FORVM, No. 235/236
Juli
1973

Stockhausen: progressive Innerlichkeit

Der Vormarsch der Reaktion in Westdeutschlands Rundfunkanstalten (und nicht nur in Westdeutschland ...) macht auch vor einem angeblich so „unpolitischen“ Gebiet wie der Musik nicht halt. Die Konzentration in den Massenmedien (hier die Interessensgemeinschaft zwischen den verschiedenen Musikabteilungen und der Schallplattenindustrie) verhindert immer offener die Äußerung einer politisch abweichenden Meinung. Ein Beispiel dafür ist der folgende Text, Auszug aus einem für den Westdeutschen Rundfunk geschriebenen Lehrstück. „Neue Musik: Warum? Für wen? Wie?“. In diesem Lehrstück wird die zunehmend reaktionäre politische Funktion der neuen Musik am Beispiel von drei prominenten Vertretern der BRD-Avantgarde (Karlheinz Stockhausen, Mauricio Kagel, Dieter Schnebel) analysiert. Zwar wurde das Stück zunächst vom WDR angenommen und sogar produziert, schließlich aber durch das Eingreifen des Leiters der Musikabteilung, Karl O. Koch, aus dem Programm genommen, obwohl sich sogar einer der in der Sendung angegriffenen Komponisten, Dieter Schnebel, gegen eine solche Vorgangsweise aussprach. Die fadenscheinige Begründung für die Absetzung war die „fehlende Gesamtqualität“ der bereits fertig produzierten Sendung, die keiner der zuständigen Redakteure bis dahin bemerkt hatte.

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