Café Critique, Jahr 2007
Mai
2007

Wohin steuern Österreich und die OMV?

Am 21. April 2007 unterzeichneten die Vertreter der Österreichische Mineralölverwaltung OMV und des iranischen Regimes drei Absichtserklärungen über das größte Erdgas-Geschäft, dass je ein europäisches Unternehmen mit dem Iran abschlossen hat: Der Energiekonzern will sich erstens mit einem Anteil von 20 Prozent an der Erschließung eines Erdgasfeldes beteiligen. Er will zweitens mit 10 Prozent in eine iranische Großanlage für die Produktion von Flüssiggas einsteigen und dieses Produkt en masse (2,2 Mio. to/a) nach Europa verschiffen. Er will drittens dem Mullah-Regime die Teilnahme an dem Pipeline-Projekt Nabucco ermöglichen und hierüber riesige Erdgasmengen (5 Mrd. m³/a) nach Österreich pumpen. Das Geschäftsvolumen liegt bei 30 Mrd. Dollar oder 22 Mrd. Euro.

Es ist verständlich, dass die Regierung Ahmadinejad diese Absichtserklärungen feiert, publizistisch ausschlachtet und die Österreicher über alle Maßen lobt. Es ist gespenstisch, dass alle im Wiener Parlament vertretenen Parteien das Irangeschäft geradezu reflexhaft unterstützen und gegen Kritik von außen in Schutz nehmen. Und es ist zynisch, wenn die österreichische Außenministerin behauptet, es handele sich „lediglich um einen Geschäftsvorgang“, der, da es sich um Erdgas handelt, mit dem iranischen Atomprogamm nichts zu tun habe.

Die Wiener politische Konsens ist das eigentliche Problem: Eine Große Koalition in Österreich ist offenkundig entschlossen, das iranische Regime für die demonstrative Missachtung der Sicherheitsratsbeschlüsse zu belohnen.

Viele Energiekonzerne würden die iranischen Erdgasfelder lieber heute als morgen ausbeuten. Dennoch haben Sie ihr Profitinteresse der internationalen politischen Räson untergeordnet. Diese Räson besagt, dass das Mullahregime nicht hofiert werden darf, sondern isoliert werden muss, solange es sein illegales, bombenrelevantes Atomprogramm nicht stoppt.

Im Dezember 2006 verhängte der UN-Sicherheitsrat Sanktionen gegen den Iran. Dies war nur der erste Schritt. Falls das Regime nicht einlenke, heißt es in Resolution 1737, sollten „weitere geeignete Maßnahmen nach Artikel 41, Chapter VII der UN-Charta angewendet werden“. Artikel 41 sieht die „vollständige oder teilweise Unterbrechung der Wirtschaftsbeziehungen“ vor.

Schon heute wird der wirtschaftliche Druck auch außerhalb des UN-Sicherheitsrats wirkungsvoll verschärft: Mehr als 40 große internationale Banken und Finanzinstitute haben ihre Geschäftsbeziehungen zum Iran entweder abgebrochen oder zurückgefahren. [1]

Firmen wie die BP oder die Allianz sind aus dem Irangeschäft ausgestiegen. Energieriesen wie Shell, Total, Repsol oder E.ON halten sich mit Neuverträgen zurück. Seit Ahmadinejads Amtsantritt im Sommer 2005 hat keine einzige ausländische Firma einen Eröl- oder Erdgasvertrag mit dem Iran abgeschlossen. [2]

Jetzt scheren die OMV und der Staat Österreich, der 30 Prozent der OMV-Anteile hält, aus diesem internationalen Konsens aus. Anstatt den Gegenwind, dem sich das Regime ausgesetzt sieht, zu verstärken, springt Wien in die Bresche. Anstatt ihre Zustimmung zu den OMV-Projekten von einer Änderung der iranischen Atompolitik abhängig zu machen, will sich Österreichs Große Koalition als erste westliche Regierung mit der iranischen Bombe abfinden.

Was nach Auskunft von Frau Plassnik ein „Geschäftsvorgang“ sein soll, ist außenpolitisches Signal. Andere europäische Energiekonzerne stehen bereits in den Startlöchern. Sie werden dabei von Politikern und Politikberatern unterstützt, die für ein strategisches, gegen die USA gerichtetes Bündnis zwischen Europa und dem Islamismus eintreten. So machte einer der wichtigsten Berater des deutschen Außenministers, Volker Perthes, schon im Januar 2006 den Vorschlag, über die Nabucco-Pipeline ein strategisches Bündnis zwischen den Mullahs und der EU zu schmieden.

Dieser Standpunkt wird von Vertretern der EU-Kommission geteilt. So hat Energiekommissar Andris Piebalgs die iranischen OMV-Projekte ausdrücklich unterstützt. Eine undurchsichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang die European Investment Bank. Im Februar 2006, als die Tiraden des iranischen Präsidenten ihren Höhepunkt erreichten, fällte die Europäische Investitionsbank heimlich den Beschluss, sich mit 1 Mrd. US-Dollar sich am Bau dieser Pipeline beteiligen. Das Europa-Parlament wurde in dieser Frage nicht konsultiert. Ein öffentliche Diskussion über Nabucco fand nirgendwo statt. Nun ist die Europäische Investitionsbank jedoch ein Organ der EU. Ihre Kapitaleigner sind die Mitgliedsstaaten der EU. Sie ist als Finanzierungsinstrument der EU deren politischen Zielen laut EG-Vertrag verpflichtet. Gehört die ökonomische Polsterung eines Regimes, das junge Mädchen und Männer aufgrund ihrer sexuellen Beziehungen öffentlich hinzurichten pflegt, zu den politischen Zielen der EG?

Dieser Hintergrund macht deutlich, dass Absichtserklärungen der OMV einen Dominoeffekt auslösen können. Bis heute ist beispielsweise ein Erdgas-Deal, den die deutsche E.ON mit dem Iran vereinbarte, blockiert, weil die Bundesregierung keine Zustimmung erteilte. Wird es nach dem Vorpreschen Österreichs noch dabei bleiben? Und würde dann die iranische Bombe noch zu stoppen sein?

Österreich, Deutschland und die EU tun so, als sei es zweitrangig, ob Iran Atomwaffen hat oder nicht. Österreichs gegenwärtige Iranpolitik basiert auf der Illusion, die Situation in Europe würde auch mit einem nuklear bewaffneten Iran noch dieselbe sein. Fataler aber kann ein Fehlschluss nicht sein: Wenn Europa akzeptiert, dass die Mullah-Diktatur Atomwaffen erhält, wird nicht nur für Israel, sondern auch für Europa ein Alptraum Wirklichkeit.

So würde sich, wenn der Iran Atomwaffen entwickelt, der gesamte Nahe und Mittlere Osten nuklearisieren – sei es, weil das iranische Regime die Atomtechnik – wie bereits versprochen – an islamistischen Freunde freigiebig weitergibt, sei es weil arabische Regimes mit eigenen Atomwaffen nachziehen. Die spezifische Gefahr der iranischen Bombe aber erwächst aus dem einzigartigen ideologischen Gebräu, in dessen Kontext sie entsteht: jene Mischung aus Todessehnsucht und Waffenuran, aus Holocaust-Leugnung und High-Tec, aus Welteroberungsphantasie und Raketenforschung, aus schiitischem Messianismus und Plutonium. Es gibt auch andere Diktaturen in dieser Welt. Doch im Iran geht das Phantasma des Antisemitismus und der religiösen Auserwähltheit mit einem technologischen Größenwahn und einer Physik der Massenvernichtung einher. Wir haben es erstmals wieder mit einer Gefahr zu tun, wie sie vor 70 Jahren schon einmal am Horizont erschien: Der Gefahr einer Art von „Adolf Hitler“ mit Atomwaffen.

Glaubt hier tatsächlich jemand, dadurch würde Europa kaum berührt? „Wir müssen die Rhetorik des iranischen Präsidenten ... ernst nehmen“, hat die deutsche Bundeskanzlerin unlängst gefordert. Zu recht! Ahmadinejad malt sich genüsslich das Ende aller liberalen Demokratien aus: „Die Einsichtigen nehmen bereits wahr, wie die liberale Demokratie in sich zusammenfällt“, schrieb er in seinem Brief an US-Präsident Bush, und gibt damit wieder, was die gesamte theokratische Elite denkt. Er sieht sich und sein Land inmitten eines „historischen Krieges, der seit Hunderten von Jahren andauert“ und erklärt: „Wir müssen uns die Niedrigkeit unseres Feindes bewusst machen, damit sich unserer heiliger Hass wie eine Welle immer weiter ausbreitet.“ Um diesen Krieg zu gewinnen, wird die nuklear bestückbare Mittelstreckenrakete Shahab 5 gebaut, die fast jeden Punkt Europas erreichen kann. Um diesen Krieg zu gewinnen, werden Tausende und Abertausende Selbstmordattentäter rekrutiert und Zellen der Hisbollah an den verschiedensten Orten Europas installiert – Zellen, deren Mitglieder dem iranischen Geheimdienst unterstellt sind.Die Situation Europas wird mit einem nuklear ausgerüsteten Iran nicht mehr dieselbe wie heute sein. Ob sich der Iran dann tatsächlich zu einer Atomwaffenmacht erklärt, ist zweitrangig. So wie der Mordaufruf gegen den britischen Schriftsteller Salman Rushdie ausreichte, um Tausende in Schrecken zu versetzen, so wird schon die nukleare Option ausreichen, um jedweden Frieden im Nahen Osten zu torpedieren und Europa im Schach zu halten.

Emsig steuert Teheran auf die Bombe zu: Die Zeit rennt uns davon. Hier und heute wird die sicherheitspolitische Weiche für das 21. Jahrhundert gestellt. Noch kann die iranische Bombe verhindert werden. Europa hat den Schlüssel dazu in der Hand. Iran ist auf Europa angewiesen. Das Land bezieht 40 Prozent all seiner Einfuhren aus der EU, die 25 Prozent seiner Ausfuhren erhält. Teheran ist besonders bei der Erschließung seiner Erdgasfelder Konzerne wie die OMV angewiesen. Ein Investitionsstopp in diesem Sektor wirkt sich auf die gesamte iranische Wirtschaft negativ aus. [3] Er konfrontiert die Regime mit den Folgen seiner Nuklearpolitik.

Demgegenüber ist Europa auf das Mullah-Regime noch nicht angewiesen. Im Jahre 2005 kam nicht einmal 1 Prozent aller europäischen Einfuhren aus dem Iran. Der Anteil des Iran an allen europäischen Exporten lag bei 1,2 Prozent. Auf diese Exporte können europäische Firmen verzichten. Das gilt besonders für die OMV, die ihren Umsatz im letzten Jahr um 22 Prozent steigerte und ihren Reingewinn um 11 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro erhöhte. [4] Die Absichtserklärung der OMV, ihr Kotau vor dem iranischen Regime, ist keiner Notwendigkeit, sondern einer freien Entscheidung entsprungen.

Als stiller Teilhaber des Terrors hat die OMV ein Imageproblem. So triumphal das Mullah-Regime auf die Unterzeichnung der Abkommen reagierte, so einsilbig blieb deren Geschäftspartner in Wien. Die Firma scheint zu ahnen, dass der Irandeal mit dem Leitwort des firmeneigenen Corporate Mission Statement (CMS): „Wir unterstützen und achten den Schutz der international verkündeten Menschenrechte“ nicht in Deckung gebracht werden kann. Flugs ließ sie ihre Homepage um das Zusatzkapitel „Wie passt CMS mit dem Iran Engagement zusammen?“ ergänzen. Hier werden all die ausgedroschenen Phrasen gemäß der neuesten Geschäftslage korrigiert: „ Corporate Social Responsibility hat unserem Verständnis nach mit der Politik in einzelnen Ländern oder auf der großen Weltbühne nichts zu tun.“ Ob diese Klarstellung verhindern kann, dass immer mehr Menschen das „MV“ im Firmennamen mit „Massenvernichtung“ assoziieren?

Nach wie vor haben die OMV, Österreich und Europa eine Wahl. Wird die OMV ihre Absichtserklärung realisieren oder werden Österreich und Europa Kante zeigen? Wird Wien hinnehmen, dass die Mullah-Diktatur ihren heiligen Krieg vor den Toren Europas mit Atomwaffen eskaliert? Oder ist auch Österreich gewillt, den ökonomischen Preis für den Iran derart hoch zu schrauben, dass dieses Regime – vor dem Hintergrund einer zunehmend unzufriedenen Bevölkerung – seinen Kurs nicht beibehalten kann?

Wenn in den Nachfolgestaaten des Dritten Reichs der Respekt vor den Überlebenden des Holocaust noch etwas zählt, sollte in Deutschland wie in Österreich alle Firmen und Finanzinstitute an den Pranger gestellt werden, die ihre Geschäfte mit dem Regime machen, dass als einziges Land der Welt die Holocaust-Leugnung zu einem Bestandteil seiner Außenpolitik macht und ein Mitgliedsland der Vereinten Nationen auslöschen will.

Wenn die Zivilgesellschaften in Österreich und Deutschland ihrem Anspruch, die Lehren der Geschichte begriffen haben, gerecht werden wollen, sollten sie ihre Regierungen unter Druck gesetzt werden, bis sie tun, was getan werden muss, um die iranischen Bombe zu verhindern.

Wenn Europas den Iran nicht unverzüglich und massiv unter Druck setzt und vor die Alternative stellt, entweder seinen Kurs zu ändern oder aber verheerende ökonomische Schäden zu erleiden, bleibt nur die Wahl zwischen einer schlechten Lösung – die militärische Option – oder einer schrecklichen, der iranischen Bombe.

Wer das iranische Atomprogramm mit nicht-militärischen Mitteln aufhalten will, muss dafür sorgen, das aus den Projekten des 21. April nichts wird.

[1Robin Wright, Iran Feels Pinch As Major Banks Curtail Business, in: Washington Post, March 26, 2007.

[2Jad Mouawad, An excess of problems for Iranian energy, in: International Herald Tribune, February 12, 2007.

[3Wie resistent ist Irans Wirtschaft gegen Sanktionen?, in: Neue Züricher Zeitung, 1. März 2007.

[4OMV schaut sich in Osteuropa um, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. 3. 2007 sowie: OMV Reports 2006 Results auf www.oilvoice.com

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OMV Aktiengesellschaft

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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN AT0000743059
Gründung 1956
Sitz Wien, OsterreichÖsterreich Österreich
Leitung Rainer Seele (Vorstandsvorsitzender)
Mitarbeiterzahl 20.721[1]
Umsatz 20,22 Mrd. Euro (2017)[1]
Branche Förderung, Verarbeitung und Vertrieb von Erdöl und Erdgas
Website www.omv.com
Stand: 31. Dezember 2017

Die OMV-Hauptverwaltung in 1020 Wien im Hochhaus „Hoch Zwei

Die OMV (früher Österreichische Mineralölverwaltung, ÖMV) mit ihrer Zentrale in Wien ist ein internationales, integriertes Öl- und Gasunternehmen mit Aktivitäten im Upstream- und Downstream-Bereich.[2]

Mit einem Konzernumsatz von über 20 Mrd. Euro und einem Mitarbeiterstand von rund 20.721 im Jahr 2017 ist die OMV Aktiengesellschaft eines der größten, an der Wiener Börse notierten, Industrieunternehmen in Österreich.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der OMV beginnt am 3. Juli 1956, als der damalige Firmenwortlaut „Österreichische Mineralölverwaltung Aktiengesellschaft“ offiziell ins Handelsregister eingetragen wurde.[3] Aus der von der sowjetischen Besatzungsmacht kontrollierten „Sowjetischen Mineralölverwaltung“ (SMV) entstand damit die „Österreichische Mineralölverwaltung Aktiengesellschaft“.

Im Jahr 1960 wurde die Raffinerie Schwechat südöstlich von Wien in Betrieb genommen, 1968 wurde der erste Erdgasliefervertrag mit der damaligen UdSSR abgeschlossen. Im Rahmen des ersten Börsengangs eines staatlichen Unternehmens in Österreich – das hatte etwas mit der damals sehr klammen Finanzlage des Staates zu tun – wurden Ende 1987 15 % der ÖMV privatisiert. Die ÖMV stieg 1989 mit 25 % beim dänischen Kunststoffkonzern Borealis ein. Die erste ÖMV-Tankstelle nahm am 26. Juni 1990 ihren Betrieb in Wien-Auhof auf. Im selben Jahr übernahm die „ÖMV“ die Chemie Linz (Holding) Gruppe.

Ende 1994 stieg die International Petroleum Investment Company (IPIC) aus Abu Dhabi mit vorerst 19,6 % beim Konzern ein. 1995 wurde der Konzernname von „ÖMV“ in „OMV“ geändert, da der Umlaut „Ö“ in vielen Sprachen unüblich ist. Auch in Osteuropa wuchs die OMV: 2000 erwarb das Unternehmen rund 10 % am ungarischen Mineralölkonzern MOL, 2003 akquirierte die OMV auch die Upstream-Sparte der deutschen Preussag Energie und baute das Tankstellennetz weiter aus.

Zum Marktführer in Mittel- und Osteuropa wurde die OMV 2004 durch den Erwerb von 51 % des rumänischen Öl- und Gaskonzerns Petrom. Im gleichen Jahr erhöhte die OMV das Grundkapital, womit erstmals mehr als 50 % der Aktien im Streubesitz waren. Nach dem Verkauf von 50 % der Tochtergesellschaft Agrolinz Melamine International GmbH an die IPIC im Jahre 2005 wurde gemeinsam mit IPIC die Borealis-Gruppe zur Gänze übernommen. Im folgenden Jahr beteiligte sich die OMV mit 34 % am türkischen Erdölkonzern Petrol Ofisi.

Im Mai 2006 kündigten die Vorstände der OMV und der Verbund AG (Elektrizität) an, dass eine Fusion angestrebt werde. Es wurde spekuliert, dass diese Idee eher politisch als wirtschaftlich motiviert wäre. Zuerst schien eine Fusion politisch möglich, letztlich scheiterte sie aber am Widerstand der Landeshauptleute.

2007 erhöhte die OMV die Anteile am ungarischen Mineralölkonzern MOL vorerst auf 20,2 %; nachdem ein Übernahmeangebot im August 2008 von der MOL abgelehnt worden war und die EU-Kommission scharfe Auflagen für eine Genehmigung gemacht hatte, verkaufte die OMV ihre gesamten Anteile im März 2009.

Ende 2010 übernahm die OMV den Anteil der Dogan-Holding an der Petrol Ofisi und erhöhte ihren Anteil somit auf 95,75 %.

2012 konnte mit der Domino-1-Bohrung im Neptun-Block vor der rumänischen Schwarzmeerküste der bedeutendste Fund des Jahres gemacht werden, der sich als bisher wichtigster Gasfund der OMV herausgestellt hat.[4]

Am 31. Oktober 2013 schloss die OMV Verhandlungen über eine Beteiligung an den Öl- und Gasfeldern der norwegischen Statoil in Norwegen und Großbritannien (westlich der Shetlandinseln) erfolgreich ab. Mit 2,65 Mrd. US-Dollar stellte dies die größte Akquisition in der Unternehmensgeschichte dar.[5]

Im Dezember 2013 wurde eine Vereinbarung zum Verkauf des 45 %-Anteils an der deutschen Raffinerie Bayernoil an die Varo Energy unterzeichnet, der Verkauf wurde im Juni 2014 abgeschlossen.[6]

2015 erhöhte die OMV ihre Beteiligung an der Petrol Ofisi auf 100 %. Im Jahr 2017 hat sie das Unternehmen an die Vitol Gruppe verkauft.[7]

Die OMV ist auch am Aufbau der Nord Stream 2 – einer 1200 km langen Gas-Pipeline tätig, die nach Fertigstellung 2020 kostengünstiges Erdgas aus Russland nach Europa transportieren wird.[8]

September 2018 gelang es der OMV als einziges österreichisches Unternehmen in den Dow Jones Sustainability Index aufgenommen zu werden.[9]

Vorstandsvorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Vorstandsmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufsichtsratsvorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmensdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktionärsstruktur per 31. März 2018[14][15]

31,5 % Österreichische Beteiligungs AG
24,9 % IPIC
1,07 % Staatlicher Pensionsfonds (Norwegen)
0,2 % Eigene Aktien
0,3 % Mitarbeiteraktienprogramm
42,03 % Streubesitz

Geschäftsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Upstream[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

OMV Upstream Portfolio 2017

Im Geschäftsbereich Upstream konzentriert sich OMV auf die Exploration, Entwicklung und Produktion von Öl und Gas in vier Kernregionen: In 1) Mittel- und Osteuropa, 2) der Nordsee, 3) im Mittleren Osten und Afrika und (4) Russland. Ende 2016 war OMV Upstream weltweit in 15 Ländern aktiv und hatte sichere Reserven (1P) von 1,03 Mrd. boe sowie sichere und wahrscheinliche Reserven (2P) von 1,7 Mrd boe. Die Reserven-Ersatzrate belief sich 2016 auf 101 %. Die Tagesproduktion lag bei 311 kboe/d, was einer Gesamtproduktion von 113,8 Mio. boe entspricht. Rund 90 % der Produktion 2016 wurden in EU/OECD-Ländern gefördert. Erdöl und Erdgas trugen jeweils rund 50 % zur Produktion bei.[16]

Downstream[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

OMV Downstream Oil Portfolio
OMV Downstream Gas Portfolio

Der Bereich Downstream Öl betreibt drei Raffinerien: Schwechat (Österreich), Burghausen (Deutschland), die beide über eine integrierte Petrochemie-Produktion verfügen, sowie die Raffinerie Petrobrazi (Rumänien), die überwiegend rumänisches Rohöl verarbeitet. Die OMV verfügt damit über eine Raffineriekapazität von gesamt 17,5 Mio. t im Jahr 2016. Das Tankstellennetz besteht aus über 2.000 Tankstellen in 10 Ländern mit einem starken Markenportfolio. Zusammen mit dem Non-Oil-Retail-Geschäft (VIVA) und dem Commercial-Geschäft ist die OMV eines der führenden Unternehmen in ihren Märkten.[16] In Downstream Gas lagen die Erdgas-Verkaufsmengen 2016 bei 109 TWh. Die OMV betreibt ein Gasleitungsnetz in Österreich und verfügt über eigene Gasspeicher mit einer Kapazität von 2,7 Mrd m³ (30 TWh). Der Central European Gas Hub (CEGH) ist eine etablierte Gashandelsplattform. Der Erdgasknotenpunkt Baumgarten (Österreich) ist die größte Drehscheibe für russisches Gas in Mitteleuropa. OMV betreibt auch zwei Gaskraftwerke, eines in Rumänien und eines in der Türkei.[16]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Vergangenheit stand die OMV vor allem wegen ihres Engagements im Sudan in der Kritik.[17][18] Im September 2007[19] hatte die OMV mit der National Iranian Oil Company einen Vorvertrag unterzeichnet, der nach iranischen Medienangaben über 25 Jahre ein Geschäftsvolumen von 22 Milliarden Euro umfassen soll. Während die österreichische Regierung die Vertragsverhandlungen mit der Begründung einer stärkeren Unabhängigkeit von russischen Lieferungen begrüßte,[20] stieß das Vorhaben bei der US-Regierung[21] und bei verschiedenen Organisationen wie z. B. dem Jüdischen Weltkongress auf massive Kritik. Die OMV wurde aufgerufen, auf das Geschäft zu verzichten. Auf entsprechende Proteste vor der Jahreshauptversammlung 2008 entgegnete OMV-Chef Ruttenstorfer, dass noch kein Abschluss des Geschäfts absehbar sei und es darum gehe, mehr Unabhängigkeit der Energieversorgung von russischen Lieferungen zu gewährleisten. Des Weiteren stieß der kostspielige Übernahmeversuch des ungarischen Mitbewerbers MOL auf Kritik auf der Jahreshauptversammlung.[22]

Beteiligungen (Auswahl)[23][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c OMV Geschäftsbericht 2017, Jahres-Übersicht,
  2. OMV Geschäftsbericht 2016, OMV im Überblick, S. 50. Abgerufen am 7. April 2017.
  3. 60 Jahre und kein bisschen leise: OMVs bewegte Geschichte Abgerufen am 4. Juli 2016.
  4. OMV Presseaussendung, ExxonMobil / OMV Petrom: Tiefwasser Gasfund vor der Rumänischen Schwarzmeerküste. Abgerufen am 7. April 2017.
  5. OMV Presseaussendung, OMV schließt Akquisition mit Statoil ab. Abgerufen am 7. April 2017.
  6. OMV Presseaussendung, OMV: Downstream Umstrukturierung auf Kurs. Abgerufen am 7. April 2017.
  7. OMV Presseaussendung, OMV verkauft die 100%ige Tochtergesellschaft OMV Petrol Ofisi an die Vitol Gruppe. Abgerufen am 7. April 2017.
  8. OMV sieht Nord Stream 2 auf gutem Weg - neue Trasse im Detail. Abgerufen am 7. August 2018
  9. OMV in den Dow Jones Sustainability Index aufgenommen Abgerufen am 20. September 2018.
  10. a b Deutscher Topmanager Rainer Seele wird neuer OMV-Chef. Artikel vom 27. März 2017, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  11. Kurier: Peter Löscher wird OMV-Aufsichtsratschef. Artikel vom 7. April 2016, abgerufen am 26. September 2017.
  12. Der OMV Aufsichtsrat. Abgerufen am 26. September 2017.
  13. Wolfgang Berndt ist neuer OMV-Aufsichtsratschef. Artikel vom 15. Mai 2019, abgerufen am 15. Mai 2019.
  14. http://www.omv.com/portal/01/com/omv/OMV_Group/investors-relations/omv-shares/shareholder-structure
  15. https://www.nbim.no/en/the-fund/holdings/holdings-as-at-31.12.2017/?fullsize=true
  16. a b c OMV Geschäftsbericht 2016, OMV im Überblick, S. 50. Abgerufen am 7. April 2017.
  17. Vgl. Philipp-Stephan Schneider: Engagement Multinationaler Unternehmen in Krisenregionen. Am Beispiel der OMV im Sudan, Diplomarbeit, Universität Wien 2004
  18. taz: Mit blutigen Händen, 10. Juni 2010
  19. Telepolis: Schweizer Energiekonzern unterzeichnet Milliardengeschäft mit Iran, 17. März 2008
  20. Wirtschaftsblatt: Gusenbauer und Schüssel für OMV/Iran-Projekt (Memento vom 10. Juni 2015 im Internet Archive), 25. April 2007
  21. Reuters: U.S. to discuss OMV's Iran gas deal with Austria, 23. April 2007.
  22. OMV: Erst das Fressen, dann die Moral. In: Die Presse. 14. Mai 2008.
  23. OMV Geschäftsbericht 2016, Direkte und indirekte Beteiligungen der OMV Aktiengesellschaft, S. 209ff. Abgerufen am 7. April 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: OMV – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 12′ 49,2″ N, 16° 24′ 50,7″ O