Heft 7-8/2001 — 1/2002
Februar
2002

Neutralität der Wissenschaft. Neutralität der Weißheit.

Zum Rassismus in der Psychologie

Dieser Text ist weniger eine Aufdeckung, als vielmehr eine Geschichte der Verstrickungen, auch meiner eigenen.

Ergebnisse psychologischer Forschung und Theoriebildung und die aus ihnen resultierenden Diskurse [1] dienten seit ihren Anfängen vielfach zur Untermauerung und Legitimierung von Abwertung, Ausschluss, Unterwerfung oder Vernichtung von Menschen. Das größte Ausmaß erlangten solche an Menschen verübten Grausamkeiten während der Zeit des Nationalsozialismus. Medizinische und psychologische Experimente an als „rassisch minderwertig“ betrachteten oder politisch unliebsamen Personen und Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen wurden ebenso durchgeführt wie Morde zur „Verbesserung des Erbguts“. [2] Am Institut für Psychologie an der Uni Wien wurde während des Nationalsozialismus die „Kriegswichtigkeit“ als Argument vorgebracht, um Ressourcen zu rekurrieren. [3] Dem konnten sich die zuständigen Stellen kaum entziehen, handelte es sich doch um Masseneignungsuntersuchungen von Kriegsgefangenen für Rüstungsbetriebe und die Flugmotorenwerke Ostmark. [4]

An den Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus hatte sowohl die naturwissenschaftlich, als auch die geisteswissenschaftlich orientierte akademische Psychologie ihren Anteil, denn während sich erstere an den Universitäten durch Leistungs-, Eignungs- und Intelligenztests profilierte, untermauerte zweitere mit ihren Charaktertypologien, Rassentheorien und der Rede von „wahrem Leben“ und „lebendiger Echtheit“ im Gegensatz zu „Intellektualismus“ und „Geist“ als Feinden der Seele die „wissenschaftliche Fundierung“ nationalsozialistischer Politik.

Eine Analyse des Rassismus in der Psychologie deshalb als historische abzuhandeln, wäre allerdings verfehlt. Vielmehr zeichnet sich Rassismus sowohl durch historische Kontinuität als auch Wandelbarkeit aus und wird in seinen unterschiedlichen Formen in dieser Disziplin, wie in unserer Gesellschaft als ganzer, bis heute explizit vertreten und implizit gestützt und weitergetragen.

Kategorisierung, Bewertung, Machtausübung

Besonders empfänglich für essentialistischen Rassismus [5] erweist sich bis heute die Differentielle Psychologie. Während die älteren Intelligenz- und Persönlichkeitstheoretiker aus dem deutschsprachigen Raum aufgrund ihrer Verbindungen zu den NationalsozialistInnen heute innerhalb der Mainstream-Psychologie kaum behandelt werden, lassen sich sonst kaum Ressentiments bemerken, rassistische Wissenschafter und ihre Thesen zu rezipieren.
Das Argument der (angeborenen) Intelligenz wurde zur Auswahl für militärische Zwecke ebenso eingesetzt wie zur Rechtfertigung des staatlichen Mordes an Straffälligen, von Einwanderungsbeschränkungen, Rassengesetzen, Zwangssterilisierungen und der Ermordung behinderter und psychisch kranker Menschen. [6] Gerade der Fachbereich der Differentiellen Psychologie scheint aber an einer kritischen Betrachtung der eigenen Geschichte nicht eben interessiert zu sein. So wird mensch bei der Lektüre der Skripten zur Vorlesung Differentielle Psychologie mit Aussagen konfrontiert, die bestürzen. Da wird etwa Sir Francis Galton als „einer der vielseitigsten und brillantesten Wissenschaftler des 19. Jhdts.“ [7] gepriesen. Ebendieser Galton gilt nicht nur als „einer der Begründer der wissenschaftlichen Untersuchung individueller Differenzen“, [8] sondern auch als Begründer der Eugenik. Sein Leben lang begleitete diesen Mann, der zum Ehrenpräsidenten der Internationalen Gesellschaft für Rassenhygiene ernannt wurde, der Drang, eine Elite von „Begabten“ und „Starken“ zu züchten. Sein Ziel war es, „die Rasse zu verbessern“, um den „Stolz auf die Rasse“ zu fördern. Dazu erachtete er es für notwendig, die Vermehrung der Leistungsfähigen zu unterstützen und den weniger Leistungsfähigen und Schwachen „freundliche Aufnahme und Zuflucht in Zölibaten, Klöstern und Schwesternschaften“ zu gewähren. [9] Er drängte darauf, „daß ein unnachgiebiger Druck ausgeübt werden sollte, um die uneingeschränkte Vermehrung des Erbguts derjenigen zu verhindern, die ernstlich von Wahnsinn, Idiotie, Gewohnheitskriminalität und Armut befallen sind“. [10] Durch eine „Wissenschaft von der Rassenverbesserung“ sollte „den geeigneteren Rassen oder Geschlechtern eine bessere Chance [gegeben werden], sich gegenüber den weniger geeigneten durchzusetzen, als sie sonst gehabt hätten.“ [11]

Der erste Inhaber des von Galton gestifteten Lehrstuhls für Eugenik am Londoner University College wurde, dessen Bedingungen folgend, Karl Pearson, der vorwiegend als Statistiker bekannt ist. In seinem 1911 erschienenen Buch The Scope and Importance to the State of National Eugenics beschreibt dieser drei Entwicklungsstufen der Wissenschaft: die ideologische, die beobachtende und — nicht eben schwer zu erraten — die messende. Seiner Auffassung nach konnten ausschließlich die neuen psychologischen Meßtechniken „Licht auf den Aufstieg und Untergang von Nationen, auf rassischen Fortschritt und nationale Verkümmerung werfen“. [12] Dabei soll die Nation „ein organisiertes Ganzes (sein), die dadurch auf einer hohen Stufe interner Effizienz gehalten wird, daß sie die Rekrutierung ihrer Mitglieder in erster Linie aus dem besseren Zuchtgut sicherstellt, und die sich auf einer hohen Stufe externer Effizienz hält, indem sie konkurriert, hauptsächlich durch Kriege mit minderwertigen Rassen“. [13] Entsprechend der von ihm aufgestellten Hierarchie der „Wissenschaftlichkeit“ war es ihm bei aller Plumpheit seiner menschenverachtenden Äußerungen ein Leichtes, sich selbst als „objektiven Wissenschafter“ zu positionieren, der über jede „Trübung“ seines wissenschaftlichen Blicks durch Weltanschauung oder Emotionen erhaben war und damit die noch heute gängige klassische Haltung westlicher Wissenschaft anzunehmen. „Um eine wirkliche Wissenschaft zu erhalten, muß man unser Studiengebiet von Parteienhader, Glaubenskämpfen, falschen Vorstellungen von Wohltätigkeit oder den unausgewogenen Impulsen des Gefühls fernhalten.“ [14]

Zu den Schülern und Mitarbeitern von Pearson gehörten Cyril Burt, Raymond Cattell und Charles Spearman. Burts Forschungsergebnisse sind inzwischen eindeutig als Betrug entlarvt worden, der zum Ziel hatte, den Beweis für die Vererbung von „Intelligenz“ mit allen Mitteln zu führen, wozu Burt auf sehr ungeschickte Weise die entsprechenden Daten erfand. Raymond Cattell dagegen gilt bis heute als ehrwürdiger Wissenschafter, seine rassistischen und rechtsextremen Ergüsse werden einfach verschwiegen. So schrieb Cattell etwa in seinem 1937 erschienenen Buch The Fight for our National Intelligence über die drohende „Abenddämmerung der westlichen Zivilisation“ und die Gefahr, die von „Untermenschen“ ausgehe, die „heimtückisch die zentralen Wurzeln des nationalen Lebens“ angriffen. [15] Und weiter: „Die Negerrasse hat sowohl in Afrika als auch in Amerika eine stabile Kultur aufgebaut, aber sie hat so gut wie nichts zum sozialen Fortschritt und zur Kultur beigetragen [...] alle sozialen und religiösen Anschauungen, die dem Neger mit Eifer aufgepfropft worden sind, sind von ihm mit Ungestüm übernommen, simplifiziert, vergröbert und emotionalisiert worden. Ich zitiere dieses Beispiel nur um zu zeigen, daß, auch wenn eine Rasse von der Konstitution her gutmütig und liebenswert ist, ihre geringere geistige Kapazität Rückschritt, Roheit [sic] und eine schwere Last des Konservativismus bedeutet.“ [16] Auch plädierte Cattell dafür, Armut „innerhalb einer Generation“ auszumerzen, „indem man die Bevölkerungsteile mit einer sehr niedrigen geistigen Kapazität, die zum zivilisierten Leben ungeeignet sind, entfernt“. [17] Und auch Cattell greift WissenschafterInnen, die seine Thesen nicht teilen, als unwissenschaftlich an, wenn er die „naive und gefährliche Weise, in der viele Sozialwissenschaftler ohne Unterschied ihre persönlichen, politischen und religiösen Werte mit ihren mehr wissenschaftlichen Schlußfolgerungen vermischen“, [18] beklagt.

Auch Charles Spearman, für seine Generalfaktortheorie der Intelligenz bekannt, zeigt sich der Idee von der Überlegenheit der eigenen „Rasse“ durchaus zugeneigt, wenn er bemerkt, dass „die von nahezu jedem Forscher hervorgehobene allgemeine Schlußfolgerung so aussieht, daß, im Hinblick auf ‚Intelligenz’, die germanische Rasse im Durchschnitt einen klaren Vorsprung vor den Südeuropäern hat. Und dieses Ergebnis scheint auch äußerst bedeutsame praktische Konsequenzen für die Formulierung der gegenwärtigen, sehr strengen amerikanischen Einwanderungsgesetze gehabt zu haben.“ [19]

Die USA galten diesen Londoner Eugenikern nicht von ungefähr als Vorbild, fanden dort doch Theorien über die Minderwertigkeit von Schwarzen, EinwandererInnen, psychisch Kranken, Behinderten und Armen wesentlich größeren Zustrom und praktische Anwendung. [20] Daran waren Lewis M. Terman, Catherine M. Cox, Robert M. Yerkes oder E. L. Thorndike wesentlich beteiligt, was ihrem Ruf als WissenschafterInnen bis heute wenig Abbruch zu tun scheint.

Es zeigt sich also, dass ein Großteil der frühen Forschung und Theoriebildung im Bereich der Differentiellen Psychologie und auch der Statistik von Menschen durchgeführt wurde, die von dem Glauben an „höherwertige“ und „minderwertige“ Menschen beflügelt waren und danach trachteten, eine Gesellschaftsordnung zu etablieren, in der erstere gefördert und zweitere ausgemerzt werden sollten. Dies hat sich bis heute nicht grundlegend geändert. Und bis heute stellt die Behauptung wissenschaftlicher Objektivität und Wertfreiheit einen beliebten Deckmantel und wichtiges Indiz für ungenierte Ideologie dar.

Zu den Protagonisten dieser neuen Generation von Soziobiologen und Rassisten vor und nach 1945 zählen E. O. Wilson, Konrad Lorenz, Arthur Jensen, H. J. Eysenck und Eibl-Eibesfeldt, [21] allesamt als Grundlagenforscher auf dem Gebiet der Psychologie anerkannt.

Jensen und Eysenck fallen nicht nur durch ihre Verehrung für Burt auf, [22] sondern auch durch ihren Glauben an die Vererbbarkeit des Spearmanschen Generalfaktors der Intelligenz. [23] Jensen führte 1969 IQ-Berechnungen durch und leitete aus den gewonnenen Daten die Behauptung ab, Schwarze seien biologisch „dümmer“ als Weiße, weshalb Schulförderungsprogramme im Widerspruch zu den biologischen Fakten stünden und Geldverschwendung seien. [24]

Eysenck warf in seinen Attacken gegen die Soziologie dieser in The Inequality of Man vor, sie sei „auf dem unsicheren Treibsand eines dokrinären Environmentalismus etabliert“. [25] An anderer Stelle wetterte er gegen den „Aufstieg einer neuen Mittelmäßigkeit“, die „sozial ungerecht, politisch verhängnisvoll und ethisch nicht vertretbar“ sei, weil dadurch Menschen mit „überlegener Intelligenz“ bei ihrem Aufstieg in die „besser bezahlten und besser ausgebildeten Schichten der Gesellschaft“ behindert würden. [26]

Eibl-Eibesfeldt spricht im Zusammenhang mit Migration vom „Wirtsvolk“. Auch ohne das Pendant dazu zu benennen, ist klar, dass es sich diesem Sprachgebrauch nach nur um Parasiten handeln kann. [27]

Alle diese Psychologen werden am Institut für Psychologie bis heute als strebsame, allein der „wissenschaftlichen Erkenntnis“ verpflichtete und von hehrem Forscherdrang beseelte Männer dargestellt. Ihr weltanschaulicher Hintergrund und ihre politische Positionierung wird in keinem der Vorlesungsskripten auch nur erwähnt, geschweige denn zu ihren Forschungsergebnissen in Beziehung gesetzt. Kaum verwunderlich, bedenkt man/frau, dass der Großteil der Grundlagenforschung der Differentiellen Psychologie, Statistik und Diagnostik auf diese Psychologen zurückgeht. Darüber hinaus mag allerdings ein gewichtigerer Grund hierfür die fehlende Auseinandersetzung mit rassistischen Vermächtnissen moderner Forschung im allgemeinen sein. [28]

Bemerkenswert ist dabei die strukturelle Ähnlichkeit zwischen der Theoriebildung (Differentieller) Psychologie und der Wirkungsweise von Rassismus: Hier wie dort werden aus einer Machtposition heraus Eigenschaften zu- und festgeschrieben und bewertet. Dass eine solche Vorgehensweise in der Wissenschaft die Abwertung von Menschen wahrscheinlich macht, liegt nahe.

selektiv, verkürzt und fehlgeschlossen

Vom methodologischen Standpunkt ist die Intelligenz- und Persönlichkeitsforschung vielfach kritisiert worden. So analysieren etwa Lewontin, Rose und Kamin, wie psychometrische Untersuchungen zur Erblichkeit durch „unzureichende Stichprobengrößen, fehlerhafte subjektive Beurteilungen, selektive Adoption, mangelhafte Trennung sogenannter ‚getrennt’ aufwachsender Zwillinge, [29] nicht-repräsentative Stichproben von Adoptivkindern und willkürliche, ungeprüfte Annahmen über die Ähnlichkeit von Umwelten„glänzen. [30] Auch Cernovsky weist darauf hin, dass statistische Ergebnisse vielfach falsch interpretiert wurden und veraltete Methoden zum Einsatz kamen, wie etwa die Messung des Kopfumfangs als Indikator für Intelligenz. [31]

Noch immer werden in Intelligenztests Verfahren eingesetzt, die auf der Vermutung Galtons beruhen, Intelligenz wäre wie biologische Eigenschaften vererbt und normalverteilt, d.h. mittlere Ausprägungen wären am häufigsten, „Genialität“ oder „Dummheit“ dagegen selten (z.B. Wechslers Intelligenztest und Cattells Grundintelligenztest). Ausdruck dieser Vorstellung ist auch die Zusammenfassung von Testergebnissen im IQ, dem Intelligenzquotienten. Diese Vorgehensweisen dienen der Hierarchisierung von Menschen und hängen der Vorstellung von einer verdinglichten „Intelligenz“ und dem übertriebenen Glauben an die Vererbung an. (vgl. Gould 1988: 168; Ulmann)

Die inhaltlichen Denkfehler der Intelligenztestbewegung analysieren Lewontin et al. [32] ausführlich:

  • Unterschiede in Status, Reichtum und Macht werden als Resultat unterschiedlicher endogener Begabung bzw. Intelligenz erkärt. Intelligenztests werden als adäquates Mittel zur Messung derselben betrachtet. Die festgestellten Unterschiede werden als genetische fixiert, weshalb sie gleichzeitig als unveränderlich gelten. Wenn nun Fähigkeitsunterschiede zwischen Menschen genetisch bedingt sind, so ein weiterer Schluss, gelte dies auch für Unterschiede zwischen Klassen und „Rassen“. [33] All diese Annahmen sind Fehlschlüsse.
  • Die Relevanz von „Intelligenz“ für anstehende Fragen wurde und wird vielfach vorausgesetzt. Dies steht der Erkenntnis entgegen, dass es nur zwei Bereiche gibt, in denen Ergebnisse aus Intelligenztests eine gewisse Aussagekraft haben: bei der Vorhersage des Erfolgs in Schule und Studium (an Noten gemessen) und des Berufsstatus. Hier sind einige Zusammenhänge auszumachen: Schule wie Testsituation liefern ein Umfeld, in dem kontextfreie Vorgaben, Fremdbestimmtheit, Kontrolle und die Bereitschaft zu Unterordnung entscheidend sind und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten nicht gelernt, sondern eher vorausgesetzt bzw. unterminiert wird. Zur Erklärung der Korrelation von Schulleistung und Intelligenztest muss also kaum auf das Konstrukt Intelligenz zurückgegriffen werden. Die Verbindung zwischen den beiden kann zu einem großen Teil aus der Ähnlichkeit der äusseren Gegebenheiten von Schulsituation und Versuchsbedingungen erklärt werden.
  • Darüber hinaus stellte sich als bester Prädiktor für Bildungs- und beruflichen Status 1977 in einer amerikanischen Studie das Bildungsniveau des Vaters heraus, [34] Ulmann betont die Kovariation zwischen „IQ“ und Reichtum. [35] Darin zeigt sich die Rolle von Intelligenztests und Biologisierungen bei der Verdeckung und Perpetuierung der gesellschaftlichen Produktion von Ungleichheiten.

Ulmann (1989) fasst die Unsinnigkeit der Frage nach dem Verhältnis von Anlage und Umwelt mittels eines Vergleichs: Menschliche Fähigkeiten entwickeln sich aufgrund angeborener Ausgangsbedingungen (nicht als Substanzen, sondern als Potenzial zur Entwicklung menschlicher Fähigkeiten), Bedingungen der Umwelt und Gründen des Menschen. Diese Bedingungen als Anteile auszurechnen, wäre das Gleiche, wie zu postulieren, „dies Brot besteht zu 30% aus Geschmack, zu 60% aus Nährwert und zu 10% aus Ästhetik“. [36]

Eine Kritik an Intelligenztests kann sich aber nicht nur auf Methoden und Inhalte beziehen, will sie sich nicht an der Frage nach der „Gleichheit“ oder „Ungleichheit“ der Menschen abarbeiten und damit eben den Denkweisen verhaftet bleiben, die sie angreift.

Die Politik des Rückgriffs auf Natur

Eine Kritik psychologischer Forschung greift zu kurz, wenn sie sich mit dem Nachweis methodischer oder logischer Fehler begnügt. Vielmehr können diese immer wieder als Hinweise auf die Durchsetzung bestimmter Vorstellungen von Gesellschaft, Politik und Ökonomie gelesen werden. Damit rückt die Frage nach der Zielsetzung von Wissenschaft in den Blick. Eine Analyse der Intelligenz- und Persönlichkeitsforschung liefert hier Antworten, die auf viele Bereiche und Richtungen der Psychologie zutreffen. Biologisierende, dekontextualisiernde, ahistorische Interpretationen menschlichen Handelns führen hier vielfach zur Zu- und Festschreibung von Eigenschaften, ihrer Hierarchisierung nach spezifischen Verwertungsinteressen und der Machtausübung über Menschen.

Die Formierung und Funktionalsierung von Fragestellungen, Theorien und Methoden durch sozioökonomische, politische und kulturelle Bedingungen und Trends wird durch das Postulat der Objektivität und Wertneutralität von Wissenschaft verschleiert und gewinnt durch ihre Unausgesprochenheit an Wirkmächtigkeit. Gerade die Psychologie spielt im Zuge der „Verwissenschaftlichung“ vieler Lebensbereiche und des damit einhergehenden zunehmenden ExpertInnenwahns eine entscheidende Rolle, befriedigt sie doch in ihren dominanten Formen scheinbar den Wunsch nach Erklärungen, während sie gleichzeitig die Verantwortung den Einzelnen zuschiebt, ohne den gesellschaftlichen Status Quo in Frage zu stellen.

Auch in psychologischen Erklärungsansätzen zum Rassismus findet sich vielfach eine solche Individualisierung struktureller Macht. Durch die Konzentration auf Vorurteile erfolgt eine Reduktion von Rassismus auf eine Ansammlung individueller Irrtümer oder psychischer Störungen bei der gleichzeitigen Annahme, dass Urteile über Eigenschaften bestimmter Gruppen von Menschen grundsätzlich berechtigt oder sogar notwendig sind. [37]

Psychologische Theorien dethematisieren politische und gesellschaftliche Macht, vereigenschaften Handlungsweisen, denken individuelle Entfaltung und Freiheit ohne gesellschaftliche Veränderung, pathologisieren in ihrer Unfähigkeit, psychologische von materiellen Bedürfnisse zu unterscheiden, drängen die Subjekte zur Anpassung an die Gesellschaft, halten zur Unterordnung an, stärken soziale Kontrolle, predigen Kooperation und Anpassung im Sinne von Effizienz und Überleben, personalisieren und individualisieren gesellschaftliche Konfliktlinien und naturalisieren so bestehende Verhältnisse. [38] Damit werden „[g]esellschaftliche Beschränkungen [...] in subjektive Beschränktheit uminterpretiert“. [39] Und davon sind Personen, die rassistischer oder sonstiger Diskriminierung ausgesetzt sind, stets in besonderem Ausmaß betroffen.

Weiße Unabsichtlichkeiten

„Aber, so wird man sagen, es besteht gar nicht die Absicht, nicht der Wille, zu verletzen. Mag sein, doch gerade dieser fehlende Wille, diese Ungeniertheit, diese Lässigkeit, diese Leichtfertigkeit, mit der man ihn festnagelt, ihn gefangennimmt, ihn primitivisiert, ist verletzend.“ (Frantz Fanon) [40]

In ihrer Rolle als „conformity promoter“ [41] stützt und legitimiert Psychologie eine kapitalistische, rassistische, patriarchale und auf Konkurrenzdruck und Ausschluss angelegte Gesellschaft. In einer Auseinandersetzung mit Rassismus in der Psychologie erscheint es wesentlich, die damit einhergehende hierarchische Organisation der Gesellschaft zu begreifen. Das leistet meiner Meinung nach weder eine Thematisierung rechter Ideologien in der Psychologie, noch eine Analyse rassistischer Implikationen psychologischer Forschung in ausreichender Weise. Vielmehr läuft solch eine Herangehensweise Gefahr, gesellschaftliche Normalität gegen Rassismus zu verteidigen. Dabei wird verdeckt, dass strukturelle bzw. institutionelle Ungleichheit unsere Gesellschaft bestimmt und darin auch alle Menschen, die in dieser leben, verwoben sind - als Diskriminierte oder/und NutznießerInnen. Aus dieser Verstrickung resultiert die Notwendigkeit, unsere [42] Zugehörigkeit zur Dominanzkultur [43] zu thematisieren und ein Verständnis von Weißsein als Organisationselement, das eine „soziopolitische Platzuweisung“ [44] impliziert, zu forcieren.

Während essentialistischer Rassismus bestehende Dominanzverhältnisse durch explizite Platzzuweisungen stützt, hat ein farbenblinder Rassismus den selben Effekt, indem er durch sein Festhalten am „Gleichheitsethos“ [45] institutionellen Ausschluss und Diskriminierung ausblendet und als selbstverschuldet bzw. auf einer natürlichen Differenz beruhend rationalisiert. Durch diesen Unwillen, zwischen der Konstruktion einer „menschlichen Essenz“ und der Anerkennung der Verschiedenheit historischer, politischer, sozialer und kultureller Bedingungen zu unterscheiden, werden Dominanzverhältnisse negiert. Dagegen müssen Unterschiede nicht als vorgängige, sondern gesellschaftlich gewordene, aber als solche manifeste begriffen werden, die nicht binär sind, aber auch nicht beliebig.

Gleichzeitig wird auch in Erklärungsansätzen zu Rassismus ein Rassismusbegriff weitergetragen, der „race“ oder „Ethnie“ stets als nichtweiße thematisiert und damit die weiße Position dethematisiert und als scheinbar neutralen Ort behandelt. [46] Dadurch wird eine Normalität von Weißsein suggeriert, die andere Positionen ausgrenzt und letztlich eine Etablierung von Kompetenz qua Weißsein stützt. „Weiß-Sein ist nicht präsent und gleichzeitig omnipräsent.“ [47]

Dem stellt bell hooks die „Dezentrierung der unterdrückenden Anderen“ und die Einforderung des Rechts auf Subjektivität entgegen. Dazu müssen Voraussetzungen geschaffen werden, unter denen rassistisch Unterdrückte „nicht auf die Reaktion der KolonisatorInnen angewiesen sind, um [ihre] Legitimität zu ermitteln“. [48] Hierzu hält hooks einen Differenzbegriff für erforderlich, der auf die Veränderung der politischen Strategien (im weitesten Sinne) abzielt. [49] Ein solcher Differenzbegriff muss offenlegen, wie sowohl der Gleichheitsgedanke als auch bestimmte Differenzvorstellungen die Interessen derer bedienen, die sich ihre Repräsentationen der „Anderen“ zur Bestätigung der eigenen Person zunutze machen und so bestehende Herrschaftsverhältnisse festigen. [50]

In diesem Zusammenhang eröffnet sich die Frage nach dem Verhältnis von Fortschreibung und Negierung: Der Anspruch, die Welt durch nicht diskriminierende Repräsentationen zu verändern, kann auch zur Fortwirkung bestehender verfestigter Strukturen führen, die ohne Thematisierung nicht aufgebrochen werden können. Die Kunst besteht darin, an der Situation der Menschen anzusetzen, ohne sie festzuschreiben, aber auch ohne durch politische Korrektheit die Aufarbeitung bestehender Widersprüche zwar aus der Sprache zu tilgen, damit aber auch ungreifbar zu machen und zuzudecken.

Wir Weiße erhalten unseren Status als Angehörige der Dominanzkultur (auch) über Rassismus aufrecht, ob aus Selbstverständlichkeit und Ignoranz oder mit bewussten Absichten. Doch auch die fehlende Auseinandersetzung hat System [51] und unabsichtliche Diskriminierung ist eine schlechte Ausrede. Vielmehr erscheint es notwendig, gleichzeitig strukturelle und institutionelle Ungleichheit und unsere „Mikropolitik“ [52] rassistischer Unterdrückung zu thematisieren und gegen beides anzukämpfen in der Gleichzeitigkeit von Verstrickung und Widerstand, mit Gayatri Spivak, das „unmögliche Nein“ auszusprechen. [53]

Ebenso gilt für die westliche [54] (Mainstream-)Wissenschaft: Wo sie sich als neutral und objektiv positioniert, fallen Weißsein, Wissenschaft und Neutralität in eins. Auch hier stellt sich „Unvoreingenommenheit“ auf die Seite der Herrschaft.

Der Text reißt ab. Die Geschichte hat kein Ende.

[1„Diskurs“ meint hier, angelehnt an Stuart Hall, eine Gruppe von Aussagen, mittels derer eine bestimmte Weise des Sprechens formiert wird und Wissen sowie Bedeutungen produziert und eingegrenzt werden. Somit stellt er ein System dar, durch das Macht über die Objekte des Wissens ausgeübt wird und zum Zirkulieren gebracht wird. „Diejenigen, die den Diskurs produzieren, haben also die Macht, ihn wahr zu machen“. (Hall, Stuart (1994): Der Westen und der Rest. Diskurs und Macht. In: ders.: Rassismus und kulturelle Identität. Ausgewählte Schriften 2. Hamburg: Argument, 154)

[2Hierzu arbeitete die akademische Psychologie eng mit Psychiatrie und Eugenik zusammen (vgl. etwa Benetka, Gerhard: „Im Gefolge der Katastrophe...“ Psychologie im Nationalsozialismus. In: Paul Mecheril/Thomas Teo (Hg.) (1997): Psychologie und Rassismus. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt; 60); Fallend, Karl et al. (Hg.) (1989): Der Einmarsch in die Psyche. Psychoanalyse, Pychologie und Psychiatrie im Nationalsozialismus und die Folgen. Wien; Benetka, Gerhard/Kienreich, Werner (1989): Der Einmarsch in die akademische Seelenlehre. In: Gernot Heiß et al. (Hg.): Willfährige Wissenschaft. Die Universität Wien 1938-1945. Wien: Verlag für Gesellschaftskritik

[3vgl. Benetka, Gerhard (1992): „Dienstbare Psychologie“: Besetzungspolitik, Arbeitsschwerpunkte und Studienbedingungen in der „Ostmark“. In: Initiative kritischer Psychologinnen und Psychologen (1992): Psychologie und Gesellschaftskritik. Psychologie im Nationalsozialismus, Jg. 16, Heft 1; 65

[4vgl. Benetka/Kienreich 1989: 121

[5Als die drei zentralen Mechanismen rassistischer Zuschreibungen werden in den hier rezipierten Theorien weitgehend, wenn auch mit unterschiedlicher Fokussierung, die Zuschreibung von „Andersartigkeit“ und die Bewertung derselben bei gleichzeitigem Agieren aus einer Machtposition heraus betrachtet. Unter essentialistischem Rassismus werden jene Formen des Rassismus verstanden, die von endgültig fixierten, also in einer menschlichen „Essenz“ festgelegten Unterschiede ausgehen. Dazu können sowohl biologistische als auch kulturalistische Rassismen gezählt werden.

[6zur Geschichte der Psychometrie siehe: Gould, Stephen Jay (1994): Der falsch vermessene Mensch. 1. Aufl. 1988, Frankfurt/Main: Suhrkamp

[7Gittler, G. & Arendasy, M (2000): Differentielle Psychologie I. Grundlagen und Intelligenztheorien (Skriptum zur Vorlesung); 14

[8Gittler/Arendasy 2000: 14

[9Galton: Genie und Vererbung, Leipzig 1910: 383, zit. nach Billig, Michael (1981): Die rassistische Internationale. Zur Renaissance der Rassenlehre in der modernen Psychologie. Frankfurt: Neue Kritik; 30

[10Galton: Memories of my Life, London 1908: 322, zit. nach Billig 1981: 35

[11Galton: Inquiry into Human Faculty and its Development, London 1907: 17 (Fn.), zit. nach Billig 1981: 31

[12Pearson, ebd. 38, zit. nach Billig 1981: 39

[13Pearson: National Life from the Standpoint of Science, Cambridge University Press, 1905: 46, zit. nach Billig 1981: 41

[14Pearson: The Scope and Importance to the State of National Eugenics. Cambridge University Press 1911: 11, zit. nach Billig 1981: 37f.

[15Cattell: The Fight for our National Intelligence, 1f. , zit. nach Billig 1981: 51f.

[16R.B. Cattell (1937): The Fight for our National Intelligence, London, 56

[17Cattell: The Fight for our National Intelligence. London 1937: 64, zit. nach Billig 1981: 52

[18The Mankind Quarterly, 1979, Jg. 19, 298; zit. nach Billig 1981, 93 zu Mankind Quarterly, Themengebiet „Rasse und Vererbung“ (Billig 96)

[19Spearman: The Abilities of Man: their Nature and Measurements. London 1927: 379, zit. nach Billig 1981: 49

[20Zwischen 1911 und 1930 erließen 24 amerikanische Bundesstaaten Gesetze zur Sterilisierung sozial „Nichtangepasster“, in 30 Staaten wurden „gemischtrassige“ Ehen gesetzlich beschränkt. 1924 wurde ein Gesetz verabscheidet, dass die Einreise „rassisch Minderwertiger“ beschränken sollte. (vgl. Billig 1981: 49)

[21Seine Bücher sind an der Uni Wien sogar in der Lehrbuchsammlung erhältlich.

[22Jensen nennt Burt „einen geborenen Edelmann“, dem „größere und repräsentativere Stichproben, als sie je ein Forscher in diesem Bereich beigebracht hat“, einen „Platz in der Geschichte der Wissenschaft“ einbringen werden. (Jensen, A. R. : Sir Cyril Burt (Nachruf) Psychometrika 1972, 37, 115-117, zit nach Lewontin et al. 1988, 81) Er bezeichnet Burts Untersuchungen zur Erblichkeit von Intelligenz als „den befriedigendsten Versuch“ der Erblichkeitsschätzung des IQ. Dem steht in eigentümlicher Weise die Änderung seiner Haltung nach Bekanntwerden von Burts Fälschungen entgegen: Nun behauptete Jensen, Burt habe nur fahrlässig gehandelt und dass auch ohne Burts Daten die Beweislage zugunsten einer hohen Erblichkeit des IQ nicht entscheidend geschwächt wäre. (vgl. Jensen: How Much Can We Boost IQ and Scholastic Achievement, Harvard Educational Review, 1969, 39, 1-123, zit. nach Lewontin et al. 1988, 83)
Eysenck lobt die Werke seines ehemaligen Lehrers Burt für „die hervorragende Qualität der Planung und statistischen Verarbeitung in diesen Studien“ (Cernovsky : 88)

[23Sie gehen allgemein davon aus, Intelligenz sei zu 80% vererbt. (vgl. Ulmann 1989: 168) Vgl. auch Billig 1981: 76f.

[24vgl. Billig 1981: 71

[25in: Die Ungleichheit des Menschen. München 1975: 53, zit. nach Billig 1981: 51. Dieses Buch findet sich gemeinsam mit weiteren seiner Werke in Literaturlisten faschistischer Gruppen wie der National Front.

[26Eysenck: Die Experimentiergesellschaft. Soziale Innovation durch angewandte Psychologie, Reinbek 1973, 196, zit. nach Billig 1981, 84

[27vgl. Lothar Baier in Billig 1981: 9

[28So stellt etwa Kant, von dem bekanntermaßen berichtet wird, dass er Königsberg zeit seines Lebens nicht verließ, durchaus keine Ausnahme dar, wenn er sich recht einschlägig über Menschen in aller Welt äußert: „Das Volk der Amerikaner nimmt keine Bildung an. Es hat keine Triebfedern, denn es fehlen ihm Affekt und Leidenschaft. sie sind nicht verliebt, daher sind auch nicht furchtbar [sic; d.h. sind nicht ängstlich]. Sie sprechen fast nichts, liebkosen einander nicht, sorgen auch für nichts, und sind faul.“ (Starke, Friedrich Christian (Hg.) (1831): Kants philosophische Anthropologie. Nach handschriftlichem Vorlesungen. Leipzig, S. 352, zit. nach Eze, Emmanuel Chukwudi (1997): The Color of Reason: The Idea of ‚Race’ in Kant’s Anthropology. In: ders. (Hg.): Postcolonial African Philosophy: A Critical Reader. Blackwell; Fußnote 71, 135)
„Die race der Neger, könnte man sagen, ist ganz das Gegenteil von den Amerikanern; sie sind voll Affekt und Leidenschaft, sehr lebhaft, schwatzhaft und eitel. Sie nehmen Bildung an, aber nur eine Bildung der Knechte, d. h. sie lassen sich abrichten. Sie haben viele Triebfedern, sind auch empfindlich, fürchten sich vor Schlägen und thun auch viel aus Ehre.“ (ebd., zit. nach Eze, Fußnote 72)
„Die Mohren...haben eine dicke Haut, wie man sie denn auch nicht mit Ruthen, sondern gespaltenen Röhren peitscht, wenn man sie züchtigt, damit das Blut einen Ausgang finde, und nicht unter der Haut eitere.“ (ebd., zit nach Eze, Fußnote 73)
„Die Hindus haben zwar Triebfedern, aber sie haben einen starken Grad von Gelassenheit, und sehen alle wie Philosophen aus. Demohngeachtet sind doch zum Zorne und zur Liebe sehr geneigt. Sie nehmen daher Bildung im höchsten Grade an, aber nur zu Künsten und nicht zu Wissenschaften. Sie bringen es niemals bis zu abstrakten Begriffen. Ein hindostanischer großer Mann ist der, der es recht weit in der Betrügerei gebracht und viel Geld hat. Die Hindus bleiben immer wie sind, weiter bringen sie es niemals ... Dahin gehören die Hindus, die Perser, die Chinesen, die Türken, überhaupt alle orientalischen Völker“ (ebd., S. 352 f., zit nach Eze, Fußnote 76)
„Die Race der weißen enthält alle Triebfedern und Talente in sich; daher werden wir sie etwas genauer betrachten müssen“ (ebd., S. 353, zit nach Eze, Fußnote 77)

[29Die Bestimmung des Erbanteils von“Intelligenz„zählt seit jeher zu den Hauptanliegen der Zwillingsforschung. 1988 liefern Lewontin et al. eine eingehende Kritik an Zwillingsstudien und weisen darauf hin, dass außer den“Studien„von Burt leidglich drei unveröffentlichte Untersuchungen zum IQ bei getrennt aufgewachsenen eineiigen Zwillingen existieren (vgl. 1988: 85ff). Bei diesen wurden hochkorrelierende Umwelten festgestellt, oft wuchs ein Kind bei der Mutter, das andere bei einer Tante auf. Die Kinder gingen in die gleiche Schule. Die Angaben über das Ausmaß der Trennung der Zwillinge wurde anhand von mündlichen Berichten derselben bestimmt, wobei allerdings Zwillinge Belegen zufolge dazu neigen, das Ausmaß ihrer Getrenntheit“romantisch zu übertreiben" (88). Weiters wurden Versuchsleitereffekte nicht ausreichend berücksichtigt.
Gittler führt Zwillingsstudien als die Methode zur Untersuchung der Umwelt- oder Erbbedingtheit von Merkmalen an. (vgl. Gittler (1998): Differentielle Psychologie. in: Institut für Psychologie der Universität Wien (Hg.) (1998): Psychologie als Wissenschaft. Skriptum zur Eingangsphase für das Studium der Psychologie, 2. Auflage, WUV, 69) Seine Bemerkungen zur Einzigartigkeit von Menschen lassen dabei eindeutig auf eine Favorisierung der Vererbung schließen, wenn er ebendiese Einzigartigkeit eineiigen Zwillingen abspricht und legen zudem einen soziobiologischen Hintergrund offen, wenn er im nächsten Atemzug soziales Handeln damit in Beziehung setzt: „Die Einzigartigkeit von Individuen ist (abgesehen von eineiigen Zwillingen mit identischem Genbestand) eine der Grundtatsachen des Lebens überhaupt. Jeder reagiert auf die ihm eigene Weise auf seine Umwelt und Mitmenschen.“ (Gittler 1998: 65)

[30Lewontin et al. (1988): Die Gene sind es nicht ... Biologie, Ideologie und menschliche Natur. München-Weinheim. Psychologie Verlags Union, 80

[31vgl. Cernovsky, Zack Z. (1997): Pseudowissenschaftliche“Rassenforschung„der Gegenwart. In: Paul Mecheril/Thomas Teo (Hg.) (1997): Psychologie und Rassismus. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt; 73; Auch im Skriptum zur Vorlesung Differentielle Psychologie finden sich Rezeptionen von Untersuchungen zum Zusammenhang von Kopfumfang und“Intelligenz". Hier werden Kopfgröße, Hirnvolumen und Intelligenz verglichen (Gittler/Arendasy 2000: 61) und eine Metaanalyse von 54 Untersuchungen aus den Jahren 1906 bis 1999 präsentiert. Wessen Untersuchungen dies sind, wird allerdings nicht erwähnt.

[32vgl. Lewontin et al. 1988: 66 und passim

[33Diese These vertritt Eysenck in The Inequality of Man und Jensen in Educability and Group Differences.

[34McCall, zit. nach Zimbardo,Philip G. (1995): Psychologie. Berlin: Springer, 538

[35Ulmann, Gisela (1989): Die Problematik der biologischen Fundierung menschlicher Intelligenz. in: Ahrens/Amelang (1989): Brennpunkte der Persönlichkeitsforschung, Bd. 2; 167

[36Ulmann 1989: 163

[37siehe hierzu: Terkessidis, Mark (1998): Psychologie des Rassismus. Opladen: Westdeutscher Verlag

[38siehe hierzu auch: Prilleltensky, Issac (1994): The Morals and Politics of Psychology. Psychological Discourse and the Status Quo. State University of New York Press

[39Markard, Morus (1997): Begabung, Motivation, Eignung, Leistung — politisch-operative Schlüsselbegriffe der aktuellen Hochschulregulierung: Eine Betrachtung aus kritisch-psychologischer Sicht. Beitrag zur Tagung „Ungleichheit als Projekt“, Marburg. http://www.kalaschnikow.revolte.net/archuiv/a10/a10markard.html

[40Fanon, Frantz (1980): Schwarze Haut, weiße Masken. Frankfurt/Main: Syndikat; 24

[41Prilleltensky 1994: 10

[42Dieses „Wir“ betrifft den Großteil, aber wohl nicht die Gesamtheit der LeserInnen dieses Texts. Somit produziert es Einschlüsse in eine und Ausschlüsse aus einer Gemeinschaft, die zu thematisieren mir notwendig erscheint, nicht um ihren Zusammenhalt zu stärken, sondern um ihre negativen Auswirkungen zu verringern.

[43siehe hierzu: Rommelspacher, Birgit (1995): Dominanzkultur. Texte zu Fremdheit und Macht. Berlin: Orlanda Frauenverlag

[44Wachendorfer, Ursula (1998): Soziale Konstruktionen von Weiß-Sein. Zum Selbstverständnis Weißer TherapeutInnen und BeraterInnen. in: María del Mar Castro Varela et al. (1998): Suchbewegungen. Interkulturelle Beratung und Therapie. Tübingen: dgvt; 53

[45Terkessidis 1998: passim

[46vgl. bell hooks (1996): Sehnsucht und Widerstand. Kultur, Ethnie, Geschlecht. Berlin: Orlanda, passim; Wachendorfer 1998: 50

[47Wachendorfer 1998: 51

[48hooks 1996: 65

[49vgl. hooks 1996: 83

[50Mark Terkessidis spricht vom „Ausschluss durch Einbeziehung“ als „dreifachem Prozeß“: „1. konkrete Objektivierung (Beschränkung der Freiheit, soziale und rechtliche Ungleichheit), 2. Zuweisung von abstrakter Freiheit (die Behauptung, jeder sei“frei„, seine“Natur„selbst zu machen) und 3. konkrete Subjektivierung-als-Abweichung (Naturalisierung des Unterschieds).“ (Terkessidis 1998: 257)

[51Dies zeigt etwa Birgit Rommelspacher anhand der Beziehung von nichtjüdischen zu jüdischen Frauen in Deutschland (Rommelspacher, Birgit (1995): Dominanzkultur; 91ff.; Rommelspacher, Birgit (1995): Schuldlos - Schuldig? Wie sich junge Frauen mit Antisemitismus auseinandersetzen. Hamburg)

[52Frankenberg, Ruth (1993): White Women, Race Matters. The Social Construction of Whiteness. New York/London: Routledge; 159

[53Dazu Mark Terkessidis: „Jedes Nein zu den Institutionen ist ein Nein in den Institutionen, ein unmögliches Nein zu einer alltäglichen Praxis, der eigenen Subjektivierung, den eigenen Wahrnehmungen und dem eigenen Wissen.“ (Terkessidis 1998: 262, mit Bezug auf Spivak, Gayatri Chakravorty (1993): Outside in the teaching machine.

[54„Westlich“ bezeichnet hier nicht einen geographischen Raum, sondern ein ideologisches Konstrukt. (vgl. hierzu: Hall, Stuart (1994): Der Westen und der Rest. Diskurs und Macht. In: ders.: Rassismus und kulturelle Identität. Ausgewählte Schriften 2. Hamburg: Argument)

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