MOZ, Nummer 56
Oktober
1990
Moldawien

Rumänen gegen Gagausen und Russen

In der — früheren — Sowjetrepublik Moldawien vollzieht sich im Kleinen, was ganz Osteuropa droht: die totale politische Zersplitterung.

In der moldawischen Hauptstadt Kischinew/Chisinau ist die Präsidialherrschaft eingeführt worden. Damit hat der gegenüber Moskau separatistisch agierende Oberste Sowjet der kleinen, nordöstlich von Rumänien gelegenen Republik seine Macht in die Hände des Präsidenten gelegt. Dieser soll, so die Erwartungshaltung der Parlamentarier, möglichst rasch eine rumänische Republik Moldava ausrufen und hart gegen die im Lande ansässigen Russen sowie die Minderheit der Gagausen durchgreifen. Ende August 1990 haben die etwa 200.000 Gagausen eine eigene Republik proklamiert und sich damit von den rumänischstämmigen Moldawiern losgesagt. Die Gagausen, ein bulgarisch-tartarisches Volk, leben an der Donaumündung und wollen mit diesem Schritt verhindern, daß sie später in einer Republik leben, in der die politische Macht von nationalistisch gesinnten Rumänen ausgeht.

Ähnliche Motive liegen einer zweiten Republiksgründung zugrunde, die sich ebenfalls auf dem moldawischen Territorium ereignet hat. Rund um das Dnjestr-Gebiet haben am 2. September den russischen Interfronten nahestehende politische Kräfte die Sozialistische Dnjestr-Sowjetrepublik ausgerufen.

Die moldawische Volksfront hat die Gründungsversuche von Gagausen- und Dnjestr-Republik scharf verurteilt und über ihre parlamentarische Mehrheit die Verfassung außer Kraft gesetzt. Die Konflikte zwischen der rumänischen Mehrheitsbevölkerung und der russischen, fast 40%igen Minderheit sowie den an der Donaumündung siedelnden Gagausen drohen, eine militärische Dimension anzunehmen.

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