Heft 7/2002
Dezember
2002

Personenkomitee „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“

Nach 1945 schwiegen sie, mussten sie schweigen. Nun haben sich einige der wenigen noch lebenden Wehrmachtsdeserteure zu einem Personenkomitee zusammengeschlossen, um von der Republik späte Gerechtigkeit einzufordern: “Es ist untragbar: Während ehemalige Nationalsozialisten rasch in die Zweite Republik integriert wurden, hat Österreich gerade jenen eine Rehabilitierung versagt, die nicht bereit waren, für das Terrorregime des Nationalsozialismus zu kämpfen.”

Das Personenkomitee fordert

  • die Anerkennung der Opfer der NS-Militärjustiz als Verfolgte des Nationalsozialismus durch pauschale Aufhebung der entsprechenden Urteile durch den Nationalrat,
  • die Anerkennung von Haftzeiten in Konzentrationslagern und Gefängnissen zumindest als Ersatzzeiten für die Pensionsversicherung,
  • die Aufnahme der Opfer und ihrer Hinterbliebenen in das Versorgungs- und Entschädigungsrecht sowie
  • die Förderung der geschichtlichen und politischen Aufarbeitung der NS-Militärjustiz durch die Republik.

Auf Einladung des Personenkomitees fand am 31. Oktober am ehemaligen „Militärschießplatz Kagran“ im Wiener Donaupark eine Gedenkveranstaltung statt. An dieser Hinrichtungsstätte wurden allein zwischen 1940 und 1943 mehr als 1000 Soldaten, aber auch homosexuelle Polizisten wegen Hochverrat, Wehrkraftzersetzung und Desertion umgebracht. Ihre Geschichte wurde jetzt vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes erforscht, nachzulesen in einer demnächst erscheinenden Publikation. Übrigens: Die Autoren Herbert Exenberger und Heinz Riedel stießen auch auf den Bericht eines Soldaten, dessen Weigerung, an einem Erschießungskommando teilzunehmen, weitgehend folgenlos blieb.

Das Personenkomitee wird von zahlreichen Personen unterstützt, unter ihnen bekannte HistorikerInnen, SchriftstellerInnen, etc. Wer sich den Forderungen anschließen möchte, richtet eine eMail an pkdeserteure gmx.at.

ehem. „Militärschießplatz Kagran“
31.10.2002
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