FORVM, No. 66
Juni
1959

Paria und Parvenu

Rahel Varnhagen und die Assimilation der deutschen Juden

Dr. Hannah Arendts biographische Studie „Rahel Varnhagen“, zuerst in englischer Sprache publiziert, erscheint demnächst bei Piper & Co. (München) in der ursprünglichen deutschen Fassung. Die in New York lebende Autorin — „Entstehung des Totalitarismus“ (1952), „Die ungarische Revolution und der totalitäre Imperialismus“ (1958) — hat diese „Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin aus der Romantik“ bereits Anfang der Dreißigerjahre niedergeschrieben, kurz vor Hitlers Machtergreifung. Das mag einiges zur Prägnanz ihrer von harmlos-germanistischer Schönfärberei stark abweichenden Darstellung beigetragen haben, obwohl es im allgemeinen keiner besonderen Umstände bedarf, um Hannah Arendt zu unorthodoxen Auffassungen zu veranlassen. Sie war mit solchen auch schon im FORVM mehrfach vertreten, so in Heft 11/23 (über den Autoritätsbegriff) und in Heft V/58 (über das Rätesystem). Wir veröffentlichen nachstehend das Abschluß-Kapitel ihrer „Rahel Varnhagen“.

Hannah Arendt: Geb. 1906 Hannover, studiert Philosophie, Theologie, Griechisch bei Heidegger, Bultmann, Jaspers, bei dem sie 1928 promoviert. 1933 nach Paris, 1940/41 nach New York, wo sie seither lebt. 1963 Professor, University of Chicago. 1959 Lessing-Preis der Stadt Hamburg. 1961/62 Beobachterin beim Eichmann-Prozeß in Jerusalem. Bücher: „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ (1955, deutsch 1962), „Die ungarische Revolution und der totalitäre Imperialismus“ (1958), „Rahel Varnhagen — Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin aus der Romantik“ (1959), „Von der Menschlichkeit in finsteren Zeiten“ (1960), „Über die Revolution“ (1963, deutsch 1965), „Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen“ (1964), „Vita activa oder Vom tätigen Leben“ (1967) und „Macht und Gewalt“ (1970).

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