EuropaKardioGramm, EKG 5-6/1995
Oktober
1995
Norwegen

Konvergenzkriterien erfüllt

Entgegen den Prognosen der EU-BefürworterInnen geht es der norwegischen Wirtschaft nach dem Nein zum Beitritt besser als je zuvor: Das Nein hat weder zu steigenden Zinsen noch zu höherer Arbeitslosigkeit oder zur Abwanderung von Unternehmen geführt.

Das Zinsniveau hat sich weitgehend dem deutschen angenähert, die Arbeitslosigkeit ist auf fünf Prozent gesunken und bislang hat kein einziges Unternehmen nach der Ablehnung des EU-Beitritts das Land verlassen.

1994 ist das Bruttoinlandsprodukt um 3,9 Prozent gewachsen, und zwar ohne Einbeziehung des Erdölsektors (= Festland-Norwegen). Unter Einbeziehung des Erdölsektors betrug das Wachstum sogar 5,1 Prozent. 1995 rechnet man für Festland-Norwegen mit einem Wachstum von 3,6 Prozent, 1995 mit 3,2 Prozent.

Die Inflationsrate hat 1994 mit 1,4 Prozent den niedrigsten Stand seit 1960 erreicht. Für die kommenden beiden Jahre prognostizieren aktuelle Schätzungen Preissteigerungen von ungefähr 2,6 Prozent.

Die gegenwärtige Netto-Kreditaufnahme des Staates liegt mit 1,5 Prozent deutlich unter dem Maastricht-Referenzwert von 3 Prozent. Und auch bei der Staatsverschuldung unterschreitet Norwegen mit 48 Prozent des Bruttoinlandsprodukts das Maastricht-Kriterium von 60 Prozent.

Aufgrund höherer Öleinnahmen könnte es möglich sein, daß der norwegische Haushalt bereits heuer ausgeglichen ist. Für die kommenden zehn Jahre wird mit zusätzlichen Mehreinnahmen durch die Ölwirtschaft von über 220 Milliarden Schilling gerechnet. Allerdings werden die Ölquellen etwa in 30 Jahren erschöpft sein. Um für die Zukunft vorzusorgen, will die Regierung daher die Überschüsse in einen Ölfonds einzahlen.

aus: Kontraste September 1995

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