Was bisher geschah Am 13. Juli 2010 erschienen Beamte des Landeskriminalamts Berlin in den Buchläden oh21 und Schwarze Risse, sowie im Infoladen M99. Sie durchsuchten die Räume nach den zuletzt erschienen zwei Ausgaben der Szenezeitschrift Interim (Nr. 713 + 714) und beschlagnahmten die (…)
Die Schwarze Risse ist eine Buchhandlung im alternativem Kulturzentrum Mehringhof im Berliner Ortsteil Kreuzberg. Neben der Buchhandlung gibt es den Verlag Assoziation A. Die in 2002 unter dem gleichen Namen gegründete zweite Buchhandlung im Ortsteil Prenzlauer Berg ist seit dem 1. April 2012 eigenständig und heißt seitdem Buchhandlung zur schwankenden Weltkugel.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Geschäft wurde 1980 noch namenlos gegründet und firmiert seit 1984 als Schwarze Risse. Das Geschäft ist als Kollektiv ohne hierarchische Strukturen organisiert und hat die Rechtsform einer GmbH.[1] Von 2002 bis Ende März 2012 wurde von dem Kollektiv auch eine gleichnamige Buchhandlung in der Kastanienallee im Ortsteil Prenzlauer Berg betrieben.
Teilung des Kollektivs
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Schwarze-Risse-Kollektiv teilte sich im April 2012 aus organisatorischen Gründen einvernehmlich in zwei Kollektive. Während der Laden im Mehringhof den Namen Schwarze Risse behielt, wurde der seit 2002 bestehende zweite Standort in der Kastanienallee als Buchladen zur schwankenden Weltkugel von dem neuen Kollektiv geführt. In einer Pressemeldung hieß es dazu: „Zwei Läden und sechs Leute in einem Kollektiv zusammenzuhalten ging nicht mehr, deshalb geben wir nach und konzentrieren uns in Zukunft in bewährter Besetzung auf jeweils einen linken Buchladen“.[2][3][4]
Verlag Assoziation A
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Aus dem Umfeld des Buchladens Schwarze Risse entstanden in den 1980er Jahren eigene verlegerische Aktivitäten. Nach einer bundesweiten Durchsuchungsaktion gegen linke Buchhandlungen im Jahr 1987 bildeten Schwarze Risse, der Buchladen Rote Straße in Göttingen und der Buchladen Kleine Freiheit in Gießen ein gemeinsames Verlags- und Vertriebsprojekt. Im Jahr 2001 schloss sich der daraus hervorgegangene Berliner Verlag Schwarze Risse mit dem Hamburger Verlag Libertäre Assoziation zum Verlag Assoziation A zusammen.[5][6]
Assoziation A besteht als eingetragener Verein mit Adressen in Berlin und Hamburg fort. Der Berliner Verlagssitz befindet sich wie der Buchladen Schwarze Risse im Mehringhof. Als vertretungsberechtigter Vorstand von Assoziation A wird Reiner Wendling genannt, der bereits an den früheren Aktivitäten von Schwarze Risse beteiligt war.[7][8] Der Verlag veröffentlicht vor allem politische Sachbücher aus dem Spektrum der undogmatischen Linken, unter anderem zu Antifaschismus, Widerstand, Migration, linker Geschichte und sozialen Bewegungen.[5]
Sortiment und Veranstaltungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zum Sortiment gehören neben Büchern mehr als 40 linke Zeitschriften und Broschüren, die nach Angaben der Buchhandlung nicht am Kiosk erhältlich sind.[9] Schwarze Risse organisiert regelmäßig Lesungen und andere Veranstaltungen. Zu Gast waren über die Jahre unter anderem Gerhard Hanloser, Ulrike Heider, Doğan Akhanlı, Gabriele Dietze, Detlef Hartmann, Luiz Ruffato, Bernd Langer, Uri Gordon, Gisela Notz, Markus Wissen, Ralf Ruckus, José Ovejero, Renate Hürtgen, Maha El Hissy und zahlreiche andere.
Durchsuchungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die beiden Läden waren mehrfach Ziel von Durchsuchungen seitens des Bundeskriminalamtes, der Staatsanwaltschaft und der Polizei. Dabei wurden unter anderem im Vorfeld der Demonstrationen gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm 2007 nach bestimmten Büchern und Zeitschriften, darunter die Untergrundzeitschrift Interim, gesucht und gefundene Exemplare beschlagnahmt.[10] Im Nachhinein wurde die Durchsuchung für rechtswidrig erklärt.[11][12]
Ab Januar 2010 ermittelte die Berliner Staatsanwaltschaft gegen die Schwarze Risse und zwei weitere Läden in Berlin unter anderem wegen Anleitung zu Straftaten. Anlass war die Auslage von Publikationen aus der radikalen Linken, insbesondere fünf Ausgaben der Interim und der einmaligen Publikation Prisma in den betroffenen Läden. Im Zuge der Ermittlungen kam es mehrfach zu Durchsuchungen und Beschlagnahmungen in beiden Schwarze Risse.[13] Die betroffenen Läden sehen in diesen Verfahren den Versuch der Berliner Staatsanwaltschaft, die bisherige Rechtsprechung zu revidieren, die davon ausgeht, dass Buchhändler zu wenig Kontrollmöglichkeiten haben, um die Rechtmäßigkeit der Inhalte der von ihnen angebotenen Bücher und Zeitschriften zu beurteilen.[14] Anlässlich der Verfahren hat sich eine Solidaritätsinitiative Unzensiert lesen gebildet, die die „sofortige Einstellung der Verfahren gegen die Berliner Buchhändler“ forderte.[15] Im Juni 2011 wurde das Verfahren eingestellt.[16]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Website: schwarzerisse.de
- Buchladen »Schwarze Risse«: »Wir wollen systemüberwindend sein«, Interview mit 22. Mai 2022, auf nd-aktuell.de.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Machtfrage in Betrieben – Brauchen wir überhaupt Chefs? In: die tageszeitung (taz). 18. April 2010.
- ↑ Schwarze Risse teilt sich: Buchladen zur schwankenden Weltkugel neu in Berlins Kastanienallee – buchmarkt.de. Abgerufen am 13. Juli 2026.
- ↑ Zur schwankenden Weltkugel. Abgerufen am 13. Juli 2026.
- ↑ Buchladen zur schwankenden Weltkugel: Geschichte ( des vom 31. August 2012 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/buchladen-weltkugel.de
- ↑ a b „Anarchismus, eine Form der Altersweisheit“. In: graswurzelrevolution. 1. März 2015, abgerufen am 13. Juli 2026.
- ↑ Assoziation A *. Abgerufen am 13. Juli 2026.
- ↑ Projekte im Mehringhof | MehringHof. Abgerufen am 13. Juli 2026.
- ↑ JÖRG SUNDERMEIER: Hauptstadt der Buchkrise. In: Die Tageszeitung: taz. 17. Juli 2002, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 13. Juli 2026]).
- ↑ Über uns – Schwarze Risse Buchladen. Abgerufen am 13. Juli 2026.
- ↑ Uwe Rada: Panne bei der Terroristenfahndung. In: die tageszeitung (taz). 10. September 2007.
- ↑ Tagesschau: Razzien gegen Globalisierungskritiker waren rechtswidrig ( vom 4. Dezember 2008 im Internet Archive). 4. Januar 2008, Stand: 29. Januar 2008
- ↑ nb/ddp: Razzien bei Linksautonomen in ganz Deutschland. Bei: Focus Online, 9. Mai 2007, abgerufen am 6. Juni 2019
- ↑ Antwort der Justizsenatorin Berlins auf die Kleine Anfrage „§ 130 a StGB: Ermittlungen gegen Buchhändler?“ (PDF; 24 kB) durch Dirk Behrendt vom 5. November 2010. Abgeordnetenhaus Berlin. Drucksache 16/14889
- ↑ M99, oh21, Schwarze Risse: Erklärung zur Durchsuchungswelle in Berliner linken Buch- und Infoläden ( vom 25. Oktober 2011 im Internet Archive), abgerufen am 12. Januar 2011
- ↑ Wir wehren uns gegen staatliche Zensurversuche! ( vom 11. Dezember 2010 im Internet Archive) Solidaritätsaufruf der Initiative unzensiert-lesen, November 2010
- ↑ Peter Nowak: Verfahren gegen linke Buchhändler eingestellt. In: Neues Deutschland vom 15. Juni 2011, abgerufen am 11. August 2011
52.4919513.38896Koordinaten: 52° 29′ 31″ N, 13° 23′ 20,3″ O


