FŒHN, Heft 10/11
Januar
1988

Stromkolonie Österreich

Was Du hier; liebe Leserin, lieber Leser; über die Sache mit dem Strom liest, hast Du noch nirgendwo über die Sache mit dem Strom lesen können. Du wirst daher; jahrzehntelang den Presseaussendungen und Werbeeinschaltungen der Elektrizitätswirtschaft ausgesetzt, glauben, manches in dieser Geschichte nicht glauben zu können, und Du wirst da und dort versucht sein, anstatt der unerhörten Wahrheit die Deinem Ohr viel vertrauter klingende Lüge für wahr zu halten. Laß Dich nicht schrecken! Nimm nicht gleich Reißaus vor der Wirklichkeit!

Tatsachen sind etwas Hartnäckiges. Wir müssen von diesen ausgehen und nicht davon, was wir uns wünschen. Aber die Wahrheit hats schwer: Sie gibts nicht nur ein bisschen. Ihr geht keine P.R.-Agentur zur Hand. Die Lüge dagegen kann sich die Worte nach ihrer Schönheit aussuchen.

Demokratie würde bedeuten, dass die uns alle betreffenden Informationen uns allen zugänglich wären. Allgemein zugängliche Information würde bedeuten, dass dieses System der Herrschaft einer winzigen Minderheit über die große Masse der Mehrheit nicht zu halten wäre. Die Wirklichkeit, in die uns die Stromherren und ihre Politiker hineingeritten haben, ist eine schreckliche. Schrecklicher wäre nur noch, sie nicht zur Kenntnis zu nehmen.

Liebe Leserin, lieber Leser! Gib acht, dass Du beim Lesen von dieser Geschichte nicht ganz und gar aufgefressen wirst. Lies sie nicht wie eine Kriminalgeschichte. Bleib’ heraußen! Denk’ das Dir von den Medien in den Kopf Gesetzte mit. Setze aus. Lies was Früherstehendes noch einmal. Lies die Wirtschaftsseite Deiner Tageszeitung dagegen.

Lass Dich nicht erdrücken von der Geschichte. Lies, wenn Dich etwas aus der Bahn gehaut hat, woanders weiter. Du kannst vorne anfangen zu lesen oder hinten oder irgendwo dazwischen. Der Täter versteckt sich nicht in einem unscheinbaren Nebensatz, sondern tritt Dir auf jeder Seite unverkennbar entgegen.

Es wird nicht die E-Wirtschaft, und es soll nicht der Text, sondern der Leser sein, der aus dieser Lektüre als Gewinner hervorgeht.

Bilder

Zeichnung: Robert Wachter & Co.

Am 22. September 1940 wurden in Kirchbichl zwei beim Kraftwerksbau eingesetzte polnische Zwangsarbeiter; Jan Kosnik (35) und Stefan Widle (36), wegen verbotenen Umgangs mit „deutschen Frauen“ öffentlich gehängt. Die Exekution mussten polnische Arbeitskollegen durchführen.

Heimisch an unseren Stauseen:

Rheinisch- Westfälische Elektrizitätswerke, Bayernwerk, Energieversorgung Schwaben

Zeichnung: Robert Wachter & Co.