhung der Individualeinkommen. Die von den ewig höheren Preisen gefressen werden.

Immer höhere Einkommen in einer immer kaputteren Umwelt für immer kaputtere Menschen — was ist dran sozialistisch, was ist dran menschlich?

Klassenkampf um mehr Individualeinkommen führte nicht zum Sozialismus, sondern immer tiefer in den Kapitalismus hinein: Konsum statt Natur, Werbung statt Seele.

Die höheren Individualeinkommen werden nicht dem Kapitalisten entrissen, wer immer das heutzutage sein mag. Der freut sich über mehr Kaufkraft und höhere Preise. Wer draufzahlt ist der Steuerzahler. In einem Staat mit Myriaden öffentlich Bediensteter (die gibt’s in Staats- wie Privatwirtschaft, beide werden immer mehr aus öffentlichen Mitteln subventioniert) führt der Steuerzahler bei jeder Lohnrunde Klassenkampf gegen sich selbst.

7. Sozialistische Steuerpolitik

Warum sollen die Leute Steuern zahlen, wenn damit hauptsächlich Dinge gemacht werden, die ihnen schaden: eiskalte Großbürokratie einschließlich eiskalter Sozialbürokratie; Großtechnokratie, die immer mehr Arbeitsplätze wegrationalisiert; Umweltzerstörung, Rüstungsproduktion.

Mit den hinausgeworfenen Steuermilliarden für den bundesdeutschen schnellen Brüter könnte man ganze Stadtviertel, ganze Landstriche zum Blühen bringen.

Wer in der zunehmenden Steuerverweigerung kapitalistische Steuerkriminalität sieht, täuscht sich ungeheuer. An der Wurzel steht: Was wir da finanzieren sollen, wollen wir gar nicht. Steuerverdruß ist Staatsverdruß. Genauer: Verdruß am Sozialstaat.

8. Ungeheuer Sozialstaat

Staat ist das kälteste Ungeheuer, wußte Anarchist Nietzsche; Sozialstaat ist immer noch sehr kalt. Außerdem können wir ihn nicht mehr finanzieren. Sozialstaat ist Großeinkauf von Gütern und Leistungen more capitalistico; das ist bestenfalls in Zeiten hohen Wachstums möglich und hat jedenfalls mit Sozialismus nichts zu tun. Der von der Wiege bis zur Bahre bürokratisierte Mensch ist keiner mehr. Erst wenn Menschen einander helfen in einer menschlich überschaubaren Gemeinschaft — erst das ist sozialistisch. Und billiger.

9. Ehrlich währt am längsten, gestohlen ist bald was

Die historische Sozialdemokratie war immer nur — aber dieses nur ist ja ihr historisches Erfolgsgeheimnis — eine Interessenbewegung, eine Art parlamentarische Gewerkschaft, ein Wurm, der blind durch die Weltgeschichte kriecht. Theorie heißt Schauen, Idee heißt Bild. Theorie und Ideen sind in die Sozialdemokratie immer von außen eingesickert. Von außen kam der Marxismus, von außen der Revisionismus, und jetzt eben all das Grüne, Alternative, Pazifistische, das holterdipolter auf uns hereinbricht.

Ehrlich währt am längsten, gestohlen ist bald was. Warum haben wir Angst vor dieser guten alten sozialdemokratischen Tradition?

Die Ideen kamen von außen — samt den zugehörigen Intellektuellen. Aber da haben wir immer darauf geachtet, daß aus denen nichts wird in der Partei. Von Karl Marx bis Willi Eichler.

Heute erst recht gibt es die meisten neuen sozialistischen Ideen außerhalb der Partei, die interessantesten neuen Sozialisten außerhalb der Partei.

Die Ideen, die Intellektuellen, sie bleiben draußen, außer wir holen sie uns mühsam. Und wir wollen eigentlich nicht, oder wollen, aber sind ungeschickt. Wir waren nie eine Intellektuellenpartei.

Was bisher an Ideen importiert wurde in die Sozialdemokratie, das kam immer mit einem Häuflein Intellektueller, die froh waren für ihre Ideen die Massen vorzufinden. Das ist jetzt anders. Die Kopfarbeiter, die einen neuen Sozialismus außerhalb der Parteigrenzen entwickeln, sind kein Häuflein, das sind selber schon Massen. Erstmals wird Sozialismus nicht von außen hereingetragen in die Arbeiterbewegung — durch Berufsrevolutionäre, Berufsideologen, die das tradeunionistische Bewußtsein der Partei ändern wollen, und dies übrigens eh nie hinkriegen. Sondern es entsteht Sozialismus in der Arbeiterklasse selber, nämlich in der neuen Kopfarbeiterklasse. Es ist die erste Arbeiterklasse, die die bildungsmäßigen Voraussetzungen hat, selber Sozialismus zu produzieren. Es ist der erste authentische Sozialismus.

Dementsprechend schaut er auch ganz anders aus als unser bisheriger. Und das ist ein Grund für Wut und Angst in der Partei. Wut und Angst kommen aus Unsicherheit. Wir stehen wie der Ochs vorm neuen Tor vor diesem neuen Kopfarbeitersozialismus.

10. Keine Berührungsängste

In den verunsicherten klassischen Kernschichten der Sozialdemokratie steckt viel Angst, Wut und Haß gegen die Jungen, gegen die andern — es gibt eine Art Arbeiter- und Angestelltenfaschismus.

Das ist typisch für eine absteigende Schicht. Die traditionelle Hand- und Facharbeiterklasse ist im Aussterben. Es wächst eine intellektuell wie zahlenmäßig starke neue Arbeiterklasse heran, eine Kopfarbeiterklasse, mit den Studenten als Vorhut.

Die alte Arbeiterklasse wird wegrationalisiert. In der Knochenmühle der Produktion, in der Seelenmühle des Konsums wird sie fertiggemacht.

Man darf sich von der Berührungsangst der alten Arbeiterklasse nicht anstecken lassen. Die Sozialdemokratie war immer eine gemischte Partie, eine Allianz verschiedener Klassen und Schichten, Arbeiter und Kleinbürger, Angestellte, Intelligentsia. Es ist Zeit zu einer neuen großen Allianz mit den Kopfarbeitern, vor allem mit den jungen.

Noch immer hat jede neue große Allianz die Sozialdemokratie auf die Zerreißprobe gespannt. Die wütende Revisionismusdebatte um die Jahrhundertwende — Wurzel für die spätere Spaltung in SP und KP — war z.B. die Widerspiegelung der Vereinnahmung großer Mengen von Angestellten und Intelligentsia, alle mit bürgerlichem Hindergrund, dementsprechend bürgerlichen Ideen.

Bei der Revisionismusdebatte auf dem Dresdner Parteitag 1903 haben sich die Genossen fast erschlagen. Was es heute gibt an Angst und Wut ist dagegen fast ein Kinderspiel. Die ideologische Schlacht endete mit einer typisch sozialdemoktratischen einstimmigen Resolution, der Revisionismus wurde verurteilt. Dahinter war alles wie vorher, der Siegesmarsch der neuen Ideen ging weiter, parallel mit dem Einzug der neuen Schichten in die Partei.

Wir waren immer eine Partei der Klassenallianzen, weil nie wahr wurde, was Marx prophezeit hat: daß die Arbeiterklasse tel quel zur ungeheuren Mehrheit der Bevölkerung wird.

Seither läuft unser altes Spiel: wir werben um neue Schichten, das verprellt die Kernschicht; wir hätscheln die Kernschichten, das vergrault die zu gewinnenden neuen Schichten. Es ist die Quadratur des Kreises.

Aber das ist kein Grund zur Verzweiflung. Die Quadratur des Kreises ist mit einer für alle praktischen Zwecke ausreichenden Genauigkeit möglich. Wir sind doch schlachtgewohnte Kompromißler.

Die neue Seele und der neue Leib des Sozialismus, die haben die jungen Kopfarbeiter. Holen wir sie in die Partei, fangen vielleicht auch die Kernschichten wieder Feuer. Von den Kernschichten selber kommt nichts mehr — so hart ist die Geschichte.

Die Sozialdemokratie ist eine robuste Erfolgskonstruktion. Das lehren 120 und mehr Jahre ihrer Geschichte. Niemand kann sie kaputt machen, außer wir selbst.

[*Von Willy Brandt und dessen Geschäftsführer Peter Glotz wurde G. N. eingeladen, in der Bonner SPD-Baracke nachzudenken über »Identität der Sozialdemokratie«. Über Willi Eichler, Vater des Godesberger Programms, verstorben vor 10 Jahren, sprach Heinz Kühn. Über SPD-Indentität Willy Brandt (siehe Auszüge). Auf dem Podium saßen rechts und links von G. N. säuberlich gleichviel »Rechte«e und »Linke« (Anke Fuchs, Friedhelm Farthmann, Peter von Oertzen, Johano Strasser). Im Auditorium Mitglieder des Parteivorstandes, der Grundwerte-Kommission desselben, der Bundestagsfraktion, Mitarbeiter des Brandtschen Hauptquartiers und ausgewählte Presse — insgesamt etwa 100. Über Anregung schrieb G. N. diesen offenen Brief, worin auch eingearbeitet, was er dort sagte.

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