FORVM, No. 124
April
1964

Shakespeare ohne Götzendienst

Professor G. W. Ireland gehört zur jungen Generation der englischen Literaturhistoriker, war eine Zeitlang als Gastprofessor in Bonn tätig und lehrt derzeit Französische Literatur an der University of Leeds (England). Daß er mit seiner scharfen, für unsere Begriffe fast schon schockierenden Kritik an Shakespeare nicht allein steht, wird man aus dem von ihm beigebrachten Zitatenmaterial ersehen. Und daß solche Kritik gerade in Shakespeares Mutterland keineswegs schockierend wirkt, scheint uns nicht nur mit Bezug auf das Phänomen Shakespeare interessant, sondern es scheint uns vor allem aufschlußreich für das geistige Klima, in dem die angelsächsische Literaturkritik gedeiht.

Überflüssig zu sagen, daß wir die Meinung unsres geschätzten Beiträgers in ungefähr keinem einzigen Punkte teilen; daß er sie uns weder durch Tolstoi noch gar durch Bernard Shaw schmackhafter machen kann (über Ben Jonson ließe sich reden); daß wir Shakespeare, wenn’s darauf ankäme, sogar besser zu verteidigen wüßten als der von Prof. Ireland zu diesem Zweck herangezogene George Orwell; und daß auch die wenigen guten Haare, die er zum Schluß an Shakespeare läßt, nicht unbedingt mit jenen identisch sind, die wir zu streicheln lieben ... Im übrigen haben wir gegen Provokationen, sofern sie mit kompetenten Mitteln vorgebracht werden, noch nie etwas einzuwenden gehabt, sondern im Gegenteil; denn sie regen zum Nachdenken an. Und Kompetenz werden unsere Leser dem Autor dieses Beitrags so wenig abstreiten können, wie wir sie ihm abstreiten konnten. Sonst hätten wir ihn nicht gebeten, uns zum 400. Geburtstag Shakespeares einen Aufsatz zu schreiben.

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