Erwin Chargaff
Beiträge
Context XXI, ZOOM 6/1997

Warum lesen?

ein bericht von der Mainzer MiniPressenMesse 1997
Oktober
1997

Wieso bücher?, fragt Klaus Wagenbach sich u. andere anläßlich des dreißigjährigen jubiläums des Wagenbach verlages. verschiedene schreibende versuchen darauf eine antwort zu geben (erschienen 1994 bei Wagenbach). wieso bücher, fragen wir uns, halb scherzhaft u. ironisch, aber durchaus an so etwas wie (...)

Streifzüge, Jahrgang 2022

Erwin Chargaff. Wo bleibt der heilige Zorn?

Juni
2022

Warum wird Wissenschaftskritik zunehmend als Wissenschaftsfeindlichkeit bezeichnet und warum werden abweichende Meinungen immer öfter dämonisiert? Mit dem geradezu inflationär gewordenen Vorwurf, ja mit der Punzierung „Fake“, „Falschmeldung“, „Verschwörungstheorie“ ist ein völlig neuer Ton im (...)

Beiträge von Erwin Chargaff
FORVM, No. 342/343

Tibetanische Papiermühlen

Plädoyer für Kleine Wissenschaft
Juli
1982

Erwin Chargaff hielt am Salzburger Symposion zu Ehren von Leopold Kohr Abrechnung mit der Großforschung. Der Text ist eine leicht gekürzte Abschrift des Tonbands. Klein bei Kaiser Wilhelm Das Dilemma zwischen groß und klein — Sie haben ja alle schon gelernt: „Small is beautiful“. Das ist natürlich (...)

Erwin Chargaff (* 11. August 1905 in Czernowitz, Bukowina, Österreich-Ungarn; † 20. Juni 2002 in New York) war ein österreichisch-amerikanischer Chemiker und Schriftsteller. Als Wissenschaftler auf den Gebieten der Biochemie und Genforschung lieferte Chargaff wichtige Beiträge zur Entschlüsselung der DNA-Struktur. Nach seiner Emeritierung 1974 machte er sich mit stilistisch geschliffenen, kritischen Essays als Wissenschaftskritiker einen Namen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chargaff besuchte das Gymnasium Wasagasse in Wien, wo er dann ab 1923 zunächst kurz Philologie, bald aber Chemie an der dortigen Technischen Hochschule studierte. Damals verehrte er Karl Kraus, den unbestechlichen Kritiker seiner Zeit. 1928 schloss er sein Chemiestudium mit der Promotion ab. Sein Doktorvater war Fritz Feigl.[1]

Mit einem Stipendium ging er als Fellow an die Yale University in den Vereinigten Staaten und betrieb dort Forschungen über die Lipide des Tuberkulosebakteriums. 1930 kehrte er nach Europa zurück und setzte diese Forschungen als Assistent für Chemie am Hygienischen Institut der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin fort. Dort arbeitete er bis 1933 auch an seiner Habilitationsschrift.[2]

Chargaff stammte aus einer jüdischen Familie. Daher verließ er Deutschland 1933 nach der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten und wechselte nach Paris ans Institut Pasteur. 1935 emigrierte er in die USA und arbeitete an der New Yorker Columbia University, wo er ab 1938 als Assistenzprofessor und ab 1952 als Professor für Biochemie lehrte und forschte.

Nach seiner Emeritierung 1974 trat er vermehrt mit literarischen Arbeiten an die Öffentlichkeit. Sein Nachlass befindet sich im Deutschen Literaturarchiv Marbach und in Philadelphia.

Der Forscher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erwin Chargaff stellte die nach ihm benannten Chargaff’schen Regeln auf: Nachdem er in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre festgestellt hatte, dass in der DNA jedes untersuchten Lebewesens die von Albrecht Kossel entdeckten Basen Adenin und Thymin sowie Cytosin und Guanin jeweils immer im gleichen molaren Verhältnis (1:1) vorkommen, formulierte er die Regel, dass diese Basen stets paarweise auftreten. Damit erbrachte Chargaff einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der DNA. Seine Arbeiten halfen James Watson und Francis Crick bei der bahnbrechenden Entdeckung, dass die DNA als Spirale der Doppelhelix-Struktur angeordnet ist. Bei der Verleihung des Nobelpreises dafür im Jahr 1962 wurde Chargaff allerdings nicht bedacht.

Nicht berücksichtigt wurde auch Rosalind Franklin, deren Forschungsarbeiten Watson und Crick wichtige Einsichten verdankten: Watson besuchte Ende 1952 am King’s College in London Maurice Wilkins, der ihm DNA-Röntgenaufnahmen von Rosalind Franklin zeigte, und zwar ohne das Wissen und gegen den Willen von R. Franklin. Watson sah sofort, dass es sich bei dem Molekül um eine Doppel-Helix handeln musste; Franklin selbst hatte dazu bereits eine mathematische Analyse der Beugungsdaten durchgeführt. Auch der Bericht mit den Berechnungsergebnissen von Franklins Analyse wurde heimlich an Watson und Crick weitergegeben. Damit gelang es Watson und Crick in kürzester Zeit, die Molekularstruktur am Cavendish-Laboratorium der Universität von Cambridge korrekt herzuleiten. Ihr Doppelhelix-Modell der DNA mit den Basenpaaren in der Mitte wurde am 25. April 1953 in der Zeitschrift Nature publiziert.

Für ihre Publikationen zur Molekularstruktur der Nukleinsäuren und deren Bedeutung für die Informationsübertragung in lebenden Organismen erhielten Watson und Crick zusammen mit Maurice Wilkins 1962 den Nobelpreis für Medizin. Rosalind Franklin, deren Röntgenbeugungsdiagramme wesentlich zur Entschlüsselung der DNA-Struktur beigetragen hatten, war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben und konnte daher nicht mehr nominiert werden. Ihr Anteil an der Entdeckung wurde vom Nobelkomitee nicht erwähnt.

Chargaff selbst hatte Francis Crick und James Watson zunächst nicht ernst genommen, da ihm die beiden zu wenig Fachwissen in Chemie besaßen. In einem Gespräch mit Chargaff konnte Crick wichtige Molekülstrukturen nicht wiedergeben.[3] Watson machte im selben Gespräch unpassende Anmerkungen, die seine Unkenntnis auf dem Gebiet der Chemie verrieten. Chargaff nannte die jungen Kollegen im Anschluss „wissenschaftliche Clowns“.[4]

Die Chargaff’schen Regeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe: Chargaff-Regeln

  1. Die Basenzusammensetzung der DNA ist von Spezies zu Spezies verschieden. Die DNA jeder Spezies besteht nur aus den vier „Grundnukleotiden“ dAMP, dCMP, dGMP und dTMP.
  2. In allen DNA-Molekülen gilt: A=T und C=G; hingegen gleicht die Menge A+G der Menge T+C.
  3. DNA-Proben aus unterschiedlichen Geweben eines Individuums sind gleich.
  4. Die Basenzusammensetzung der DNA einer Spezies ist unabhängig von Alter, Ernährungszustand und Lebensraum.

Der Schriftsteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autor pflegte Chargaff die Form des Essays. Er knüpfte dabei an Karl Kraus an, dessen Vorlesungen er in seiner Wiener Studienzeit besucht hatte. Chargaff setzte sich in seinen Essays kritisch mit gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Erscheinungen auseinander, besonders aber mit der aktuellen Wissenschaft, und hier vor allem mit seinem eigenen langjährigen Fachgebiet, der genetischen Forschung.

Werke (auf Deutsch)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle hier angeführten Werke sind im Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, erschienen.

Auszeichnungen und Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachrufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lothar Jaenicke: Die Fackel des Erwin Chargaff und das Feuer des Heraklit fressen ihre Kinder. Angewandte Chemie 114, 2002, S. 4387–4390.
  • Lothar Jaenicke: Ein Kämpfer mit den Fachmännern. Nachrichten aus der Chemie 50, 2002, S. 1228–1231.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Doris Weber: Wider den Genrausch. Eine Jahrhundertbegegnung. Publik-Forum, Oberursel 1999, ISBN 3-88095-101-2.
  • Ingeborg Harms: In den Wörtern liegen unsere Gene. Erwin Chargaff und der Erfindungsreichtum des Skeptikers. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Dezember 1999.
  • Walter Kappacher: Hellseher sind oft Schwarzseher. Erinnerungen an Erwin Chargaff. Keicher, Warmbronn 2007, ISBN 978-3-938743-52-2.
  • Henner Reitmeier: Im spitzen Winkel zur Welt. Ein Porträt. In: Die Brücke 151, 2/2009.[7]
  • Gerhard Oberkofler: Erwin Chargaff und sein Wien. Ein paar Randnotizen zu seinem hundertsten Geburtstag. Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft Nr. 2/2005, S. 11–18.
  • Friederike Migneco: „Wer den Menschen manipuliert, tötet die Menschlichkeit“: die Voraussagen von Erwin Chargaff werden von der Entwicklung eingeholt, Die Warte. -Luxembourg. -Jahr [63](2011), n°4=n°2318 (27. Januar)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Informationen zu und akademischer Stammbaum von Erwin Chargaff bei academictree.org, abgerufen am 28. Januar 2018.
  2. Biografie bei www.encyclopedia.com abgerufen am 12. Januar 2013
  3. James D Watson: Die Doppel-Helix: Ein persönlicher Bericht über die Entdeckung der DNS-Struktur. Rowohlt Taschenbuch 6803, Reinbek bei Hamburg 1973, S. 106 (Ungekürzt nach Original 1968; Zitat: „Ihren Höhepunkt erreichte Chargaffs Verachtung, als er Francis das Geständnis entlockte, er könne sich an die chemischen Unterschiede zwischen den vier Basen nicht mehr erinnern.“).
  4. Siegfried Wendt (Universität Potsdam) berichtet: "Ich habe Erwin Chargaff in seinen letzten Lebensjahren persönlich kennengelernt und weiß, wie sehr es ihn gekränkt hat, dass alle Welt Crick und Watson als die Entdecker der DNA-Struktur feiert und sein Name heute kaum noch fällt" (Forschung und Lehre 3/24, Leserforum, S. 198).
  5. Member History: Erwin Chargaff. American Philosophical Society, abgerufen am 17. Juni 2018.
  6. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  7. Hier auch online (Memento des Originals vom 22. Mai 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/siebenschlaefer.blogger.de nachlesbar, abgerufen am 20. Juni 2012