Gerhard Zeiler, der Wunderheiler
für alle und alles!
In ganz Österreich pfeifen es schon die Spatzen von den Dächern,
manchmal ist auch ein Rotkehlchen dabei: Gerhard Zeiler,
der ORF-Generalintendant von 1994 bis 1998,
ante portas!
Portas ist gut, es sind drei Türen, die seine Entourage für ihn langsam zu öffnen versucht – in wohlüberlegter Reihenfolge: ORF-Genralintendant ein zweites Mal, Parteivorsitzender der SPÖ und Österreichischer Bundespräsident, aufgestellt und gewählt von fast allen Parteien – für alle Österreicher und Österreicherinnen. Sage keiner, der Zeiler kann das nicht. Freilich kann er das. Auch sind die Zeiten vorüber, in denen ein Politiker die Qualifikation für nur ein Fachministerium in die Staatsführung einbringt. Heute kann offensichtlich die Creme der Polit-Creme einfach alles. Fast alle Kanzler Europas beweisen das erfolgreich immer wieder bei den immer wiederkehrenden Krisen in diesem Kontinent: Ein Rösselsprung und schon wird aus dem Gesundheitsminister ein Bautenminister und aus dem Frauenminister ein Kriegsminister.
1. Gerhard Zeiler, ORF-General II
Generalintendant müsste er können. Hat er doch schon beim ersten Mal bewiesen, wie man ein unschuldiges, fair aufgestelltes, nationales, öffentlich-rechtliches Medium so zurichtet, dass es sich bald nicht mehr von den frei finanzierten privaten Fernsehfirmen unterscheidet. Indem Inhalte, die nicht glitzernd, bunt, fröhlich, sondern grau und dunkel sind, vermieden oder auf einen unattraktiven Sendeplatz verschoben werden.
Gerhard Zeiler wurde damals bejubelt, von den Bürgerlichen sowieso - sein Programm gefiel ihnen – aber auch von vielen Sozialdemokraten. Ob die Programmveränderungen den Genossinnen und Genossen damals aufgefallen sind? Wenn ja, war es ihnen nicht so wichtig. „Der Gerhard ist einer von uns!“
Gerhard Zeiler am 20. Juli 1955 in Wien in eine sozialdemokratische Familie geboren, wuchs im Arbeiterbezirk Ottakring auf. Sein Zwillingsbruder Helmut wurde im Nachbarbezirk Währung Direktor eines Gymnasiums. Gerhard Zeiler engagierte sich schon früh in einer Ottakringer SPÖ Sektion und in der sozialistischen Jugend. Er studierte Psychologie, Soziologie und Pädagogik an der Universität in Wien und arbeitete eine Zeit lang als freier Journalist.
1979 gelang Gerhard Zeiler der Sprung in die Politik. Er wurde Pressesekretär und Pressesprecher des damaligen Unterrichtsministers und späteren Bundeskanzlers Fred Sinowatz. Der auf Sinowatz folgende nächste sozialdemokratische Bundeskanzler Franz Vranitzky übernahm Gerhard Zeiler für einige Monate in sein Büro. In dieser Zeit bereitete Zeiler seinen weiteren Karrieresprung vor: Im November 1986 wechselte Gerhard Zeiler in den ORF und wurde ORF Generalsekretär unter Teddy Podgorski. Er blieb fünf Jahre dann wechselte er in die Privatwirtschaft: zum Münchner Privatsender Tele 5. 1992 kaufte Leo Kirch, damals einer der mächtigsten Medienunternehmer Deutschlands und Vertrauter Helmut Kohls, den Sender Tele 5, der eine Konkurrenz für seinen eigenen Sender ProSieben war. Zum 1. Januar 1993 wurde Tele 5 in den Sender DSF (Deutsches Sportfernsehen) umgewandelt. DSF übernahm den Sendeplatz von Tele 5. Damit endete Gerhard Zeilers Tätigkeit bei Kirch und Tele 5 und er übernahm den Geschäftsführerposten beim neuen Fernsehkanal RTL II. Helmut Thoma hatte ihm den Posten vermittelt. Gerhard Zeiler blieb bei RTL II bis 1994 und arbeitete zuerst In Köln und dann in München.
1994 war es dann so weit: Gerhard Zeiler wurde zum Generalintendant des ORF gewählt und blieb eine volle Periode. Dann ging er wieder nach Deutschland, folgte seinem Protege Helmut Thoma nach und übernahm 1998 die Geschäftsführung von RTL Television.
Wer kein versierter Kenner der Medienlandschaft und ihrer Topmanager ist, dem bietet sich nach Zeilers RTL-Zeit ein vielleicht verwirrendes Bild von Job Hopping. Das nachzuvollziehen überlassen wir den Fachleuten und den besonders Neugierigen.
Wir bleiben in der Zeit von 1979 bis 1998: In diesen 19 Jahren war Gerhard Zeiler: ORF (Generalsekretär), TELE 5 (Geschäftsführer), RTL II (Geschäftsführer), ORF (Generalintendant), RTL Television (Geschäftsführer). In jedem Coaching-Seminar, in jedem Handbuch für Führungskräfte wird empfohlen, vor allem zu Beginn einer Karriere möglichst oft einen Karrieresprung zu wagen. Gerhard Zeiler hat sich daran gehalten und seine Karriere ging steil nach oben. Auffallend in seiner Job-Description ist der Wechsel zwischen ORF und Privatsendern. Ersterer hat klare vom Gesetz vorgegebene Richtlinien, für deren Umsetzung der Generalintendant verantwortlich ist. In Deutschland ist Medienrecht Ländersache und die Privatsender in ihrem Kampf um jeden Euro, sprich: um jeden Zuseher und jede Zuseherin, richten sich in erster Linie an deren – vorher von Analysten errechneten – Bedürfnissen, was sehr oft zu Niveaulosigkeit, Trivialisierung von Sendungsinhalten vor allem im Unterhaltungsbereich führt. Stark vereinfacht, geht es Sendungsinhalte gegen Sendungsprofite. Ein Sowohl-als-auch würde das jeweilige Konzept sprengen. Wie man sowohl dem einen und bald darauf mit voller Kraft wieder dem anderen Konzept dienen kann, ist vielen unvorstellbar.
Gerhard Zeiler wurde 2003 Chief Executive Officer (CEO) der RTL-Group, der Holding aller 45 TV- und Radiosender weltweit.
Seit 2012 ist er für den Warner-Medienkonzern tätig. Als Präsident von Warner Media International ist er für das gesamte Geschäft sowie für das Werbegeschäft von Warner Media verantwortlich.
Erst im Juni 2026 wurde Clemens Pig zum neuen Generalintendanten gewählt – mit 21 Stimmen im ersten Wahlgang. Trotzdem betreibt der FPÖ-nominierte Stiftungsrat Peter Westethaler eine Anfechtung der Bestellung von Clemens Pig. Ausgang ungewiss. Bleibt Pig im Amt und Gerhard Zeiler chancenlos, dann ist es für Gerhard Zeiler von großem Vorteil im Gespräch zu bleiben, eine Pforte wird sich ihm öffnen.
2. Gerhard Zeiler, sozialdemokratischer Parteivorsitzender
Das wäre nicht das erste Mal, dass sich Gerhard Zeiler um den SPÖ-Parteivorsitz bemüht. Das erste Mal war 2016, nach dem Rücktritt von Werner Feymann. Auch Christian Kern, bis 2016 Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Bundesbahnen, kämpfte damals um diese Funktion und gewann.
Ö1 berichtete am 8. April 2017: „Nachdem Hans Nissl gestern bekannt gegeben hatte, dass auch die SPÖ-Burgenland für Christian Kern votiert, hat Gerhard Zeiler seine Bereitschaft, für das Amt des Bundesparteivorsitzenden zu kandidieren, zurückgezogen. In der Zib2 hat der Medienmanager dennoch eine zentrale Frage der SPÖ-Strategie angesprochen: der pauschale Ausschluss der Zusammenarbeit mit der FPÖ sei falsch – jede Parteienkoalition müsse an Inhalten gemessen werden. Was die FPÖ betrifft, ist für Zeiler die Europafrage entscheidend.“
Fast zehn Jahre später bekräftigte Gerhard Zeiler seine Eischätzung von damals in der Zeit im Bild vom 2. Februar 2026: „Wenn man die Punkte hernimmt, Wirtschaft, Absicherung des Sozialsystems, Gerechtigkeit, Bildung, dann weiß ich nicht einmal, ob sich nicht mit der FPÖ manchmal auch mehr Überschneidungen zustande kämen. Aber und das ist das Wichtige. Bei keiner anderen Partei aber der FPÖ muss auch das Thema EU besprochen werden. Denn eines ist klar, es wird niemand in der Sozialdemokratie eine Koalition mit der FPÖ machen, die sich nicht voll und ganz zu Europa bekennt.“
In fast zehn Jahren hat sich viel verändert. Ob eine EU-Abstimmung heute noch so ausgehen würde, ob die Österreicher noch so große Sympathien haben mit einem Staatenbund, dessen Häuptlinge Europas offensichtlich keine Lösung sehen, die Wirtschaft wieder nach oben zu bringen, ist fraglich.
Aber aus den obigen beiden Zitaten wird auch klar, dass Gerhard Zeiler eine Brandmauer (Begriff aus deutschem Sprech) gegen die FPÖ schädlich für Österreich hält. Das hat er schon als Generalintendant bewiesen, als er – so sagt man – stets einen Kontaktmann zur FPÖ in seinem Stab hatte und freundschaftlichere Kontakte nach rechts pflegte, als zu linken Sozialdemokraten. Verständlich, wer in der Privatwirtschaft Karriere zu machen plant, der halte sich von derlei Störenfrieden fern.
Aber auch am rechten Rand hat sich in fast zehn Jahren einiges geändert. Ob man mit den Rechten von damals genauso koalieren könnte wie heute? Vielleicht ja, vielleicht nein. Der ORF-Verbindungsmann soll inzwischen im ORF in Pension gegangen sein, und ob ein neuer genauso gute Kontakte zu Kickl hat, wie weiland der alte zu Haider?
Pro-EU und Pro FPÖ – zwei Motive, die die jetzigen sozialdemokratischen Genossinnen und Genossen vielleicht nicht in dem Maße goutieren, wie es sich der Genosse Gerhard Zeiler vorstellt.
Auch seine Bedingung, die Partei nur dann zu üernehmen, wenn er als Vorsitzender eine Generalvollmacht bekommt, so ein Durchgriffsrecht von ganz oben nach ganz unten, könnte seine Pläne ins Stolpern bringen.
„Der 70-jährige tourt derzeit durch die Bundesländer und lotet unter führenden Genossen die Stimmung aus. Klar ist: Zeiler tritt nur an, wenn er in der Partei eine Art ,Generalvollmacht` bekommt wie früher Sebastian Kurz. Und: von heute auf Morgen wird es das nicht spielen.“ (Kronen-Zeitung, 2. September 2026)
Wer die Organisation der Sozialdemokratischen Partei Österreichs besser kennt, vielleicht sogar von innen auch ihre personellen Strukturen, ihre Seilschaften, ihre Querverbindungen zu den Gewerkschaften, zu Teilorganisationen und angedockten Firmen, der kann sich gut vorstellen, wie sich eine Generalvollmacht eines Gerhard Zeiler auswirken könnte. Seine Vorstellung von Arbeit und Leistung, die auch viele im ORF zu spüren bekamen und auch die Mitarbeiter in den privaten auf Gewinn orientierten Medienunternehmen, lässt vermuten, wie Gerhard Zeiler die Organisation der SPÖ auf Vordermann bringt, wie er Strukturen hineinbringt, die innerparteiliche Kommunikation verbessert und im Marketing neue Maßstäbe setzt. Aber wäre in Zeilers SPÖ die alte SPÖ noch erkennbar? Die linken Sozialdemokraten und viele Funktionäre und Mitarbeiter sehen dieser Generalvollmacht mit Skepsis entgegen. Aber wie erkannte Brecht schon:
Die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber!
Die Anwendung einer Generalvollmacht könnte allen basisdemokratischen Traditionen in der Partei – eigentlich gibt es sie schon seit Jahren nur mehr am Papier – endgültig auslöschen. Basisdemokratie gegen Autoritarismus. Hat Gerhard Zeiler den Ruf der Häuptlinge von der Türkei bis ganz Europa erkannt: „Aus Schluss Ende der Demokratie. Die Demokratie hat ausgedient, auch als Machtmittel der Reichen und Schönen!“
Wird der Kandidat Gerhard Zeiler von den Parteimitgliedern einfach hingenommen, durchgewunken, abgeklatscht, dann ist der Ausgang der Wahl eindeutig, wird aber über seine zu erwartende Politik diskutiert werden, dann kann es auch Überraschungen geben.
„Warum sollen unsere sozialdemokratischen Funktionäre nicht dasselbe verdienen, wie die Funktionäre anderer Parteien?“ Das Arbeiten und Kämpfen für das hehre Ziel einer gerechten Gesellschaft ohne oder mit nur geringfügiger finanzieller Abgeltung sind verloschene Träume aus den Anfängen der Bewegung. Das gab es einmal und gibt es wieder – sogar in Österreich. Die besser verdienenden kommunistischen Funktionäre in Graz in der österreichischen Steiermark verzichten auf den Teil ihres Einkommens, der das Gehalt eines Facharbeiters übersteigt. Er wird für soziale Zwecke verwendet… na schau, es geht doch.
Aber die meisten österreichischen Sozialdemokraten träumen seit 1945 den amerikanischen Traum – auch den Traum vom Tellerwäscher, der Millionär wird. Gerhard Zeiler hat, wenn er halbe/halbe in seinen drei Ehen gemacht hat, Teller nur privat gewaschen, aber Millionär ist er trotzdem geworden und er lukriert zurzeit einen Gesamtgehalt von etwa 14,6 Millionen Euro im Jahr. Obwohl sein Grundgehalt nur bescheidene 1,8 Millionen Euro ausmacht, aber dazu kommen fast 12 Millionen Euro an leistungsbezogenen Boni, Aktien und Optionen. Durch Umstrukturierungen im Konzern erhielt Gerhard Zeiler laut Medien Sondererlöse im zweistelligen Millionenbereich.
Die als geizig und neidig bekannte Plebs (O-Ton aus einem Gespräch zu diesem Thema, gemeint war offensichtlich das, was man früher Arbeiterklasse genannt hat) rechnet, seitdem diese Zahlen bekannt sind, wieviel das alles zusammen sein könnte: Ist Zeiler, der attraktive Mann mit Mittelscheitel – in SAJ-Tagen noch mit runder Nickel?Brille – Millionär oder doch Milliardär. Und wann ist man was? Wenn man eine Milliarde besitzt oder jährlich verdient.
Wenn sich Gerhard Zeiler den Parteivorsitz erkämpfen sollte, wird es lustig werden in den SPÖ-Parteisektionen: Gehaltsbrettspiele werden wieder modern, wie zum Beispiel: Tausche Monatsgehalt von 20-mal Rote Sau gegen eine Aktie Arbeiterschwimmbad. Die Tombola-Scheine beim „Tag des Kindes“ zieren dann Millionenbeträge und der Kasperl hat ein neues Stück einstudiert. „Der Pleitegeier und das Krokodil als Milliardär. – Das Krokodil darf gehaut werden.“ Mit Pleitegeier kann nur Benko gemeint sein und das Krokodil muss dann sein Kumpel sein, ein ehemaliger sozialdemokratischer Bundeskanzler in Österreich. Auch Millionär?
Aber die SPÖ hat seit 2023 einen Vorsitzenden: Andreas Babler. Einen Vorsitzenden, auf den viele gewartet haben. Endlich einer, der von seiner Biographie her ein Arbeiter ist, ein „Hackler“ wie man in Wien sagt, ein richtiger Proletarier, hätte man früher gesagt: sein erlernter Beruf: Maschinenschlosser, gearbeitet hat er im Maschinenbau, im Lager und an der Füllmaschine in der Vöslauer Mineralwasser GmbH, als Bediensteter in der Gemeinde Traiskirchen.
Auch seine politische Vita unterscheidet sich wesentlich von der eines Gerhard Zeiler. Zuerst Landessekretär der Sozialistischen Jugend Niederösterreichs, dann Bundesvorsitzender der SJ, und von 2014 bis 2024 Bürgermister der Stadtgemeinde Traiskirchen. Seine nächsten Funktionen waren Abgeordneter zum Bundesrat und zum Nationalrat. Am 3. März 2025 wurde er in der neuen Regierung Bundesminister für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport und gleichzeitig Vizekanzler. Eine beeindruckende Karriere. Doch Andreas Babler tut sich schwer. Der Höhepunkt seiner beruflichen Karriere war Bürgermeister einer niederösterreichischen Gemeinde mit nicht einmal 20.000 Einwohnern. Wenn man dieses Leben mit den beruflichen Voraussetzungen seiner Vorgänger/in als sozialdemokrtische Parteivorsitzende seit 1988 vergleicht, ist ein Bruch in der Tradition ganz offensichtlich:
- Pamela Rendi-Wagner – Ärztin
- Christian Kern – Vorstandsvorsitzender der ÖBB Holding
- Werner Faymann – österreichischer Verkehrsminister
- Alfred Gusenbauer – Doktor der Philosophie und Vizepräsident der Sozialistischen Jugendinternationale
- Viktor Klima – Vorstandsmitglied der ÖMV und Finanzminister
- Franz Vranitzky – Generaldirektor der Österreichischen Länderbank, Finanzminister
Seine Berater versuchen, Andreas Babler an die Tradition dieser Pateivorsitzenden heranzuführen. Aber es gelingt ihnen nicht, dass Babler bei seinen öffentlichen Auftritten, seinen Reden vor geladenen Gästen, vor Partei- und Bürgerversammlungen seinen provinziellen Ductus ablegt. Statt dessen sollten seine PR-Leute dieses Anderssein, diese andere Herkunft, die andere persönliche Geschichte Bablers als unverwechselbares Wiedererkennungszeichen vermarkten. Bei Fred Sinowatz, dem letzten stark in der Bevölkerung verankerten Bundeskanzler und Parteivorsitzenden ist das gelungen. Weder durch attraktives Äußeres noch durch besonders gefällige Artikulation seiner Sprache ausgezeichnet, gelang es seinem genialen PR-Mann Hans Pusch dem Burgenländer Fred Sinowatz das Image des großväterlichen, vertrauten Landes- und Parteivater zu verpassen.
Ohne es mit auch nur einem seiner Genossen oder Mitstreiter vorher abgesprochen zu haben trat er am 9. Juni 1986 ansatzlos zurück. Im Nachhinein wurde als Rücktrittsgrund die sog. Waldheimaffäre aus dem Hut gezaubert. Sinowatz trat zurück, weil er in der immer weiter ins bürgerliche Lager abdriftenden sozialdemokratischen Funktionsclique keine Unterstützung mehr sah.
Die Frage wer neuer SPÖ Parteivorsitzender wird, Zeiler oder Babler, fokussiert in der Frage, in welche Richtung die SPÖ strebt. Nach fast 40 Jahren Bankdirektoren, Vorstandsmitgliedern, Ministern als Parteivorsitzende macht sich vielleicht ein Millionär ganz schick, aber er wird den Niedergang der Partei nicht aufhalten können. Ob es sich für Babler noch ausgeht, seine PR-Mannschaft rechtzeitig wechselt?
Eine Partei die über Jahrzehnte aus ihren Fehler nicht lernt, hat nichts Anderes verdient, als endgültig unterzugehen.
3. Gerhard Zeiler, Bundespräsidentschaftskandidat
Menschen, die lange in der Öffentlichkeit gestanden sind oder noch stehen, kennen das Phänomen: man geht ins Kaffeehaus, für eine zehntel Sekunde wird es ganz still, aber plötzlich geht ein Raunen durch den Saal, wellenförmig, und dann hat der neu eingetreten Gast bestätigt bekommen: „Ja, man hat mich erkannt!“ Es gibt Persönlichkeiten, denen ist dergleichen unwichtig, aber die meisten der mehrmals durch Radio, Film, Fernsehen und Gazetten gezerrte Wichtige genießen diese Form von Wiederkennung.
Gerhard Zeiler desgleichen zu unterstellen, ist unfair. Aber allen seinen politischen Gegnern zu Trotz gibt Zeiler, ungeachtet seiner 71 Jahre, immer noch ein attraktives Bild ab. Und dass er einer der erfolgreichsten Manager Österreichs ist und auch unter das eine Prozent der Superreichen fällt, ist unbestritten. Dass Österreich ihn so vergessen hat, seit er Österreich verlassen hatte, ist ungerecht. Vor allem die Jüngeren und sogar die Menschen, die in seiner jetzigen Heimatstadt Salzburg leben, wissen mit seinem Namen oft nichts anzufangen. Ob Zeiler selbst auf die Idee mit der Bundespräsidenten-Kandidatur gekommen ist oder seine Buberl-Partie aus vergangenen Tagen? In einem der exklusivsten Clubs für Pferdeliebhaber treffen sie sich regelmäßig, um immer wieder neue Pläne zu schmieden – zum Wohle Gerhard Zeilers und ihrer selbst.
Wie hat Gerhard Zeiler erst kürzlich in einer Hauptabend-Sendung gesagt: Man soll in der Politik nichts ausschließen.
Drei Games hat er noch.


