Viel zu selten geschieht es, dass kunstvolle Spottgedichte
so punktgenau treffen und so ungepolsterte
Wirkung tun, wie im Falle der immer noch
unübertroffen schönen 37 G’stanzeln
wider die Hybris der Hochkultur
.
Die G’stanzeln erregten 1977 die erwartbare Aufregung und mehr als die ahnbaren Folgen: Ein an seinem Nerv getroffener Maestro erklärte, keinen Fuß mehr nach Wien zu setzen und auch die Philharmoniker nur noch sonstwo zu dirigieren. Der Bundeskanzler Sinowatz fuhr eilends nach Salzburg, warf sich vor Karajan in den Staub und entschuldigte sich für seinen Mitarbeiter. Dann sorgte er dafür, dass sämtliche Akten sorgfältig an Herrmann, von dem das Kleinbühnenkonzept stammte und der auch für andere Nicht-Hochkultur-Kunst zuständig war, vorbei geleitet wurden. Hermetisch isoliert und kaltgestellt verließ Herrmann schließlich das Bundesministerium für Unterricht und Kunst, zog sich auf seinen hübschen Landsitz Samersdorf bei Deutschkreuz im mittleren Burgenland zurück, wo er sich fortan als ,Teichwirtbezeichnete, Blumen, Karpfen und Kräuter züchtete, natürlich auch schrieb, unter anderem fürs FORVM, als dessen Beirat und geschätzter ,Onkel vom Lande.*} G.O.
[1] Auf dem Georgenberg in Mauer steht seit dem Vorjahr die von Fritz Wotruba gebaute Kirche — eine sich formierende Pressuregroup aus Kunstsenat-‚ Kirchen-‚ Kulturjournalisten- und reaktionären Pädagogenkreisen versucht nun den Bau eines nahebei projektierten Bundesheimes für querschnittgelähmte Kinder zu hintertreiben: weil sonst die Silhouette der geschmackvollen Wotruba-Skulptur an Wirkung verlöre. Der Bund hat für die Planung des Heimes schon mehrere Millionen Schilling ausgegeben. Die Kirche ist auf einem vom Bund seinerzeit gratis abgegebenen Grundstück erbaut worden, wobei die Kirchenbauer von den Bauabsichten des Bundes wußten und damals rasch ihr Einverständnis erklärten — es ging ihnen ja nur um das bißchen Grund für ihre heiligmäßigen Kunstzwecke.
[2] Ausgeklügelte schriftliche parlamentarische Anfragen von ÖVP und FPÖ, kleiner ÖVP-Wirbelsturm bei der Erörterung des Themas im Nationalrat, hämische Glossen der unabhängigen Presse und ein Postkartenschreiber macht, mit vollem Namen und unter Angabe der Adresse „Hochschule f. Bodenkultur“, akademisch besorgt aufmerksam: „S. g. Hr. Minister! Ein Mann wie Sie sollte längst wissen, daß wir in Österreich weder Kommunisten noch Juden haben wollen. Biermann ist beides!“ (Hervorhebungen vom Kartenschreiber).
Trara Trara die Hochkultur!
16. Mai 2022, 11:57, von Kurt Greussing
Gstanzl 15: Goldlawua (statt Goldlawu)
Trara Trara die Hochkultur!
24. September 2022, 12:21, von Robert Zöchling
Danke für den Hinweis — ist korrigiert.
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Fritz Herrmann (Publizist) bei
Fritz Herrmann (* 30. November1922 in Wien; † 9. November2003 in Neckenmarkt im Burgenland) war ein österreichischer Journalist, Publizist, sozialdemokratischer Kulturtheoretiker, -Politiker und -Praktiker mit anarchoider Neigung sowie Hörspiel- und Bühnendichter.
Gemeinsam mit seiner Frau Edith Herrmann[1] gründete er die einzige linke Boulevardzeitung Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg, das „Favoritner Wochenblatt“, erstmals erschienen am 1. Jänner 1957. Das eng begrenzte Bezirksblatt erreichte bei damals 120.000 Einwohnern binnen 34 Wochen eine verkaufte Auflage von 25.000 Exemplaren, erweiterte sein Verbreitungsgebiet nach und nach durch 16 mutierte Ausgaben („Donaustädter Wochenblatt“, „Leopoldstädter...“, „Ottakringer...“, „Hernalser...“ usw.) auf den Großteil Wiens und nannte sich ab 1960 „Wiener Wochenblatt“. Noch im selben Jahr wurde die Zeitung von Fritz Molden gekauft, Fritz Herrmann blieb bis 1968 Chefredakteur, Edith Herrmann bis 1978 Verlagsleiterin.
1970 holte der BundesministerLeopold Gratz Fritz Herrmann als Berater ins Bundesministerium für Unterricht und Kunst, wo er ein Kulturkonzept entwickelte, das die bildungsbürgerliche Trennung von Kultur und Ökonomie aufheben sollte, um eine sozialistische Kultur als „prinzipiell neue Möglichkeit des menschlichen Existierens“ in einer „Gesellschaftsform jenseits kapitalistischer Zwangs- und Herrschaftsverhältnisse“ zu etablieren: „Sozialist sein heißt eine neue Kultur suchen“.[2] Tatsächlich etablierte er ein neues Modell der Film- und Kleintheater-Förderung, das nicht-kommerzielle Filmprojekte und freie Theatergruppen stützte und noch ins 21. Jahrhundert hineinwirkte.
Mit Gratz’ Nachfolger ab 1971 als Minister, dem späteren BundeskanzlerFred Sinowatz, verstand sich Herrmann zunächst sehr gut, bis er die konzeptwidrig unverändert großzügige Förderung der hochkulturellen Einrichtungen (Bundestheater mit Staatsoper, Burgtheater etc.; Salzburger Festspiele, Salzburger Osterfestspiele etc.) und Vernachlässigung der Graswurzel-Kultur nicht mehr ertrug. Mit der Veröffentlichung von 37 SchnaderhüpfelnTrara Trara, die Hochkultur![3] dokumentierte Herrmann seine Missbilligung des Förderprimats der Hochkultur und zeigte damit die Zerrüttung des wechselseitigen Vertrauensverhältnisses zwischen ihm und dem Minister. Als Herbert von Karajan wegen der Stanze Nr. 15[4] erklärte, nie wieder in Wien dirigieren, ja Wien nie wieder betreten zu wollen, und Minister Sinowatz zu dem Dirigenten nach Salzburg fuhr, um sich für die Ungehörigkeit seines Mitarbeiters zu entschuldigen, war die Zusammenarbeit beendet.
Herrmann, der ab 1982 auch Redaktions-, ab 1986 Herausgeber-Beirat des FORVM war, zog sich als „Teichwirt“[5] auf sein burgenländisches Landgut Samersdorf zurück und widmete sich fortan dem Schreiben sowie seinen Enkelkindern und Karpfenteichen.
Die Erhebung einer Prostituierten in den Sternenhimmel (1991, Wiederholung 1994)
Talpa oder Da unten ist’s gar fürchterlich. Dauer: 48 Minuten 32 Sekunden. Regie: Georg Herrnstadt und Thomas Thieme (ORF 1992).
Todesstrafe untertänigst. Des geheimen Hof- & Kriegsrates Johann Wolfgang Goethens gar nicht so geheimes Berufsleben. Dauer: 49 Minuten 32 Sekunden. Komposition: Georg Herrnstadt, Regie: Georg Herrnstadt und Markus Boysen (ORF 1995).
↑Edith Herrmann (* 30. September1925 in Wien) promovierte gleichfalls 1950 an der Universität Wien, mit der Dissertation Dr. Ferdinand Bruckner (Theodor Tagger). Leben und Werk eines österreichischen Dramatikers bis 1948.
↑Fritz Herrmann: Einen sozialistischen Kulturbegriff entwickeln. In: Rote Markierungen, Beiträge zur Ideologie und Praxis der österreichischen Sozialdemokratie. Europaverlag, Wien 1972, S. 79 ff.
Trara Trara die Hochkultur! 16. Mai 2022, 11:57, von Kurt Greussing
Gstanzl 15: Goldlawua (statt Goldlawu)
Trara Trara die Hochkultur! 24. September 2022, 12:21, von Robert Zöchling
Danke für den Hinweis — ist korrigiert.