MOZ, Nummer 57
November
1990
Noch von „drüben“

Sondeur

Monatsboulevard für Kultur und Politik

Wer jetzt nicht kurz und ganzdeutsch sagt: all janz für Deutschland. Alle voll für Deutschland. Heilige Allianzmutter Gottes, Dein Reichtum komme. Wer jetzt nicht für die sozialökologieschhumanmarktstraßenplätzewirtschaftswahrendnetzsicherfreiheitlichfreiheitlichfreiheitlichdemologischgrundordnendmenschenwürdigwertig — na ja. Der.

(aus: Nr. 1/ 1990)

In schon sechster Ausgabe liegt der „SONDEUR“ vor. Eine seltsamseltene Monatszeitschrift der — wenn man so will — ganz neuen Art. Denn: „sondieren“ bedeutet „vorsichtig erkunden, ausforschen, vorfühlen“; und „Boulevard“ „breite (Ring)Straße ... billige, in großen Auflagen erscheinende, sensationell aufgemachte Zeitung“. Wie soll das zusammenpassen? Eine vorsichtig erforschende Sensationspresse? Nun, pressen lassen sie sich nicht in eine Schublade, die RedakteurInnen — und so lassen sich auch scheinbare Antagonismen in einer neuen Form vereinbaren. Der Tantalusverlag hatte 1987 begonnen, Hintersinniges und Sinnliches im sogenannten Untergrund in einer Auflage von 21-60 Stück in Form einer Zeitschrift namens „Bizarre Städte“ zu publizieren. Die 11 Bände vereinten künstlerische Werke mit intellektuell-kritischer Textproduktion. Auf Grundlage der solcherart entstehenden Kommunikationsbasis von KünstlerInnen, AutorInnen und der Redaktion entstand im März 1990 der „SONDEUR“. Eine kleine handliche, in Heftgröße gebundene Zeitschrift für unterwegs in der Manteltasche. Ein Boulevardblatt (es werden auch Börsen- und Versicherungstips gegeben), aber von bekannten AutorInnen. Lyrik verbindet sich mit Politik, Kultur mit Pornographie(debatten). Konstante Beitrage sind „Reiseberichte“ von Städten und Orten in der DDR. Regelmäßig werden Interviews von und mit Künstlerinnen veröffentlicht. Lapidares steht neben Sublim-Subtilem, Banalitäten neben literarischer Politkritik, Kulturobsessionen neben Alltagsgeschichten. Wenn der Ton die Musik macht, dann hier der Stil die Texte und damit deren Qualität. Außerdem entwickelt sich der „SONDEUR“ zunehmend zu einem Forum, auf welchem sich Ost- und WestautorInnen ein Stelldichein geben, was für die LeserInnen einen erweckenden Einblick in die Differenzen der Ein- und Ausdrücke „beider Seiten“ bringt. Der thematische Querschnitt verläuft von „Was ist das Linke am Sozialismus“ über „Ärzte zum Schwangerschaftsabbruch 1990“ über „Haus-Abriß im Leipziger Osten“ bis hin zum „Plädoyer für scharfe Schamlippen“.

InteressentInnen können ein Pro­beexemplar bestellen bei: Tantalus Verlag / Redaktion SONDEUR, Oberwasserstr. 12. 1080 Berlin (Tel. 20 71 890).

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