FORVM, No. 171-172
März
1968

Weltgeschichte seit 1945

Geschichte muß als ein Entwicklungsprozeß aufgefaßt werden, von dem auch die Gegenwart nur ein Glied ist. Wenn dies richtig ist, sollten wir keine Mühe sparen, die Geschichte der Vergangenheit mit den drängendsten Anliegen unserer eigenen Zeit in Verbindung zu setzen. In diesem Bemühen müssen wir besonders trachten, ein Wissen zu gewinnen über das Vorgestern, die Zeit, die aus dem lebenden Gedächtnis entschwunden, aber noch nicht in die Schulbücher aufgenommen ist.

Hajo Holborn
Der Zusammenbruch des europäischen Staatensystems

Die Aufforderung ist von einigen wenigen amerikanischen Historikern aufgegriffen worden, im deutschen Sprachbereich aber blieb die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Ereignissen seit 1945 den politischen Wissenschaften vorbehalten. Befangen in dem Glauben an die aktenkundliche Quellendokumentation, blieb die Geschichtsforschung und die Geschichtslehre in dem Bemühen stecken, die Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges und die Herrschaft und die Greuel des nationalsozialistischen Regimes zu erforschen. Dokument über Dokument wurde zur Geschichte des Nationalsozialismus und der diplomatischen Geschichte der Dreißigerjahre veröffentlicht, und über den Anstrengungen, die Vergangenheit zu bewältigen, vergaßen die Politiker und Historiker, daß ein gewaltiges Stück Gegenwart inzwischen ebenso zur Geschichte geworden war.

Bis 1945 war Weltgeschichte nichts anderes als der Schauplatz europäischer Entfaltung. Seit 1945 hingegen ist Europa einer unter vielen möglichen Schauplätzen welthistorischer Entscheidungen.

Schon der Erste Weltkrieg war durch das Eingreifen einer außereuropäischen Macht entschieden worden, doch trotz des langsamen Ablösens der außereuropäischen Welt von der Bevormundung durch die europäischen Großmächte waren diese selbst im Grunde in ihrer Stellung unberührt in die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen hineingegangen. Das Schicksal des Zweiten Weltkrieges aber wurde erneut durch zwei außereuropäische Mächte entschieden. Die Schlachten und Entscheidungen des pazifischen Raumes waren für den Ausgang des Krieges ebenso bestimmend wie der Zusammenbruch der nationalsozialistischen Herrschaft. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beherrschten die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Nordamerika nicht nur das politische Geschehen, sondern über den politisch-weltanschaulichen Gegensatz hinaus den Allgemeincharakter der geschichtlichen Entwicklung in geistig-kulturellen, in technisch-zivilisatorischen, in religiös-weltanschaulichen und selbst in ethisch-moralischen Aspekten. Der weltanschauliche Gegensatz der beiden Großmächte, die einander als Protagonisten konträrer Lebensauffassungen gegenüberstehen, hat gleich nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges den Charakter eines machtpolitischen Konfliktes angenommen. Wir sind gewohnt, die Zeit von 1945 bis in unsere Gegenwart als das Zeitalter des Kalten Krieges, des Kampfes zwischen freier demokratischer Ordnung und kommunistischer Herrschaft zu empfinden.

Dieser machtpolitische Gegensatz der beiden Großmächte überschattet seit zwanzig Jahren die gesamte Entwicklung politischer wie nicht-politischer Natur. Wir haben uns von der politischen Publizistik verleiten lassen, alle Lebensfragen diesen machtpolitisch-strategischen Erwägungen des sogenannten Kalten Krieges unterzuordnen. Wir blicken wie gebannt auf jede kleinste Regung im Kreml, wir beobachten — manche mit Furcht, manche mit Bewunderung und nur wenige mit Verständnis — die Umgestaltung der ehemaligen Kolonialreiche, und wir haben darüber versäumt, den Wandel zu sehen, den auch die westliche Welt, unabhängig vom Kalten Krieg, mitgemacht hat.

In dem gleichen Maße, in dem wir versuchten, uns vom europäozentrischen Geschichtsbild zu lösen und zu globaler Betrachtung der Geschichte vorzudringen, in dem gleichen Maße verengen wir unseren Ausblick durch Festlegung unseres Blickwinkels auf den machtpolitischen Gegensatz von Rußland und den Vereinigten Staaten als Symbol eines weltanschaulichen Ringens. Hinter jeder Veränderung politischer, sozialer oder geistiger Art wird, je nach Standort, kommunistischer oder kapitalistischer Einfluß gewittert.

Ost-West-Scheuklappen

Es hat demnach die Aufgabe des Historikers zu sein, ohne die Bedeutung der großen Ost-West-Auseinandersetzung zu unterschätzen, alle anderen Tendenzen aufzuzeigen, die die Entwicklung seit 1945 bestimmten. Der Historiker, der die Geschichte der Nachkriegszeit verstehen und sinnvoll in den Gesamtzusammenhang einordnen will, muß sich bemühen, die Veränderungen, welche unser Leben seit zwanzig Jahren bestimmen, herauszuschälen aus dem propagandistischen Gewande des Kalten Krieges.

So sehr sich die politische Landkarte in den letzten beiden Dezennien veränderte, so wenig wurde das Gefüge der politischen Ideen davon berührt. So sehr das Bild der Landschaft durch die technischen Errungenschaften revolutioniert wurde, so wenig ist es gelungen, den geistigen Bereich damit in Übereinstimmung zu bringen. So sehr die Entwicklung der Technik und des Verkehrs die Menschen äußerlich einander näher gebracht hat, so wenig konnten wir die Grundsätze der gesellschaftlichen Struktur diesen Veränderungen anpassen.

Die politischen, weltanschaulichen, philosophischen und gesellschaftlichen Wertbegriffe des 19. Jahrhunderts begleiten in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine Technik, die über die Erde hinaus ins 21. Jahrhundert vorstößt.

Dieses hiemit nur angedeutete Spannungsverhältnis hat seine historische Erklärung in der Situation des Jahres 1945. Der Weg aus dem Chaos, der auf materiellem Gebiet nur durch wirtschaftliche Rekonstruktion möglich war, hat daneben auf geistigem Gebiet zu weltanschaulicher Restauration geführt. Entscheidend jedoch war, daß aus politischen wie praktischen Gründen die geistige Neubesinnung einer Generation überlassen wurde, die in normalen Zeiten von der fortschrittlichen Jugend bereits verdrängt gewesen wäre.

Das Europa der unmittelbaren Nachkriegszeit war beherrscht von den großen alten Männern: Churchill, de Gasperi, Adenauer — Attlee, Schumacher, Léon Blum, um auch Männer des sozialistischen Lagers in der gleichen Richtung zu nennen. Sie waren führend gewesen, als das Unheil des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges über die Welt hereinbrach, sie versuchten dort wieder anzuknüpfen, wo sie unterbrochen worden waren. Und ihnen stand als Widerpart Josef Stalin gegenüber, auch er die Verkörperung der Vergangenheit weit eher als der Zukunft.

An Stelle notwendiger Neubesinnung kam es 1945 und in den Jahren danach zu einer Rückbesinnung. Als sich wenige Jahre später die außereuropäische Welt zur Selbständigkeit loslöste, geschah dies gleichfalls im Zeichen der Ideen des 19. Jahrhunderts. Ob es sich um den Traum der sogenannten Erfüllung nationaler Selbständigkeit handelte oder um die Befolgung kommunistischer Parolen, immer war es die Erfüllung von Ideen des vorigen Jahrhunderts. Hier liegt die entscheidende Erkenntnis, welche der Historiker aussprechen muß: Auch die kommunistische Weltanschauung, die in den späten Vierzigerjahren die gesellschaftliche und politische Ordnung umzugestalten vermochte und die in den folgenden Jahren auf Afrika und Asien ausstrahlte, war keine fortschrittliche, moderne, die Zukunft erkennende, auch sie war erstarrt im Dogma des 19. Jahrhunderts.

In dieser Erkenntnis des Vorherrschens restaurativer Tendenzen liegt der Schlüssel zu dem Unbehagen, von dem man so gerne spricht, wenn man unsere Zeit charakterisieren will. Die Nachkriegszeit kannte in geistigen Belangen keine Alternative fortschrittlicher Entwicklung zu den beharrenden, konservativen Tendenzen.

Die wenigen Ansätze, die es in den Jahren 1945 bis 1948 gab, wurden sofort und ziemlich grob unterdrückt. Die Nachkriegszeit ist gekennzeichnet durch den Wettbewerb traditioneller konservativer Anschauungen. Erst in den Sechzigerjahren scheint sich in allen Lagern die Erkenntnis Bahn zu brechen, daß eine Modernisierung unseres Denkens, eine Anpassung an den materiellen Fortschritt notwendig sei. Die divergierenden Strömungen auf dem Konzil sind ein Symptom dieser möglichen Entwicklung und zeigen zugleich deren Schwierigkeiten.

Von diesen beiden Grundgedanken — machtpolitische Rivalität des kommunistischen und demokratischen Lagers einerseits, Vorherrschen restaurativer Tendenzen in beiden Lagern in geistiger Hinsicht anderseits — haben wir auszugehen, wenn wir das Geschehen der beiden Dezennien seit 1945 zu gliedern versuchen. Wir müssen uns daneben aber auch noch zweier weiterer Hauptzüge der weltgeschichtlichen Entwicklung seit 1945 bewußt bleiben. Es sind dies technische, wissenschaftliche und materielle Entwicklung einerseits und, davon direkt abhängig, tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen anderseits. Beide lassen sich in ihren Anfängen in das 19. Jahrhundert zurückverfolgen und haben in zunehmender Beschleunigung die geschichtliche Entwicklung bestimmt, ohne daß die in politisch-ideologischer Betrachtungsweise befangenen Historiker sich darüber Rechenschaft gegeben hätten.

Der medizinische Fortschritt, die Industrialisierung, die Verkürzung der Entfernungen durch die modernen Verkehrsmittel haben die Gesellschaft schon um die Jahrhundertwende aus ihren traditionellen, stabilen Verankerungen gelöst. Die beiden Kriege mit den dadurch bedingten Umsiedlungen ganzer Bevölkerungsgruppen und damit der Depossedierung ganzer Bevölkerungsschichten haben diesen Prozeß der Umwandlung einer statischen Ordnung zur Mobilität verschärft.

Nachhinkende Sozialgeschichte

Die Sozialgeschichte hat diese Probleme der gesellschaftlichen Wandlung kaum zur Kenntnis genommen. Sie beschäftigt sich ja noch nicht einmal mit der Untersuchung jener Entwicklung, durch welche die westliche Welt stillschweigend, und offensichtlich ohne dabei Schaden zu nehmen, den Forderungen des sozialen Wohlfahrtsstaates angepaßt wurde — in einem Ausmaß, das vor zwanzig Jahren noch als kommunistisch und revolutionär betrachtet worden wäre.

Daß wir diese evolutionären Veränderungen des gesellschaftlichen Gefüges kaum beachten, mag wohl darin begründet liegen, daß wir von den Errungenschaften der naturwissenschaftlich-technischen Entwicklung fasziniert sind. Von der ersten Atomspaltung über die Entwicklung der Wasserstoffbombe und die Nutzbarmachung der Atomkraft für friedliche Zwecke bis zum Wettlauf um die Eroberung des Weltalls eilen wir seit dem Zweiten Weltkrieg unserer Zeit weit voraus. Und es bleibt uns kaum die Ruhe, innezuhalten und zurückzublicken. Wir werden uns kaum mehr bewußt, daß es vor zwanzig Jahren fast unmöglich war, in Erfahrung zu bringen, was im nächsten Dorf vor sich ging, weil der Krieg alle Verbindungen zerstört hatte, während wir heute die Ereignisse bei unseren Antipoden fast gleichzeitig auf dem Bildschirm mitverfolgen.

Damit bin ich im Grunde bei einer weiteren wesentlichen Eigenschaft, die das Leben der Nachkriegszeit von dem früherer Epochen unterscheidet. Es ist dies die weltweite Gemeinsamkeit des gesamten kulturellen Lebens und Erlebens. Was von Kulturkritikern, die der Gegenwart verständnislos gegenüberstehen, so gerne als egalitäre konformistische Zivilisation beschimpft wird, ist in seiner Pluralität und Diversität von einem Reichtum, den frühere Generationen nie in dieser Dichte erfahren haben. Dazu kommt der Wandel von der Kulturproduktion zum Kulturkonsum, bedingt durch den Fortschritt der Technik und die Kommunikation im weitesten Sinne, die es uns ermöglicht, an weit mehr, und in weit höherer Qualität, unmittelbar aufnehmend teilzuhaben, als dies früher der Fall war.

Es wird schwierig in dieser Zeit, in der alles in gleichem Maße auf den Betrachter einstürmt, in der alles so schnell vergessen wird wie es aufgenommen wird, das Geschehen in klare Linien zu gliedern und übersichtlich zu gestalten. Es mag daher vielleicht verfrüht sein, die Zeitspanne seit 1945 in klar erkennbare Perioden zu gliedern, und doch möchte ich eine solche Periodisierung wagen. Es ist eine Periodisierung, die wie alle solchen Versuche simplifizieren und schematisieren muß und vielleicht schon morgen überholt sein wird.

1945-1952: Aufbau und Gärung

In der ersten Periode von 1945 bis 1952 war die Bewältigung der Kriegsfolgen die vorherrschende Aufgabe, nicht nur in Deutschland und Österreich; auch in Frankreich, in Italien und in den außereuropäischen Kontinenten galt es, die zerstörten Städte wieder aufzubauen, die Wirtschaft wieder in Gang zu setzen. Es galt aber auch, die politische Ordnung wieder herzustellen, die politische Lage zu stabilisieren. Die Erstarrung der politischen Fronten, das Fallen des so oft zitierten Eisernen Vorhanges ist in gleichem Maße eine solche Stabilisierungsmaßnahme wie die Aufrichtung demokratischer Verfassungen in Italien und Frankreich und die allmähliche Überleitung vom Besatzungsregime zu politischer Mitverantwortung in Deutschland und Österreich. Gleichzeitig galt es in dieser Zeit von 1945 bis 1948, die öffentliche Ordnung, die Wirtschaft und Verwaltung den gesellschaftlichen Auswirkungen des Krieges anzupassen. Da die Publizistik sich nur mit den Aspekten des Kalten Krieges zu befassen pflegt, wurde völlig die Erinnerung daran verdrängt, daß in dieser ersten Periode nicht nur in Europa, sondern selbst in den Vereinigten Staaten geradezu revolutionäre soziale und politische Veränderungen vor sich gegangen sind, welche das ganze alte kapitalistische System fast geräuschlos in ein staatlich gelenktes Wirtschaftssystem umgewandelt haben. Der Fair Deal des amerikanischen Präsidenten Truman kann als das die Wandlung am besten charakterisierende Schlagwort genannt werden. Es waren diese ersten Jahre besonders die Jahre 1946-47, als die Heimkehrer in verstärktem Maße aus den Gefangenenlagern zurückzukehren begannen — noch eine Periode geistiger Gärung, in welcher das säkularisierte Denken des französischen Existentialismus etwa im Widerstreit lag mit der Rückbesinnung auf religiöse Werte. Es war eine Zeit, in welcher die Leistungen der aus dem Europa der totalen Herrschaftssysteme als entartet verdrängten Literatur, Kunst und Philosophie wie eine Sturzflut über Europa hereinbrachen, um binnen kurzem in einem Erziehungssystem zu versickern, welches auf jenen Grundsätzen aufgebaut war, an denen die fortschrittliche Geistigkeit der Zwischenkriegszeit bereits gescheitert war.

All dies wurde um die Mitte dieser Periode, um das Jahr 1948, verdrängt durch die Angst vor der kommunistischen Revolution, die Angst vor einem neuen Weltkrieg. Die kommunistische Machtergreifung in der Tschechoslowakei im Februar 1948 bedeutet den entscheidenden Wendepunkt. Westeuropa wurde zum militärischen Bollwerk gegen die russische Macht; im Bemühen um die Verteidigung der westlichen Stellung kam es zum Überhandnehmen konservativen Denkens in ganz Europa und im westlich-demokratischen Bereich überhaupt.

Wenn zur gleichen Zeit der asiatische Raum, im besonderen Indien und Indochina, sich aus dem britischen und französischen Machtbereich löste, so war dies nur die Bestätigung einer Entwicklung, die sich im Zeichen des japanischen Imperialismus schon während des Zweiten Weltkrieges vollzogen hatte. Auch die Demokratisierung Japans unter der aufgeklärten Despotie des amerikanischen Oberbefehlshabers MacArthur war nur ein Heranführen der japanischen politischen Entwicklung an den amerikanischen Standard von 1787.

Die weltpolitischen Konsequenzen des kommunistischen Sieges in China wurden hingegen erst im Laufe des Koreakrieges und des Indochinakrieges spürbar, als seit 1950 die Weltmächte sich in eine neue militärische Auseinandersetzung hineingezogen sahen.

1952-1958: Restauration

Mit dem Jahre 1952 waren die Folgen des Krieges in Europa in materieller wie geistiger Hinsicht im allgemeinen überwunden. Die wirtschaftliche Gesundung, die im Jahr 1948 durch den Marshallplan begonnen und im deutschen Wirtschaftswunder den auffallendsten Ausdruck gefunden hatte, war ergänzt worden durch eine machtpolitisch-militärische Sicherung der Welt in Allianzsystemen. Konservative Strömungen herrschten in diesen Fünfzigerjahren vor. In England, in Deutschland, in Italien, in Frankreich regierten gemäßigt konservative Parteien. In den Vereinigten Staaten von Amerika war unter Eisenhower eine gemäßigt konservative Richtung an der Führung. Und in Österreich hatten wir ein doppelt konservatives Koalitionsregime.

Der Wechsel in der politischen Zielsetzung, welcher in Rußland nach dem Tode Stalins sich durchsetzte, ließ die Bürger der Welt den technischen Fortschritt und die wirtschaftliche Prosperität ohne sonderliche geistige Bewegung genießen. Es gab Momente, die das Weltgewissen aufrüttelten, wie die ungarische Revolution 1956; es gab Länder, die den Frieden nicht genießen konnten, wie Frankreich, das durch die blutigen Bürgerkriege in Indochina und Algerien erschüttert wurde; und es gab Anzeichen, daß der Geist der Zusammenarbeit, welcher das westliche Europa der Nachkriegszeit beherrscht hatte und die europäische Einigung nahe scheinen ließ, neuen nationalistischen Überlegungen weichen mußte.

Die Rückbesinnung auf die politischen Ideen der Vorkriegszeit hatte im allgemeinen ein Wiedererwachen nationaler und autoritärer Tendenzen zur Folge. Die Machtergreifung de Gaulles im Jahre 1958 leitet, meiner Ansicht nach, eine neue Periode ein, in welcher die nationalistische Interessenpolitik die Ansätze übernationaler Zusammenarbeit zu ersetzen begann. Seit 1958 ist in der politischen und geistigen Auseinandersetzung — nicht mit der kommunistischen Welt, sondern innerhalb der freien westlichen Welt — wieder ein Hinneigen zu extremen Richtungen festzustellen, wodurch das politische Klima in den meisten Ländern zeitweise bedrohlich verschärft wurde.

nächster Teil: Weltgeschichte seit 1945

Der Schluß des Aufsatzes folgt im nächsten Heft.

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