Peggy Parnass
Beiträge von Peggy Parnass
MOZ, Nummer 40

Was ist hier eigentlich los?

April
1989

Sie wollen mehr Texte online lesen?
Das ist machbar! Mit der fördernden Mitgliedschaft

250px-Peggy_Parnas.JPG
Peggy Parnass (2009)

Ruth Peggy Sophie Parnass (geboren am 11. Oktober 1927 in Hamburg; gestorben am 12. März 2025 ebenda) war eine deutsch-schwedische Schauspielerin, Kolumnistin, Gerichtsreporterin und Autorin.

Leben und Wirken

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr Vater Simon Parnass (geboren 1879) und ihre Mutter Hertha Parnass, geb. Emanuel (geboren 1906), wurden aufgrund ihrer jüdischen Herkunft 1942 im Vernichtungslager Treblinka von den Nationalsozialisten ermordet. Nach ihnen wurde im September 2023 der Parnass-Platz im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel benannt.[1]

1939 wurde Parnass als Kind mit ihrem vierjährigen Bruder Gady mit einem Kindertransport nach Stockholm gebracht. In den folgenden sechs Jahren lebte sie in zwölf verschiedenen Pflegefamilien. Kurz vor Ende des Krieges kamen die Kinder zu einem Onkel nach London, der als Einziger aus der Familie durch Flucht überlebt hatte. Dort lebte sie drei Jahre zusammen mit ihrem Bruder, der später Engländer wurde, während Peggy zurück nach Schweden ging und die schwedische Staatsbürgerschaft annahm. Dort gebar sie 1951 auch ihren Sohn Kim, der in jungen Jahren als Schauspieler tätig war.

Parnass studierte in Stockholm, London, Hamburg und Paris. Seit ihrem 14. Lebensjahr erarbeitete sie sich ihren Lebensunterhalt durch ihre Sprachkenntnisse als Sprachlehrerin, Filmkritikerin, Kolumnistin und Dolmetscherin für die Kriminalpolizei. Sie arbeitete als Schauspielerin in Film und Fernsehen und übersetzte Märchen. Sie schrieb 17 Jahre lang Gerichtsreportagen für die Monatszeitschrift konkret. Sie hielt Lesungen auch aus ihren Büchern, sang an Theatern in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Luxemburg, arbeitete für Rundfunk und Fernsehen (SFB-Porträt, Interviews, Diskussionen).

Ihre Wohnung in Hamburg-St. Georg, in der sie seit den frühen 1970er Jahren lebte, prägten zahlreiche Fotografien von prominenten Persönlichkeiten wie Udo Lindenberg, den Beatles und dem Dichter Peter Rühmkorf.[2] Udo Lindenberg verdankte sie den Spitznamen „Peggy Panther“.[3] Seit einem Sturz im Jahr 2019 lebte sie in einem Hamburger Seniorenstift.[4]

Peggy Parnass war eine engagierte Antifaschistin, die sich stets kompromisslos für die Schwachen und gegen jede Form von Ungerechtigkeit einsetzte.[2] Aufgrund ihrer klaren Haltung gegen § 175 des Strafgesetzbuchs wurde sie früh zur wichtigen Stimme des Homosexuellenmilieus Hamburgs, insbesondere im Stadtteil St. Georg.[2] Peggy Parnass gilt als Ikone der Schwulenbewegung.[5][6] Sie war Mitglied der Gewerkschaft ver.di.[7]

250px-20140510_Klotzfest_Peggy.Parnass_Foto.Senenko_02.jpg
Peggy Parnass liest in Hamburg aus ihrem Buch Süchtig nach Leben (2014)

Für die digitale Fotoausstellung im Willy-Brandt-Haus 2021 in Berlin unter dem Titel Lonka-Projekt wurde sie von Axel Martens porträtiert.[8]

Ihr umfangreicher Vorlass wurde 2020 vom Hamburger Institut für Sozialforschung übernommen.

Parnass wurde am 18. März 2025 auf dem Jüdischen Friedhof Ohlsdorf beigesetzt.[9]

  • Alana Tongers: Sie warf mit Liebe um sich. In: spiegel.de, 13. März 2025, online, Bezahlschranke, abgerufen am 13. März 2025
  • Jan Feddersen: Eine herzensgrantige Botschafterin des anderen Hamburg. In: taz.de, 13. März 2025, online, abgerufen am 13. März 2025
  • Willy Winkler: Die Persönliche. In: sueddeutsche.de, 13. März 2025, online, Bezahlschranke, abgerufen am 13. März 2025
  • Olaf Wunder: Trauer um Peggy Parnass: Eine Frau voller Liebe, Wut und Leidenschaft. In: mopo.de, 13. März 2025, online, abgerufen am 13. März 2025
Commons: Peggy Parnass – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Senatsbeschluss vom 7. September 2023, veröffentlicht im Amtlichen Anzeiger Nr. 82 vom 20. Oktober 2023, abgerufen am 21. Oktober 2023.
  2. a b c Jan Feddersen: Nachruf auf Peggy Parnass: Eine herzensgrantige Botschafterin des anderen Hamburg. In: Die Tageszeitung: taz. 12. März 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 13. März 2025]). 
  3. https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/auf-das-leben-5/
  4. Coronavirus in Hamburg: Appell von Peggy Parnass: „Vergesst die Senioren nicht!“ In: Hamburger Morgenpost. 6. April 2020, abgerufen am 15. Mai 2021. 
  5. Peggy Parnass: „Eine Freundin, zu Tode erschöpft“. (Memento vom 12. Oktober 2007 im Internet Archive) In: Der lachende Drache, 11/2003, Seite 7, zuletzt abgerufen am 4. Oktober 2012 (PDF; 702 kB)
  6. Roland Kirbach: Schwulsein heute – ganz normal?; in: Die Zeit, Ausgabe 26/2007 vom 21. Juni 2007, S. 17 f.
  7. "Bis zur letzten Sekunde". ver.di PUBLIK, 27. März 2025, abgerufen am 22. April 2025. 
  8. Zentralrat der Juden in Deutschland K.d.ö.R: Eine Hommage an die letzten Überlebenden. 26. Januar 2021, abgerufen am 18. Februar 2021. 
  9. Trauerfeier für Peggy Parnass: Hunderte nehmen Abschied. In: Hamburg Journal. 18. März 2025, abgerufen am 19. März 2025.