FORVM, No. 166
Oktober
1967

WIR

Manifest über die Entwaffnung der theatralischen Kinematographie

Dsiga Wertow (1896-1954) gehört zu den bedeutendsten sowjetischen Filmregisseuren neben Eisenstein, Dowschenko, Pudowkin. Seine Filmtheorien sind bis heute von unverminderter Aktualität. Sein Hauptanliegen war der „Nichtspielfilm“, der Film ohne erfundene Handlung. Seine Montagetechnik wird heute z. B. von den Regisseuren des „New American Cinema“ studiert und weitergeführt. Die Begriffe „Uncontrolled Cinema“ und „Cinéma vérité“ waren bereits 1918 Bestandteile seines Filmschaffens (kinoprawda). Zeit seines Lebens wurde er vom Parteiapparat mißverstanden und unterschätzt. Seine Filme fanden weder in der Sowjetunion noch im Ausland angemessene Verbreitung, obwohl sich zum Beispiel Charles S. Chaplin begeistert über seine Arbeit geäußert hatte. Seit den Dreißigerjahren wurde ihm die Weiterentwicklung seiner Ideen verwehrt. In den letzten zehn Jahren seines Lebens ließ man ihn nur noch einige Wochenschauen redigieren, die noch dazu gegen die Prinzipien verstießen, die er schon zu Beginn seiner Tätigkeit für die Wochenschau verbindlich gemacht hatte.

Im November zeigt das Österreichische Filmmuseum in Wien Wertows Hauptwerke, darunter „Kinoglas“ (1924), „Schagaj, Sowjet!“ (1926), „Schestaja tschastj mira“ (1926), „Tschelowjek s kinoapparatom“ (1929), „Simfonija Donbassa“ (1930), „Tri pesni o Lenine“ (1934) erstmals in einer zusammenfassenden Retrospektive. Aus diesem Anlaß gibt das Filmmuseum die erste deutschsprachige Publikation mit genauem Werkkatalog und Tagebuchaufzeichnungen Wertows heraus.

1919 hatte Wertow die Dokumentaristengruppe „Kinoki“ begründet. Aus dem Manifest, das er zu diesem Anlaß schrieb, ging die Variante „WIR“ hervor, die in der Zeitschrift „Kinofot“ (Moskau) 1922, Nr. 1 erschienen ist. Die Texte übersetzte aus dem russischen Original Reinhard Urbach.

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