FORVM, Sonne Nr. 5
November
1981

Zigeuner kommen von weither

Lieber Tiger auf dem Berg als Affe im Tal [1]

Trotz fortgeschrittenem Abstieg der Zigeuner [2] in die Niederungen der Industriegesellschaft läßt sich an ihnen noch feststellen, wieviel Ausdrucksvermögen, Unmittelbarkeit, geistige und körperliche Beweglichkeit erst dem feudalen und in der Folge dem industriellen Zurichtungsprozeß zum Opfer gefallen ist. Die Zigeuner, »die überall hin nur sich selbst mitbringen« [3] verstehen aus diesem Wenigen mehr zu machen, als ihre angepafßte Umwelt mitsamt ihren kulturellen Errungenschaften aus sich selbst macht. Dem pflegeleichten Durchschnittsmann mit seiner dezent gehaltenen Einbaufrau setzen Zigeuner ihre Farben, ihr Pathos, ihre Zeremonien, ihren Einfallsreichtum und vor allem ihren Gruppenzusammenhalt entgegen.

Zigeuneridentität ist zu einem großen Teil auf der Abgrenzung zu ihren »Wirtsvölkern« aufgebaut. Die Nichtzigeuner werden traditionell »Gadsche« genannt, was »blöde Bauern« heißt; sich selbst nennen sie schlicht »Rom«, was soviel wie »Mensch« bedeutet. Je unmenschlicher die Umgebung der Zigeuner ist, je schlimmer die Auswüchse der Industriegesellschaft werden, desto mehr fällt der Abstand zwischen Roma und Gadsche zugunsten der »Menschen« aus.

Roma und Gadsche werden nicht müde, sich gegenseitig ihre Differenzen vor Augen zu führen. Domäne der Roma ist das Wort, die der Gadsche die Gewalt. Roma pochen als Unterscheidungsmerkmal auf ihren Witz, ihre Gewandtheit und ihre moralische Überlegenheit: »Sie fragten einen Zigeuner: ‚Sag an, warum verachtet man euch Zigeuner in aller Welt?‘ — ‚Weil die Welt nicht weiß, wie sie uns achten soll.‘ — ‚Warum macht ihr euch nicht seßhaft unter anderen Leuten, sondern streift ruhelos von Land zu Land?‘ — ‚Wir suchen ein Dorf, wo die Nachbarn nicht in Streit und Hader leben, und sobald wir ein solches finden, so lassen wir uns neben ihnen seßhaft nieder.‘« [4]

Gadsche streiten wohl untereinander, aber auf Außenseiter reagieren sie vereint mit Gewalttätigkeiten. Gegenüber den Zigeunern kumulierte diese Gewalt im Massenmord an 400.000 in KZs internierten Roma und Sinti. Die Gewalt setzt sich fort in verschleppten Wiedergutmachungen, in verweigerten Papieren, ständigen polizeilichen Schikanen und anderem mehr.

Die Stellung der Nichtzigeuner zu den Zigeunern ist eindeutig und unmißverständlich: »Wir sind mehr und mächtiger, danach habt ihr euch zu richten.« Die Stellung der Zigeuner gegenüber den Gadsche ist vieldeutiger. Um zu überleben — d.h. auch um die eigene Lebensform zu retten — gilt es manchmal forsch aufzutreten, manchmal aber bescheiden. Oft hilft nur die Flucht.

Die ständige Bedrohung wird zur Denkschule: »Die besten Dialektiker sind die Flüchtlinge. Sie sind Flüchtlinge infolge von Veräußerungen, und sie studieren nichts als Veränderungen. Aus den kleinsten Anzeichen schließen sie auf die größten Vorkommnisse, d.h. wenn sie Verstand haben. Wenn ihre Gegner siegen, rechnen sie aus, wieviel der Sieg gekostet hat, und für Widersprüche haben sie ein feines Auge.« [5]

Zigeuner sind ein Teil der dialektischen Lämmer am Altar ihrer einlinig denkenden Schlächter: geopfert wurde und wird dem Wirtschaftswachstum. Das Austilgen einer Lebensform, die erzwungene Anpassung an die Majorität ist eine Art des Genozids. So sehr unterscheiden wir uns also nicht von den »primitiven Wilden«, die jeden Fremden, der am Dorf vorbeikam, ihren Göttern zum Fraß vorwarfen, um das Getreide besser wachsen zu lassen; am ehesten noch in der Menge. Zu viele Affen sind der Tigers Tod.

Zigeuner unterwegs, 1861

Ein unfaßbares Volk

Die Roma und Sinti haben sich über die Jahrhunderte hinweg in die europäische Gesellschaft nicht eingliedern lassen. Daher sind sie soziologisch, histotisch, wissenschaftlich nicht ordentlich zu erfassen. Das angeblich »Asoziale« ihres »parasitären Nomadismus« [6] steht in verblüffendem Gegensatz zu ihrem Gruppenzusammenhalt. Die übrigen Fahrenden, die wir in Europa bis ins 20. Jahrhundert kennen, hielten einander nicht so die Treue.

Roma und Sinti sind weit selbstbewußter als die deklassierten europäischen Vaganten. Darin ähneln sie dem von Gott auserwählten Volk der Juden, mit dem sie noch im 18. Jahrhundert von »Kriminologen« gleichgesetzt wurden. Den Zigeunern fehlt jedoch eine religiöse Grundlage für ihre Abgrenzung nach außen, die dennoch bis 1938 im wesentlichen intakt war. Den Zigeunern fehlt die verbindende Heilserwartung der Rückkehr in eine verlorene Heimat. Statt dessen berichten ihre Mythen von einem Fluch, der sie weithin verfolgt und sie nie zur Ruhe kommen läßt.

Zigeuner gehörten vermutlich vor ihrem Exodus zur von den Ariern besiegten Ureinwohnerschaft Indiens, nämlich zu den drawidischen untersten Kasten. Sie waren ein seit allen denkbaren Zeiten erniedrigtes Volk und entwickelten den entsprechenden kompensatorischen Stolz. Vielleicht aber waren sie einst führend auf dem Gebiet der Metallurgie und in der Entwicklung einer eigenen Priesterkaste. Es gibt Zigeunerlegenden, denen zufolge sie die Erfinder der Schmiedekunst gewesen sind. Und ihre Zauberer, vermutlich einst Priester nach Art der Schamanen, hielten an magisch-animistischen Praktiken fest, unbeschadet ihrer offiziellen Religionszugehörigkeit zum Islam oder zum Christentum.

Spekulationen, die über 3000 Jahre zurückliegende Zustände betreffen, befriedigen wenig. Die Zigeuner verfügen aber nur über eine mündliche Überlieferung und diese dient nicht historischer Beweisführung, sondern der Abschirmung gegenüber den Gadsche. An ihrem Mystifikationsprozeß haben sie schon aus Überlebensgründen fleißig mitgewoben: ob sie etwa wirklich geglaubt haben, daß der Krähenflügel, den sie am Scheunentor eines übelwollenden Bauern befestigten, diesem Unglück bringt, war für sie ziemlich unwichtig. Wichtig war, daß der Bauer dies glaubte und aus Furcht vor weiteren Verwünschungen die Zigeuner in Ruhe ziehen ließ.

Die Wahrheit über die Zigeuner entzieht sich, wie der wissenschaftlichen Analyse, auch meist dem intuitiven literarischen Zugang. Gute Dichter schreiben über sie schlechte Gedichte und viele mittelmäßige Geschichten. [7] Wo dichterische Begeisterung mit dem »musikalischen« Volk der Roma zusammentrifft, entstehen putzige Operettenlibretti. In fast aller Literatur über Zigeuner tanzen sehr schöne junge und sehr vettelhafte alte Zigeunerfrauen mit rasend eifersüchtigen, schnurrbarttragenden Zigeunern, und alle werden herzzerreißend verfolgt. Zigeuner überreizen unsere kranke Phantasie durch allzu großes Temperament, zuviel Exotismus und undurchschaubare Mysterien. Man stürzt vom Hochseil der Poesie in die Tiefen des Kitsches. Die besten Geschichten über Zigeuner erzählen sie selbst, nur schreiben sie sie selten nieder.

Heutzutage werden Sozialarbeiter auf Sinti und Roma angesetzt, sie versuchen aus ihnen angepaßte Staatsbürger mit »zigeunergerechtem« [8] Freizeitverhalten zu machen.

Jede Hilfe, die nicht ein Weg zur Selbsthilfe ist, bedeutet Integration auf den untersten Stufen unserer Gesellschaft. Vom Zigeuner zum Sozialhilfeempfänger. Zum ersten Mal in der Geschichte der Zigeuner gelingt es, sie zu »Asozialen« und »Verwahrlosten« zu machen. Die unfaßbaren Zigeuner werden erfaßt. Wir verlieren die letzte Chance, herauszufinden, wie sie sich dem Anpassungssog unserer Gesellschaft so lange widersetzen konnten.

Im Zigeunerwagen, 1879

Bezaubernde Fremde

Die Zigeuner kamen zu Beginn des 15. Jahrhunderts nach Westeuropa, geführt von »Herzögen von Kleinägypten«, die im Gegensatz zu ihren »Untertanen« prächtig nach Art von Tausendundeiner Nacht gekleidet waren. Ihr Gefolge ging in Fetzen. Sie erzählten eine rührende Geschichte, wie sie in ihrer Heimat vom rechten Christenglauben abgefallen, durch Eroberer aber neu bekehrt worden wären. Als Buße sei ihnen auferlegt worden, 7 oder 70 Jahre durch die Welt zu ziehen. Sie zeigten Empfehlungsschreiben von Sigismund, römischem Kaiser und König von Ungarn, und von anderen hohen Herren, manchmal gefälscht, manchmal auch echt.

Die reuigen Pilger wurden im ausgehenden Mittelalter halbwegs gastfreundlich aufgenommen. Es zogen zu diesem Zeitpunkt auch andere Vaganten ziemlich unbehelligt durch die Lande. Die ersten Bettelvorschriften stammen aus dem beginnenden 16. Jahrhundert. Seßhaft zu werden wäre für sie, selbst wenn sie gewollt hätten, unmöglich gewesen.

Vereinzelt kam es zu Verfolgungen der Zigeuner wegen heidnischer Gebräuche, oder Diebstahls. Die Angeklagten wurden stets rasch exekutiert. Auch die Verbreitung von Seuchen legte man den Zigeunern zur Last; der Mythos hielt sich hartnäckig bis ins 20. Jahrhundert: »Am Stadtrand von Neapel griff 1973 eine Menschenmenge ein Lager in der irrigen Annahme an, die Roma seien Quelle einer Choleraepidemie.« [9]

Massiver waren die Verfolgungen, die auf Beseitigung der Landstreicherei als solcher abzielten, zwecks Etablierung von Zucht, Ordnung und Arbeitsmoral. Ab 1500 wurden die Zigeuner an vielen Orten für vogelfrei erklärt.

Solange sich aber die feudalen Kleinstaaten nicht zum zentralistisch durchorganisierten Staat konsolidiert hatten, war es relativ leicht, durch einfaches Weiterziehen sich dem behördlichen Zugriff zu entziehen. Um sich zu schützen, stellten die Roma und Sinti ihre Lager in Grenzgebieten auf und verzogen sich bei Gefahr rasch in die Nachbargrafschaft.

Die Bauern standen den Zigeunern mit gemischten Gefühlen gegenüber: sie verfolgten sie und halfen ihnen auch. Der ländlichen Bevölkerung waren die Zigeuner gleichzeitig fremd und vertraut. Den abergläubischen Hoffnungen der Bauern kamen die religiösen Praktiken der Zigeuner näher als die ihrer strengen christlichen Herren, die unverständliche lateinische Messen abhielten und in konkurrierender Hexerei Teufelsblendwerk sahen.

Die Zigeuner vertrösteten ihre Kunden nicht mit vagen Versprechungen auf jenseitiges Glück, sondern stellten handfesten Erfolg im Diesseits in Aussicht: Liebesglück durch Liebeszauber, Gesundheit durch Gesundbeten, Reichtum durch Auffinden vergrabener Schätze. Wunder für den Hausgebrauch. In der feudal-agrarischen Gesellschaft, in der keine noch so große Tüchtigkeit Aussicht auf gesellschaftlichen Aufstieg bringt, ist das Glück, der »Gott« der Zigeuner, auch die einzige Hoffnung der Unzufriedenen.

Das Exotische an den Zigeunern wurde auch positiv aufgefaßt und verhalf ihnen zu Autorität auf dem Gebiet des Wunderbaren. Daß ihre jungen Menschen dabei schön, geschickt und geschmeidig waren, gut tanzen und Musik machen konnten, kam der Vorstellung von der Wirksamkeit ihrer Zaubermittel entgegen.

Astrologie, Handlesen und Wahrsagen leisteten dem Bauern wertvolle Entscheidungshilfen, gleichzeitig machten sie sein Deutungsdefizit wett. Mit diesem Defizit vor Augen hat der Magier keine Angst, ein und dasselbe Objekt mehrfach zu benennen. Der in der Tücke der Objekte verhedderte Mensch gibt dem, der ihm die Dinge beim rechten Namen nennt.

Das magische Universum ist ein Netz unendlicher Entsprechungen: die ansonst unerklärlichen Wechselfälle des Lebens stehen in den Sternen, in der Natur, in der Leber eines zu schlachtenden Tieres oder in den Handlinien der Menschen. Aufgabe des Magiers ist die Produktion immer neuer philosophischer, poetischer, religiöser und politischer Kombinationen.

Magie ist eine dezentrale, fröhliche Wissenschaft, eine demokratische Form von Religion. Ihr einziges Kriterium ist die Sensibilität und Überzeugungskraft ihres Praktikanten. Wem viel einfällt, der hext gut. Jeder Wahrsager ist ein Prophet en miniature.

»Nur Menschen, die selber tot sind, sehen diese Welt als einen Haufen toter Stoffes, sagte uns Toten eine russische Zigeunerwahrsagerin.« [10] »Sie haben Schwierigkeiten mit Männern«, sagte mir eine Wahrsagerin und hielt die Hand auf. Welche Frau könnte solchem Anfang widerstehen. Sie nahm mein Geld, wiederholte den Satz und verschwand.

Mit Übernatürlichem hat Hexen gar nichts zu tun, sagt ein französischer Kaku (= Zigeunerhexer) namens Hartiss. »Daran glauben nur Dummköpfe, die nicht zugeben wollen, daß es in der Natur nur Natürliches gibt. Weil sie das Natürliche nicht erklären können, nennen sie es übernatürlich. Dabei gibt es kaum etwas Natürlicheres als diese Dinge.« [11]

Hartiss ist spezialisiert auf Gedankenlesen, eine Disziplin, die voraussetzt, daß es einen überhaupt interessiert, was der Nächste sich denkt.

Im Reich der vielen Entsprechungen verfließt die Landschaft in die Seelenlandschaft. Zur Regulierung der Träume empfiehlt der Hexer, man möge sich vor dem Einschlafen in eine bestimmte Landschaft versetzen, um den passenden Traum zu träumen. Wir aber haben meist nur die Tatortgegenden unserer Städte- und Autoplaner zur Verfügung. Dazu paßt bloß ein Alptraum.

Indische Zigeunerin mit Kindern

Aufgeklärte Fürsten, undankbare Zigeuner

Die Aufklärer, bekannt für humanitäre Gesinnung gegenüber Außenseitern, unternahmen einen ersten Versuch, Zigeuner zur Seßhaftigkeit zu bewegen. Österreich unter Maria Theresia und Joseph II. ging in dieser Entwicklung voraus.

Ziel war, die Zigeuner mitten ins Herz zu treffen. Zugleich mit den Siedlungsmöglichkeiten hagelte es Vorschriften, um den Zigeunern das Zigeunern auszutreiben. Sie sollten sich nicht länger Zigeuner nennen, sondern Neubauern, nicht mehr musizieren, außer am Sonntag, und nicht mehr ihre Sprache sprechen. Ehen unter Zigeunern wurden verboten, Mischehen gefördert. Ihre traditionellen Berufe wie Pferdehandel, Musizieren, Schmieden und Betteln wurden untersagt. Die Zigeunerkinder wurden in Pflichtschulen gesteckt und oftmals ihren Eltern weggenommen:

»An einem für dieses Volk entsetzlichen Tag, an den es noch mit Schrecken zurückdenkt, erschienen an allen Orten Ungarns, wo sich Zigeuner befanden, von Soldaten begleitete Karren. Die Kinder, vom eben entwöhnten Säugling bis zu den Jungvermählten, die noch ihre Hochzeitskleider trugen, wurden ihnen fortgenommen. Die Verzweiflung dieser unglücklichen Bevölkerung läßt sich nicht beschreiben: die Eltern wälzten sich vor den Soldaten auf dem Boden und klammerten sich an die Karren, die ihre Kinder entführten ... Sie wurden mit Stockschlägen und Kolbenstößen zurückgetrieben, und da sie den Karren nicht zu folgen vermochten, auf denen man das Teuerste, das sie besaßen, ihre Kinder, kunterbunt zusammengepfercht hatte, begingen einige auf der Stelle Selbstmord. Die Anwendung so rücksichtsloser Methoden war nicht geeignet, die Zigeuner von der Moral, die man ihnen predigte, zu überzeugen, noch von der Superiorität der Einrichtungen, die man ihnen auferlegen wollte«, erzählte ein Augenzeuge dieser Integrationspolitik. [12]

Die Seßhaftmachung funktionierte nur in Westungarn, dem heutigen Burgenland. Die Oberwarter Roma sind Nachkommen der von Maria Theresia angesiedelten Zigeuner. Sonst entliefen sowohl Eltern wie auch Kinder ihrer Zwangsbeglückung. Dieselben Erfahrungen machte auch Friedrich II. von Preußen mit seinen Siedlungsversuchen in Friedrichslohra. Auch hier riß man Zigeunerfamilien auseinander: »Die Zigeunerfamilie ist zu kolonisieren, jedoch nicht in Masse, sondern jede Familie an einem Orte, und zwar bei einer großen Ökonomie, der sie zum beständigen Taglohndienst zugewiesen werden.« [13]

150 Jahre später galt Erzherzog Josef von Österreich als ein großer Freund der Zigeuner. Er sprach fließend Romani und verfaßte eine Grammatik in dieser Sprache. Am 10. April 1892 schrieb er aus Fiume nach Alcsuth bei Szekesfehervar (Stuhlweißenburg) in Romani: »Meine lieben Kinder! Euer Wojwode Georg Lakatos war nicht euer wahrer Freund, wie ihr meintet und wie ich hoffte. Ich schickte ihn in die Welt, denn ich wollte nicht sehen, wie er euch betrog und betörte. Ich will, daß ihr liebe, gute und wahre Zigeuner seid, daß euch Glück zuteil werde und sorgloses Leben, daß ihr euch an Arbeit gewöhnt, denn dann wird euch der liebe Gott helfen, daß euch ein gutes Leben, Glück und Reichtum zukommt. Vertrauet in mich und den Herren, die mit mir zusammen wirklich euer Gutes wollen. Ich weiß gewiß, daß ihr mich liebt, und ihr wißt, daß ich euch alle so liebe wie meine wirklichen Kinder. Glaubet nicht jenen, die euch nur betören, aber nicht helfen wie wir ... Wenn ich nach Hause komme, bringe ich euch schöne neue Kleider und Geschenke ...« [14]

Soviel Güte wußten die Zigeuner ihrem Patron Jóska mit einer Legende zu danken, in der sie festhielten, welche Resultate seine Hilfe zeitigte:

Es war einmal ein armer Zigeuner. Er ging mit Weib und Kind ins Land des großen Königs Jóska. Er bat den König, daß er ihm Brot gebe. Da sagte der reiche König, Herr Jóska: Du Zigeuner, warum arbeitest du nicht? Ich gebe dir ein gutes Pferd und viel Land, wenn du es an einem Tag umläufst. Dies von dir umlaufene Land wird dein sein. Der Zigeuner dachte: Wenn du ein großes Feld, großes Land, große Wälder haben wirst, kannst du sie verkaufen und wirst ein großer Herr sein ... Der Herr Jöska sagte: Aber laufe nachts, wenn die Sonne nicht sein wird, bis sie aufgeht. In der Nacht lief der arme Zigeuner und lief, bis die Sonne kam, und er dachte: Jetzt wirst du ein großes Land haben ... Als aber die Sonne kam, traf infolge des andauernden Laufes den armen Zigeuner der Schlag. Und der König Jóska sagte: Du bist gestorben, Zigeuner, jetzt hast du im Grabe genug Erde. [15]

Zigeunerlager, 1931

Zauberschmiede

aul Bataillard [16] vertrat als erster die These, daß die Zigeuner die Bronze nach Europa gebracht haben. Er und nach ihm andere Ziganologen stützen sich auf Legenden der Zigeuner, in denen diese sich als Nachfahren des Thubalkain (des in der Genesis erwähnten »Meisters in allerlei Erz und Eisenwerk«) bezeichnen und weiters erklären, wie sie den vorgriechischen Pelasgern ihre Kunst beigebracht haben.

Bei Homer springt eine Erwähnung des Volkes der »Sintis« ins Auge, das auf der Insel Lemnos lebte. Als Hephaistos, der griechische Vater der Schmiedekunst, auf diese Insel hinabgeschleudert wurde, wurde er von den Sintis gesundgepflegt.

Michael Genner schildert die Gemeinsamkeiten des prähistotischen, bronzeverarbeitenden Glockenbechervolkes mit den Zigeunern. Er bringt eine Liste von Ortsnamen, denen angeblich Zigeunerworte zugrunde liegen. Dann folgt er großzügig den Spuren der nomadisierenden Anarchistenschmiede von Indien über die Thraker bis zum Aufstand des Spartakus gegen die Römer. [17]

Franz de Ville verweist darauf, »daß die Ausgrabungen an der Ostsee vor kurzem mit der Swastika, dem Hakenkreuz, verzierte Waffen und Schmuckstücke zutage gefördert haben. Die Swastika ist bekanntlich indischen Utsprungs. Die norwegischen Zigeuner trugen schon lange vor der nationalsozialistischen Machtergreifung ein tätowiertes Hakenkreuz an der Schulter«. [18]

Wenn die Zigeuner die Bronze nach Europa gebracht haben, so müßten sie vor 3000 Jahren gekommen sein. Das ist der wunde Punkt dieser Theorie. Die Roma sprechen einen mittelindischen Dialekt; daher müssen sie sich in den ersten Jahrhunderten nach Christus noch in Indien aufgehalten haben. Jedoch könnten Verwandte von ihnen schon lange vorher die Bronze nach Europa gebracht haben. Noch heute gibt es Volksgruppen drawidischer Herkunft, die in Indien umherziehen und ähnliche Gewerbe ausüben, wie sie die Zigeuner auch bei uns traditionell ausgeübt haben: »Schmiede und Metallarbeiter, Musikanten und Komödianten, Roßtäuscher und Pferdehändler, Tierbändiger und Wahrsager.« [19]

Stellt man diesen Gewerben hinduistische Glaubensregeln gegenüber, so fällt auf, daß verbotene Tätigkeiten für Brahmanen und Berufe der Zigeuner zusammenstimmen. Das Gesetzbuch des Manu aus dem ersten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung warnt den gläubigen Brahmanen vor Leuten, »die wie Gaukler unreine Gewerbe ausüben ... vor Fälschern, Spielern, Wahrsagern und Chiromanten ... vor Leuten, die Elefanten, Stiere, Pferde oder Hunde zur Unterhaltung abrichten, vor gewerblichen Astrologen und Tänzern«. [20] Überflüssiges Reisen gehört neben Würfelspiel, Gesang, Tanz und Instrumentalmusik zu den zehn verabscheuungswürdigsten Lastern. Von Eisen- und Goldschmieden darf der Brahmane keine Nahrung entgegennehmen.

Traditionalistische Indologen deuten dies so, daß sich die edlen Brahmanen gegenüber den abergläubischen unrein-volkstümlichen Praktiken der untersten Kasten oder der Kastenlosen abgrenzen mußten, um zum Eingottglauben aufzusteigen. Die Abgrenzung kann aber auch zwischen einer neueren, zentralisierten, bürokratisch-dogmatischen Religion und einer älteren, dezentralen, magisch-animistischen Religion gesehen werden.

Vielleicht waren die Roma die vorarischen Priester Indiens, die von den Ariern und von deren Kastenwesen besiegt worden sind. (Die kastenlosen Paria sind nie wirklich zum Hinduismus konvertiert.) Die religiösen Ursprünge des Tanzes, der Musik, der Astrologie, der Chiromantie und der Wahrsagerei leuchten ohne weiters ein. Das Abrichten von Tieren und der Handel mit ihnen kann auch den Umgang mit Totemtieren zum Ursprung haben. Religion und Medizin sind in der animistischen Tradition untrennbar miteinander verbunden; von den medizinischen Kenntnissen der Zigeuner profitieren die Europäer. [21]

Auch das Schmiedehandwerk steht in enger Verbindung mit magischen Praktiken. »Man käme zu keinem Ende, wollte man alle Beispiele von Zauberer-Schmieden aufzählen. Etwa die Idäischen Daktylen, im griechischen Mythos Dämonen am kretischen Berg Ida, die als erste Bearbeiter von Kupfer und Eisen galten und Zauberer waren. Oder die Kaldera, zigeunerische Kesselschmiede, die zunächst nur ihre Frauen in den Künsten der Zauberei und der Chiromantie unterrichtet haben. (Vielleicht war’s umgekehrt? — G. F.) Noch heute werden in Poitou die Kesselflicker Träger von »drouines« genannt, und dieses Wort heißt außer Kessel auch Hexe. In den Balkanländern haben die Bauern mehr Vertrauen zu den Zigeunerschmieden als zu den Veterinären.« [22]

Mircea Eliade spricht von »einem engen Zusammenhang auf den verschiedensten Kulturstufen zwischen dem Schmiedehandwerk, den okkulten Wissenschaften (dem Schamanismus und der Magie) und der Gesang- und Dichtkunst«. [23]

Wenn die Zigeuner wirklich eine uralte Priesterkaste waren, die sich aus noch älteren Medizinmännern, Schamanen, Zauberern rekrutierte, so finden etliche ihrer (ehemaligen) Chatakteristiken eine Erklärung, z.B. ihr Hang, sich attraktive religiöse Zeremonien der unterschiedlichsten Herkunft anzueignen, also ihr »produktives« religiöses Verhalten. Ihre Ablehnung des Ackerbaus ist dann nicht der Ausdruck einer zurückgebliebenen Jäger- und Sammlermentalität, sondern eher die Ablehnung einer manuellen Tätigkeit durch die Intelligenzia, sofern man das Schmieden nicht als Handwerk, sondern als religiöse Praxis begreift.

Das »Nomadisieren«, dem ohnehin die hierfür typische Hirtentätigkeit fehlt, wird zu einer Mischung aus Pilgerschaft und Geschäftsreise, wie sie in unserem Mittelalter bei Mönchen, Priestern und Scholaren üblich war. — Das Mittelalter fing in Indien um einiges früher an als bei uns und von dort brachten die Zigeuner eine Lebensform mit, die bei uns auch von Einheimischen praktiziert wurde, nämlich das »Fahren«.

Ihr vergangenes religiöses Amt würde auch die bis heute aufrechterhaltenen Tabus der Zigeuner erklären; weiters die Identität ihrer religiösen und weltlichen Gerichtsbarkeit; die Wichtigkeit und Üppigkeit ihrer Feste.

Gläubigkeit und allzu großer Fleiß werden erst im Protestantismus so recht miteinander verbunden. Bis dorthin nimmt den Rechtgläubigen die Betrachtung eines ihm sinnvoll und beziehungsreich erscheinenden Universums mehr in Anspruch als die Umwandlung desselben in eine wüste Produktionslandschaft. Der Rechtgläubige darf faul sein wie Gott.

Deutsche Zigeuner, 1864

Helden der Arbeitsverweigerung?

Eine Legende der Zigeuner behauptet, sie seien die Nachfahren Liliths, einer ersten, mythologischen Frau Adams. Daher treffe sie nicht die Vergeltung für den Sündenfall. Sie sehen also keine Verpflichtung, im Schweiße ihres Angesichts ihr Brot zu erwerben.

Die Legende bezeichnet recht gut die »Arbeitsweise« der Zigeuner: sie nehmen voll Zartgefühl Rücksicht auf die Schwäche der Gadsche, nämlich auf ihre Arbeitswut, gleichzeitig distanzieren sie sich davon. »Etwas aber hat sogar der bescheidenste Zigeuner von Sevilla mit dem Edelmann von blauestem Blut gemein: beide sind fest überzeugt, daß Arbeit um der Arbeit willen unvereinbar sei mit der Würde des Menschen.« [24]

Wenn vom »Adel« und von der »Freiheit« der Zigeuner geschwärmt wurde, bezog sich das bewußt oder unbewußt auf ihre tatsächlich fürstliche Freiheit von entfremdeter Arbeit. Alle übrigen Freiheiten der Zigeuner waren und sind Ausdruck des Mangels; Freiheit von Ausbildung, festem Wohnsitz, Konsumgütern und bürgerlichen Rechten. Diese Freiheiten fallen weniger ins Feld der dichterischen Begeisterung als in das Sachgebiet der prosaischen Sozialarbeit.

Den Zigeunern ist es länger als den einheimischen Fahrenden gelungen, sich von industriellen Arbeitszwängen freizuhalten. Sie haben die dritte Welt mit in die erste gebracht, und dies hat sie länger überdauern lassen. Sie waren nicht, wie etwa die deutschen Fahrenden, von Gewissensbissen wegen mangelnder Arbeitsmoral angenagt. [25] Der Landwirtschaft waren sie schon in Indien und Persien abgeneigt. [26] Sie betrachteten »Fremdarbeit« in Form von Lohnarbeit als Schande, ein Phänomen, das Ivan Illich noch heute für den größeren Teil der Weltbevölkerung als Grundhaltung geltend macht. [27]

Alles am Rande der kapitalistischen Produktionslogik Verbliebene erscheint dem Wissenschaftler als unabänderliche Charaktereigenschaft und erhält von ihm das Etikett des zeitlos biologisch Vorgegebenen. Es erinnert an das »Ewigweibliche« oder »Allgemeinmenschliche«, wenn man vom »kindlich naiven Naturvolk der Zigeuner« liest, oder von ihrem unbesiegbaren »Wandertrieb«. [28] Eine faschistische Variante dieser Sehweise ist bei dem Rassenforscher Hermann Arnold zu finden, der mit dem »urtümlich primitiven Wesenszug bei den Zigeunern« operiert und sie »Asoziale« und »Wildbeuter« nennt. [29]

Zigeuner sind nicht das unverbesserliche Naturvolk mit dem einen Fuß in der Steinzeit und dem anderen im Kriminal, wie’s bei Arnold steht. Unsere Geschichte hat sich ihnen in Form von ständig wechselnden Verfolgungen aufgedrängt. Der Zickzackkurs unserer Vernunft hat sich in ihrer Geschichte eingebrannt. Auch wenn sie am Rande unserer Ökonomie standen, verspürten sie ihre Erschütterungen.

Im Dienstleistungs- und Unterhaltungsgewerbe am Land, der ökonomischen Nische, die sie bei ihrer Ankunft in Europa ausfindig machten, fand seit dem 2. Weltkrieg ein entscheidender Einbruch statt: der des Konsumkapitalismus. Das Warenhaus im Dorf zerstört die Handelsgelegenheiten, die Musikbox und das Fernsehen die Unterhaltungsbranche, die Wegwerfmentalität hat die Kesselflicker um die letzten kaputten Kessel gebracht.

Manche Roma und Sinti sind Auto- statt Pferdehändler geworden, manche handeln mit Teppichen und Textilien. Wo keine Gelegenheit zum selbständigen Gewerbe gefunden wurde, sind die Sinti- und Romafrauen im Hotel- und Saisongewerbe engagiert, die Männer oft im Haus- und Straßenbau als Hilfsarbeiter, also in Berufen, die zumindest nicht den Einsatz von elf Monaten im Jahr erfordern.

Ein Dutzend Roma oder Sinti wiegen weniger auf der Seite der ökologischen Belastungen als ein Europäer oder gar Amerikaner.

Zigeuner werden abgeschoben, 1884

Zigeuner ohne Zahl

Grattan Puxon schätzt die Gesamtzahl aller nichtindischen Roma und Sinti auf 10 Millionen. 6 Millionen leben in Europa. In Südosteuropa und Spanien stellen sie in manchen Gegenden bis zu 12 Prozent der Gesamtbevölkerung. 300.000 Roma nomadisieren in Westeuropa. In Deutschland leben etwa 50.000 Sinti, in Österreich 9000 Roma und Sinti. Die Anzahl der Roma unter den Fremdarbeitern in beiden Ländern ist nicht erfaßt, Puxon gibt sie für die BRD mit 30.000 an. [30] Alle diese Angaben sind nur Näherungswerte. Das mysteriöse Dunkel um die Zigeuner beginnt schon bei der Frage, wieviele sie eigentlich sind. Von unseren sonst so effizienten Statistiken werden sie nicht erfaßt.

Laut amtlicher Auskunft leben in der Slowakei in rund 18.000 kärglichen Hütten und Häusern etwa 160.000 Zigeuner. Aber das ist nur eine Schätzung. Bei Volkszählungen gibt es nämlich keine Rubrik ‚Zigeuner‘; dieser Bevölkerungsanteil verteilt sich auf die Rubriken ‚Slowaken und Madjaren‘, häufig auch auf jene, über denen ‚Diverse Nationalitäten‘ steht. Immerhin, stimmt diese Zahl, so entspräche das rund vier Prozent der Bevölkerung der Slowakei. Das ist eine gar nicht so kleine fluktuierende Minderheit. [31]

Konfessionell unterscheiden sich Roma und Sinti auch nicht von ihrer jeweiligen Umgebung. Wo Christen die Religion dominieren, sind sie meist katholisch. Wo es Mohammedaner gibt, neigen sie dem Islam zu. Der große Druck und die gleichzeitigen Lockungen des Konsumkapitalismus führen dazu, daß in Westeuropa viele junge Sinti und Roma ihre nationale Identität verleugnen. Sie geben sich lieber als Gastarbeiter aus, um nicht als Zigeuner noch mehr als diese diskriminiert zu werden.

Die Anzahl der Zigeuner ist unsicher im Leben wie im Sterben. Nicht einmal wie viele man erschlagen hat ist gewiß: »Am 26. August 1946 wurde der SS-Untersturmführer Renstadt zum Tode verurteilt ... Er war beschuldigt worden, bei einem Transport von KZ-Insassen, den er noch am 7. Mai 1945 irgendwo in Mitteldeutschland befehligt hatte, drei gefangene Sowjetsoldaten, einen Offizier der roten Polnischen Legion, fünf Juden und eine Anzahl von Zigeunern auf eigene Faust erschossen zu haben ... Das Sterben der Zigeuner wurde nie anders als beiläufig erfaßt. Selbst Auschwitz-Kommandant Höß ... wußte hinsichtlich ihres Schicksales in seinem Lager nur Ungefähres anzugeben ... Ob während des Krieges insgesamt ‚nur‘ 400.000 Zigeuner umgebracht worden sind, wie französische Quellen angeben, oder eine Million, wie in den Oststaaten geschätzt wird, oder etwa 250.000, wie Quellen auf Grund deutscher Annahmen zitieren«, [32] ist ungewiß.

Sicher ist: wer glaubt, daß es sich bei Zigeunern um eine aussterbende Minderheit handelt, hat sich verrechnet. Unzähliger Nachwuchs läßt besonders die Zigeuner in städtischen Gemeinden Südosteuropas rasch anwachsen. Vom Verschwinden der Zigeuner kann höchstens die Rede sein, wenn sie ausschließlich als Herumreisende identifiziert werden. Seit dem 2. Weltkrieg sind viele Roma und Sinti seßhaft geworden.

Der neugewählte Präsident der Roma-Union, Ing. Sait Balic aus Jugoslawien, meint, daß kein Roma, der eine anständige Wohn- und Arbeitsgelegenheit geboten bekäme, diese ausschlagen und weiterfahren wolle. Ob er damit die Meinung aller Zigeuner vertritt, sei dahingestellt. Einige werden hoffentlich weiterreisen wollen.

Russische Zigeuner, 1850

Viele besondere Kennzeichen

Seine Identität weist der Normalbürger mit Papieren nach, auf denen zumeist keine besonderen Kennzeichen angegeben sind. Identität besteht aus: Name, Geburtsdatum, Größe, Augenfarbe, Lichtbild, Wohnort und Beruf. Unregelmäßigkeit in den letzten beiden Punkten führt zur Irritation des Ordnungsgefüges.

Die Papierbesessenheit der Gadsche ist den analphabetischen Roma und Sinti — wie vieles andere auch — unverständlich geblieben. Als Überlebenskünstler durchbrachen sie jedoch diese Schreibstubenschikanen mit Doppel- und Dreifachmeldungen ein und derselben Person, deren Papiere dann ein bedürftiger Verwandter aus dem Ausland verwenden konnte. [33] Dies führte in Frankreich zum behördlichen Gegenschlag, nämlich zu einem Landfahrerausweis, der bis in die 70er Jahre unseres Jahrhunderts noch in Gebrauch war:

Der Ausweis ist sehenswert. Die Feststellung der Identität erschöpft sich nicht bloß im Verzeichnis von Vor- und Familiennamen, Stand, Geburtsdaten, Herkunftsland und Beschäftigung. Angegeben werden weiters: Größe der Gestalt insgesamt sowie des Oberkörpers allein, Länge und Breite des Kopfes, Breite des Jochbeines. Länge des rechten Ohres, der Mittelfinger und des linken Ringfingers, des linken Unterarmes und des linken Fußes. Natürlich muß auch ein Fingerabdruck dabei sein und Photos en face und en profil. Außer diesem persönlichen Ausweis muß das Familienoberhaupt noch einen Sammelausweis für alle Mitglieder seiner Karawane mit sich führen ... Wo immer er dann hinkommt, muß er sich melden und die Ausweise stempeln lassen; zieht er weiter, wiederholt sich die Prozedur. [34]

Frankreich wußte somit Dinge über seine fahrenden Kinder, die sogar vielen Müttern verborgen bleiben. Bei diesem Paß läßt es sich mit Brecht sagen, daß er auf eine viel kompliziertere Art zustande gekommen ist als sein Besitzer: »Der Paß ist der edelste Teil von einem Menschen. Er kommt auch nicht auf so einfache Weise zustande wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.« [35]

Zigeuner haben nicht nur besonders viele Kennzeichen, sondern auch eine andere Form der Identität. Ihr Gruppenzusammenhalt war immer so groß, daß die neidischen Forscher von Ich-Schwäche sprachen. Schlimmstes Urteil der zigeunereigenen Gerichtsbarkeit, der »kris«, war Ausschluß aus der Gemeinschaft.

Manchmal setzt sich die Gruppenidentität der Zigeuner gegenüber den Ordnungshütern durch. Der Verhaftete hat dann vielleicht nicht die richtigen Papiere, wohl aber die richtige Familie: »In einer kleinen französischen Provinzstadt erreichte eine Gruppe von Zigeunern, daß ein Verwandter, den die Gendarmerie willkürlich aus dem Lager weg verhaftet hatte, freigelassen wurde. Die Zigeuner kamen mit 20 Personen, inklusive Kindern, auf die Wache. Sie drangen in alle Räume ein; alle Türen, die demonstrativ geschlossen worden waren, wurden auf irgendeine Weise wieder geöffnet. Zehn Leute gleichzeitig redeten auf die Polizisten ein. Sie ignorierten die Hierarchie unter den Ordnungshütern und flehten jeden an. Eine Frau hängte sich weinend an den Hals eines Polizisten, ein kleines Kind umfaßte die Knie eines anderen, eine alte Frau versuchte immer wieder ein gackerndes Huhn auf den Schreibtisch des Vorgesetzten zu setzen. Sie präsentierten ständig einen anderen jungen Mann, den die Polizei doch als Bürgen für den Verhafteten dabehalten sollte. Als dem Vorgesetzten die Unübersichtlichkeit zu groß wurde, rief er zwei Wachen mit gezückten Maschinenpistolen zur Hilfe. Aber die Verhaltensweise der Zigeuner entsprach nicht der gewohnten Gewalttätigkeit, verwirrt ließen die beiden ihre Waffen wieder sinken. Um alle loszuwerden, entließ man schließlich den Festgenommenen, und die Tore des Geländes wurden für diesen Tag geschlossen.« [36]

Als einzelner definierte sich der Zigeuner vermutlich als ein den Gadsche Überlegener. In seiner Gruppe spendete ihm der Platz in der Sippenhierarchie Identität. Die Sippen und ihre Tradition haben erst durch den Faschismus und dann durch den Konsumkapitalismus einen schweren Schlag erlitten. Mancher jugendliche Zigeuner sucht jetzt das Loch zwischen verlorener Roma- und noch nicht gefundener Gadsche-Identität durch Drogenkonsum zu schließen.

Zigeuner-Kesselschmied, Spanien

Wie Pech und Schwefel

Man fragte einen Zigeuner: »Warum haust du nicht von Zeit zu Zeit deine Kinder durch, so wie wir es mit unseren Kindern tun?« — »Ich weiß ohnehin, daß ich der Stärkere bin«, antwortete der Zigeuner. — »Aber du gibst ihnen keine Erziehung!« — »O doch, ich zeige ihnen, wie ihr eure Kinder jeden Augenblick mißhandelt, dann sehen sie ein, wie gut ihr Vater ist, und folgen ihm umso lieber!« [37]

Diese frühe Form antiautoritärer Kindererziehung hat lange das gewünschte Resultat des besonderen Zugehörigkeitssinns zur Familie gezeitigt. Zigeunerkinder hatten zwar kein eigenes Kinderspielzeug, auch keine Kinderlieder oder -märchen, aber sie verfügten über eine schier unbegrenzte Freiheit. Erst ab der Pubertät mußten sie sich strikten Anstandsregeln beugen.

Die Hierarchie der Sippe folgt dem Senioritätsprinzip. Der Sippenälteste war oft ihr Führer, durch seine lange Präsenz in der Gruppe hat er am meisten zu ihrem Unterhalt beigetragen. Er bewahrt auch die Erzählungen — »swatura« — auf, welche die Roma-Überlieferung darstellen. Aus den »swatura«, die in den Wintermonaten psalmodierend vorgetragen werden, lernen die Jungen die Welt der Gadsche einzuschätzen. Viele junge Mädchen lernen aus diesen Erzählungen soviel an Fremdsprachen, als sie benötigen, um darin wahrsagen zu können.

Autorität im moralischer Hinsicht, an deren Rat die Versammlung der Männer nie vorüberging, war die »puri dai«, die weise Mutter. Die von ihr bestimmte matrilokale Heiratsfolge, die matrilineare Auswahl der Taufpaten, werden als matriarchale Reste eingestuft. Zigeunerfrauen trugen auch meist den Großteil zum Unterhalt der Familie bei.

Vor dem Tod eines alten Mitgliedes der Sippe suchen alle näheren und ferneren Verwandten den Sterbenden noch auf, um mit ihm rituell Vergebungen auszutauschen. Es ist für beide Seiten nicht gut, wenn Zwistigkeiten offen bleiben: für den Sterbenden nicht, weil es ihm beim Übergang in die andere Welt schaden kann, für den Überlebenden nicht, weil ihn der Verstorbene in Form eines Totengeistes, als »mulo«, heimsuchen könnte.

Im Unterschied zu uns lassen die Zigeuner ihre Alten auch nicht in Krankenhäusern elend sterben.

Deutsche Zigeuner, 19. Jahrhundert

Feiern bis zum Letzten

Als Jugendlicher zog Jan Yoors vor dem 2. Weltkrieg einige Jahre bei einer Gruppe Roma mit. Er beschreibt ihr Leben als eine endlose Kette von Zusammentreffen und Auseinandergehen zwischen Verwandten und Freunden. Dies gab immer wieder Anlaß zu großen Festen, bei denen nicht gespart wurde.

Sparsamkeit ist nicht Zigeunerart, es wird auf Romani mit »Genauigkeit« und »Knickrigkeit« wiedergegeben. Verschwendung ist die bewunderte Tugend: »Vor vielen Jahren begegnete ich einen Romi des Tshurara-Stammes mit Namen Pitti la Kaliko. Er war in dürftigste Lunpen gekleidet und sah entsetzlich elend aus. Jeder sprach von ihm als dem »Millionär«. Damals faßte ich das als einen Scherz auf, aber man sagte mir später, daß er wirklich Millionär war, weil er eine Million ausgegeben hatte. Ich habe vergessen, um welche Währung es sich dabei handelte ... Der springende Punkt ist aber, daß er nicht reich war, weil er ein Vermögen besaß, sondern weil er es ausgegeben hatte.« [38]

Das exzessive Feiern, das tagelang dauern kann, eben bis zur physischen, psychischen und ökonomischen Erschöpfung, wird von den Freudlosen als Resultat der ständig bedrohten Lebensweise der Roma verstanden. [39] Vermutlich steckt ein gewisses Aufplustern als Motiv für die Ausgaben mit drinnen. Wie beim indianischen »Potlatsch« will man dem Gegner imponieren; also eher das Gegenteil von eigener Angst. Der Beschenkte soll durch die überreichen Gaben das Fürchten lernen.

Zigeuner haben alle Fähigkeiten für ein großartig gefeiertes Fest — musikalisches und tänzerisches Talent, Appetit, Großzügigkeit und gesellschaftliche Anmut: »Das neue Lied war herrlich. Es erzählte von den großen Taten der Trokeshti wähtend ihrer Reisen im Laufe von sieben Jahren, von einem reichen, schönen, stolzen Leben. Am Schluß fügte der Sänger leise und feierlich hinzu: ‚Dieses Lied war ein Geschenk für die würdigen Männer‘. Die Zuhörer sprachen ihm nochmals ihre Glück- und Segenswünsche aus, ein alter Mann umarmte ihn und reichte ihm einen Silberbecher voller Branntwein. Es war für einen unverheirateten jungen Mann eine besondere Ehre, wenn er von den Älteren eingeladen wurde, mit ihnen zu essen und zu trinken.« [40]

Ästhetische Treffsicherheit auf allen Gebieten ist ein hervorstehendes Merkmal der Roma und Sinti. Selbst dort, wo sie sich unseres Kitsches bedienen, in der Musik, in der Kleidung, im Interieur, verstehen sie es, diesen so umzuwandeln, daß er in einem neuen festlichen Licht erscheint.

Zigeuner am Stadtrand, 1950

Ein Bild von einem Zigeuner

Wo immer Zigeuner hinkommen, erregen sie Aufsehen. Das hat nichts mit Kleidung oder dunkler Haut- und Haarfarbe zu tun, sondern mit ihrem unübersehbaren Auftreten. Ihrem Hang zur Selbstdarstellung kann man sich nicht verweigern.

Sollte jemals jemand eine Geschichte der Mimik, Gestik, Körperhaltung schreiben, müßte er an Roma und Sinti das ungebrochene Pathos der Körperlichkeit studieren. Der Hang zur Zeremonie verfestigt sich oft zur Pose. Männer posieren gerne in Heldenstellung, Frauen in Divahaltung; diese verliert sich erst bei manchen ganz alten Frauen, die sich mehr nach innen kehten. Ansonst ist die große theatralische Geste fixer Bestandteil der zigeunerischen Kommunikation.

Jungen Ethnologen ist dies verdächtig. Auf der psychologisierenden Emanzipationswelle schwimmend verbannt er die Pose ins gruppendynamische Wochenendseminar. Sie erscheint ihm als Verkrampfung und Ausdruck sozialer Angst: »Die Pose ist die antizipierte Antwort auf die eigene Zukunft ... soziale Rückversicherung ... Konzession an die Konvention ... oft besitzanzeigend ... Zigeunerposen als Schutzbann ... ob nicht Zigeuner zur Rettung der ‚wahren‘ Aura die Pose einsetzen. Ob nicht ... ein Merkmal zigeunerischer Identität noch immer darin zu suchen ist, daß die Preisgabe von authentischer Identität verweigert wird.« [41]

Stillschweigend wird bei solchen Beobachtungen verausgesetzt, daß Natürlichkeit gerade in der unnatürlichsten aller Gesellschaften daheim ist, nämlich unserer bürgerlichen. In der Guckkastenbühne unseres täglichen Kommunikationstheaters wirkt besonders echt, wer psychologisch fein, körperlich ein bißchen gebremst, mehr in Andeutung als in konkreten Hinweisen sich ergeht. Volksstück und barocke Theatralik gingen mit Schimpf und Jesuiten unter. Seither wird ständig dezent kleinbürgerliches Melodram gespielt.

Angst vor Entdeckung unpassender Gefühle führt zur Minimierung jeglichen Ausdrucks. Das Unterstatement ist voll Selbstverzicht, dafür aber ist es nicht so angreifbar wie die Pose. Im großen Gefühlsrahmen wird jede noch so kleine Regung deutlicher.

Unter dem Titel »Verlust an Würde« [42] beschreibt Nietzsche, wie man früher öfter Leute auf der Straße in Denkerposen stehen sah und daran nichts Ungewöhnliches fand. Aber schon zu seinen Zeiten kam eine solche Haltung gänzlich ab, »das Denken kam um all seine Würde der Form«. Es ist, als dächten die Leute nur mehr in Häusern oder aber im Vorübergehen. Das wäre einen Versuch wert: eine Denkerpose auf der Straße lange genug durchzuhalten, bis einem etwas einfällt oder man von Ordnungsorganen abgeholt wird.

Beim 3. Roma-Weltkongreß spielte ein internationales Zigeunerensemble ein Stück auf Romani mit dem Titel »Mit der Liebe durch die Jahrhunderte«. Es war auch für Gadsche verständlich, wie volksstückhaft und gänzlich unpsychologisch Drohungen, Zärtlichkeiten, Haß, Verzweiflung und Hoffnungen ausgebreitet wurden.

Dazwischen traten welche vor und sangen mit großem Gestus, im Publikum gab man sich ungeniert den Tränen hin. Wo dieses Theater gänzlich wortlos und nur mehr Körpersprache wurde, hinterließ es einen sehr avantgardistischen Eindruck.

Im Umkehrschluß zum Ethnologen meine ich: Das Verbot der Pose ist die Rückversicherung der Gefühllosen. Sie wollen sicher sein, daß die anderen ihren Gefühlen auch nicht Ausdruck geben können. Die Pose ist die zigeunerische Aura. Rahel Varnhagen sagte: was gäbe es noch mehr zu wissen über einen Menschen, als wie er ausschaut und wie er sich bewegt.

Schwedische Zigeuner, 1879

Zigeuner in Bewegung

»Wenn ich in die Diskothek gehe, werde ich von den jungen Mädchen immer wieder gefragt, woher ich komme, weil ich so dunkel bin. Wenn ich dann sage, daß ich Zigeuner bin, ziehen die Mädchen instinktiv die Handtasche an sich«, erzählt ein junger österreichischer Sinti. [43]

Ebenso instinktiv abwehrend zieht die Gesellschaft die Staatskasse an sich, wenn es um die Forderungen der Roma und Sinti geht: Wiedergutmachungszahlungen für die in den KZ erlittenen Schädigungen fielen mager aus, im Vergleich zu denen ihrer jüdischen Mithäftlinge. Kriminelle und Homosexuelle hatten gar keinen Anspruch auf Entgelt. Zigeuner waren meist kriminalisiert, schon auf Grund ihrer fahrenden Lebensweise kamen sie auf Verwaltungsebene verhältnismäßig oft mit dem Gesetz in Konflikt.

Wo Wiedergutmachungen ausgezahlt wurden, steckten oft Anwalt und Sozialamt einen Großteil ein: »Als mein Vater 30.000 DM KZ-Geld bekam, kassierte das Sozialamt für die Unterstützung in den ersten Jahren nach dem Krieg und der Rechtsanwalt, der den Antrag auf Wiedergutmachung gestellt hatte. Für uns blieben nur noch 6000 DM übrig.« [44]

Der 3. Roma-Weltkongreß in Göttingen im Mai 1981 fand unter anderem deshalb in Deutschland statt, um auf das doppelt erlittene Unrecht der Zigeuner hinzuweisen. Die Redner, die von Greueltaten während des 3. Reichs berichteten, wechselten ab mit solchen, die von Diskriminierungen nach dem 3. Reich erzählten: von verweigerten Papieren, unrechtmäßigen und unverhältnismäßigen Übergriffen durch die Polizei, von Aufenthaltsverboten auf Campingplätzen, von katastrophalen Wohnbedingungen, von der hohen Analphabetenquote. Roma- und Sintikinder landen meist in Sonderschulen; unter 50.000 deutschen Sinti gibt es keinen einzigen Akademiker. Gegen Zigeuner ist die Rechtsprechung schärfer, und die Polizei zieht schneller die Dienstwaffe. [45]

Deutschland und Österreich haben sich um die Wiedergutmachung gedrückt. Eine Vergangenheitsbewältigung hat nicht stattgefunden, beklagte sich Anton Fojn, einziger österreichischer Delegierter, zum Kongreß. Zumindest eine moralische Wiedergutmachung steht seiner Meinung nach aus.

Der Verband deutscher Sinti fordert eine Globalentschädigung für die Naziverbrechen; sie soll der Ausbildung von Roma- und Sintikindern zugute kommen. Österreich und Deutschland haben wirklich allen Grund, den Empfehlungen des Europarates nachzukommen. Dort heißt es, daß sie in der Verwaltungspraxis nicht länger diskriminiert werden sollen; Wohnwagenplätze, Schul- und Berufsausbildung, die den Fahrenden angemessen ist, und Gesundheitsfürsorge sollen bereitgestellt werden.

Jugoslawien hat als einziges Land der Welt die Roma als ethnische Minderheit anerkannt: sie verfügen über eine eigene Radiostation, über Schulen, in denen in Romani unterrichtet wird, und über eine Akademikergeneration. Aus dieser stammt Sait Bali, der neue Präsident der Roma-Weltunion. Er erweckt den Eindruck, als würden Sinti und Roma unter seiner Führung einen raschen Integrationskurs steuern.

[1Laut Michael Genner handelt es sich hierbei um ein Sprichwort der Zigeuner. Vgl. M. Genner: Spartakus. Eine Gegengeschichte des Altertums nach den Legenden der Zigeuner. München 1979, Bd. 1, S. 14 et passim.

[2Zigeuner bezeichnen sich selbst je nach Gruppenzugehörigkeit als Roma, Sinti, Kaldera, Gitanos u.a.m. Den Namen Zigeuner, dessen sprachliche Herkunft ungeklärt ist, dessen Etymologie aber nichts mit »Zieh-gauner« zu tun hat, wie fälschlich angenommen wird, lehnen die meisten ab. Vermutlich weil er mit den Verfolgungen seitens der Nichtzigeuner verbunden ist. In diesem Text wechseln die Bezeichnungen einander ab, weil kein einheitlich verbindlicher Ersatzname existiert — die Sinti in Deutschland und Österreich legen Wert darauf, nicht Roma genannt zu werden.

[3Wolf In der Maur: Die Zigeuner, Wanderer zwischen den Welten. Wien 1978, S. 8.

[4Friedrich S. Krauss: Zigeunerhumor, zit. n. Heinz Mode und Siegfried Wölffling: Zigeuner. Der Weg eines Volkes in Deutschland. Leipzig 1968, S. 45.

[5Bertolt Brecht: Flüchtlingsgespräche, in: Gesammelte Werke, Frankfurt 1967, Bd. 14, S. 1462.

[6Françoise Cozannet: Mythes et coutumes religieuses des tsiganes, Paris 1973, S. 41.

[7Adalbert Keil (Hrsg.): Zigeunergeschichten, München, Wien, Basel 1964.

[8Der Terminus »zigeunergerecht« stammt aus einem Interview mit Reg.-Dir. Karl-Heinz Kursawe im Bundesministerium für Familie, Jugend und Gesundheit in Bonn am 25.5.1979: »... und aus Hannover war Herr Fahrenholz da. Das ist ein Zigeuner, der integriert ist. Er ist Lagerverwalter in einem Werk in Hannover, lebt aber mit der Familie völlig zigeunergerecht. Das ist ja praktisch unsere Zielvorstellung.« Zit. n. Anita Geigges/Bernhard W. Wette: Zigeuner heute. Verfolgung und Diskriminierung in der BRD. Eine Anklageschrift, Bornheim Merten 1979.

[9Grattan Puxon: Roma heute — Zur Situation der europäischen Zigeuner, in: In Auschwitz vergast, bis heute verfolgt, Reinbek 1979, S. 38.

[10Sergius Golowin: Der ewige Zigeuner im Abendland, München 1980, S. 127.

[11Pierre Derlon: Unter Hexern und Zauberern. Die geheimen Traditionen der Zigeuner, Basel 1976, S. 52.

[12Jean-Paul Clebert: Das Volk der Zigeuner, Stuttgart 1964, S. 87.

[13Mode/Wölffling, op. cit. S. 165.

[14Zit. n. Jóska Benkö: Zigeuner. Ihre Welt — Ihr Schicksal. Unter besonderer Berücksichtigung des burgenländischen und ungarischen Raumes, Pinkafeld 1979, S. 46.

[15Erzählt vom Zigeuner Paul Csokor, ibid., S. 23.

[16Paul Bataillard: De l’apparition et de la dispersion des Bohèmiens en Europe, Paris 1944.

[17Michael Genner, op. cit.

[18Jean-Paul Clebert, op. cit., S. 21.

[19Ibid., S. 4.

[20Ibid., S. 117.

[21Achim von Arnim schrieb 1805 in der Einleitung zu der Liedersammlung Des Knaben Wunderhorn: »So danken wir die mehrsten unserer Arzneien den Zigeunern, die wir verstoßen und verfolgt haben: Durch so viel Liebe konnten sie keine Heimat erwerben!«

[22Jean-Paul Clebert, op. cit., S. 119.

[23Mircea Eliade: Forgerons et alchimistes, Paris 1959.

[24Walter Starkie: Auf Zigeunerspuren, Augsburg 1957, S. 51.

[25Hans Ostwald: Vagabunden. Ein autobiographischer Roman. Frankfurt 1980. Ostwald beschreibt die Selbstverachtung der deutschen Vagabunden, die die Überzeugung haben, das Fehlen einer geregelten Tätigkeit weise auf einen Charakterdefekt hin. Das tüchtigste Land der Welt prägte noch die Arbeitsmoral seiner Außenseiter.

[26Einer Erzählung des persischen Dichters Firdusi zufolge kamen im Jahr 420 zehntausend Zigeuner nach Persien, die der Schah zur Erheiterung seiner Landsleute geladen hatte. Land und Saatgut wurde diesen »Luri« (Spielleuten) zugewiesen, sie aber aßen die Körner und säten nicht.

[27»Die Abscheu vor Lohnarbeit teilt vermutlich heute noch eine Mehrheit der Weltbevölkerung.« Ivan Illich: Schattenarbeit. FORVM, Jänner/Februar 1981, S. 42.

[28Bis in die frühen 70er Jahre wurde die Literatur über Zigeuner von solchen Ansätzen dominiert, z.B. bei Wolf In der Maur, Jean-Paul Clebert, Françoise Cozannet u.a. Der Theorie des biologisch vorgegebenen Wandertriebes hängt auch Michael Genner an, allerdings wendet er dies polemisch gegen die Seßhaften, bei denen er — wie bei eingesperrten Affen — Aggressionen aufgrund des verdrängten Wandertriebes konstatiert.

[29Tilman Zülch: Auschwitz ist noch nicht zu Ende, in: T. Zülch (Hrsg.): In Auschwitz vergast, bis heute verfolgt. Zur Situation der Roma (Zigeuner) in Deutschland und Europa, Reinbek 1979, S. 16. Hermann Arnold verfaßte 1965 ein Buch über Zigeuner, das jahrelang als ein Standardwerk fungierte, in dem er die rassenbiologischen Untersuchungen der Faschisten in Schutz nahm. Sein Name wird auch im Zusammenhang mit einer Kartei der Landfahrerzentrale Münchens genannt, einer Sammlung von Daten über Zigeuner aus der Nazizeit, mit der die bayerische Kriminalpolizei weiterhin arbeitet. Der deutsche Sinti-Verband führte 1980 aus Protest gegen die Existenz dieser Kartei einen Hungerstreik in Dachau durch.

[30Grattan Puxon: Roma heute, op. cit., S. 29 ff.

[31Wolf In der Maur, op. cit., S. 23.

[32Ibid., S. 28 f.

[33Jan Yoors: Die Zigeuner, Stuttgart 1970, S. 58.

[34Wolf In der Maur, op. cit., S. 26.

[35Bertolt Brecht: Flüchtlingsgespräche, op. cit., S. 1383.

[36Georgia A. Rakelmann: Die Zigeuner und wir, in: Zigeunerleben, Darmstadt 1980, S. 156 f.

[37Mode/Wölffling, op. cit., S. 64.

[38Jan Yoors, op. cit., S. 134.

[39Françoise Cozannet, op. cit., S. 48.

[40Jan Yoors, op. cit., S. 102.

[41Heinz Schilling: Wie sich Zigeuner fotografieren lassen oder Dreizehn Vermutungen über die Pose, in: Zigeuner und Wir. Frankfurt 1979, S. 152 f.

[42Friedrich Nietzsche: Fröhliche Wissenschaft.

[43Miriam Wiegele: Die Zigeuner in Österreich, in: In Auschwitz vergast, bis heute verfolgt, op. cit., S. 272.

[44Peter Dronja: Ich will raus aus dem Getto, in: Pogrom. Zeitschrift für bedrohte Völker, März/April 1981.

[45Rainer E. Tenfelde: Deutsche Zigeuner und das Recht, in: Zigeunerleben, op. cit., S. 187 ff.

Auf dem Weg nach Temesvar
Faßten mich heute die Gendarmen
Schlugen mich, und einer fragte,
Der große Herr:
— Cigan, wo hast du die Pferde,
Die gestohlenen, du weißt schon?
— Herr, die habe ich verkauft,
Großer Herr!
— Und das Geld, Dieb? Wo hast du’s?
— Aufgegessen und vertrunken,
Und die Hälfte gab ich dir,
Großer Herr!
Serbisches Zigeunerlied, übertragen von Milo Dor und Reinhard Federmann.
Es ist nicht mehr, wie es war
Nie mehr gehen wir in die Kneipen
Unsere Herzen erfreuen.
 
Ach wir schlendern nicht mehr trunken
Über Straßen, und wir küssen
Morgens nicht mehr schöne Frauen.
 
Fortgelaufen sind die Pferde
Wie die Straßen. Auf dem Rücken
Schleppen wir jetzt unsre Kinder.
 
Nie mehr treten wir mit Hufen
junges Gras. Die blauen Pflaumen
Pflücken wir nicht im Galopp.
 
Nicht die Pferde, nein, uns selber
Spannen wit vor unsre Karren
Unsre Kinder auf dem Rücken.
 
Lieber Gott, laß mich noch einmal
Angetrunken sein wie früher
Mit dem dunklen Wein, dann sterben.
Serbisches Zigeunerlied, übertragen von Milo Dor und Reinhard Federmann.
Regen kommt auf und fällt.
Ein Mann sitzt am Boden und weint.
Sitzt, weint und betet zu Gott.
Die Frau ging fort. Es geht ihr gut.
Sie zieht irgendwohin,
mit einem Kerl mit großem Schnurrbart.
Unterwegs machen sie auf einer Wiese halt,
und sie brät ihm Hühner.
Ihrem Mann hat sie keine gebraten. Niemals.
Deswegen weint er.
Serbisches Zigeunerlied, übertragen von Hansegon Voigt.
Sieben liegen in der Zelle
Siebenfach Weinen. Siebenmal Trauer.
Siebenundsiebzig Nächte
liegen die Sieben in der Zelle.
Wie kannst du, Gott, es ruhig mitansehn,
dies siebenfache nachtschwarze Unglück.
Löse deine Gnade und komm
mit deinen siebzigtausend Schlüsseln.
Öffne die Tür des Kerkers.
Siebenmal wird Finsternis
die Straßen enteilen
und deinen Namen preisen.
Serbisches Zigeunerlied, übertragen von Hansegon Voigt.
Dort stehen zwei junge Gendarmen,
fragen mich, ob ich Papiere habe.
Papiere habe ich, aber einen Paß hab ich nicht!
Keinen Paß für dieses schöne Pferd.
Oi Mutter, verwünsch diese Gendarmen.
Es macht nichts, daß sie mich hetzen.
Schlimm ist, daß sie mich abführen.
Es macht nichts, daß sie mich schlagen.
Schlimm ist, daß sie mich verhören.
Papiere habe ich, nur den Vertrag hab ich nicht.
Kein Dokument, keinen Paß für das Pferd.
Es macht auch nichts, daß sie mich abführen.
Schlimm ist, daß sie mich einsperren wollen.
Serbisches Zigeunerlied, übertragen von Hansegon Voigt.
Grüne Ulme, grüner Schatten, grünes Gras.
Dort ist die rote Schlange.
Grüne Ulme, grüner Schatten, grünes Gras.
Sie ist mir in die Brust gesprungen,
die rote Giftotter.
Mutter, Mutter,
steck die Hand in meine Brust
und zieh die Schlange heraus,
Mutter, die rote Schlange.
Nein, ich darf es nicht, mein Sohn.
Aber geh zu deinem Vater.
Vater, Vater,
steck die Hand in meine Brust.
Nein, ich darf es nicht, mein Sohn.
Geh zu deinem Schwesterchen.
Schwesterchen, Schwesterchen,
zieh mir die Schlange heraus,
die rote Schlange, Schwesterchen.
Nein, Bruder, ich darf es nicht.
Doch geh zur Dirne, Bruder.
Dirne, Hürleın,
steck die Hand in meine Brust
und zieh die Schlange heraus,
Dirne, die rote Schlange.
Als das die Hure hörte,
durchsuchte sie die Kleider,
löste ein seidenes Tuch,
umwickelte ihre Hand,
zog die rote Schlange heraus,
schmetterte sie zu Boden.
und nahm mir fünfzig Dukaten ab.
Serbisches Zigeunerlied, übertragen von Hansegon Voigt.
Sieh jenes Mädchen, Mutter,
das im roten Rock tanzt.
Sieh es dir an, Mutter,
und freie es für mich.
Ich spüre Lust auf Kürbisse
und möchte im Kolo tanzen
und toten Wein trinken.
Sieh dir das Mädchen an, Mutter!
Mein Lager ist kalt ohne ihren Leib.
Meine Schultern sind bloß ohne ihre Hände.
Ich habe Lust auf Kürbisse
und möchte im Kolo tanzen.
Umschlungen könnten wir
bis in den Morgen schlafen.
Serbisches Zigeunerlied, übertragen von Hansegon Voigt

Eine Teiluntersuchung über die Zigeuner im Hitler-Staat liegt nun hier vor: Die Verluste der Zigeuner in Österreich sind angesichts ihrer zahlenmäßig und wirtschaftlich geringen Bedeutung außerordentlich groß. Man bedenke: Hier gab es nichts zu »arisieren«, nicht nur, weil die Zigeuner als »Arier« bezeichnet wurden. Sie besaßen ja meist wenig oder gar nichts. Hier schaltete und waltete einzig und allein der Rassenhaß. Mehr als die Hälfte der in Österreich lebenden Zigeuner wurde ausgerottet, von ungefähr 11.000 leben heute (1966) noch etwa 4500. Dennoch: Die alten Rassenvorurteile sind noch nicht in gleicher Weise ausgerottet ... Nur 135 burgenländische Zigeuner erhielten eine einmalige Haftentschädigung für die Zeit, die sie in Lackenbach verbracht hatten. Die Zahl der Opferfürsorgeträger ist niedrig, sie beträgt für das gesamte Burgenland 625, dazu kommen für das restliche Österreich weitere etwa 200 Opferfürsorgeträger: von etwa 11.000 Verfolgten weniger als 1000 Entschädigte.

Selma Steinmetz: Österreichs Zigeuner im NS-Staat.

Ich wurde 1953 nach Würzburg vorgeladen. Ich sollte zur Untersuchung, damit ich für die Gesundheitsschadenrente eingeschätzt werde, wieviel Prozent erwerbsgeschädigt ich war. Erst wollte ich nicht, denn damals wie heute sind in Würzburg die gleichen Leute Staatsanwälte und Richter. Nach der Vorladung ging ich rauf zum staatlichen Gesundheitsamt. Ich ging in das Zimmer rein und war wie erstarrt. Vor mir stand derselbe Mann, der damals mit den Gestapos bei meiner Sterilisation dabeigewesen war. Heute hat er eine leitende Stelle beim Gesundheitsamt und bei der Krankenkassa. Und der sollte mich einstufen! Ich hatte ihn nie vergessen. Bevor sie die Augen schließen, die Gesichter, die sind in mir eingebrannt.

Dann hab ich ihm gesagt, Sie waren bei meiner Sterilisation dabei, Sie wollen mich einstufen! Dann hab ich das erste, was ich erwischen konnte, das ganze Tintenfaß hab ich ihm draufgeklebt. Mußte bloß 20 DM dafür zahlen, für die Augengläser ... Dann hat man mich nach Bamberg verwiesen, wo man mich sofort auf 50 Prozent Erwerbsunfähigkeit eingeschätzt hat.

Therese Seible, Sintiza, Tonbandprotokoll eines Vortrags über Widerstand von Frauen im Dritten Reich.
In Mostar beschlagene Enten,
in Misir gegürtete Mäuse.
Der Wolf im grünen Hemd,
der Bär in gelben Hosen,
das Huhn im Perlenschmuck,
der Hahn mit weißen Gamaschen.
Der Füchsin hat ihr Haar geflochten,
und der Hase trägt Hosen des Zwitters.
Serbisches Zigeunerlied, übertragen von Hansegon Voigt.
Meine Haare bekleiden mein Gesicht
mein Körper ist nackt unter meinem Gewand
und trägt die Spur der Gesichter,
die meinen Bauch verlassen haben.
Ihr Gewicht auf meinen Schultern
hindert mich nicht zu tanzen.
Denn im Bauch wiegt er leicht,
der ungeborene Sohn.
Betgesang der jungen Romi anläßlich der Wallfahrt zur Heiligen Sarah in Saintes Maries de la Mer.
Ich habe weder Tisch noch Stühle.
Wer hat ein schöneres Liebchen als ich?
Komm, mein Schatz, ich flüstere dir etwas zu:
Öffne vorne mein Seidenhemd!
Ich ging in den Wald, Holz zu fällen,
kam meine schwarze Frau, Reisig zu sammeln.
Komm her, meine Frau, ich flüstere dir:
Öffne vorne mein Seidenhemd!
Ich ging in den Wald, Reisig zu sammeln,
kam meine schwarze Frau, Reisig zu sammeln.
Komm her, meine Frau, ich flüstere dir:
Öffne vorne mein Seidenhemd.
Ungarisches Zigeunerlied, aus dem Stegreif.

Es war eine junge Zigeunerin, die wußte nicht mehr, woher sie etwas zu essen nehmen sollte. So machte sie Feuer, tat Wasser und Gras in den Kessel und sang: »Will mir keiner etwas geben, so will ich doch leben, mein Herz das will pochen, die Suppe soll kochen.«

Als sie zu Ende gesungen hatte, kam ein kopfloses, gerupftes Huhn geflogen und direkt in das kochende Wasser. Schon kamen die Leute herbeigerannt und schrien nach der Polizei.

»Eine Diebin ist sie«, riefen sie, »eine ganz freche Diebin!« Und zerrten sie vor das hohe Gericht. »Wo hast du das Huhn gestohlen?« fragte der Richter. »Ich hab es nicht gestohlen«, rief das Mädchen weinend. »Es ist mir ohne Kopf und Federn in den Kessel geflogen.«

Der Richter schüttelte verärgert den Kopf. »Ein Huhn ohne Kopf und ohne Federn pflegt gemeinhin nicht durch die Luft zu fliegen«, sagte er schneidend. »Ich weiß nicht, Herr Richter.« Das Mädchen zuckte hilflos die Achseln. »Vielleicht hat Gott nachgedacht.«

Die Zigeuner glauben nämlich, daß etwas ganz Außerordentliches geschieht, wenn Gott nachdenkt. Aber es war keine gute Antwort für die Leute, denn jetzt schrien alle: »Gotteslästerung!«

»Bringt ihren Kessel!« befahl der Richter, »Füllt ihn mit Wasser und Gras und setzt ihn aufs Feuer! Wir wollen sehen, was dann geschieht. Wenn es einmal möglich war, dann sollte die Angeklagte es noch einmal möglich machen können. Wenn nicht — muß sie verhungern — denn wir geben ihr nichts zu essen.«

Alles geschah nach seinem Befehl. Kaum begann das Wasser zu kochen, kam durchs offene Fenster ein kopfloses und säuberlich gerupftes Huhn geflogen und stürzte sich in den Kessel der Zigeunerin, daß es nur so nach allen Seiten spritzte.

Das Mädchen klatschte vor Freude in die Hände. Nun schrien die Leute: »Hexerei!« Das Mädchen wurde neuerlich angeklagt und diesmal als Hexe zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.

Zigeunersage, erzählt von Kurt Benesch.
Komm, großer Gotı, auf die Erde
Steig herab, schau diesen Glanz
Jung inmitten der Tristen.
Von schwarzem Gold die Haut,
Stehe ich
In der Sonne glänzt meine Haut
Gelb und Schwarz
Weiß und Schwarz.
Schau dies, Gott, und verbeug dich.
Früh bin ich auf, ich eile zu meinem Mädchen
Die dunkelste Schöne hab ich mir genommen.
Schau dies, Gott, und verbeuge dich
Vor mir.
Serbisches Zigeunerlied, übertragen von Milo Dor und Reinhard Federmann.
Wär ich ein Vogel, ich fliege
Fliege, wohin ich will
Laß mich nieder beim Topf
Beim größten Topf.
 
Freß mich dort voll mit Fleisch
Schnapp mir das größte Stück
Husche hinter das Heu
Niemand schaut zu
Freß ich mich voll.
 
Wär ich die Fledermaus, flög ich
Fiel ich hinunter ins Heu
Dem Mädchen grad auf die Brüste
Fledermaus ich
Ihr auf die Brüste
Sieh hell, ich schwarz.
 
Serbisches Zigeunerlied, übertragen von Milo Dor und Reinhard Federmann.

Die Abbildungen sind aus den Büchern:

  • Jean-Paul Clebert: Das Volk der Zigeuner, Wien 1964
  • Heinz Mode/Siegfried Wölfling: Zigeuner, Leipzig o.J.
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