FŒHN, Heft 22
 
1996

Wir Haiderwähler und wir Nichthaiderwähler

Das Schlimme ist nicht, daß viele Leute Haider wählen. Das Schlimme sind die Zustände, die die Leute so zurichten, daß viele ihren Ausweg im Haiderwählen sehen. Ich verstehe sie, und ich finde nichts Verwerfliches an ihnen, so verwerflich ich J. Haider finde.

Unter sogenannten Haider-Gegnern greift indes reinster politischer Rassismus um sich: „Sicher mehr als 50% der Österreicher sind zumindest verkappte Nazis.“ „Österreich bringt geradezu genetisch Nazis hervor.“ (G. Roth in News, 17.8.95)
Der Haiderboom bietet nun den Zeitgeisthuren die scheinbar elegante Möglichkeit, ihrer lange verhohlenen, tiefen Verachtung der Masse freien Lauf zu lassen, die kleingemachten Leute hemmungslos zu verleumden. Zu fragen wäre jedoch: Was macht die Haiderwähler zu Haiderwählern? Selbst wenn man mit den Schmocks antworten würde, ihre Rohheit und ihre Torheit, wäre damit nicht die Lösung auf dem Tisch, sondern erst das Problem. Es geht nicht darum, was die Leute, die Haider wählen, eventuell anrichten können, sondern darum, was an den Leuten, die Haider wählen, angerichtet worden ist. Die Erde ist keine Scheibe. Am Rande des Blickfeldes geht sie weiter. Hinter dem sichtbaren Geschehen steht ein anderes Geschehen.

Es herrscht heillose Verwirrung im Land. Selbstverständlich sind nicht die unausgesetzt durch die Gazetten promenierenden Haider-Gegner als Haider-Opfer zu sehen (A. Pelinka im News vom 12.10.95: „Haider in der Regierung würde bei mir persönlich eine deutliche Verschlechterung der Lebensqualität bedeuten’), nicht der Politiker, den Haider einen“armseligen Kerzenleuchter„nennt, ist ein Haider-Opfer und nicht der Schlagersänger, den er als“linken Nachtschwärmer" bezeichnet. Als Haider-Opfer sind vielmehr jene zu sehen, die ihre Hoffnungen auf ein besseres Leben heute in ihn setzen. Sie haben aber auch das Zeug, morgen die Haider-Gegner zu sein. Darum geht es im Folgenden. Grüß Gott!

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