Marie Marcks

Geboren am: 25. August 1922

Gestorben am: 7. Dezember 2014

Bilder
FORVM, No. 303/304

Frauengewerkschaft

Warnschild vor einer Sackgasse
250px-Marie_Marcks_2006.jpg?utm_source=de.wikipedia.org&utm_campaign=parser&utm_content=thumbnail
Marie Marcks (2006)

Marie Marcks (* 25. August 1922 in Berlin; † 7. Dezember 2014 in Heidelberg) war eine deutsche Zeichnerin und Karikaturistin.

Marie Marcks wuchs in Berlin auf. Ihr Vater Dietrich Marcks[1] (1882–1969) war Architekt, der im Büro von Peter Behrens arbeitete,[2] und Bauleiter archäologischer Ausgrabungen in Ägypten.[3] Ihre Mutter Else Marcks-Penzig war eine Buch-Grafikerin und führte eine private Kunstschule.[4] Der Bildhauer Gerhard Marcks ist ihr Onkel. Nach ihrer Gymnasialzeit auf dem reformpädagogischen Internat Birklehof in Hinterzarten (Schwarzwald) und einer Ausbildung an der Kunstschule ihrer Mutter studierte Marie Marcks, noch während des Zweiten Weltkrieges, einige Semester Architektur in Berlin und Stuttgart. Nach Abbruch ihres Studiums arbeitete Marie Marcks ab 1948 in Heidelberg[5] als selbständige Kunstschaffende.

In den 1940er und 1950er Jahren schuf sie vorwiegend Plakate, 1958 bekam sie die grafische Gestaltung des bundesdeutschen Beitrags auf der Expo 58, der Weltausstellung in Brüssel, übertragen.[6]

Anfang der 1960er Jahre begann sie, Karikaturen zu veröffentlichen. Ihre ersten Werke erschienen in der Zeitschrift atomzeitalter von Claus Koch, bei der sie von 1963 bis 1966 als feste Karikaturistin arbeitete.[6] Im Laufe der Zeit erweiterte sie ihre Zeichnungen auf Themen aus dem gesellschaftspolitischen und feministischen Bereich. Damit wurde sie eine der bedeutendsten Karikaturistinnen der Bundesrepublik Deutschland. Marie Marcks veröffentlichte zahlreiche Bücher, regelmäßig Karikaturen in weit verbreiteten Publikationen wie der Süddeutschen Zeitung,[7] dem Stern, dem Spiegel, Titanic und Vorwärts sowie autobiografische Aufzeichnungen aus dem Familienalltag.

1984 und 1989 erschien in zwei Bänden ihre gezeichnete Autobiographie Marie, es brennt! und Schwarz-weiß und bunt mit zusammen über 300 Seiten. Dabei kollagierte sie ihre frühen Werke in neue Zeichnungen.

Ihre Bilder, schwarz-weiß oder mit Buntstift, sind oft mit Sprechblasen oder Untertexten zu Momentaufnahmen einer Entwicklung(sgeschichte) konzentriert. Detailreichtum und Wortwitz sind typische Merkmale. Marcks bezog häufig eine dezidierte Position in politischen Tagesfragen kommunaler oder bundesweiter Politik. Sie war zeichnerisch eine Weg- und Zeitgenossin der viel jüngeren Franziska Becker und Claire Bretécher. In ihren Bildern tauchen immer wieder Hinweise auf die zeitgenössische Kunst auf. Bis kurz vor ihrem Tod im Alter von 92 Jahren zeichnete sie noch, in einem Interview bezeichnete sie die Zeit zwischen 60 und 80 sogar als ihre produktivste.[8]

Ihr Stil begann in den 1960er Jahren mit Anklängen an Bosc und Chaval. Einflussreich für ihre Entwicklung waren die französische Satire-Zeitschrift Hara-Kiri und Jean-Marc Reiser. Im Laufe der Zeit erarbeitete sie sich ihre unverwechselbaren Figuren mit langen Nasen. Ihre Zusammenarbeit mit der Neuen Frankfurter Schule gilt als Einfluss für die Entwicklung einer Nonsens-Art, aus der Sigmar Polke oder Martin Kippenberger hervorgegangen sind.[6]

Sie wurde Mutter von fünf Kindern,[9] drei Töchtern und zwei Söhnen.[10] Im August 1944 wurde sie zum ersten Mal Mutter[4] und lebte seit 1948[5] in Heidelberg. In Heidelberg ist die Marie-Marcks-Schule[11] und die Marie-Marcks-Straße nach ihr benannt.[12]

Marie Marcks’ künstlerischer Nachlass wurde 2013 mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder durch das Deutsche Museum für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch in Hannover aufgekauft, das von Mai bis Oktober 2015 eine Retrospektive der Künstlerin organisierte.[6][4] Zu ihrem 100. Geburtstag erschien 2022 eine zweibändige Werkausgabe.[13]

Einzelausstellungen

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
vgl. Ausstellungskalender auf marie-marcks.de[15]
  • Thomas Werner (Hrsg.): Sternstunden der Menschheit – von Marie Marcks. Karikaturen der letzten 50 Jahre. Anlässlich einer Ausstellung im Kurpfälzischen Museum der Stadt Heidelberg. Edition Braus im Wachter Verlag, 2000, ISBN 3-926318-73-2, Inhaltsverzeichnis, besonders S. 273–275.
  • Michael Buselmeier (Hrsg.): Erlebte Geschichte erzählt 1994–1997. Das Wunderhorn, Heidelberg 2000, ISBN 3-88423-175-8, Inhaltsverzeichnis, S. 221–235, (Gespräch mit Marie Marcks über ihr Leben und Schaffen).
  • W. P. Fahrenberg (Hrsg.): Meister der komischen Kunst: Marie Marcks. Verlag Antje Kunstmann, München 2011, ISBN 978-3-88897-717-6, besonders S. 105–110.
Commons: Marie Marcks – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. a b Aktuelle Wechselausstellung: Marie Marcks. 9. August – 11. November 2012. (Memento vom 27. Oktober 2012 im Internet Archive). In: Caricatura Museum für Komische Kunst, 2012.
  2. Walter Gropius - Der Architekt, der die Regeln neu schrieb. In: shop.bauhaus-movement.com, aufgerufen am 31. Juli 2026.
  3. Marianne Eaton-Krauss: Bernard V. Bothmer, Egyptologist in the Making, 1912 Through July 1946. 2019, Zaphon, Münster, ISBN 978-3-96327-048-2, S. 65.
  4. a b c d Nichts gegen Männer … Karikaturen und Zeichnungen von Marie Marcks. Ausstellung: 31. Mai bis 11. Oktober 2015. In: Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst. Abgerufen am 30. Juli 2026. 
  5. a b c Ausstellung: Marie Marcks: „Und darum müssen wir Deutschen aussterben.“ Karikaturen der letzten 50 Jahre. 17.9.2000 – 7.1.2001. (Memento vom 22. März 2003 im Internet Archive). In: Kurpfälzisches Museum Heidelberg / zum.de, 2000.
  6. a b c d Andreas Platthaus: Emanzipation als Lebensform. Zum Tod von Marie Marcks. In: FAZ. 7. Dezember 2014 (archive.org). 
  7. Paul Katzenberger: Marie Marcks zum 90.: „Ab heute sagen wir Penis.“ In: Süddeutsche Zeitung, 25. August 2012, mit 17 Karikaturen, aufgerufen am 30. Juli 2026.
  8. Anne Haeming: Legendäre Zeichnerin Marie Marcks: „An jeder Ecke waren Altnazis“. In: spiegel.de, 9. August 2012, Interview, mit 11 Bildern.
  9. Bettina Wolf: „Eine gute Mutter? Diese Frage stellte sich früher überhaupt nicht!“ (Memento vom 10. Dezember 2022 im Internet Archive). In: StadtLandKind, 2013, erschienen am 18. März 2020, Interview.
  10. Traueranzeige für Marie Marcks. In: FAZ, 13. Dezember 2014, aufgerufen am 31. Juni 2026.
  11. Marie-Marcks-Schule – Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum. In: marie-marcks-schule.de. 2023, abgerufen am 30. Juli 2026. 
  12. Stadtplan: Heidelberg: Marie-Marcks-Straße, in: OpenStreetMap.org, aufgerufen am 30. Juni 2026.
  13. Martina Knoben: Marie Marcks zum Hundertsten. Vom Risiko, eine Frau zu sein. (Memento vom 24. August 2022 im Internet Archive). In: Süddeutsche Zeitung, 24. August 2022, aufgerufen am 30. Juli 2026.
  14. Bundespräsidialamt
  15. a b Tai M. Lüdicke [1]: Ausstellungen. (Memento vom 25. Januar 2022 im Internet Archive). In: marie-marcks.de, 2012.
  16. Ausstellung: Marie Marcks. (Memento vom 19. März 2005 im Internet Archive). In: Olaf-Gulbransson-Museum Tegernsee, 2005. Einführung: Michael Rother, Ernst Maria Lang: Worte zu Marie Marcks.
  17. Ausstellung: 23. Oktober bis 10. Dezember 2008. 1968 und die Folgen im Spiegel der Karikaturen von Marie Marcks. (Memento vom 27. Oktober 2008 im Internet Archive). In: frauenmuseum-wiesbaden.de, 2008.
  18. Ausstellung: 15. März – 30. April 2011 mit Special: „Deutsch-Deutsche Querelen“. Karikaturen von Marie Marcks. (Memento vom 6. Februar 2011 im Internet Archive). In: Museum für Humor und Satire, 2011, (PDF; 149 kB).
  19. Ausstellung: Marie Marcks – Karikaturen und Zeichnungen. In: Heylshof, November 2023, aufgerufen am 30. Juni 2026.