Mit den beiden nachfolgenden Beiträgen beenden wir unsere in Heft 15 begonnene Diskussion, die versucht hat, das Phänomen des Marxismus (und seines Schöpfers) auf seine Haltbarkeit im Zusammenhang mit der Demokratie und im Licht der seit Marx erfolgten Veränderungen zu untersuchen. Daß diese (…)
Ich war damals noch Student am Gymnasium, aber in den Ferien hielt ich mich häufig im Quartier der „Landarbeiter-Liga“ auf, die seit ein paar Jahren auch in unserem Dorf bestand. Die Liga war in einem Jahr der Dürre und des Hungers gegründet worden, und schon nach wenigen Stunden hatten sich ihr (…)
Im sozialistischen Parteiprogramm des Jahres 1958 wurde vom künftigen Verhältnis der SPÖ zur Arbeiterschaft das Folgende gesagt: Die Sozialisten wollen ihr Ziel durch die politische Zusammenfassung aller Arbeitenden erreichen. Gestützt auf die Erkenntnisse des wissenschaftlichen Sozialismus, (…)
Vom Schrecken des Wohlfahrtsstaates
Durch die allgemeine industrielle Anwendung der Atomenergie wird man, so versichern uns die Techniker, den Arbeitstag auf zwei bis drei Stunden verkürzen können. Es ist schwer vorauszusagen, was die Menschen mit dem dadurch verfügbaren Überfluß an Zeit anfangen werden. Bisher hat sich noch kein (…)
Vom Schrecken des Wohlfahrtsslaates (II)
Aus dem gleichen Komplex erklärt sich der überraschende Zustrom vieler, auch politisch wenig interessierter Menschen zu den sogenannten Massenparteien. Die Massenpartei dient erstens als unerläßlicher Mittler zwischen dem Einzelindividuum und der gesteigerten Staatsmacht; zweitens bietet sie (…)
Die Revolution der primitiven Rebellen
Eine ganze Reihe theoretischer Spielarten des Individualterrorismus beeinflußte das Denken der Gruppe um Gavrilo Princip. Auf Grund der von mir eingesehenen Dokumentation kannten und studierten Princip und seine Freunde: Die klassischen Vorstellungen des Tyrannenmordes, in einem weiten Bogen (…)
Im letzten Herbst des Zweiten Weltkriegs, Ende September 1944, hielt Friedrich Adler in New York eine Rede zur 80. Wiederkehr des Gründungstages der Ersten Internationale. Wir drucken den bisher unveröffentlichten Text mit Erlaubnis Frau Kathia Adlers, Zürich, aus dem Friedrich-Adler-Archiv, (…)
Aus dessen Werk „Zwischen zwei Weltkriegen?“, Bratislava 1936, S. 312 ff.
Der Erfolg eines Streiks läßt sich nicht an den unmittelbaren Vorteilen messen, die er bringt, sondern an der Macht, die die gemeinsame Aktion den kämpfenden Arbeitern gibt: Macht über die Organisation der Arbeit, über die qualitative und quantitative Bewertung der Funktionen im Arbeitsprozeß, (…)
1. Notwendigkeit einer Popästhetik Pop ist keine authentische ästhetische Kategorie. In der Nachfolge der Philosophie Platos und Croces sehen viele bürgerliche Kulturtheoretiker Kunst als eine „intuitiv-expressive Einheit“. Demgegenüber hat Della Volpe gezeigt, daß jede materialistische (…)
Die nachfolgende Selbstdarstellung einer linken Gruppe in Wien scheint mir ein faszinierendes Zeichen der Zeit, ein Dokument, das kompletten Abdruck verdient. Es stammt aus der Zeitschrift „Nachrichten für Unzufriedene“, produziert von dieser Gruppe. Bestellungen an: Jakob Myttheis, Wien VI, (…)
I. Antiquierte Räte? Eine neue theoretische Reflektion des Räte-Themas wurde gefordert: Dieser Vorschlag hat bei den traditionellen politischen Kräften Skandal verursacht; wir wurden sofort als scholastische Wiederentdecker historisch überholter Erfahrungen katalogisiert, als Extremisten, die (…)
Die patriarchalische Form der Familie ist kein Produkt kapitalistischer Produktionsverhältnisse. Ihr Ursprung liegt in vorangegangenen gesellschaftlichen Formationen. Sie ist eng verknüpft mit dem ersten Auftreten des Privateigentums (siehe F. Engels, Ursprung der Familie, des Privateigentums (…)
(CFDT = Conféderation Française Democratique de Travail, ehemals christlicher nun linkssozialistischer Gewerkschaftsverband.) (CGT=Conféderation Générale de Travail, Gewerkschaftsverband der KPF.) Frage: Die CFDT hatte lange Zeit ernste Vorbehalte gegen das „Gemeinsame Programm“ der (…)
Rudi, die linken Studentengruppen sind zerstritten. Ist die Studentenbewegung am Ende? Nun wollen wir erst mal feststellen: Es hat niemals nur eine Studentenbewegung gegeben. Das muß erst mal klar aus der Ideologie ’rausgetrieben werden. Solange es eine antiimperialistische Bewegung gegeben (…)
Roman, Hermann Luchterhand Verlag, Darmstadt und Neuwied 1973, 140 Seiten, DM 16,80, öS 134,40 In den Diskussionen über Arbeiterliteratur besteht immer wieder der Konflikt zwischen den Gegnern und den Anhängern der Privatsphäre und ihrer literarischen Schilderung. Während die einen verlangen, (…)
Der Hukla-Konzern ist ein kleiner Multi mit Möbelfabriken in Frankreich, Italien, Österreich, der Schweiz und Japan. Der Hauptbetrieb in Baden-Württemberg hat 4.000 Arbeiter, die österreichische Filiale rund hundert. Die Struktur: von den hundert Arbeitern sind alle Gewerkschaftsmitglieder, vier (…)
Der Vorschlag einer „gleitenden Lohnskala“ erscheint auf den ersten Blick als „reformistisches Manöver“. Aber der trotzkistische Theoretiker Ernest Mandel, Wortführer der IV. Internationale, sieht darin nur den Ausgangspunkt einer militanten Arbeitsstrategie, die zu immer schärferen (…)
Seit dem Putsch in Chile von 2. September 1973 ist unter den Linken ein gewisser Fatalismus bezüglich der bürgerlichen Exekutive verbreitet. Unser italienischer Mitarbeiter Alexander Langer zeigt anhand von jüngsten Beispielen aus Portugal und Italien, daß und wie man einem reaktionären Putsch (…)
Das nachfolgende Interview haben wir am 2. Mai 1975 mit dern portugiesischen Trotzkistenfunktionär Afredo Frade anläßlich seines Besuches in Wien aufgenommen. Frade, Jahrgang 1951, Medizinstudent, gehört der LCI (Internationale Kommunistische Liga) an, die bei den Wahlen vom 25. April 1975 als (…)
Sozialismus oder Barbarei
Tätiger Optimismus Nationalratswahlen stürzen die Linke in Österreich immer wieder in ein Dilemma. Resignation, Unentschiedenheit, Jammern, Kleinmut und Pessimismus — alle Negativa des österreichischen Nationalcharakters machen sich breit. Man beklagt den „niedrigen Politisierungsgrad der (…)
Klassenkampf in China
Der Kampf zwischen zwei Linien, zwischen Linken und Rechten in China, wird von der westlichen Presse immer als Machtkampf an der Spitze beschrieben. Das ist er zwar auch, aber dabei bleiben die sozialen Inhalte unberücksichtigt. Der französische Soziologe Jacques Broyelle und seine Frau Claudie (…)
MFA-Projekt vom 8./9. Juli: Staatskapitalismus, gemischte Wirtschaft oder Räte in Selbstverwaltung? In der Nacht vom 8. zum 9. Juli 1975 überschritt die Bewegung der Streitkräfte (MFA) den Rubikon zum Rätesozialismus: erstmals definierte die MFA-Generalversammlung, damals das oberste legale (…)
Klassenverrat und Arbeiteraristokratie
Nicht daß der Hungernde stiehlt oder daß der Ausgebeutete streikt ist zu erklären, sondern warum die Mehrheit der Hungernden nicht stiehlt und die Mehrheit der Ausgebeuteten nicht streikt. Wilhelm Reich; Massenpsychologie des Faschismus, 1933 Der dreißigjährige Friede Seit Jahrzehnten ist (…)
Manche historischen Prozesse verdeutlichen anschaulicher als jede theoretische Erläuterung die Schwierigkeiten der positivistischen Forderung nach „objektiver‘‘ Geschichtsbetrachtung. Sie soll sich ausschließlich an den konkreten historischen Fakten orientieren, wird aber gerade dadurch dem (…)
Adelheid Popp: Jugend einer Arbeiterin. Herausgegeben und eingeleitet von Hans J. Schütz, Verlag J. H. W. Dietz’ Nachf. GmbH, Berlin 1977, 187 Seiten, DM 14, öS 107 Fromme Seelen Autobiographien sind heute reinster Anachronismus und zugleich die peinlichste Form von Literatur — macht sich (…)
Irgendwann hatte Klein gemerkt, daß es nichts half, einfach nur immer wieder davonzurennen. Aufatmend aus einem Fabriktor zu gehen und sich einzubilden, es habe sich mit dem Kündigen die Welt verändert, als fange jetzt wirklich ein ganz anderes Leben an. Zwei Schritte vom Tor dachte er doch (…)
Michael Genner: Mein Vater Laurenz Genner. Ein Sozialist im Dorf, Veröffentlichung des Ludwig Boltzmann Instituts für Geschichte der Arbeiterbewegung. Nachwort von Karl R. Stadler, Europaverlag, Wien 1979, 326 Seiten, DM 38, öS 270 Österreichische Zeitgeschichte, aus einem ungewöhnlichen (…)
„Marihijaha hilf!“ Gepfercht in den engen Korridor hinterm Portal Nr.2 der Leninwerft in Danzig, umweht von stickigem Atem und religiöser Inbrunst, nach einer Stunde Messe und einer Dreiviertelstunde Marienlitanei, ich wollte durch, aber das Tor war zu, und da geschah’s, die Arbeiter hatten sich (…)
Auch in der Sowjetunion wird gestreikt. Die Versorgung ist dort noch schlechter als in Polen, nur ist die Information geringer. Heuer im Mai gab’s Streiks in Minsk sowie in den Autofabriken von Gorki und Togliattigrad. An letzterem Streik nahm eine Gruppe der freien Gewerkschaft „Smot“ teil (= (…)
Die Judenfalle
Über Wege, Umwege und Sackgassen der jüdischen Arbeiterbewegung im Osten sprach der deutsche Journalist Eike Geisel mit zwei deutschen Juden, Jakob Moneta und Jakob Taut, die beide aus Polen stammen. Anlaß war das Erscheinen der Autobiographie eines Proletariers aus Warschau: Hersch Mendel: (…)
Wirtschaftskrise und Automatisierung der Büroarbeit bringen Ingenieure und Arbeiter zusammen. In England entstanden neue Modelle der Konstruktion, Planung und Selbstverwaltung in einer dahinsiechenden Industrie. Mike Cooley stand lange Zeit an der Spitze eines solchen Modells im englischen (…)
es ist nicht gut, wenn sklaven bücher lesen. bildung zerstört ihre instinkte und verwirrt ihren geist. glauben sie mir: sie sind im irrtum, sie täuschen sich — was ein sklave werden soll, das hat erziehung nötig. die ausbildung seiner fertigkeiten und die erziehung zu ordnung und moral. ein (…)
Zwei linke Theoretiker unterschiedlicher Provenienz stellen gemeinsam die Gretchenfrage (s. S. 14) und beginnen demgemäß und erfrischend bei Adam und Eva, um gemeinsam zum Thema (zur These) zu kommen: „Katalysator Wissenschaft: Die Arbeiterbewegung vor neuem Handeln“. Zweifellos leben wir in (…)
45 Teile Weizen, 20 Teile Roggen, 35 Teile Mais für die Tage Sonntag, Montag, Dienstag, geben die österreichischen Tageszeitungen am Samstag, dem 4.12.1920 die amtlich festgelegte Brotmischung für die kommende Woche bekannt. Um Abwechslung in den Speiseplan zu bringen, wird das Brot von Mittwoch (…)
Proletarisch meint stets bürgerlich
0. Gemeinhin war man in der Linken davon ausgegangen, daß die Begrifflichkeit, die sich positiv auf den Klassenkampf und seine Kategorien bezieht, zum essentiellen Bestandteil sozialistischer Theorie und Praxis gehört. Der Konsens reichte hier von den Sozialdemokraten bis zu den Kommunisten, (…)
Seit über drei Jahrzehnten leistet der Movimento sem terra Widerstand gegen die brasilianische Regierung. Wer auch immer regierte, Agrarreformen blieben aus. Mittlerweile findet der MST vor allem im ländlichen Bereich breite Unterstützung. Erst bei den nächsten Wahlen 1998 wird sich zeigen, ob (…)
Antonio Negri zählte neben Mario Tronti und den Autoren der Zeitschrift Quaderni Rossi in den 60er und 70er Jahren zu den wichtigsten Theoretikern der operaistisch orientierten italienischen Neuen Linken. Im deutschsprachigen Raum hatte er vor allem bei Spontis und Autonomen seine Fans. In der (…)
Die politische Philosophie Antonio Negris ist nur vor dem Hintergrund der außergewöhnlich heftigen und radikalen Klassenkämpfe der 60er und 70er Jahre in Italien zu verstehen. Die Klassenkämpfe im Italien der 60er und 70er Jahre lassen sich grob gesagt in zwei Zyklen unterscheiden, erstens die (…)
argentinien märz 2002
Argentinien nach den großen unruhen vom dezember 2001. die menschen sind verarmt, die marginalisierten haben jetzt nichts mehr zu essen und können ihre kinder nicht mehr zur schule schicken, weil sie ihnen keine schuhe, hefte und bleistifte kaufen können, die mittelklasse, von (…)
Dass das mit dem Klassenkampf schon lange nicht mehr so funktioniert, wie die gesamte Linke es einst haben wollte, ist evident. Da tut sich einfach nichts mehr. Selbst wenn es irgendwo ein Aufflackern alter Kämpfe gibt, kommt dies nicht über ein Strohfeuer hinaus. Kaum, dass uns etwas in (…)
Desinteresse und Deklassierung
Eine Selbstbestimmung des Arbeiters im Arbeitsprozess kann es nicht geben, denn dieser hat mit dem Verkauf der Ware Arbeitskraft sich seiner Souveränität entledigt. Hier verdinglicht sich der Mensch zur Sache, übereignet nicht bloß einen Gegenstand, sondern sich selbst dem Käufer. Die (…)
Peter Decker / Konrad Hecker: Das Proletariat. Die große Karriere der lohnabhängigen Klasse kommt an ihr gerechtes Ende. München 2002, Gegenstandpunkt, 280 Seiten, 20 Euro Ein Buch, das zur Pflichtlektüre für alle Leninisten und sonstige Freunde der Arbeiterklasse werden sollte. Decker und (…)
Christoph Burgmer: Das negative Potential. Gespräche mit Johannes Agnoli. Freiburg, ca ira-Verlag, 80 Seiten, 9,50 Euro Agnoli führt aus, warum der Staat notwendigerweise ein Zwangsverhältnis darstellt, das für allerlei Dinge zu gebrauchen ist, aber ganz sicher nicht für die Emanzipation der (…)
Wolpertinger im Jurassic Park
Die gesellschaftliche Krise, die es angeblich gar nicht gibt, ist nun auch bis in die kleine ideologische Welt des deutschen Linksradikalismus und seiner diversen verfeindeten Szenen vorgedrungen. Einschneidende antisoziale Gegenreformen, Agenda 2010, Massendemonstrationen dagegen in Berlin und (…)
Bewusstseinsindex oder Klassenkampf?
Der vorliegende Text versucht eine Annäherung an die Thematik der Klassentheorie bzw. deren Methodik. Dabei soll dieser Text in dreifacher Hinsicht als unabgeschlossen gelesen werden: weder kann hier vollständig das Terrain der Auseinandersetzung abgegrenzt werden, noch die historischen (…)
Kapitalismus ohne Klassenkampf?
Einführungen zählen zu den ausgesprochen schwierig zu verfassenden Texten: Nichts soll vorausgesetzt, aber alles, vor allem alles Wesentliche, erklärt werden. Aber was ist das Wesentliche, die Essenz eines Gegenstandes? Und wie soll dieses Wesentliche ohne Rückgriff auf Vorwissen klar und (…)
Referat auf dem BUKO-Kongress in Hamburg, Mai 2005. Vorbemerkung: Dem Referat vorangegangen war ein Puppenspiel, das eine Talkshow mit verschiedenen Teilnehmerinnen, darunter auch eine DGB-Vertreterin, zum Thema Prekarisierung darstellte. Darauf nimmt das Referat anfangs Bezug. Stephan Born (…)
Bonjour, Tristesse ...
An Antworten auf die Frage, wie die einstmals gesellschaftlich und politisch so bedeutende Arbeiterbewegung mitsamt ihren Vertretern in eine derart tiefe Krise geraten konnte, wie wir sie gegenwärtig Tag für Tag miterleben, herrscht kein Mangel. Umso bemerkenswerter ist es da, wenn man in diesem (…)
Am 27. Oktober 2005 sterben zwei junge Einwohner der Pariser Vorstadt (banlieue) Clichy-sous-bois in einem Trafohäuschen an schweren Verbrennungen; ein dritter überlebt mit lebensgefährlichen Verletzungen. Die französische Regierung behauptet, die drei seien vor einer Gruppe Polizisten (…)
[(Do You Remember Revolution? wurde 1983 im Gefängnis von Rebibbia (Italien) geschrieben. Es ist eine Koproduktion von 11 Theoretikern und Aktivisten (darunter Toni Negri und Paolo Virno) der Autonomia Operaia, die am 7. April 1979 verhaftet und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Die (…)
Die revolutionäre Bewegung in Westdeutschland steht aufgrund der politischen Verlaufsform ihrer antiautoritären Aktionsgeschichte und ihrer theoretischen Zurechnung zur kritischen Tradition des wissenschaftlichen Sozialismus vor dem revolutionstheoretisch und strategisch entscheidenden Problem: (…)
Arbeiten oder Streiken? Vom Finanziellen her ist Arbeiten besser – aber vom Arbeiten her: Streiken! streikende Küchenhilfe/Produktionsarbeiterin (Umschlag Rückseite) Die Entscheidung für den Streik war für mich schwer, weil das gegen meine bürgerliche Existenz an sich geht. Von meiner Herkunft (…)
Die folgenden Überlegungen sind von einem Essay inspiriert, der — mehr als 20 Jahre nach seiner Präsentation als Vortrag mit dem Titel Macht, Begehren, Interesse — nun erstmals vollständig übersetzt vorliegt: Gayatri Chakravorty Spivak, Can the Subaltern Speak? Postkolonialität und subalterne (…)
„Wir haben uns selber angeführt!“
Anfang Mai 2009 war in bürgerlichen Medien die Geschichte vom abgeschnittenen kleinen Finger der linken Hand des Zoran Bulatovic lesen. In der deutschen Taz wurde der Artikel mit „Wenn Arbeiter zu Kannibalen werden“ betitelt, in österreichischen Tageszeitungen wurde vom „Kannibalen aus dem (…)
Auf die Marxsche Kritik am Gothaer Programm der Sozialdemokratie von 1875 bezogen sich die Theoretiker der „sozialistischen“ Warenproduktion positiv und zwar zu Recht. Die Annahme einer Übergangsgesellschaft, in der auf dem Weg ins „Reich der Freiheit“ noch Kategorien der Warenproduktion und des (…)
Kemper, Erich und Heike Weinbach: Klassismus. Eine Einführung. Unrast-Verlag, Münster 2009. 188 Seiten, 13,- €. ISBN: 978-3-89771-467-0 Kuhn, Gabriel: Mit geballter Faust in der Tasche. Klassenkonflikte in der Linken – Debatten aus Schweden. Syndikat A, Moers 2009. 40 Seiten, 2,50 €. Ein (…)
Arbeit macht krank, Arbeit schändet, Arbeit ist Mühsal und macht hässlich. Karl Marx wusste das und hat allen Kritikern gesellschaftlicher Elendsproduktion ins Stammbuch geschrieben: „Das Reich der Freiheit beginnt erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, (…)
Politisch-kulturelle Durchqueerungen Im Laufe der 2000er Jahre hat sich ein in erster Linie in Europa geführter Diskurs zu Prekarisierung herausgebildet, in dem ein außerordentlich komplexes Verständnis von sozialer Unsicherheit und deren Produktivität entstanden ist. Diese Diskurse wurden (…)
Produktivität als Autonomie?
Dieser kleine Text stellt selbstverständlich keine umfassende Analyse und Einschätzung der im Jahre 2000 mit Empire begonnen und nun mit Commonwealth abgeschlossenen Trilogie dar. Ob ein derartiges Unterfangen angesichts der oftmals unscharfen und schillernden Begriffsbildung und (…)
In den 1950er Jahren setzte in Italien ein Industrialisierungsschub ein, der die Sozialstruktur des Landes nachhaltig veränderte. Waren 1951 noch 83 Prozent der aktiven Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt, so sollten es zwei Jahrzehnte später nur noch 18 Prozent sein. Allein zwischen (…)
Entschuldigen Sie bitte die Störung, aber das hier ist eine Revolution! (EZLN) Mit dem Jingle „Wir sind prekär aber revolutionär!“ stellt maiz seit Jahren, am alternativen 1. Mai und bei anderen Aktionen, die Prekarisierung und gleichzeitig auch die Macht der Migrantinnen dar. Die Rolle und (…)
Das Schwere, das schwer zu machen ist
Die (vor allem) gegen den Marxismus in Form einer Frage gerichtete Kampfansage der Rivoluzione Sociale, Zeitschrift der italienischen Sektion der Ersten Internationale, wurde schon kurze Zeit später von Engels implizit für entschieden erklärt, als er seinen Artikel „Die Bakunisten an der (…)
Leo Kühberger / Samuel Stuhlpfarrer (Hg.): Angekommen: Krise & Proteste in der Steiermark, Graz: Forum Stadtpark Verlag 2011, 102 Seiten, Euro 12 Anna Leder (Hg.): Arbeitskämpfe im Zeichen der Selbstermächtigung. Kollektive Gegenwehr in Frankreich, Deutschland, der Schweiz, Österreich und (…)
Wenn von der gescheiterten Revolution in Deutschland die Rede ist, die vergessen wurde, so ist im Besonderen vom März 1920 zu reden, als mehrere Tausend Arbeiter sich bewaffneten und reaktionären Truppen der Reichswehr trotzten. Die meisten Darstellungen, die sich der deutschen Revolution (…)
Freunde, verlasset also in Bälde diese der Vernichtung anheim fallende Welt! Verlasset diese Universitäten, diese Akademien, diese Schulen, von denen man Euch jetzt wegjagt und in denen man Euch nur vom Volke zu trennen gesucht hat. Geht unter das Volk! Da muß Eure Laufbahn, Euer Leben und Eure (…)
Wilder Streik – das ist Revolution
Dieter Braeg (Hg.): Wilder Streik – das ist Revolution. Der Streik der Arbeiterinnen bei Pierburg in Neuss 1973. Die Buchmacherei 2012, 175 Seiten, ca. 13,90 Euro Der von Dieter Braeg herausgegebene und auch großteils verfasste Band führt in die Jahre nach 1968, in eine Zeit, wo die (…)
Einleitung Der offene Widerspruch der operaistischen Tradition […] und der politischen Philosophie der Multitude, die ihr gefolgt ist – der Widerspruch der trotzdem den grundlegenden Marxschen Einsichten treu bleibt – ist die doppelte Bekräftigung, einerseits der integralen Immanenz (…)
Von der Deindustrialisierung zur Deklassierung*
Unter Deindustrialisierung verstehen wir einen Schrumpfungs-, Zerschlagungs- und Liquidierungsprozess des industriellen Potenzials (Arbeitskräfte, Maschinen, Gebäude, Know-how). Zentral ist der Verlust von Industriearbeitsplätzen, die von der Industrie selbst nicht kompensiert werden können. (…)
Brot und Spiele Wie wir wissen oder wissen sollten, wohnt dem Kapitalsystem ein perpetuum mobile inne, ein Motor, der dieses System, unermüdlich, wie es nun einmal ist, dazu treibt, das Produktivkraftniveau ständig zu heben: die Produktion des relativen Mehrwerts respektive, vom Standpunkt (…)
Es sind verdämmernde Begriffe, das Proletariat und die Linke. Allenfalls in den Köpfen der älteren Generation, die sich die Erinnerung an die klassische Arbeiterbewegung bewahrt hat, spielen sie noch eine Rolle. Aber auch dort nur eine negative. Sie seien nicht nicht mehr dafür geeignet, die (…)
The ‚changes‘ in Eastern Europe took place on the 200th anniversary of the French revolution. It seemed to many that it might be a second coming: a new revolution about, and for, human rights. At the bicentennial, the consecrated and anointed masterpiece of popular historiography (…)
mit G. M. Tamás 3. Mai 2016, 19 Uhr Institut für Wissenschaft und Kunst Berggasse 17, 1090 Wien G.M. Tamás liefert für das traditionelle westlich-marxistische Verständnis neue Ansätze und bereichert die Diskussion nicht nur im Hinblick auf die Geschichte des »real existierenden (…)
1.Dialog Egokrücken Alfred und Slobo in einem Wiener Gemeindebau. Alfred, am Schreibtisch vor seinem Computer, spielt Schach, Slobo, mit einer Tasse Tee aus der Küche kommend setzt sich auf die Couch. Slobo: „Alfred, dein Wasserhahn tropft.“ Alfred: „Erzähl mir etwas Neues.“ Slobo: (…)


